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Fracking-Smog 1000mal giftiger als Stadtluft

Erneuerbare Energien, Gasheizung, Ölheizung

Mit mobilem Messgerät haben Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gasförmige Verbindungen bei der Förderung von Öl und Erdgas in den USA untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Höchstwerte der Emissionen von organischen Schadstoffen während eines Fracking-Prozesses rund einen Faktor 1000 über typischen Mittelwerten in Stadtluft lagen. Losgelöst von diesen wissenschaftlichen Argumenten gegen das Fracking, treibt die Bundesregierung das Fracking "durch die Hintertür" in Deutschland weiter voran. Für z.B. Schleswig-Holstein könnte das geplante Fracking-Verbot bedeuten, dass Erdöl-Fracking unter mindestens drei Vierteln der Fläche in Schleswig-Holstein erlaubt wäre.

Luftmessungen in den USA haben einen um den Faktor 1000 höheren Benzolgehalt in der Nähe von offenen Fracking-Bohrungen festgestellt. (Foto: Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Luftmessungen in den USA haben einen um den Faktor 1000 höheren Benzolgehalt in der Nähe von offenen Fracking-Bohrungen festgestellt. (Foto: Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Der Ausstoß von Spurengasen in Öl- und Gasfeldern wurde von den KIT-Forschern in den Bundesstaaten Utah und Colorado zusammen mit US-amerikanischen Instituten untersucht. Es wurden Hintergrundkonzentrationen sowie die Abgasfahnen einzelner Förderquellen und Fracking-Anlagen untersucht. Das Augenmerk der KIT-Messungen lag auf gesundheitsschädlichen aromatischen Kohlenwasserstoffen in der Luft, wie unter anderem das krebserregende Benzol, deren Maximalwerte in den Abgasfahnen der Bohrlöcher bestimmt wurde.

Starke Benzolbelastung durch offene Fracking-Anlagen

Einige Förderanlagen emittierten etwa bis zu hundertmal mehr Benzol als andere. Die höchsten Werte von einigen Milligramm Benzol pro Kubikmeter Luft wurden windabwärts von einer offenen Fracking-Anlage gemessen, wo zurückfließende Bohrflüssigkeit in offenen Becken und Tanks lagert. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gibt die Bundesimmissionsschutzverordnung für Benzol einen Jahresgrenzwert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter an, also rund einen Faktor 1000 niedriger als die an der offenen Fracking-Anlage gemessenen Werte.

Nur mit geschlossenen Auffangbehältern und sogenannten Vapour-Caption-Systemen beispielsweise können die im Betrieb austretenden Gase aufgefangen und reduziert werden, erläutert Felix Geiger vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des KIT, einer der Erstautoren der jetzt im Fachmagazin Atmospheric Chemistry and Physics ACP veröffentlichten Messergebnisse.

Fracking-Verbot in Schleswig-Holstein wirkungslos

Trotzdem wird derweil ein Fracking-Gesetz in Deutschland vorangetrieben, dass ein kommerzielles Fracking "durch die Hintertür" erlaubt. Am Beispiel Schleswig-Holsteins wird deutlich, dass das geplante Verbot, Erdgas-Fracking bis 3.000 Meter Tiefe sowie in Wasserschutz-, Wassereinzugs-, Naturschutz- und FFH-Gebieten zu untersagen, nicht viel bringen wird, denn in Schleswig-Holstein ist eher das Erdöl-Fracking im Posidonienschiefer relevant. Auch wenn bisher noch keine Anträge auf eine Förderung vorliegen, so wird das Fracking zur Förderung von Erdöl von dem geplanten Gesetz jedoch überhaupt nicht erfasst.

Zudem liegen in Schleswig-Holstein große Teile dieser unkonventionellen Lagerstätten (über 1.000 Quadratkilometer) auch noch unter der 3.000 Meter Grenze, für die das geplante Verbot von Fracking nicht greifen würde. Wasserschutz-, Wassereinzugs-, Naturschutz- und FFH-Gebiete umfassen nur etwa 25 Prozent der Landesfläche, wobei unterhalb von Naturschutz- und FFH-Gebieten sogar von der Bundesregierung kein Verbot vorgesehen ist. Das bedeutet, dass Erdöl-Fracking unter mindestens drei Vierteln der Fläche in Schleswig-Holstein nach den Plänen der Bundesregierung erlaubt wäre.

Luftbelastung hängt von der Rückflussbehandlung ab

Um Rohstoffe aus unkonventionellen Lagerstätten zu fördern, werden beim Fracking Schiefergesteinsschichten hydraulisch aufgebrochen und mit großen Mengen von Wasser und zugesetzten Hilfsstoffen wie Sand, Zement und Chemikalien unter hohen Druck gesetzt. Der Rückfluss dieser wässrigen Fracking-Flüssigkeit mit den darin gelösten Öl- und Gasbestandteilen zur Oberfläche hält typischerweise einige Tage an bis zur eigentlichen Produktionsphase von reinerem Erdöl oder Erdgas. Dieser Rückfluss wird aufgefangen und anschließend wiederverwendet, bis er letztendlich entsorgt werden muss. Die Luftbelastung hängt wesentlich von der Behandlung dieses Rückflusses in der Förderanlage ab. Darin unterscheiden sich die derzeit praktizierten Fracking-Technologien.

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"Fracking-Smog 1000mal giftiger als Stadtluft" wurde am 28.11.2014 verfasst