Letzte Aktualisierung: 18.02.2021

Ratgeber „Umkehrdach“: Schicht-Aufbau & Varianten im Vergleich

Was ist ein Umkehrdach? Was sind die Besonderheiten dieser speziellen Dachart? Und welche unterschiedlichen Aufbaukonstruktionen gibt es? Worin unterscheiden sich ein Duo- und ein Plus-Dach?

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  • Bei einem Umkehrdach handelt es sich um eine besondere Form des einschaligen Warmdachs. Ein Umkehrdach ist immer ein Flachdach.
  • Wie der Name bereits andeutet, gibt es bei der Konstruktion aber einen entscheidenden Unterschied zum gewöhnlichen Flachdach: Der Aufbau von Wärmedämmung und Abdichtung zeigt sich genau umgekehrt, das heißt, bei einem Umkehrdach liegt die Wärmedämmung auf der Abdichtung.
  • Hinter diesem Konstruktionsprinzip steckt die Grundidee, dass die Wärmedämmung die Abdichtung schützt – und nicht, wie sonst üblich, die Abdichtung die Wärmedämmung.

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Einordnung: Warmdach, Kompakt- und Umkehrdach

Das Flachdach mit seinen Funktionsschichten bildet ein komplexes Gesamtsystem. Bei Dächern mit Bahnenabdichtung ist eine Unterscheidung nach der Lage der Abdichtungsebene innerhalb ihres Aufbaus üblich:

  • Nicht belüftetes Flachdach: Die Abdichtung liegt oberhalb der Wärmedämmung
  • Kompaktdach: Dämmung und Abdichtung werden hohlraumfrei und kraftschlüssig im Verbund verlegt
  • Umkehrdach: Die Abdichtung liegt unter der Wärmedämmung

Das nicht belüftete Flachdach (Warmdach) ist eine Dachkonstruktion, bei der alle Funktionsschichten – tragende Schale, Dampfsperre, Wärmedämmung und Abdichtung – ohne Zwischenräume direkt übereinander liegen. Die witterungsbeständige Dachabdichtung liegt oberhalb der Wärmedämmung.

Bei einem so genannten Kompaktdach sind alle Schichten, d. h. Dampfsperre, die Polyurethan-Flachdachdämmplatten und die Abdichtungslage, untereinander und mit dem Untergrund kompakt und homogen mit Heißbitumen verklebt. So entsteht ein extrem hochwertiges, besonders dauerhaftes und schadensicheres Dachsystem.

Eine Sonderform des nicht belüfteten Flachdaches ist das Umkehrdach. Hier liegt die Wärmedämmung auf der Dachabdichtung, wodurch eine Dampfsperrschicht überflüssig wird. Bei dieser Konstruktion ist die Wärmedämmung nicht vollkommen gegen Niederschläge geschützt. Die zusätzlichen Wärmeverluste aufgrund der Feuchtigkeit in der Dämmebene müssen bei der U-Wert-Berechnung berücksichtigt werden.

Welche Anforderungen müssen die einzelnen Komponenten erfüllen?

Ein Umkehrdach besteht aus folgenden Schichten (von oben nach unten):

  • spezielle Deckschicht (je nach Variante z.B. Kies, Platten, Begrünung etc.)
  • Dachvlies bzw. Filtervlies als Schutzlage
  • Wärmedämmung
  • Dachabdichtung
  • Tragkonstruktion (z.B. aus Stahlbeton)

Diese Umkehr in der Schichtenfolge bietet bauliche Vorteile – allerdings nur, wenn die einzelnen Schichten bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Wärmedämmung

Das Dämmmaterial ist der Witterung ausgesetzt – das können selbst Schutzvlies und Deckschicht nicht verhindern. Bei Regen und Schnee dringt Feuchtigkeit in die Dämmschicht ein und bei Sonnenschein trocknet das Material komplett ab. Aus diesem Grund sollte eine robuste Dämmung verwendet werden. Extrudierter Polystyrol-Hartschaumstoff (XPS) hat sich als erste Wahl durchgesetzt, denn er ist

  • besonders belastbar
  • extrem druckfest
  • feuchteunempfindlich
  • verrottungsfest
  • wärmedämmend.

Dachvlies

Oberhalb der Wärmedämmung befindet sich ein Schutzvlies, das dafür sorgt, dass die oberste Deckschicht nicht in die Dämmung eindringen kann. In der Regel wird ein wasserdurchlässiges Vlies verwendet, damit Feuchtigkeit bei warmer Witterung aus der Dämmung entweichen kann. Entscheiden Sie sich für ein wasserableitendes Kunststoffvlies, sollten Sie darauf achten, dass es diffusionsoffen ist.

