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Dachneigung - Bedeutung, Berechnung und Kennwerte

Was ist die Dachneigung? Welche Bedeutung hat sie für ein Dach? Wie berechnet man die Neigung eines Daches? Was ist die Regeldachneigung?

In unseren Breiten sind Steildächer die am meisten verbauten Dachformen. Typisch für sie ist eine recht hohe Dachneigung. Wir erklären in diesem Artikel die Bedeutung der Dachneigung sowie ihren Einfluss auf die Wahl der Dacheindeckung, um schlussendlich ein regensicheres Dach zu errichten.

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Begriff der Dachneigung

Das Gefälle beziehungsweise die Steilheit einer Dachfläche bezeichnet man als Dachneigung. Die Dachneigung ist dabei die Neigung der Dachkonstruktion (Unterkonstruktion) gegen die Waagerechte. Sie wird als Winkel zwischen der Waagerechten und der Dachfläche in Grad oder als Steigung über der Waagerechten in Prozent ausgedrückt. Wenn die Dachneigung nicht wie üblich als ein Winkelmaß in der typischen Einheit Grad oder in Prozent angegeben werden soll, kann man sie auch als Zahlenverhältnis festhalten. Die Dachneigung dient als Kriterium zur Einteilung von Dächern entsprechend der Neigung ihrer Dachflächen in 

  • Flachdach (nach deutscher Bauordnung: Null bis 10 Grad Dachneigung; in Österreich: Null bis 5 Grad Dachneigung)
  • flachgeneigtes Dach (10 bis 22 Grad Dachneigung, mitunter auch bis 30 Grad Dachneigung)
  • und Steildach (über 22 beziehungsweise 30 Grad Dachneigung). 

Beim Bau eines Gebäudedachs gelten in den entsprechenden Bauplänen neben denen für die Dachform auch Vorschriften für die Dachneigung. Hier wird die Neigung teilweise auch in Dachneigungsgruppen angegeben.

Klassifizierung von Dachneigungsgruppen (Grafik: energie-experten.org)
Klassifizierung von Dachneigungsgruppen (Grafik: energie-experten.org)

Geschichte der Dachneigung

Ein Blick auf die Dachneigung eines Gebäudes, sei es auf technischen Zeichnungen, Gemälden, alten Fotos oder anderen historischen Dokumenten, lässt Experten darauf schließen, aus welcher Epoche das Gebäude stammt. Somit ist die Dachneigung eine Art Datierungskriterium, wen auch ein sehr allgemeines.

Das lässt sich am Beispiel der Stadt Erfurt veranschaulichen: Bis ins frühe Mittelalter (Mitte des 13. Jahrhunderts) entstanden in Erfurt beispielsweise Dächer mit einer Dachneigung von 45 bis 50 Grad. Dann wurden 60-Grad-Neigungsweinkel für Dächer üblich. Seit dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts baute man dort sehr steile Dächer, deren Dachneigung bis zu 70 Grad betrug. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Dachneigung wieder flacher, sie lag damals zwischen 50 und 60 Grad. Nach Ende des 17. Jahrhunderts bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ist kein Erfurter Dach mit einer steileren Neigung als 50 Grad bekannt. Seit Ende des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts baut man in Erfurt alle erdenklichen Dachneigungen, vom Flachdach bis hin zum Steilen 70-Grad-Dach. (Quelle: Thomas Nitz, Stadt-Bau-Geschichte: Stadtentwicklung und Wohnbau in Erfurt vom 12. bis zum 19. Jahrhundert; Erfurter Studien zur Kunst- und Baugeschichte, Band 2, Lukas Verlag, 2005)

Für Mitteleuropa hat Dipl. Ingenieur Heinz Zanger in seinem Beitrag „Zu flach geneigte Dächer“ anschaulich erklärt, dass die Dachneigung sich im Laufe der Geschichte in regelmäßigen Wellen zwischen den Ausprägungen flach und steil bewegte.

Dachkonstruktive Bedeutung der Dachneigung

In welchem Winkel ein Dach geneigt ist, das beeinflusst die Art und Weise der Dachdeckung des Daches. Denn nicht jede Dachdeckung eignet sich für jede Dachneigung.

