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Ratgeber: So finden Sie das richtige Fensterglas für jede Anwendung

Wie wird Fensterglas hergestellt? Welche qualitativen Unterschiede gibt es? Welches Glas ist für welche Fensteranwendung geeignet?

Fensterglas gibt es in den vielfältigsten Ausführungen für alle Ansprüche, denen ein Fenster standhalten und erfüllen muss. Die Auswahl des Fensterglases sollte daher immer nach den Anforderungen erfolgen, um eine optimale Lösung zu finden. Wir stellen Ihnen daher hier die wichtigsten Fensterglas-Arten vor und erklären detailliert, für welche Anwendung welches Fensterglas geeignet ist.

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Die wichtigsten Herstellungsverfahren von Fensterglas

Heutiges Fensterglas ist sogenanntes Flachglas. Also Glas in Form einer Scheibe, ganz gleich, wie es hergestellt wurde. Gängige Verfahren, um Fensterglas industriell zu fertigen, sind heute das Floatglasverfahren oder das Walzen oder Gießen von Flachglas. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Techniken zur handwerklichen Herstellung von Fensterglas.

Herstellung von Fensterglas nach dem Floatglasverfahren

Um dünnes Fensterglas herzustellen, schwebt ("floatet") die auf etwa 1600 °C erhitzte Glasmasse auf einer Bahn aus flüssigem Zinn und breitet sich gleichmäßig und eben darauf aus. (Foto: Gütegemeinschaft Mehrscheiben-Isolierglas e.V. / Pilkington)
Um dünnes Fensterglas herzustellen, schwebt ("floatet") die auf etwa 1600 °C erhitzte Glasmasse auf einer Bahn aus flüssigem Zinn und breitet sich gleichmäßig und eben darauf aus. (Foto: Gütegemeinschaft Mehrscheiben-Isolierglas e.V. / Pilkington)

Die heute meistgenutzte sogenannte Floatglasproduktion wurde erstmals 1959 industriell zur Herstellung von Fensterglas eingesetzt und ist ein Prozess, der endlos und fortlaufend (etwa 11 bis 15 Jahre lang) abläuft: Reines (Fachausdruck: geläutertes) Glas wird geschmolzen. Die bei einer Temperatur von 1.100 Grad Celsius teigig-flüssige Glasschmelze wird von einer Seite auf ein längliches Bad aus flüssigem Zinn geleitet. Da das Glas um etwa zwei Drittel leichter ist als das flüssige Zinn ist, dessen Schmelzpunkt bei 232 Grad Celsius liegt, schwimmt (to float) das Glas auf dem Zinn, wobei es sich wie ein Film gleichmäßig ausbreitet. Wegen der Oberflächenspannung der beiden Materialien bilden sich dabei sehr glatte Oberflächen.

Eine Floatglasanlage ist mehrere Hundert Meter lang (zwischen 300 und 800 Meter), so dass das Fensterglas beim „Durchschwimmen“ der Anlage nach und nach abkühlt. Am Ende des Zinnbades ist das inzwischen erstarrte Fensterglas noch etwa 600 Grad Celsius warm, während das Zinnbad noch flüssig ist. Das Glas wird kontinuierlich herausgezogen und mit Hilfe eines Kühlofens weiter gekühlt. Fehlt noch er Zuschnitt des durchsichtigen Fensterglases auf die in Europa üblichen Standardmaße: 6 Meter mal 3,210 Meter. Mit dem Floatglasverfahren kann man Fensterglas in Stärken ab 0,4 Millimeter fertigen. Weltweite, standardisierte Fensterglasstärken reichen von 2 bis zu 24 Millimeter.

Herstellung von Fensterglas nach dem Walz- oder Gießprinzip

Flache Glasplatten wie Fensterglas kann man auch herstellen, indem man die Glasschmelze kontinuierlich zwischen zwei gegenläufige kalte Rollen (wassergekühlte Stahlwalzen) gießt (ähnlich einer Wäschemangel), so dass ein endloses Flachglasband entsteht. Der Abstand zwischen den Rollen ist ausschlaggebend für die Dicke des so entstehenden Fensterglases. Bei diesem Verfahren kann man auch ein Drahtgitter einlegen, um Drahtglas zu erzeugen.

