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Vorhangfassade - Aufbau, Einsatz und Varianten

Was ist eine Vorhangfassade? Welche Aufgabe erfüllt sie? Welche Vorteile und Nachteile hat sie gegenüber einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade? Welche unterschiedlichen Varianten gibt es? Wie wird sie an der Fassade befestigt?

Eine Vorhangfassade ist eine Möglichkeit, eine tragende Gebäudefassade vor äußeren Einflüssen zu schützen. Zum Beispiel vor Wind, Regen, Lärm (Schallschutz) oder Licht (Sonnenschutz). Außerdem dient sie als Element zum Wärmeschutz. Es gibt unterschiedliche Ausführungen von Vorhangfassaden mit entsprechend verschiedenen Eigenschaften. Unsere Energie-Experten liefern Ihnen hier eine Einführung in das Thema Vorhangfassade mit Informationen zu deren typischen Bauarten und Funktionsweisen sowie dem daraus resultierenden Einsatzweck.

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Vorhangfassade vs. vorgehängte hinterlüftete Fassade

Vorhangfassade des 2013 neu errichteten Sitzes der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg-Wilhelmsburg. (Foto: energie-experten.org)
Vorhangfassade des 2013 neu errichteten Sitzes der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg-Wilhelmsburg. (Foto: energie-experten.org)

Gemäß der europäischen Norm DIN EN 13830 ist eine Vorhangfassade, die auch Vorhangwand (auf Englisch: „curtain wall“) genannt wird, eine bestimmte Konstruktion für Gebäudefassaden. Solche Vorhangfassaden dienen zum einen dazu, die eigentliche, tragende Fassade vor Wind und Wetter sowie Schall zu schützen. Zum anderen lässt sich mit ihrer Anbringung Wärme effizienter im Gebäude halten (winters) oder außen vor (sommers). Somit trägt eine Vorhangfassade zu einem energetischen Gebäudekonzept bei. Großteils hängt man die Vorhangwand mit Hilfe einer Unterkonstruktion am Tragwerk des Hauses auf.

Die Vorhangfassade ist keine vorgehängte hinterlüftete Fassade (kurz: VHF genannt, auf Englisch: rainscreen“), die eine weitere Methode zur Fassadendämmung darstellt. Denn eine Vorhangfassade ist – im Unterschied zur VHF - nicht hinterlüftet, gleichwohl sie – wie die VHF – ebenfalls der tragenden Struktur (Außenwand / Fassade) eines Gebäudes vorgesetzt wird. Während man aus konstruktiver Sicht bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade von einer sogenannten Kaltfassade spricht, ist eine Vorhangfassade entsprechend eine Warmfassade. Aber: Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man eine VHF auch hinterlüftete Vorhangfassade oder Doppelfassade (mehr dazu im letzten Abschnitt dieses Artikels).

Vorhangfassade – bauliche Varianten

Systemschnitt des vorgehängten hinterlüfteten Fassadendämmsystems StoVentec, das mit Oberflächen aus Naturstein (links), Glas (rechts) oder sogar Solarmodulen ausgestattet werden kann. (Grafiken: Sto AG)
Systemschnitt des vorgehängten hinterlüfteten Fassadendämmsystems StoVentec, das mit Oberflächen aus Naturstein (links), Glas (rechts) oder sogar Solarmodulen ausgestattet werden kann. (Grafiken: Sto AG)

Die Vorhangfassade trägt lediglich ihr eigenes Gewicht, sie dient nicht dem Abtrag weitere statischer Lasten. Demnach ist eine Vorhangfassade selbsttragend. Beispielsweise lassen sich Vorhangfassaden

  • in Pfosten-Riegelbauweise
  • oder als Elementfassade

realisieren.

