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Ratgeber Sicherungskasten: Aufbau, Belegung und Bedienung

Was ist ein Sicherungskasten? Wie ist er aufgebaut und aus welchen Komponenten setzt er sich zusammen? Wie erfolgt die Belegung der einzelnen Plätze? Welche Vorschriften gelten für Sicherungskästen?

Mit dem Sicherungskasten schließt man oft erst Bekanntschaft, wenn einem im Haushalt mal eine Sicherung rausgeflogen ist. Wobei, rausfliegen oder gar durchbrennen, das war einmal. Heute legen sich oft nur noch die zugehörigen Schalter im Sicherungskasten um. Dennoch: Man sollte sich schon beim Einzug in ein Zuhause die Zeit nehmen, um seinen Sicherungskasten kennenzulernen. Dabei erfährt man, wie der Strom im Haus verteilt wird und welche Geräte und Maschinen zusammen auf einer Sicherung liegen. Das spart im Notfall, der mitunter von einem Ausfall der Beleuchtung begleitet wird, Zeit und Aufregung. Wir erklären Ihnen hier, wie ein typischer Sicherungskasten aufgebaut ist, wie Sie mit „rausgeflogenen“ Sicherungen umzugehen haben und welche Vorschriften Sie zum Umgang mit dem Sicherungskasten kennen sollten.

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Vom Hausanschluss zum Verbraucher: Die Funktion des Sicherungskasten

Sicherungskasten als Unterputz-Kleinverteiler für Geräte bis 63 A, maximale Geräteeinbautiefe 70 mm, Blendrahmen und Stahlblechtür mit Putzausgleichmöglichkeit. (Foto: Striebel und John / HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V.)
Sicherungskasten als Unterputz-Kleinverteiler für Geräte bis 63 A, maximale Geräteeinbautiefe 70 mm, Blendrahmen und Stahlblechtür mit Putzausgleichmöglichkeit. (Foto: Striebel und John / HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V.)

Der Sicherungskasten ist - wie der Name es sagt – ein Kasten für Sicherungen. Er ist in jedem Raum / jeder Raumgruppe wie Wohnung, Büro, Praxis zu finden, in der elektrische Installationen sind. Teilweise ist der Sicherungskasten auch in den Zählerschrank integriert. Man nennt diese auch elektrifizierte Räumlichkeiten. Im Sicherungskasten sitzen Sicherungs- und Schaltelemente, mit deren Hilfe elektrische Energie im Niederspannungsbereich wie er für private Gebäude typisch ist verteilt wird. Solche Elemente nennt man auch Verteiler und mitunter sagt man deshalb zum Sicherungskasten auch Verteilerkasten, Elektroinstallationsverteiler oder kurz: Verteiler.

Aus elektrotechnischer Sicht stellt der Sicherungskasten i.d.R. den Unterverteiler eines Hausstromkreises dar. Haupt- als auch Unterverteiler sind nach DIN 43880 standardisiert. Das heißt, die Geräte haben genormte Größen und bieten Installationsreihen (Hutschienen) für die Anbringung der elektrischen Schaltelemente wie Sicherungen, Relais, FI-Schutzschalter, Treppenlichtautomat, Zeitschaltuhr usw. Die Hauptverteilung ist die erste Stromverteilung nach dem Transformator der Trafostation. Sie befindet sich meist in direkter Nähe zur Trafostation oder selbst darin. Die Hauptverteilung versorgt mehrere Unterverteilungen mit Strom.

Unterverteilungen befinden sich in Wohngebäuden meist im Keller bzw. Hausanschlussraum. Von hier aus wird der Strom, der vom Hauptverteiler kommt, im Haus entweder direkt zu den Endverbrauchern wie Steckdosen und Beleuchtung oder zunächst zu den Abzweigdosen für die einzelnen Stromkreise verteilt. Bei Wohnbauten mit mehreren Stockwerken und/oder auch mit mehreren Mietparteien wird i.d.R. eine Unterverteilung pro Etage bzw. Mietpartei installiert.