Weitere Verfahren zur Herstellung von Fensterglas

Neben diesen industriellen Methoden zur Herstellung gibt es eine Vielzahl weiterer Herstellungstechniken, die meistens auf einer langen Handwerkstradition basieren. So wurde Fensterglas bereits Ende des 13. Jahrhunderts im französischen Rouen in der Normandie nachgewiesen. Dabei handelte es sich um Butzenscheiben, die nach dem dort üblichen sogenannten Mondglasverfahren hergestellt wurden. Dafür wurden erhitzte Glaskugeln an der Glasmacherpfeife zu „Mondglas“ geschleudert: So entstand "Fensterglas", das einen Durchmesser von bis zu 1,25 Metern haben konnte. Typisch für Mondglasscheiben ist der „Butzen“, das verdickte Mittelstück der Fensterglasscheibe, an dem die Glaspfeife haftete.

Weitere bekannte Verfahren sind zudem das Libbey-Owens-Verfahren (Ziehen) oder das Zylinderblasverfahren.

Einsatz und Verbreitung von Fensterglas

Die mit den o.g. Verfahren produzierten Fensterscheiben werden in vielen Bereichen eingesetzt

  • im Bauwesen als Fensterglas- oder Architekturglas
  • in er Automobilbranche als Autoscheiben und Spiegel
  • in der Inneneinrichtung als Spiegel 
  • in der Solarbranche als Solarglas für Photovoltaik und Solarthermie
  • in Gartenbau und Landwirtschaft als Scheiben für Gewächshäuser
  • sowie in der Computer- und Unterhaltungstechnologie als Displayglas für Bildschirme von Computern, Fernsehern, Smartphones & Co.
Verbreitung und Einbau von Fensterglas-Arten in Deutschland*
Fensterglas Bestand in Deutschland Hauptsächlich verbaut Durchschnittlicher U-Wert Durchschnittlicher g-Wert
Fenster mit Einfachglas 25 Millionen bis 1978 4,7 W/(m2K) 87%
Verbundglas und Kastenfenster 52 Millionen bis 1978 2,4 W/(m2K) 76%
Unbeschichtetes Isolierglas 235 Millionen 1978 bis 1995 2,7 W/(m2K) 76%
Zweischeiben-Wärmedämmglas 257 Millionen 1995 bis 2008 1,5 W/(m2K) 60%
Dreischeiben-Wärmedämmglas 12 Millionen ab 2005 1,1 W/(m2K) 50%

* Quelle: Studie "Im neuen Licht: Energetische Modernisierung von alten Fenstern" des Verband Fenster + Fassade und des Bundesverband Flachglas e.V.

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Übersicht über die wichtigsten Fensterglas-Typen

Fensterglas ist nicht gleich Fensterglas. Heute erfüllt durchsichtiges Fensterglas verschiedene Funktionen. Je nachdem, welche das sind, lassen sich Fenstergläser nach Typen unterscheiden.

Isolierendes Fensterglas

Das Fensterglas mit Iso-Funktion (Isolierverglasung, Mehrscheiben-Isolierglas, MIG) wirkt zuallererst wärmedämmend. Verwendet man ein Schichtsystem aus mehreren Scheiben Fensterglas mit Randverbund und einer Zwischenraumfüllung (spezielles Gas wie Argon oder Krypton oder Luft), zum Beispiel eine 3-fach-Isolierverglasung, schützt diese auch vor Schall. Zudem erschwert sie Einbrechern einen Einbruch. Modernes Vakuumisolierglas vermeidet hingegen die Gaswärmeleitung im Scheibenzwischenraum. So können auch im Zweischeibenaufbau Ug–Werte von 0,5 W/(m²K) bei Systemstärken unter 10 mm erreicht werden. Vakuum-Fensterglas ist damit nicht nur deutlich schlanker und leichter, sondern auch in der Dämmwirkung um das Zwei- bis Dreifache besser als eine konventionelle Isolierverglasung des Fensters.