Vorhangfassade als Pfosten-Riegelbau

Eine Vorhangfassade, die aus tragenden Profilen errichtet wir, nennt man auch Pfosten-Riegelbau. Sie kommt zum Einsatz, wenn große Öffnungen oder ganze Gebäudefassaden gestaltet werden sollen: Also dort, wo hohe und / oder breite Felder beziehungsweise Dachkonstruktionen gefragt sind. Vorhang-Fassaden in Pfosten-Riegel-Bauweise sind vom Prinzip her modular. Das heißt, die Elemente lassen sich entweder werkseitig vorgefertigt liefern und einbauen oder werden erst auf der Baustelle final miteinander verbunden.

Seinen Namen hat der Pfosten-Riegelbau daher, dass die Konstruktion dieser Vorhangfassade darauf beruht, dass senkrechte Pfostenprofile, die sogenannten Hauptprofile, mit waagerechten Riegelprofilen zu einem skelettförmigen Tragekonstrukt verbunden werden. Die vertikalen Pfosten dienen dabei dem Lastabtrag. Die Riegel werden an die Pfosten geschraubt, gesteckt oder geschweißt.

Die Ausfachungen der Vorhangfassade in Pfosten-Riegelbauweise lassen sich aus transparenten oder opaken Werkstoffen gestalten. Elastische Dichtungsprofile, zum Beispiel aus Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (kurz: EPDM), werden dazu zwischen das tragende Gerüst der Vorhangfassade und die Fassadenfelder gesetzt. In alle Elemente lassen sich Kippfenster, Klappfenster, Drehfenster oder Drehkippflügelfenster integrieren, wobei stets Blend- und Flügelrahmen zum Einsatz kommen. Die Fenster können so gestaltet sein, dass sie manuell oder mit Hilfe eines Motors geöffnet und geschlossen werden können.

Vorhangfassade als Elementfassade

Sogenannte Elementfassaden sind Vorhangfassaden aus werkseitig vorgefertigten einzelnen Elementen, die mindestens die Höhe eines Geschosses haben. Sie lassen sich als einschalige oder zweischalige Vorhangfassaden umsetzen.

Die Elemente bilden den kompletten Raumabschluss. Die Elementfassade wird vor der Rohbauebene angeordnet. Elementfassaden sind quasi „All-in-one“-Bauteile, die sowohl opake Brüstungen, als auch Deckenkopfbekleidungen sowie transparente Felder enthalten können, die sich teilweise auch öffnen lassen. Wegen der ihnen eigenen Profil- und Verbindungstechnik (häufig: Profile, die thermisch getrennt und aus sogenanntem stranggepressten Leichtmetall – Aluminium – sind) ordnet man Vorhangfassaden in Form von Elementfassaden den Fensterkonstruktionen zu und nicht etwa den oben beschriebenen Pfosten-Riegel-Konstruktionen. Die Profile werden zusammengesteckt, gesickt oder geklebt.

Elementfassaden sind geeignet, um insbesondere großflächige Fassaden einheitlich zu gestalten. Da sie sich - entsprechend vorgefertigt – auch ohne Gerüst montieren lassen, werden Hochhäuserfassaden gerne mit Hilfe solcher Vorhangfassaden gestaltet. Normalerweise werden die Elemente dieser Vorhangfassaden Geschoss für Geschoss von unten nach oben angebracht. Verbinden lassen sich die Elemente untereinander - waagerecht oder senkrecht - mit Hilfe speziell ausgebildeter Kopplungsstöße, die mit einander überlappenden Dichtprofilen ausgestattet sind.

Um die Elemente der Vorhangfassade am Gebäude zu verankern, werden vorab Los- und Festlager an Befestigungskonsolen montiert, die sich dreidimensional ausrichten und toleranzsausgleichen lassen. Zum Befestigen hebt man die Elemente mittels eines Krans oder Ähnlichem auf die Konsolen.

Die Ausfachungen innerhalb der Elemente der Vorhangfassade können aus unterschiedlichen Materialien bestehen, zum Beispiel transparenten, transluzenten oder opaken Werkstoffen. Zudem lassen sich Öffnungen wie Kippfenster, Klappfenster, Drehfenster oder Drehkippflügelfenster in die Elemente integrieren – sowohl zum händischen als auch zum automatischen Öffnen.

