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Rettet Brooklyns Blockchain die deutsche Energiewende?

Im New Yorker Stadtteil Brooklyn startet gerade eine Stromrevolution, die auch für Deutschland von Bedeutung sein wird. Die Firma LO3 Energy ermöglicht es den Bewohner Brooklyns mit Hilfe einer Blockchain genau den Strom zu beziehen, den sie wollen. Dabei geht es nicht nur darum, physisch lokalen Strom mit oder ohne Ökoanteil zu beziehen. Die Blockchain bietet deutlich mehr.

Lawrence Orsini ist der Gründer der LO3 Energy und leitet das Team des Brooklyn Microgrid. (Foto: energie-experten.org)

Lawrence Orsini ist der Gründer der LO3 Energy und leitet das Team des Brooklyn Microgrid. (Foto: energie-experten.org)

Die Degraw Street ist eine kleine Seitenstraße der 4th Avenue in Brooklyn. Geht man in der 261 eine kleine grüne Laderampe hinauf, gelangt man in die Büroräume der LO3 Energy. Uns begrüßt CEO Lawrence Orsini und bittet uns hinein. Viele Mitarbeiter sind "on vacation", sodass wir die einzigen im Büro sind. Dennoch wird schnell klar, dass es bei LO3 Energy nicht um eine kleine Firma geht, die es ein paar Nachbarn ermöglicht, ihren Solarstrom in der Nachbarschaft zu vermarkten. Lawrence hat mehrere Monate genau den Standort Brooklyn ausgewählt, da hier sowohl die energietechnische Infrastruktur als auch die Siedlungsstruktur auf Produzenten- und Konsumentenseite stimmt.

Das Brooklyn Microgrid: Innovationen im Praxiseinsatz

Die Basis bildet das Brooklyn Microgrid, das als Folge des Hurrikan "Sandy" im Oktober 2012 entstanden ist. Dieses Microgrid ist ein in sich geschlossenes Stromnetz, das sich im Falle des Falles auch autark versorgen kann. Hierzu besitzt der Stadtteil Brooklyn eine Vielzahl von konventionellen als auch höchst innovativen und erneuerbaren Stromerzeugern und auch -speichern. So gibt es u.a. eine Vielzahl an PV-Anlagen, die zusammen einige Megawatt Leistung erbringen, KWK-Anlagen, die auch Wärme als Ersatz für die vielen alten Stromheizungen in den Häusern Brooklyns liefern als auch große Batteriestromspeicher, die Verbrauch und Bedarf harmonisieren.

Lawrence zählt weitere Techniken auf, die es in Deutschland natürlich auch gibt, nur in Brooklyn alle gebündelt auf kleinstem Raum jeweils nach den vorhandenen Potenzialen des Stadtteils eingesetzt werden. So gibt es hier natürlich auch Solaranlagen auf den Bahn-Stationen, die allerdings noch mit Systemen zur Bremskraftrückgewinnung der Bahnen ergänzt werden und ihren Strom dann zwischenspeichern oder direkt ins Microgrid einspeisen. LO3 Energy betreibt aber nicht nur Kurzzeitspeicher. Auch per Wasserstoffelektrolyse soll Strom demnächst umgewandelt werden und es dem Stadtteil ermöglichen, selbst produzierten Strom saisonal zwischen zu speichern.

Nachhaltiger Wandel der New Yorker Energieversorgung

"Das alles ist durch eines der weltweit innovativsten und weitestgehendsten Förderprogrammen der Welt zu verdanken", sagt Lawrence. Denn der Staat New York will seine Energieversorgung radikal umstellen und vor Allem nachhaltig dezentralisieren. Denn heute wird ein Großteil des Stroms in abgelegenen Kohlekraftwerken und noch weiter weggelegenen Wasser-, Solar- und Windkraftwerken über ineffiziente und vor Allem teure Stromleitungen in die Metropole geführt. Das macht die Stromversorgung teuer, umweltunfreundlich, störanfällig und auch abhängig von wenigen großen Stromversorgern.

