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Strompreisbildung und -zusammensetzung im Überblick

Wie bildet sich der Börsen- und Haushaltsstrompreis? Welche Kostenanteile sind pro kWh zu bezahlen? Wieso wird Strom immer teurer?

Die Preise für Börsenstrom waren 2015 in Deutschland so niedrig wie zuletzt im Jahr 2004. Eine Kilowattstunde (kWh) kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 3,17 Cent. Diese Entwicklung sinkender Börsenstrompreise besteht schon seit 2011. Trotzdem werden für den Endverbraucher die Strompreise pro kWh immer teurer. Wieso?

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Unterschiede bei der Preisbildung von Börsen- und Haushaltstrompreisen

Der Handel mit Strom kann je nach individuellem Bedarf der Stromkäufer und Stromverkäufer sowohl zeitlich (u.a. Termin, Day-Ahead, Intraday, Afterday) als auch organisatorisch (z.B. Strombörse, OTC, bilateraler Handel) unterschiedlich strukturiert werden. Die Strompreise können dabei je nach Struktur der Stromlieferung bzw. der Stromabnahme, dem Zeitpunkt des Handelsgeschäfts und dem Handelsplatz zum Teil erheblich schwanken.

Experten-Wissen: Je nach Bezugsrahmen werden unterschiedliche Börsenstrompreise definiert. Ein typischer Börsenstrompreis ist der Phelix Day Base-Preis. Dieser bildet den Preis ab, den ein Stromhandelsunternehmen im Durchschnitt zahlen musste, wenn es in jeder der 8760 Stunden des Jahres 2015 konstant eine MWh im Rahmen der Day-Ahead-Auktion gekauft hätte. Im Jahr 2015 betrug der durchschnittliche Phelix Day Base 3,17 Ct/kWh.

Da der Stromkonsum von Endkunden in der Regel sowohl vom absoluten Niveau als auch von der zeitlichen Struktur deutlich von diesem Preisbildungsmechanismus abweicht und Stromlieferanten aus Gründen der Risikodiversifizierung in der Regel ihre Lieferverpflichtungen über eine Mischung aus Termin- und Spotkontrakten abdecken, ist keine direkte Identität der Börsenstrompreise dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis ableitbar.

Zusammensetzung des Endpreises für eine kWh Strom

Zusammensetzung des Strompreises für Endkunden pro kWh
Der Strompreis pro kWh setzt sich zu rund 25% aus den Netzkosten, zu 30% aus den Kosten für die Erzeugung und Vertrieb sowie aus etwa 45% aus Steuern, Abgaben und Umlagen wie der Mehrwertsteuer, der Ökosteuer, der Konzessionsabgabe an Städte und Gemeinden, der EEG-Umlage und der KWK-Abgabe zusammen. (Grafik: energie-experten.org)

Der Strompreis für Haushaltskunden besteht zudem aus einer Vielzahl von Einzelpositionen. Der wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages hat dies in einer Veröffentlichung vom 08.02.2016 exemplarisch für den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 29,11 Ct/kWh im Jahr 2015 aufgeschlüsselt:

Danach entfielen rund 26,0 Prozent des Strompreises auf die Kosten für die Strombeschaffung. Etwa 22,6 Prozent des Strompreises machten Netzentgelte sowie die Entgelte für Abrechnung, Messung und Messstellenbetrieb aus. Die Konzessionsabgabe bedingte etwa 5,6 Prozent des Strompreises.

22,7 Prozent dieses Strompreises kamen durch verschiedene Umlagen zusammen:

  • Die Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Umlage betrug etwa 21,2 Prozent des Strompreises,
  • die Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK-G)-Umlage etwa 0,9 Prozent,
  • die § 19 Stromnetzentgeltverordnung (§ 19 StromNEV)-Umlage etwa 0,8 Prozent,
  • die Offshore-Haftungsumlage nach § 17 f Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) etwa 0,2 Prozent und
  • die Umlage für abschaltbare Lasten im Sinne der Verordnung nach § 13 Abs. 4a, 4b EnWG nahe 0 Prozent.
  • Die restlichen 23 Prozent des Strompreises entfielen auf die Umsatz- und die Stromsteuer.
Tabelle: Mengengewichtete Strompreise* für Haushaltskunden mit einer Abnahme von 3.500 kWh im Jahr (Quelle: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt im Monitoringbericht 2015)
2011 2012 2013 2014 2015
25,45 Ct/kWh 26,06 Ct/kWh 29,24 Ct/kWh 29,53 Ct/kWh 29,11 Ct/kWh

* Je nach Anbieter und Region können abweichende Strompreise von den Haushaltskunden realisiert werden.

Einfluss Erneuerbarer Energie auf den Strompreis

Der Zubau von Erneuerbare Energie-Anlagen erhöht das Stromangebot. Da insbesondere die im Hinblick auf den Umfang des Ausbaus zentralen Erneuerbaren Energie-Anlagen auf Basis von Wind- und Sonnenenergie im Allgemeinen kurzfristige Grenzkosten von nahezu null aufweisen, wird dies zu einem Absinken der Börsenstrompreise führen. Eine einfache ceteris-paribus-Betrachtung würde allerdings zu kurz greifen, da der Börsenstrompreis auch durch eine Vielzahl weiterer Effekte beeinflusst wird.

Auch die weitere Entwicklung der EEG-Umlage hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, beispielsweise der Entwicklung des gesamten Stromangebots aus konventionellen und erneuerbaren Quellen, und kann daher nicht sicher projiziert werden.

Der aktuelle Zubau von Erneuerbare Energie-Anlagen determiniert isoliert betrachtet zudem nicht zwangsläufig eine gleichbleibende Erhöhung der EEG-Umlage, da beispielsweise die technologische Entwicklung der neu hinzugebauten Anlagen dazu führen kann, dass bessere oder zusätzliche Erlöspotentiale wie beispielsweise die Vermarktung am Regelleistungsmarkt erschlossen werden können. Dies würde den Förderbedarf der Anlagen entsprechend absenken.

Weitere Informationen zum Strompreis und seinen Bestandteilen

"Strompreisbildung und -zusammensetzung" wurde am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.