Deckschicht

Ob Kies, Platten oder Begrünung – das Vlies wird mit einem weiteren Oberflächenschutz als Auflast beschwert, damit die oftmals lose verlegten Dämmplatten bei Wind und Regen an Ort und Stelle bleiben. Zusätzlich dient diese Schicht als Schutz vor UV-Strahlung.

Welche verschiedenen Varianten des Umkehrdaches gibt es?

Der charakteristische "umgekehrte" Aufbau präsentiert sich bei allen Umkehrdächern gleich. Unterschiede gibt es jedoch bei der obersten Deckschicht. Daraus ergeben sich verschiedene Varianten dieser Warmdach-Form:

1. Umkehrdach mit Kiesbedeckung

Als gebräuchlichste Variante bei Umkehrdächern gilt die Abdeckung mit einer Kiesschüttung. Die Kiesschicht überzeugt mit mehreren Vorteilen:

  • Sie schützt die Dämmung vor UV-Strahlung.
  • Sie beschwert das Vlies und verhindert so ein Aufschwimmen der Dämmplatten bei starkem Regen.
  • Als Auflast sichert sie vor Windsog.
  • Sie schützt vor Flugfeuer und Funkenflug.
  • Eine Kiesschicht erweist sich als pflegeleicht.

2. Umkehrdach mit Begrünung

Begrünte Dächer liegen im Trend und lassen sich mit einem Umkehrdach problemlos realisieren. Dabei unterscheidet man zwischen intensiv und extensiv begrünten Dächern:

Intensiv begrünte Dächer sind aktiv begrünte Dächer, zum Beispiel in Form von angelegten Dachgärten. Die Umsetzung sollte auf jeden Fall von einem Fachbetrieb erfolgen, damit der Nährboden so gewählt ist, dass

  1. die Pflanzen optimal gedeihen,
  2. die Erdschichten die Dämmung nicht angreifen,
  3. die Wurzeln die Dämmung nicht zerstören.

Diese Art der Begrünung ist daher vergleichsweise kosten- und pflegeintensiv.

Extensiv begrünte Dächer kennzeichnen sich durch einen deutlich geringeren Pflegeaufwand. Meist werden flächendeckend Sedum-Stauden gepflanzt, die robust und winterfest sind und zugleich mit einer hübschen Optik begeistern.

Die Begrünung übernimmt die gleichen Funktionen wie die Kiesschüttung und dient zum Schutz der Dämmung. Darüber hinaus sorgt die Begrünung für eine zusätzliche Isolierung von Hitze und Kälte. Als weiteres Argument sticht der Umweltgedanke hervor, der gerade in Städten eine wichtige Rolle spielt. Denn begrünte Dächer tragen zur Reinigung der Luft bei und schaffen grüne, teils insektenreiche Oasen inmitten der Stadt.

3. Begeh-/ befahrbares Umkehrdach

Eine weitere Dachaufbau-Variante ist das Umkehrdach als begehbare und sogar befahrbare Fläche. Das Flachdach kann somit genutzt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, vom Kinderspielplatz bis zum Parkdeck kann das Flachdach so für weitere nutzbare Flächen sorgen.

Diese Möglichkeit wird vor allem bei großen Bauprojekten in der Stadt umgesetzt. Als Deckschicht werden dabei u.a. Betonplatten verwendet, die ebenso wie Kiesschüttung und Begrünung als Oberflächenschutz für die Wärmedämmung dienen.

Eine ähnliche Variante ist das Terrassendach. In diesem Fall dient das Umkehrdach als Dachterrasse und bietet so ein Plus an Wohnkomfort und Lebensqualität. Als Aufbaukonstruktion werden Beton- oder Terrassenplatten auf Stelzlagern genutzt, die die Dämmung schützen und für eine begehbare, nutzbare Dachfläche sorgen.

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Was sind die Vorteile und Nachteile?