Normen und Richtlinien zur Haupt- und Unterverteilung

Sicherungskästen variieren in der Größe und Zahl ihrer Verteilungen gemäß der Ausstattung der elektrifizierten Haushalte. Man unterscheidet im Allgemeinen nach 

  • Hauptverteilung
  • Unterverteilung
  • Gruppenverteilung

Die Hauptverteilung nennt man auch Niederspannungshauptverteilung, kurz: NSHV. Damit ist die erste Verteilung gemeint, die sich nach einem Transformator der Trafostation in Richtung des Energieflusses in einem Wohngebiet befindet. Eine Hauptverteilung verteilt hat die Aufgabe, mehrere Unterverteilungen zu versorgen. Ein Wohnhaus beispielswiese kann eine Unterverteilung darstellen.

Die Unterverteilung nennt man dementsprechend auch Niederspannungshauptverteilung, kurz: NSUV. Damit ist die erste Aufteilungsstelle nach Hausanschlusskasten oder Zähleranschlusssäule im Gebäude. Die NSUV befindet sich meist im Keller oder im Raum mit dem Hausanschluss. Einbauteile der Unterverteilung sind der Stromzähler und auch der Rundsteuerempfänger, so er denn vorhanden ist.

Die Größe der Unterverteilungen (also der Zählerplatz) regeln die Normen 

  • DIN 18012 und
  • DIN 18013 (Hausanschlussnischen) sowie
  • die Richtlinie VDE-AR-N 4101 (Ausführung).

In Wohnhäusern kommt es hierbei auf die Anzahl der Zähler an.

Für Wohnungsunterverteiler müssen gemäß der Norm DIN 18015-2 mindestens 4-reihige Unterverteilungen eingerichtet werden. Bei Einraumwohnungen sind dagegen auch 3-reihige Unterverteiler zulässig.

Werden Stromversorgungssysteme neu installiert, muss dies gemäß der TAB 2007 sowie der Norm DIN 18015-1 als sogenannte Strahlennetze geschehen. Die Querschnittsfläche (Kabeldicke) der Zuleitung zu einer Wohnung richtet sich einerseits nach Anhang A der Norm DIN 18015-1 und andererseits nach Material, Spannungsfall und Strombelastbarkeit. Die Mindeststrombelastbarkeit liegt bei 63 Ampere. In Wohngebäuden entspricht das bei einer Unterputzverlegung einem Mindestquerschnitt der Kabel von 16 Quadratmillimetern (mm2).

Neben den bisher aufgeführten Normen und Richtlinien sind weitere zu beachten, darunter die Anwendungsrichtlinie VDE-AR-N 410. In der Richtlinie wird zum Beispiel die räumliche Anordnung des Sicherungskastens geregelt. Dabei gilt: In kleinen Häusern, beispielsweise Einfamilienhäusern, ist die NSUV meist die einzige Verteilung. Sind mehrere Stockwerke beziehungsweise Gebäudeebenen wie Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss vorhanden, ist gemäß DIN 18015-2 pro Geschoss eine Unterverteilung vorgeschrieben. Gut zu wissen: Eine Unterverteilung kann weitere NSUV versorgen.

Die Gruppenverteilung nennt man Niederspannungsgruppenverteilung, kurz: NSGV. Andere Bezeichnungen dafür sind Stromkreisverteiler, Wohnungsverteiler oder Installations-Kleinverteiler. Ihre Aufgabe ist vor allem die dezentrale Verteilung von Stromkreisen. So ist in einem Mehrfamilienhaus der Sicherungskasten jeder einzelnen Wohnung die NSGV mit den zugehörigen Sicherungen. Zwischen NSUV und NSGV verläuft eine Leitung für i.d.R. Dreiphasenwechselstrom.

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Ausstattung und Installation von Sicherungskästen

Normen für Sicherungskästen

In Deutschland sind Sicherungskästen normiert und standardisiert. Als Norm gilt die DIN 43880 mit dem Titel „Installationseinbaugeräte - Hüllmaße und zugehörige Einbaumaße“. Von der Norm sind neben den hier behandelten Sicherungskästen, die unter der Kategorie Kleinverteiler laufen, vor allem andere geschlossene Verteilergehäuse wie Schaltschränke und Rangierverteiler, die mit sogenannten Hutschienen oder Sammelschienen ausgestattet sind, sowie die Geräte, die für den Einbau in solche Gehäuse vorgesehen sind.

