Letzte Aktualisierung: 14.03.2016

Anwendung von Holzwolleplatten im Überblick

Was sind Holzwolleplatten und welche unterschiedlichen Varianten gibt es davon? Welche Eigenschaften haben Platten aus Holzwolle? Für welche Dämmprojekte sind sie geeignet, für welche eher nicht?
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Holzwolleplatten zum Dämmen findet man im Handel auch noch unter dem bis zur Einführung der EU-Dämmstoffnorm Anfang Juni 2013 üblichen Namen „Holzwolle-Leichtbauplatten“ und unter der entsprechenden Abkürzung „HWL“. Dabei charakterisierte der alte Name nicht die Dämmplatte an sich, denn die ist keineswegs so leicht, wie es ihr Name vermuten ließ. Im Gegenteil: Solche Holzwolleplatten, wie sie jetzt korrekterweise heißen, zählen zu den Schwergewichten ihrer Art. Denn sie enthalten als Bindemittel nicht Kunstharz wie beispielsweise Spanplatten, was diese recht leichtgewichtig macht, sondern schweren Zement, Magnesit oder Gips.

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Wie aus Holz Holzwolleplatten gemacht werden

Diese Art des Bindens von Holzwollefasern mit Zement & Co. hat übrigens eine lange Tradition. Schon um das Jahr 1925 hatte man damit begonnen, Holzwolle entweder mit Magnesit zu Platten zu formen oder in einem sogenannten Zementgebinde. Insbesondere die zweitgenannte Technologie kommt bis heute weltweit zum Einsatz.

Wer nun bei Holzwolleplatten an luftig-kuschelige Holzfasern denkt, liegt mehr als daneben. Für Holzwolleplatten werden diese Fasern nämlich zusammen mit einer Suspension aus den eben genannten Bindemitteln gepresst. Das Ergebnis: eine feste, harte und schwere Platte. Die Holzwolle, die zur Fertigung von Holzwolleplatten benutzt wird, stammt meist von heimischen Hölzern, vor allem Nadelhölzern wie Kiefern und Fichten. Um aus den gut an der Luft getrockneten Stämmen Holzwolle zu machen, kommt eine Holzwollemaschine zum Einsatz. Die so entstandenen auffallend langen Fasern werden meist noch gegen Feuer imprägniert.

Gut zu wissen: Gleichwohl man heutzutage auf Konservierungsmittel wie Formaldehyd, das seit April 2015 als „wahrscheinlich karzinogen beim Menschen“ eingestuft wird, sowie auf Fungizide (Pilzbekämpfungsmittel) verzichtet, gelten Holzwolleplatten als robust gegenüber:

  • Feuchtigkeit
  • Verrottung
  • Insekten
  • Pilzen
  • und Feuer.

Dämmeigenschaften von Holzwolleplatten

Aufgrund ihrer Struktur und des Ausgangsmaterials Holz, das ein nachwachsender Rohstoff ist, dämmen Holzwolleplatten Wärme recht gut. Eine Holzwolleplatte kommt auf eine Wärmeleitfähigkeit von 0,09 Watt pro Meter und Kelvin. Es gilt, je höher die Wärmedurchlässigkeit ist, desto geringer ist die Dämmwirkung. Zum Vergleich: Eine Holzfaserdämmplatte hat eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,045 Watt pro Meter und Kelvin.

Dazu muss man wissen: Vor Beginn der „weltumspannenden Karriere“ von Dämmstoffen aus Kunststoff wie Polystyrol (bekannte Handelsmarke der BASF SE: Styropor) griff man überwiegend auf Holzwolleplatten zur Wärmedämmung zurück. Als solche haben sie im Zuge des massenhaften Einsatzes von Styropor deutlich an Bedeutung verloren.

Dafür setzte man Holzwolleplatten in verputzter Form verstärkt zur Schalldämmung ein. In öffentlichen Gebäuden mit hoher Lärmbelastung wie Schulen, Sporthallen, Konzerthallen oder Kinos beispielsweise haben sich unverputzte Holzwolleplatten bewährt, um den Schall zu schlucken (absorbieren).

Merksatz: Mit Putz verkleidet dämmen Holzwolleplatten den Schall, ohne Putz absorbieren sie ihn.

Ihre im unverputzten Zustand offene Porenstruktur und die bestenfalls feine Wollstruktur prädestiniert sie dafür. Zugleich lassen beide Struktureigenschaften die Platten zu einem dekorativen Gestaltungselement der Räume werden.

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Tabelle: Baustoff- und Dämmeigenschaften von Holzwolleplatten im Überblick
Eigenschaften Werte der Holzwolleplatte Norm
Brandverhalten nichtbrennbar (Euroklasse A2-s1, d0) Z-23.15-1619
Wärmeleitfähigkeit 0,090 W/mK Z-23.15-1619
Wärmedurchlasswiderstand 0,28 bis 0,56 m2K/W Z-23.15-1619
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl 2/5 DIN EN 4108-4
Spezifische Wärmekapazität 2,1 kJ/kgK  
Plattendicke 25 bis 50 mm  
Druckspannung bei 10% Stauchung 150 bis 200 kPa DIN EN 13168
Biegefestigkeit 1000 bis 1200 kPa DIN EN 12089
Breitentoleranz +/- 3 mm DIN EN 13168
Dickentoleranz +/- 1 mm DIN EN 13168

Verarbeitung und Beschichtung von Holzwolleplatten

Holzwolleplatten lassen sich mit herkömmlichen Werkzeugen gut bearbeiten, man kann sie sägen und fräsen. Zur Befestigung an Wänden und Decken lassen sie sich bohren und mit Beton oder Dübeln montieren. Gut zu wissen: Beim Sägen von Holzwolleplatten kann es zu zur Bildung problematischer Stäube kommen. