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Weniger Steuern für Erdgas-Autos bis 2026

Erdgas wird bis 2026 über eine verminderte Energiesteuer gefördert, Autogas bis 2022. Vor allem Großstädte könnten so Feinstaubbelastungen reduzieren.

Erdgas-Autos können einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Mobilität insbesondere in Großstädten leisten. Daher wurde die steuerliche Förderung von CNG und LNG als Kraftstoff bis 2026 verlängert. (Foto: Zukunft ERDGAS)

Erdgas-Autos können einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Mobilität insbesondere in Großstädten leisten. Daher wurde die steuerliche Förderung von CNG und LNG als Kraftstoff bis 2026 verlängert. (Foto: Zukunft ERDGAS)

Eigentlich wären die Steuerbegünstigungen für komprimiertes und verflüssigtes Erdgas sowie für Flüssiggas Ende des Jahres 2018 ausgelaufen. Mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes (18/11493, 18/11927) haben sich die Regierungsfraktionen des Bundestages im Finanzausschuss am 31.05.2017 auf eine Verlängerung der Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff verständigt.

So werden LPG (Liquefied Petroleum Gas) ("Autogas") bis Ende 2022, Compressed Natural Gas (CNG) und Liquefied Natural Gas (LNG) bis Ende 2026 mit einer reduzierten Energiesteuer weiterhin gefördert. Die Steuerermäßigung für CNG und LNG wird bis 2024 im gleichen Umfang wie bisher fortgesetzt. Für die folgenden Jahre findet dann eine Degression statt.

Der Steuervorteil für LPG wird ab 2019 langsam abgebaut: Autogas wird bis Ende 2022 weiterhin steuerlich begünstigt, zugleich wird die Autogas-Steuer langsam an den normalen Steuersatz angeglichen. Pro Jahr steigt der LPG-Preis ab 2019 um 2,94 Cent (inkl. MwSt.) an. Ab 2023 wird es keine weitere Erhöhung der Autogas-Steuer mehr geben. Dann kostet LPG 14,7 Cent mehr als heute.

Erdgas-Autos weisen deutlich weniger Stickstoffoxid- und Feinstaubwerte auf

Autogas bzw. Flüssiggas besteht aus Propan, Butan und deren Gemischen und verbrennt CO2-reduziert und schadstoffarm: Autogasfahrzeuge stoßen im Schnitt 21 Prozent weniger CO2 aus als Benziner. Im realen Fahrbetrieb (Real Driving Emissions) können sie den Feinstaubausstoß von benzinbetriebenen Ottomotoren einer Studie der HTW Saarland zufolge bereits heute um bis zu 99 % reduzieren. Im Vergleich zu Diesel-PKWs stoßen sie außerdem nur rund 2 Prozent der gesundheitsschädlichen Stickstoffoxide aus.

CNG reduziert den Ausstoß von CO2 gegenüber Diesel um 15 Prozent, von NOx um 95 Prozent und von Feinstaub und Schwefeldioxid um nahezu 100 Prozent. Damit unterschreiten CNG-Autos deutlich die Anforderungen der Euro VI Abgasnorm.

Im aktuellen ADAC EcoTest 2017 schnitt Erdgas als Kraftstoff auch im Vergleich zu den als besonders umweltschonend geltenden Hybridantrieben hinsichtlich der Partikelemissionen gut ab: Laut ADAC lag der Partikelausstoß des Toyota Prius 1.8 Hybrid beispielsweise um das Dreifache höher als beim Škoda Octavia G-Tec. Auch die sogenannte Well-to-Tank-Bewertung, also die CO2-Emissionen inklusive Vorkette und Herstellung, sei bei Erdgas-Kraftstoffen günstig.