Inhalte der Norm DIN 43880 sind: 

  • Teilungseinheiten und deren Maße
  • Hüllmaße und Einbaumaße der Geräte
  • Definition von sechs verschiedenen Baugrößen
  • Maße der erforderlichen Schutzabdeckungen und Sicherheitsabstände
  • Beschreibung der Maße und Freiräume für Betätigungsorgane wie
  • Schalter
  • Taster
  • Bevorzugte Nennstrombereiche für verschiedene Baugrößen

Teilungseinheiten, kurz: TE, die auch Module genannt werden, sind Maßeinheiten zur Beschreibung der Breite von Betriebsmitteln, also elektrischen Bauelementen, Baugruppen oder Geräten einer elektrischen Anlage. Gemäß der DIN 43880 entspricht 1 TE gleich 17,5 Millimetern. Die Höhe der Geräte bemisst man nach dem sogenannten Maximalstrom. Sie wird in drei Gruppen eingeteilt.

Ein Sicherungskasten hat mindestens eine und häufig bis zu drei Installationsreihen, sogenannte Hutschienen. Zwischen den Installationsreihen muss ein vertikaler Abstand von 150 Millimetern bestehen. Allerdings kann der Abstand jeweils um Vielfache von 25 Millimetern vergrößert werden, zum Beispiel weil „dicke Kabel“, also Kabel mit vergleichsweise großem Querschnitt zu verbauen sind.

Die Kapazität eines Sicherungskastens wird dementsprechend als eine Angabe wie 4 x 12 TE genannt: Das heißt, der Sicherungskasten hat vier Hutschienen mit jeweils 12 Teilungseinheiten, also insgesamt 48 Plätze.

Ausstattung und Verteilereinbauten

In einem Sicherungskasten können verschiedene elektrische Bauelemente eingebaut sein, zum Beispiel: 

  • Beleuchtungstransformatoren
  • Fehlerstromschutzschalter (sogenannter FI-Schutzschalter)
  • Klingeltransformator
  • Leitungsschutzschalter
  • Meldeleuchten
  • Messwandler
  • Reihenklemmen
  • Relais
  • Schalter
  • Schmelzsicherungen
  • Schütze (auch Schaltschütz genannt)
  • Schutzkontaktsteckdosen
  • selektiver Leitungsschutzschalter
  • speicherprogrammierbare Steuerungen und andere Automationskomponenten
  • Stromstoßschalter
  • Treppenlichtautomat
  • Überspannungsableiter
  • Zeitschaltuhr

Die bislang genannten Bauelemente sitzen in der Regel auf Tragschienen im Sicherungskasten. Weitere mögliche Bauelemente sind: 

  • Rundsteuerempfänger,
  • Sammelschiene und
  • Stromzähler.

Ist der Stromzähler im Sicherungskasten, nennt man ihn mitunter auch Zählerkasten.

Installation eines Sicherungskastens

Die Installation der elektrischen Anlage und somit auch der Sicherungskästen richtet sich nach der DIN VDE Norm Teil 1: „Bestimmungen für das Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000 V“. Interessant sind zudem die Richtlinien DIN VDE 0100-520: „Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel, Leitungen und Stromschienen“ sowie DIN VDE 0100-530: Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Schalt- und Steuergeräte“ (Stand: Mai 2008).

Ein Sicherungskasten kann aus einem Gehäuse aus 

  • lackiertem Stahlblech,
  • Aluminium,
  • Edelstahl oder
  • Isolierstoff

sein. Montiert wird der Sicherungskasten entweder „auf Putz“ oder „unter Putz“. Es gibt Sicherungskästen mit Tür und ohne, mit Fenster und ohne und auch mit bestimmten Schutzarten. Die Schutzart meint einen bautechnischen Schutz vor Umgebungsbedingungen oder menschlichen Eingriffen, die die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen könnten. Zum Beispiel Korrosionsschutz gegen Rost oder Zugriffsschutz gegen den Zugriff mit Werkzeugen oder bloßen Händen.

Weitere Belegung eines Zählerschranks

Bei der Wahl eines Zählerkastens bzw. -schranks sollte man auch zukünftige Erweiterungen und auch technologische Entwicklungen berücksichtigen. Daher bietet es sich an, auf eine Ausstattung mit Kommunikationsfeldern zu achten, die die Kommunikations-Schnittstellen für eine spätere Automatisierung des Hauses aufnehmen können. So lässt sich das Haus später auch in ein Smart Home aufrüsten.