Ausgehend von der Aufgabe des Daches, das darunter liegende Gebäude und mit ihm dessen Bewohner vor der Umwelt mit Wind und Wetter, Kälte und Hitze, Niederschlägen aller Art sowie Strahlung und Lärm zu schützen, wird klar, welche Bedeutung der Dachneigung für die Erfüllung dieser Schutzfunktion zukommt. Dabei gilt, je flacher das Dach ist (geringe Dachneigung), desto höher ist das Risiko, dass Treibregen oder Flugschnee unter die Dachdeckung geraten und die Dachkonstruktion (Dachstuhl) substanziell beeinträchtigen. So ist auch zu erklären, warum die Dachneigung von Bauten in kalten Regionen mit Schnee meist größer ausfällt als in wärmeren Gebieten. Im optimalen Zusammenspiel von Dachneigung und Dachdeckung wird das Dach seiner Schutzaufgabe gerecht, denn auch die Dacheindeckung beeinflusst die Wetterfestigkeit des Daches. Ein Beispiel: Regenfestigkeit bekommt ein Dach beispielsweise mit gebrannten Dachziegeln, die übrigens schon seit mehr als 4.000 Jahren für diesen Job benutzt werden. Treffen Niederschläge auf den Dachziegel, werden sie von Ihm auf en nächst tiefer liegenden weitergeleitet – dank der sich überlappenden Dachziegel kann der Niederschlag nicht unter die Dacheindeckung gelangen.

Eine sehr flache Dachneigung hingegen erschwert der Dachneigung mitunter, ihre „Selbstreinigungskräfte“ vorteilhaft einzusetzen. Dann ist die Wassermenge größer, die Wasserverweildauer ebenso und die Abflussgeschwindigkeit kleiner als bei einem steileren Dach. Bleibt Regenwasser zu lange auf der Dacheindeckung stehen, kann es die Ansiedlung von Moosen, Flechten und Pilzen fördern. Hier gilt: Je flacher ein Dach sich neigt, desto dichter muss es eingedeckt sein.

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Tabelle: Vorteile geneigter Dächer (Quelle: Dipl. Ingenieur Heinz Zanger in „Zu flach geneigte Dächer“)
Kriterien Technisch Gestalterisch Wirtschaftlich
Geneigte Fläche Schnelle Ableitung von Niederschlagswasser; Günstiges Verhalten gegenüber Wind-Sog-Beanspruchung; Entsprechend Himmelsrichtung und Dachneigung gute Eignung für Aggregate der Gewinnung regenerativer Energien Sichtbare Dachfläche (5. und 6. Fassade); Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten; Anpassung an Landschaft und Nachbarbauten; Anpassung an regionale Besonderheiten Bewährte Decksysteme; Zusätzlicher Nutzraum
schuppenförmige Deckung Einzelelemente gleichen Bewegungen der Dachdeckung und Konstruktion aus; Kritische Dehnfugen entfallen; Luftdurchlässigkeit schützt die Gesamtkonstruktion Hohe Gestaltungsvarianz der Dachfläche durch Auswahl unter verschiedenen Werkstoffen mit unterschiedlichen Profilen in verschiedenen Verlegesystemen; Die Strukturen der Deckwerkstoffe führen zu einer lebendigen Licht- und Schattenwirkung; Keine störenden Dehnfugen Leichte, schnelle und witterungsunabhängige Dachdeckung; Problemloses Auswechseln von Einzelelementen; Kostspielige Dehnfugen entfallen
Werkstoffe Verschiedene Werkstoffe, wie Faserzement-Platten, Dachsteine, Dachziegel und Schiefer stehen zur Verfügung; Anpassung an Klima und örtliche Verlegetechniken durch Auswahl bewährter Decksysteme; Wandbekleidung und Dachhaut können aus einem Werkstoff erstellt werden; Nicht brennbar; Unbedenklich für die Umwelt Variationsmöglichkeiten durch Farbe und Form; Ebene und gerundete Flächen; Grate, Kehlen Dem Klima und der Bauaufgabe entsprechend große Auswahl von preisgünstigen Deckwerkstoffen mit langer Nutzungsdauer; Durch die Eigenschaft "nicht brennbar" einfachere Brandschutzanforderungen
Flexibilität Technisch problemlose Erweiterungsmöglichkeiten; Großes, auf Werkstoffe abgestimmtes Angebot an System-, Einbau- und Zubehörteilen Flacher geneigte bis steile Dachflächen als Pult-, Sattel-. Falt- und Tonnendächer; Wechsel von hohen und weniger hohen Räumen mit waagerechten und geneigten Decken; Belichtung nach Bedarf Zusätzlicher Dachraum kann sofot oder erst später ausgebaut werden (Wohnraumreserve); Nutzung als Wohn-, Schlaf- oder Abstellraum; Nutzung als Luftraum in Schulen, Gaststätten, Wohnhallen; Nutzung als haustechnischer Bereich (Heizung, Klima etc.)
Entwässerung Gefahrlose Außenentwässerung verhindert kostspielige Folgeschäden an Wänden und im Hausinneren Der Architektur entsprechend Möglichkeiten sichtbarer Entwässerung mit einer Vielzahl von Gestaltungsvarianten Genormte Entwässerungssysteme; Kostengünstige Austauschbarkeit; Schallschutzmaßnahmen entfallen; Nutzung von Regentonnen und Zisternen für Brauchwasser
Belichtung Durchsichtige Einzelelemente gleichen Formates sowie zur Dachhaut passende Dachwohnraumfenster Interessante Lichtführung mit durchsichtigen Einzelelementen und Dachwohnraumfenstern in unterschiedlich geneigten Flächen Problemloses und preisgünstiges Einbauen und Austauschen von Belichtungselementen und Dachwohnraumfenstern
Lüftung Bewährte Lüftungsmöglichkeiten in allen Bereichen der Dachdeckung und der Dachkonstruktion bzw. des Dachraumes Lüftungselemente lassen sich harmonisch in die Dachfläche einfügen Genormte Formteile, die in das System der Dachdeckung passen
Solarnutzung Nutzung der Sonnenenergie zur Wärmegewinnung und Stromerzeugung Neuartige Kollektoren und Module sind in Dachdeckung integrierbar; Möglichkeiten der Dachgestaltung Ideale Neigung für höchsten Nutzungsgrad der Systeme; Einfache Montage; Vielfältige Förderprogramme