Durch die Entscheidung für eine weitere Steuerbegünstigung von Erdgas-Autos über 2018 hinaus könnten so Stickstoffoxid- und Feinstaubwerte z. B. in den Ballungsräumen trotz einer auf Verbrennung fossiler Kraftstoffe basierenden Antriebstechnik gesenkt werden. Erdgas-Autos stellen damit gerade in Zeiten, in denen Dieselfahrer in Großstädten mit Fahrverboten konfrontiert werden, eine weitere Mobilitätsalternative zur Verbesserung der Luftqualität in Ballungsräumen und Großstädten dar.

Steuerermäßigung fördert auch Power to Gas-Anwendungen

Für die Entscheidung der Fraktionen, Erdgas-Kraftstoffe auch weiterhin über die Energiesteuer zu fördern, spielte auch das "regenerative Potenzial" von Erdgas bzw. Methangas eine Rolle. Denn das in Autos nutzbare Gas ist grüner als man denkt: Im Durchschnitt ist dem Erdgas 20 Prozent Biomethan beigemischt, das CO2-neutral aus Biomasse gewonnen wird. Neuerdings wird auch aus Ökostrom Gas erzeugt (Power-to-Gas), das als Kraftstoff genutzt werden kann.

Die Verlängerung der Energiesteuerermäßigung für Erdgaskraftstoffe verhilft damit indirekt auch der Power to Gas-Technologie zu einem weiteren Einsatz- und Absatzfeld und damit zur zukünftigen Marktreife. Dies ist von besonderer Bedeutung für die Energiewende, da Power to Gas erneuerbare Energien in die verschiedenen Energieverbrauchsbereiche integriert und dabei im Gegensatz zu vielen anderen Technologien vorhandene Erdgas-Infrastrukturen nutzen kann.

Auch finanziell bieten Erdgas-Autos Vorteile

Auch finanziell lohnt sich Erdgas als Autokraftstoff: Laut Initiative Zukunft ERDGAS kostet Erdgas umgerechnet auf den Energiegehalt von Benzin 69 Cent pro Liter – dagegen fließen Autogas für 71 Cent, Diesel für 1,03 Euro und Benzin für 1,40 Euro in den Tank.

Autogas ist in Deutschland der am weitesten verbreitetste, alternative Kraftstoff. Mit 7.000 Autogas-Tankstellen bundesweit und über 40.000 Tankstellen in Europa hat die Flüssiggaswirtschaft in den letzten 15 Jahren bereits ein flächendeckendes Netz aufgebaut, das dem deutschen Autofahrer auch grenzüberschreitend Versorgungssicherheit bietet.

Für die rund 100.000 CNG-Fahrzeuge stehen deutschlandweit über 900 CNG-Tankstellen zur Verfügung. Darüber hinaus wird derzeit auch ein Tankstellennetz für verflüssigtes Erdgas (LNG) aufgebaut. LNG dient als Kraftstoff für schwere LKW. Erdgas ist derzeit die einzig sinnvolle Alternative, wenn es um ordentliche Reichweiten und große Lasten geht.

Im europaweiten Individualverkehr kann der Einsatz von CNG zu einer Treibhausgasreduktion von 23 Prozent im Vergleich zu Benzin und von sieben Prozent im Vergleich zu Diesel führen. Im Schwerlastverkehr können mit CNG 16 Prozent Einsparungen erzielt werden. Durch Verwendung von LNG können in Abhängigkeit der verwendeten Motorentechnologie zwischen sechs und 15 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu Dieselfahrzeugen eingespart werden, so die Ergebnisse der kürzlich von der Natural Gas Vehicle Association NGVA Europe in Auftrag gegebenen und von thinkstep durchgeführten Studie „Greenhouse Gas Intensity of Natural Gas in Transport“.

Erdgas-Autos sind seit Jahren markterprobt und in vielen Modellvarianten verschiedener Automobilhersteller erhältlich. Für die Verlängerung hatten sich neben der Gaswirtschaft daher auch zahlreiche Automobilhersteller sowie Verbände und NGOs wie der ADAC, der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ausgesprochen.

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"Weniger Steuern für Erdgas-Autos bis 2026" wurde am 06.06.2017 verfasst