Das spezielle Konstruktionsprinzip des Umkehrdaches bringt einige Vorteile mit sich – nicht nur beim Prozess das Dachbaus bzw. der Dachsanierung, sondern auch während der Lebensdauer des Daches. Einige Nachteile sollten allerdings ebenfalls in die Entscheidung für diese Dachform mit einbezogen werden:

Tabelle: Vorteile und Nachteile eines Umkehrdachs im Vergleich
Vorteile eines Umkehrdaches Nachteile eines Umkehrdaches
+ Schutz der Dachabdichtung: Bei normalen Flachdächern leidet die „Dachhaut“ mit der Zeit unter den Witterungseinflüssen und Temperaturschwankungen sowie unter mechanischen Schäden, beispielsweise durch die Auflast. Bei einem Umkehrdach verlängert sich die Lebensdauer der Dachabdichtung enorm, denn sie liegt gut geschützt unter den Dämmplatten. – Wärmeverlust bei Niederschlag: Regnet oder schneit es stark und es gelangt Feuchtigkeit unter die Dämmplatten, so kommt es zu einem Wärmeverlust.
+ Unkomplizierte Handhabung: Dank der losen Verlegung der Dämmplatten gestaltet sich nicht nur die Verarbeitung der Wärmedämmung unkompliziert, sondern auch ein späterer Austausch der Dämmung und eine Wartung der unteren Schichten erfolgt ohne großen Aufwand. – nicht jede Tragkonstruktion ist geeignet: Die Tragkonstruktion muss ein sehr hohes Flächengewicht von mindestens 250 kg/m2 oder einen Wärmedurchlasswiderstand von mindestens 0,15 m²xK/W aufweisen, um eine Tauwasserbildung an der Decke zu verhindern.
+ Optimale Bauplanung: Die Dämmstoffverlegung kann witterungsunabhängig erfolgen, denn die Dachkonstruktion wird bereits im ersten Schritt – mit der Verlegung der Dachabdeckung – dicht gemacht. Das hilft bei der Bauplanung und verkürzt die Bauzeit.
+ Verzicht auf eine Dampfsperre: Der Einsatz einer Dampfsperre entfällt bei einem Umkehrdach. Das spart Materialkosten und Arbeitsstunden ein.

Sonder-Formen: Das Duo-Dach & das Plusdach

Spezielle Varianten des Umkehrdaches sind das Duodach, das in der Regel beim Neubau zum Einsatz kommt, und das Plusdach, das bei Sanierungen bei bereits vorhandenem Warmdachaufbau zum Einsatz kommt.

Letztlich bezieht sich die unterschiedliche Verwendung beider Begriffe nur auf den Haus-Typ, auf dem es Anwendung findet.

Der Gegensatz zwischen gewöhnlichem Umkehrdach und Duo- bzw. Plus-Dach liegt darin, dass zwischen Tragkonstruktion und Dachabdichtung noch eine weitere Dämmschicht verbaut wird. Der Schichtenaufbau geschieht wie folgt (von oben nach unten):

  • spezielle Deckschicht (je nach Variante z.B. Kies, Platten, Begrünung etc.)
  • Dachvlies bzw. Filtervlies als Schutzlage
  • Wärmedämmung
  • Dachabdichtung
  • Wärmedämmung
  • Tragkonstruktion (z.B. aus Stahlbeton)

Duodach

Das im Neubau als Dachkonstruktion zum Einsatz kommende „Duodach“ kombiniert die positiven Eigenschaften eines nicht belüfteten Daches mit denen eines Umkehrdaches. Unter einem Duo-Dach versteckt sich also quasi ein Warmdach mit draufgesetztem Umkehrdach.

Die Dichtung des Duodaches liegt wie beim Umkehrdach auch im warmen Bereich unter der Wärmedämmung. Diese wird jedoch zusätzlich durch eine weitere Wärmedämmung gegen mechanische Beschädigung von unten geschützt.

Durch die Aufteilung der Dämmung in zwei Schichten mit der Dachabdichtung als Trennung entsteht keine Feuchtigkeit bzw. kein Tauwasser an der Tragkonstruktion des Daches. Die untere Dämmschicht bleibt selbst bei starken Niederschlägen und auch bei einem vorübergehenden Unterströmen der oberen Wärmedämmung durch Regenwasser trocken und behält ihren vollen Dämmwert bei.

Die Duo-Dämmung führt jedoch auch zu höheren Kosten, was wiederum das Duodach als Spezial-Umkehrdach nur selten zur Ausführung gelangt.

Plusdach

Das Plus-Dach überzeugt als beliebte Möglichkeit, ein nicht ausreichend wärmegedämmtes Flachdach (Warmdach) energieeffizient zu sanierenohne das bisherige Dach inklusive einwandfreier Dachhaut zu zerstören.

Die Umkehrdach-Konstruktion wird einfach auf das Warmdach gebaut. Voraussetzung ist, dass vor der Dachsanierung zunächst die vorhandene Dämmschicht auf Funktionsfähigkeit überprüft wird.

Dadurch wird mit der energetischen Sanierung gleichzeitig die gesamte Dachkonstruktion sicherer und langlebiger. Überdies können bei dieser Ausführung auch Terrassen- und Gründächer hergestellt werden.

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