Regeldachneigung ist nicht die Regel, sondern die Mindestneigung

Aus der Tatsache, dass die Regensicherheit eines Daches direkt von seiner Neigung und seiner dazu gewählten Dacheindeckung abhängt, ergibt sich die Frage, ab welcher Neigung das Dach keine Regensicherheit mehr bietet. Den Übergang von regensicherem zu regenunsicherem Dach und die Grenze für die Regensicherheit eines Deckmaterials, gibt die sogenannte Regeldachneigung an.

Darunter versteht man allerdings keine Dachneigung, die „im Regelfall“, also „idealerweise“ einzurichten ist, sondern vielmehr gilt, dass die konstruktiv zu errichtende Dachneigung möglichst immer höher als die Regeldachneigung ausfallen sollte. Der Grund: Die Regeldachneigung entspricht der untersten Dachneigungsgrenze, bei der sich die Dachdeckung praktisch bislang als regensicher zeigte.

Das heißt, dass sich jedem Deckwerkstoff eine spezifische Regeldachneigung zuordnen lässt. Es gilt: Je höher die Passgenauigkeit der Dacheindeckung und je besser ihre Verfalzung oder Überdeckung ist, desto größer ist die dank ihr erzielte Regensicherheit. So lassen sich schuppenförmig eingedeckte Dächer bei extremen Wetterbedingungen nicht stets vor eingetriebener Feuchte schützen. Da hilft es nur, passende Maßnahmen zum Schutz der Dachkonstruktion unter der Dacheindeckung umzusetzen. Wird die Regeldachneigung baukonstruktiv unterschritten, kann die Dachdeckung ihrer Aufgabe, regensicher und weitgehend auch regeneintriebssicher zu sein, noch weniger gerecht werden.

Beispiele für die Regeldachneigung bestimmter Dacheindeckungen:

  • Schiefer, altdeutsche Deckung 25 Grad, altdeutsche Doppeldeckung 22 Grad,
  • Betondachsteine, hochliegende Längsfalz 22 Grad,
  • Doppelmuldenfalzziegel 30 Grad,
  • Flachdachpfanne 22 Grad,
  • Kunststoffplatten 15 Grad,
  • Trapezprofil, Stahl und Aluminium 4 bis 7 Grad,
  • Industriestehfalz 0,5 Grad
  • und Bitumenschindeln 15 bis 85 Grad, abhängig von der Sparrenlänge und Schindelform.

Berechnung der Dachneigung

Zur Berechnung der Dachneigung nutzt man die bekannten Dachkonstruktionsmaße Dachhöhe und Grundmaß bis Dachfirst und den Arkustangens. Die Dachhöhe ergibt sich aus der senkrechten Entfernung zwischen Dachfirst und Dachtraufe, das Grundmaß bis Dachfirst aus der waagerechten Entfernung von Dachfirst und Dachtraufe. Entsprechend berechnet man den Neigungswinkel nach der Formel:

Winkel der Dachneigung = arctan (Dachhöhe geteilt durch Grundmaß bis First)

Expertentipp: Die arcustangens-Funktion wird auf Taschenrechnern meistens als tan-1 genannt und das Ergebnis (Winkel) wird entweder in Grad, rad oder gon angegeben. 

Soll eine Winkelgradzahl in Prozent umgewandelt werden, nutzt man diese mathematischen Formeln:

  • Winkel in Prozent: 100 mal tan α = χ %
  • Prozent in Winkel: arctan (χ% geteilt durch 100) = α

Dabei ist zu beachten, dass eine 100-prozentige Steigung einen Neigungswinkel von 45 Grad meint.

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Weitere Informationen zum Dach

  • Abbund
  • Dachfirst
  • Kaltdach
  • Warmdach
  • Umkehrdach

"Bedeutung, Berechnung und Kennwerte der Dachneigung" wurde am 25.04.2016 das letzte Mal aktualisiert.