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Sonderentlastung der Industrie verteuert EEG-Umlage

Strom, Erneuerbare Energie

Sonderentlastung der Industrie verteuert EEG-Umlage_Grafik_Agentur fuer Erneuerbare Energien

Sonderentlastung der Industrie verteuert EEG-Umlage (Grafik: Agentur für Erneuerbare Energien)

Nach einer Studie des Fraunhofer ISI im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) führte Strom aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2010 zu einer Absenkung des Börsenstrompreises um gut 0,5 ct/kWh. Bezogen auf den gesamten deutschen Stromverbrauch ergebe sich hieraus eine rechnerische Entlastung in Höhe von rund 2,8 Milliarden Euro, so das BMU. Damit dürfte laut der Studie die Entlastung für stromintensive Unternehmen in vielen Fällen sogar höher gelegen haben als die Belastung durch die reduzierte EEG-Umlage. Trotzdem macht sich Kritik gerade bei der Industrie breit, die die EEG-Umlage als Preistreiber sieht.

"Solche Klagen sind wenig nachvollziehbar. Schließlich kommen mit der ab Januar geltenden EEG-Novelle viele weitere Industriebetriebe in den Genuss von EEG-Vergünstigungen", stellt der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, Philipp Vohrer, klar. Statt der für Privathaushalte geltenden knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) wird die Umlage ab dem kommenden Jahr statt für 600 für etwa 6000 Großabnehmer auf bis zu 0,05 ct/kWh reduziert. Ohne die EEG-Ausnahmen für die Industrie hätte die EEG-Umlage nach einer Berechnung für das Bundesumweltministerium in diesem Jahr lediglich bei 3 ct/kWh gelegen, statt bei tatsächlich erreichten 3,5 ct/kWh.

Dieser Ansicht ist auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Demnach werden die Stromverbraucher in Deutschland durch den Anstieg der EEG-Umlage unnötig belastet. "Für diesen Anstieg ist einzig und allein die Politik verantwortlich. Sie hat Ausnahmeregelungen für die Industrie erweitert, eine teure Marktprämie eingeführt und den Netzbetreibern zusätzliche finanzielle Rücklagen zugestanden. Die Kosten für den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren werden auf immer weniger Schultern verteilt", kritisiert BEE-Präsident Dietmar Schütz den erneuten Kostenanstieg für die Stromkunden.

"Es grenzt an gezielte Desinformation, dass die EEG-Umlage immer wieder als Menetekel für eine angebliche Deindustrialisierung Deutschlands strapaziert wird", so Vohrer. "Vielmehr sind es die Verbraucher und der Mittelstand, die in Deutschland maßgeblich die Energiewende schultern. Und auch hier bleiben die Auswirkungen der Förderung Erneuerbarer Energien meist überschaubar", sagt Vohrer. So habe die EEG-Umlage auch 2012 lediglich einen Anteil von 0,3 Prozent an den Ausgaben eines Durchschnittshaushaltes.

Der energiepolitische Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag Michael Jungclaus weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die wahren Preistreiber künftig die Braunkohlekraftwerke sein werden, wenn ab 2013 die CO2-Emissionszertifikate ersteigert werden müssen und die Kraftwerke aufgrund der begrenzten Netzkapazitäten nicht mehr rund um die Uhr laufen können.

Als EEG-Umlage werden die Mehrkosten bezeichnet, die von den EEG-Strom aufnehmenden Netzbetreibern den Übertragungsnetzbetreibern berechnet werden. Mit der ab 2010 geltenden Änderung der Vermarktung durch die Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichmechanismus vom 17. Juli 2009 (AusglMechV) richtet sich die Umlage nach der Differenz der den Übertragungsnetzbetreibern zufließenden Verwertungserträgen für EEG-Strom und der damit verbundenen Aufwendungen. Die Übertragungsnetzbetreiber geben diese Umlage an die Energieversorgungsunternehmer anteilig weiter, wo sie als allgemeiner Kostenbestandteil Eingang in die Stromrechnung der Letztverbraucher findet.

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"Sonderentlastung der Industrie verteuert EEG-Umlage" wurde am 22.11.2011 verfasst