Brooklyn als Keimzelle einer Energierevolution bietet aber darüber hinaus noch weitere Vorteile, um den Praxisbeweis eines Microgrids anzutreten und auch die Bewohner des Stadtteils von den Vorzügen einer echten Energie-Blockchain zu überzeugen. Denn Brooklyn verfügt über eine sehr vielfältige Mischung aus Gewerbe, Industrie, Wohnblocks als auch typischen Wohngebieten mit Einfamilienhäusern. Auch wirtschaftlich unterscheiden sich diese Gegenden deutlich. So gibt es nördlich von Gowanus und Park Slope Anwohner mit sehr geringem Einkommen, zentral Bürger der Mittelschicht und weiter westlich Wohngegenden, deren Immobilienpreise mit denen in Manhattan mithalten können. Es gibt also eine Abnahmestruktur mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Präferenzen. Ein Umfeld, das es umso attraktiver macht, eine Blockchain einzusetzen.

Vorteile einer echten Energie-Blockchain

Die Energie-Blockchain, die die LO3 Energy adaptiert und selbst weiterentwickelt hat, soll nun für alle diese unterschiedlichen privaten als auch gewerblichen Bewohner Brooklyns genau den Strom beziehbar machen, den sie wollen. Ganz nach den Präferenzen des jeweiligen Stromverbrauchers. So kann man natürlich günstigen Strom beziehen, der dann aber wiederum nicht grün produziert wurde, man kann Strom beziehen, der ausschließlich im Viertel gewonnen wurde und die Stromausgaben die Einnahmen des Nachbarn sein können oder Ökostrom beziehen, der z. B. nur aus Solarenergie in Brooklyn produziert wurde und der Umwelt zu Gute kommen und unmittelbar die Anlage vor Ort finanzieren.

Die Smart Meter-Technologie der in Brooklyn eingesetzten Blockchain ermöglicht jedoch noch wesentlich mehr. So können PV-Anlagenbetreiber wählen, an wen sie diesen Strom verkaufen wollen. Dies ermöglicht es, z.B. Solarstrom auch an bestimmte Verbraucher zu spenden und so seinen Beitrag zur Brooklyn-Community beizutragen. Oder Unternehmen produzieren auf ihrem Dach Solarstrom und liefern diesen als Incentive vergünstigt an ihre Mitarbeiter. Oder das Unternehmen nimmt den von seinen Mitarbeitern produzierten Solarstrom zu einem individuell vereinbarten Preis ab und ermöglicht ihnen somit eine zweite Einkommensquelle. So kann man als Verbraucher auch entscheiden, wem man sein Geld gibt. Soll es ein Großanbieter sein oder ein Unternehmen aus der Region, das Arbeitsplätze schafft und somit zur Wertschöpfung in der Region beiträgt.

Neue Anreize für die deutsche Energiewende

Die Möglichkeiten, Anreize zur Montage eigener Solaranlagen und natürlich auch anderer, erneuerbarer Energieerzeuger zu schaffen und so die Energiewende aus ganz anderen Gründen fortzuführen, scheinen aus deutscher Sicht, die bisher ausschließlich auf die Einspeisevergütung oder die teilweise Deckung des Eigenverbrauchs gerichtet waren, spektakulär. Denn nun könnte es sich aus ganz anderen Gründen lohnen, eine Solaranlage zu installieren. Die Bundesregierung könnte dann endlich die ungeliebte EEG-Umlage einstampfen, der private Anlagenbetreiber würde zum wirklichen Prosumer werden und Stromversorger könnten Stromverbrauchern völlig neue Services anbieten und damit auch andere Bedürfnisse erfüllen.

Darum verwundert es auch nicht, das Lawrence beiläufig erwähnt, dass er und sein Team vom Brooklyn Microgrid jede Woche hochrangigen Besuch aus der ganzen Welt erhalten, um zu erklären, wie das Microgrid und die Blockchain funktionieren. So überrascht es auch nicht, dass auch in Deutschland bereits drei Modellprojekte nach dem New Yorker Vorbild in Planung sind. Man darf also gespannt sein, ob es die Blockchain Brooklyns bald auch in Kiel-Gaarden und München-Schwabing gibt.

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"Rettet Brooklyns Blockchain die deutsche Energiewende?" wurde am 01.09.2016 verfasst