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Hinterlüftete Vorhangfassade oder Vorhangfassade als Doppelfassade

Jede Fassade, die aus zwei Ebenen konstruiert ist, nennt man auch Doppelfassade. Die äußere (sekundäre) Fassade hat dabei die Aufgabe, Einflüsse aus der Umwelt abzuhalten beziehungsweise deren Wirkung abzuwehren oder zumindest abzuschwächen, zum Beispiel Wind und Wetter, Schall, UV-Licht oder UV-Wärme. Die innere (primäre) Fassade ist einerseits Raumabschluss und oft andererseits auch Träger einer Wärmeschutzschicht (Dämmschicht). Zwischen den beiden Fassaden besteht ein Hohlraum, der verschieden groß sein kann. Mit der Erwärmung der Sekundärfassade durch die Sonne erwärmt sich auch der dahinter liegende luftgefüllte Zwischenraum. Um den somit entstandenen thermischen Puffer für das Energiekonzept des Gebäudes vorteilhaft zu nutzen, muss man entsprechende Öffnungen zum Lüften haben: in der Primär- und / oder der Sekundärfassade. Insofern ist eine derartige Doppelfassade eine hinterlüftete Vorhangfassade.

Historisch betrachtet ist das klassische Kastenfenster eine Art ursprüngliche Form einer doppelten Fassade. Inzwischen unterscheidet man nach: 

  • Pufferfassaden (geschlossene Konstruktionen, die weder nach innen zur Primärfassade noch nach Außen zur Sekundärfassade Öffnungen haben)
  • Abluftfassaden (Konstruktionen mit entsprechenden Abluftöffnungen aus dem Hohlraum zwischen Primär- und Sekundärfassade und Zuluftöffnungen aus dem Innenraum)
  • Zweite-Haut-Fassaden (mit Öffnungen zur Lüftung sowohl nach innen als auch nach außen)

Vorhangfassaden in Form von Doppelfassaden lassen sich außerdem danach unterscheiden, ob und wie der Luftzwischenraum zwischen primärer und sekundärer Fassade unterteilt ist:

  • Zweite-Haut-Fassaden haben einen Luftzwischenraum, der komplett ungeteilt ist.
  • Kastenfensterfassaden lassen nur innerhalb eines Fassadenelements Luft zirkulieren.
  • Bei Schacht-Kastenfenster-Fassaden gibt es senkrechte Schächte, in denen die Luft entlang der Fassade aufsteigen kann, wobei sie sich aus angrenzenden Elementen sammelt.
  • Bei Korridorfassaden bewegt sich die Luft waagerecht auf der Geschossebene im Luftzwischenraum.

Erweiterung einer Vorhangfassade um Dämmung

Reparatur eines Teilstücks der Dämmung einer hinterlüfteten Vorhangfassade. (Foto: energie-experten.org)
Reparatur eines Teilstücks der Dämmung einer hinterlüfteten Vorhangfassade. (Foto: energie-experten.org)

Erweitert man eine hinterlüftete Vorhangfassade um eine Dämmschicht – aufgebracht an der Primärfassade – handelt es sich bei der Konstruktion um eine hinterlüftete Vorhangfassade mit Dämmung. Als Dämmstoffe kommen Mineralwolle, Holzwolle und Zellulose besonders häufig zum Einsatz.

Die Kosten einer Vorhangfassade setzen sich zum einen aus variablen Kosten in Abhängigkeit von Fassadenfläche und Konstruktionsweise der Vorhangfassade zusammen sowie aus Fixkosten für die Montage. Wird die Vorhangfassade gedämmt, kommen je nach Dämmstoff entsprechende Kosten hinzu.

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"Aufbau und Varianten von Vorhangfassaden" wurde am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.