Zudem sollte man außerdem an einen Reserveplatz für einen zusätzlichen Zähler denken. Dadurch kann später beispielsweise der Stromverbrauch für eine nachträglich eingerichtete Einliegerwohnung problemlos erfasst werden oder es kann ein zusätzlicher Zähler für die Anwendung zeitvariabler Tarife bei einer Wärmespeicheranlage nachgerüstet werden.

Auch Ladeeinrichtungen für Elektromobile, eigene Stromerzeugungsanlagen wie beispielsweise eine Photovoltaikanlage oder auch strombetriebene Wärmepumpen benötigen i.d.R. einen weiteren Stromzähler, um sie ordnungsgemäß bzw. wirtschaftlicher betreiben zu können.

Aufteilung und Absicherung von Stromkreisen im Hausstromnetz

Vom Sicherungskasten verlaufen elektrische Leitungen zu den Verbrauchern, darunter zu: 

  • Steckdosen,
  • Beleuchtungsinstallationen,
  • Anschlussdosen für elektrische Herde,
  • Durchlauferhitzern oder
  • zu den nächsten untergeordneten Sicherungskästen.

Jeder der Wohnbereiche wie Küche, Bad, Wohn-, Ess- und Kinderzimmer, Schlafräume, Flure und Nebenräume sollte über einen eigenen Stromkreis verfügen, der über den Sicherungskasten jeweils unabhängig voneinander von der Hauptstromversorgung getrennt werden kann.

Wie viele Stromkreise im Haus benötigt werden, kann man auch von der Gebäudegröße ableiten. Die Mindestausstattung sieht folgende Anzahl vor:

Schutzmaßnahmen für einzelne Stromkreise

Jeder Stromkreis wird dann jeweils mit einem Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) und einem FI-Schutzschalter abgesichert. Diese Schutzschalter lassen sich auch zu einem Schalter, dem FI/LS-Schalter, kombinieren, was wiederum Platz im Sicherungskasten sparen hilft.

Empfehlenswert ist die Trennung der Licht- und Steckdosenstromkreise. Zudem ist ein eigener Stromkreis für den Heizkessel und seine Steuerung empfehlenswert, da dann im Falle eines Kurzschluss an z. B. einer Steckdose durch ein defektes Elektrogerät Licht und Heizung in Betrieb bleiben.

Außerdem benötigen leistungsintensive Haushaltsgeräte jeweils einen eigenen Stromkreis. Dies ist für leistungsintensive Verbraucher wie beispielsweise Geschirrspüler, Waschmaschine, Mikrowelle und Elektroherd zu empfehlen, da anderenfalls diese Haushaltsgeräte oder andere Elektro-Geräte nicht gleichzeitig genutzt werden könnten.

Was passiert beim "Rausfliegen" einer Sicherung?

Werden einzelne Leitungen überlastet, wenn beispielsweis Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner gleichzeitig laufen und man zusätzlich einen Fön oder Staubsauger anschaltet, kann es zu einer Überlastung des Stromkreises kommen und die Sicherung "fliegt raus". Daneben können defekte Leitung (z. B. durch Anbohren) oder ein Kurzschluss bei einem defekten Gerät zum Rausspringen der Sicherung führen. Die Ursache sollte dann behoben werden und die Sicherung kann wieder eingeschaltet werden.

Ist es keine einzelne Sicherung sondern der FI-Schalter, der ständig ausgelöst wird, so sollte man zur Eingrenzung der Ursache zunächst alle Sicherungen ausschalten und nur den FI-Schalter aktivieren. Dann legt man der Reihe nach alle Sicherungen wieder ein und beobachtet, wann der FI-Schalter wieder ausgelöst wird. Der Raum oder Stromkreis, der den FI-Schalter auslöst ist dann die Ursache für das Problem.

Löst der FI-Schalter jedoch bei jedem Stromkreis aus, so ist vermutlich ein Elektro-Gerät defekt. Die Suche danach kann recht langwierig werden, denn alle Geräte müssen nun aus der Steckdose gezogen werden. Am besten beginnt man mit dem Gerät, das zuletzt in Betrieb war oder denjenigen, die sich selber einschalten. Lässt sich auch so keine Ursache finden, so sollte man die Fehlersuche besser einem Elektroinstallateur überlassen.

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Weitere Informationen über den Sicherungskasten

"Sicherungskasten: Aufbau, Belegung und Bedienung" wurde am 27.09.2016 das letzte Mal aktualisiert.