Sicherheitsglas und Panzerglas

Sogenanntes Sicherheits-Fensterglas ist entweder spezielles Einscheiben-Sicherheitsglas, ESG nach DIN 12150-1 oder ein Verbund-Sicherheitsglas, VSG nach DIN EN 12543-2. Der Verbund wird i.d.R. mit jeweils einer Schicht aus Kunststoff (Kunststofffolie) zusammengeklebt, die die Stabilität des Sicherheitsfensters erhöht und dafür sorgt, dass bei Bruch die Glassplitter und Scherben an der Folie haften bleiben. Sicherheitsglas, das dicker als zweieinhalb Zentimeter ist, nennt man auch Panzerglas und wird auch häufig als Fensterglas für den Einbruchschutz verwendet.

Sonnenschutz-Fensterglas

Fensterglas, auch mehrschichtiges, lässt sich mit Hilfe spezieller Farbstoffe einfärben, so dass es die Einstrahlung von UV-Licht mindert. Moderneres Sonnenschutz-Fensterglas sieht heute wie ganz normales Fensterglas aus, kann aber dank einer sehr dünnen, nahezu unsichtbaren Metallbeschichtung Sonnenstrahlen filtern, ohne dass dabei der Raum abgedunkelt wird. So Sonnenschutz-Fensterglas verhindert das Eintreten von bis zu 80 Prozent der Sonnenenergie, gewährleistet aber gleichzeitig eine ungetrübte Durchsicht und das Durscheinen von Tageslicht durch das Fensterglas.

Oberflächenbehandeltes Fensterglas

Fensterglas für Orte, die einerseits Licht brauchen, andererseits jedoch vor Einblicken geschützt werden sollen, beispielsweise der Hygiene dienende Orte wie Toiletten, Waschräume oder Umkleiden, wird aus sogenanntem Gussglas, Ornamentglas oder aus Scheiben gefertigt, die im Nachhinein oberflächlich bearbeitet (Sandstrahlverfahren, Lackierung etc.) werden, so dass sie „blind“ werden bzw. sich für Designzwecke nutzen lassen.

Spezielle Fensterglas-Arten

Heutzutage gibt es auch eine Vielzahl an speziellen Fenstergläsern, die für ihren jeweiligen Einsatz optimiert sind. So gibt es Fensterglas für Brandschutzzwecke, die besonders hitzebeständig sind und für an z. B. Fluchtwegen in öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden. Daneben gibt es auch inzwischen Fensterglas mit z. B. selbstreinigenden Eigenschaften und sogenanntes intelligentes Glas, dessen Lichtdurchlässigkeit zum Beispiel veränderbar ist. Weitere spezielle Fenstergläser sind für Schallschutz- und Windschutzzwecke einsetzbar.

Weiter- und Neuentwicklungen von Fensterglas

Die Entwicklung von Fensterglas ist kein abgeschlossener Prozess. Ständig kommen neue, optimierte Fenstergläser auf den Markt, die bisherige Funktionen besser oder neue Funktionen erfüllen, als die derzeit auf dem Markt befindlichen Fenstergläser.

So gilt zum Beispiel Fenster mit Isolierfunktion, das vor 1995 eingesetzt wurde, heute als technisch überholt. Neue Iso-Fenstergläser dämmen bis zu dreimal besser, als solche alten Versionen. Daraus ergibt sich, dass Fensterglas nicht erst dann ausgetauscht werden sollte, wenn es springt oder bricht, sondern auch dann, wenn es funktionell veraltet ist und sich mit funktionalerem Fensterglas ersetzen lässt.

Innovativ sind auch schaltbare Glasfenster, die sich auf Knopfdruck per Fernbedienung oder per Schaltfläche an der Wand verfärben und ihr Aussehen von glasklar hin zu z. B. einem kräftigen Blau verändern. Dadurch werden entweder Sonnenstrahlen vom Eindringen in die hinter der Verglasung liegenden Räume abgehalten oder die Bewohner als Alternative zum Rollladen vor neugierigen Blicken bewahrt.

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Weitere Informationen über Fensterglas

"Ratgeber zur Auswahl von Fensterglas" wurde am 10.12.2013 verfasst und am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.