Finden Sie jetzt Ihren Energie-Experten! 2677 registrierte Profis direkt erreichen und kostenlos vergleichen!
Jetzt lesen: So funktioniert energie-experten.org

Direktvermarktung von Solarstrom und Vermarktungsmöglichkeiten nach EEG

Wie funktioniert die direkte Vermarktung von Solarstrom? Wie regelt das aktuelle EEG die Direktvermarktung? Wieviel bekomme ich für meinen Strom bei direktem Verkauf?

PV-Anlagenbetreiber können wählen, ob sie die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung gemäß EEG in Anspruch nehmen oder sie ihre Stromerzeugung direkt vermarkten, also direkt an einen Käufer liefern. Die Direktvermarktung von PV-Strom ist jedoch an gewisse Regelungen gebunden, die vom EEG vorgegeben werden.

Finden Sie hier einen PV-Experten in Ihrer Nähe

Finden Sie jetzt Energie-Experten in Ihrer Nähe:
 

Eigenverbrauch, Vor-Ort-Vermarktung und Eigenvermarktung

Neben dem Eigenverbrauch von Solarstrom oder der vollständigen Einspeisung ins Stromnetz wird die Direktvermarktung des eigenen PV-Stroms immer attraktiver. Der Unterschied zum Eigenverbrauch besteht darin, dass man jedoch das Stromnetz in Anspruch nimmt oder Erzeuger und Verbraucher nicht dieselbe (juristische) Person sind.

Eine Möglichkeit der Direktvermarktung stellt die sogenannte Vor-Ort-Vermarktung dar. Dabei verkaufen, Betreiber von PV-Anlagen ihren überschüssigen Solarstrom an z. B. Nachbarn, die Kommune oder in der Nähe befindliche Betriebe. Diese Vor-Ort-Vermarktung hat den Vorteil, dass der Anlagenbetreiber vom Abnehmer einen höheren Preis als die Einspeisevergütung erhält und der Abnehmer selbst weniger für den Solarstrom zahlt als beim Bezug vom Stromanbieter.

Bei einer sogenannten Eigenvermarktung über das öffentliche Netz wird der Strom entweder an einen Stromhändler oder an wiederum an einen in der Nähe gelegenen Abnehmer geliefert. Dabei entfällt jedoch die Netzentgeltbefreiung und die Anlagenbetreiber müssen Pflichten zur Wetterprognose einhalten, damit der Netzbetreiber das Netz stabil halten kann. Aus energierechtlicher Sicht wird der PV-Anlagenbetreiber zudem zu einem EVU im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und muss auf jede verkaufte Kilowattstunde selbst die EEG-Umlage erheben und abführen und die Netzentgelte an die Netzbetreiber bzw. die Konzessionsabgabe an die Kommune abführen. Daher wird die Eigenvermarktung in aller Regel von spezialisierten Dienstleister (Direktvermarktern) übernommen, die neben der Stromvermarktung auch den damit verbundenen Verwaltungsaufwand übernehmen.

Möglichkeiten des EEG zur Direktvermarktung von PV-Strom

Mit der EEG-Novelle 2012 wurde für PV- und andere EEG-Anlagenbetreiber die Möglichkeit zur sogenannten Direktvermarktung ihres Ökostroms eingeräumt. Zur direkten Vermarktung des in der Solaranlage erzeugten Stroms stehen dem PV-Betreiber grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Marktprämie nach § 33g EEG
  • Verringerung der EEG-Umlage durch Grünstromprivileg nach § 39 EEG
  • Sonstige Direktvermarktung an Dritte ohne EEG-Förderung

Aus diesen Direktvermarktungsmöglichkeiten kann der Solaranlagenbetreiber je nach Risikobereitschaft die für ihn günstigste Form der Direktvermarktung wählen oder aber weiterhin seine Anlagen im Rahmen der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung betreiben.

Zudem kann der Anlagenbetreiber die Option der Direktvermarktung monatsweise wählen, d. h. ein Wechsel zwischen verschiedenen Direktvermarktungsoptionen oder die Rückkehr in das risikoärmere System der garantierten Einspeisevergütung ist jeweils zu Beginn eines Monats unter Einhaltung einer Ankündigungsfrist von mindestens einem Monat gegenüber dem Netzbetreiber möglich.

Vertriebssystematik bei der direkten EEG-Vermarktung

Erzeuger von Photovoltaikstrom wählten bisher aber fast ausschließlich die Möglichkeit der Direktvermarktung über die Marktprämie. 2013 belief sich deren Anteil auf nahezu 14% am Anteil an der gesamten EEG-förderfähigen installierten Leistung. Im Bereich der Direktvermarktung über das Grünstromprivileg oder der sonstigen Vermarktung waren es nahezu 0% Anteil.

Direkte Vermarktung des PV-Stroms nach Marktprämienmodell (Grafik: energie-experten.org)
Direkte Vermarktung des PV-Stroms nach Marktprämienmodell (Grafik: energie-experten.org)

Vorteile der Direktvermarktung für die Energiewende

Durch die Direktvermarktungsmöglichkeiten des EEG haben sich viele Vermarkter entwickelt, die den Wettbewerb auf dem immer noch oligopolistisch geprägten Strommarkt verstärken. Das Modell der Direktvermarktung nimmt daher eine wichtige Brückenfunktion hin zu einem wettbewerbsfähigen Markt für Erneuerbare Energien ein.

Darüber hinaus fördert die Direktvermarktung die Optimierung von Systemen, die eine Regelbarkeit volatiler Energien ermöglichen, und somit zu einer Marktfähigkeit der Anlagen sowie zu einer besseren Kommunikation zwischen Händlern, Dienstleistern, Netzbetreibern und Anlagenbetreibern beitragen. So konnten z. B. die Prognosen für die schwankende Erzeugung durch Einspeisemanagement aus Wind- und Solaranlagen verbessert und die damit verbundenen Prognosekosten gesenkt werden.

Auch wenn u.a. Photovoltaikanlagen weiterhin bei der Direktvermarktung eine Förderung über die Marktprämie erhalten, so bietet dieses Vermarktungsmodell Anbietern die Möglichkeit, Markterfahrungen zu sammeln, ein marktgerechtes Verhalten auszubilden und eine höhere Rendite als durch die Einspeisevergütung zu erzielen. Zudem ergeben sich bei der direkten Vermarktung mit zunehmender Leistung und Flexibilität der Anlagenbetriebsführung weitere Chancen im Rahmen des Portfoliomanagements zum Nutzen des Anlagenbetreibers.

Angebote für PV-Anlagen von Fachbetrieben vor Ort vergleichen

Finden Sie jetzt Energie-Experten in Ihrer Nähe:
 

EEG-Regelungen zur Direktvermarktung im Überblick

Direktvermarktung nach EEG 2012

Die grundlegenden Regelungen einer direkten Vermarktung von PV-Strom entstammen der EEG-Novelle aus dem Jahr 2012. Hier erhielten Anlagenbetreiber das erste Mal die Möglichkeit, ihren Solarstrom nicht mehr nur per Einspeisevergütung "zu vertreiben", sondern den Strom an Stromhändler direkt zu verkaufen oder Lieferverträge mit direkten Abnehmern abzuschließen (§ 33a - i EEG 2012).

Da allerdings die alleinige Direktvermarktung keine Rentabilität der PV-Anlage sicherstellt, wurde im EEG 2012 eine "gleitende Marktprämie" eingeführt. Diese Prämie entspricht der Höhe der Differenz zwischen dem Marktwert des Stroms aus der Photovoltaikanlage und der jeweilig geltenden EEG-Einspeisevergütung.

Zudem regelte das EEG 2012, dass der Anlagenbetreiber jeden Monat zwischen den Vermarktungsformen wählen kann. Für die Zeit der Direktvermarktung und dem daraus resultierenden Mehraufwand bekommt der PV-Besitzer außerdem die sogenannte Managementprämie, die jedes Jahr reduziert wird, sodass gegenüber der festen Einspeisevergütung zusätzliche Mehrerlöse erzielt werden können.

Eine bedarfsgerechte Einspeisung, d.h. wenn der Stromverbrauch hoch ist und die Einspeisung aus Windenergie- und Solarstromanlagen niedrig ist, kann die zusätzlichen Erlöse weiter steigern. Dadurch sollen die Anlagenbetreiber einen Anreiz erhalten, in die Direktvermarktung zu wechseln.

Direktvermarktung nach EEG 2014

Mit Inkrafttreten der EEG-Novelle zum 01. August 2014 wurde die zunächst optionale Direktvermarktung verpflichtend für PV-Anlagen ab einer Leistung von 500 kW eingeführt. Diese Verpflichtung zur Direktvermarktung gilt ab 1. Januar 2016 auch für Neuanlagen ab einer Leistung von 100 kW.

Zukünftig müssen die Betreiber von PV-Anlagen dieser Leistungsgröße den erzeugten Solarstrom grundsätzlich entweder selbst oder über einen Dienstleister direkt vermarkten. Eine Einspeisevergütung wird nicht mehr gezahlt. Bei Bestandsanlagen verändern sich die bisherigen Regelungen zur Direktvermarktung nicht.

Neben dem wie bisher bei der optionalen Direktvermarktung erzielten Erlös aus dem Verkaufspreis des Stroms wird zusätzlich eine Förderung in Form der gleitenden Marktprämie als Aufschlag auf den durchschnittlichen Börsenpreis gezahlt, sofern die Solaranlage über eine Fernsteuerbarkeit verfügt. Die bisherige Managementprämie entfällt dafür. Die gleitende Marktprämie soll den Mehraufwand der Direktvermarktung kompensieren und beträgt 0,4 Cent pro Kilowattstunde.

EEG-Regelungen zur Direktvermarktung im Überblick
EEG 2000 / 2004 Keine expliziten Regelungen zur Direktvermarktung
  Stundenweise Direktvermarktung des Ökosroms zu Hochpreiszeiten zulässig
EEG 2009 Erstmals Konkretisierung von Regeln zur Direktvermarktung (§ 17 EEG)
  Keine direkte Förderung, jedoch hohe Attraktivität des Grünstromprivilegs
EEG 2012 Regeln zur Direktvermarktung (§ 33a – 33i) und § 39 (Grünstromprivileg)
  Anlagen 4 und 5 zum EEG (Berechnung Prämien) und Einführung Managementprämienverordnung
EEG 2014 Verpflichtende Direktvermarktung für PV-Anlagen ab 500 kW (ab 2016 ab 100 kW)
  Einführung einer gleitenden Marktprämie und Wegfall der Managementprämie

Preise und Angebote für Solaranlagen kostenlos vergleichen

Finden Sie jetzt Energie-Experten in Ihrer Nähe:
 

Weitere Informationen zur Direktvermarktung

Zum Autorenprofil von Christian Märtel auf Google+.

"Direktvermarktung von Solarstrom" wurde am 05.08.2014 verfasst und am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.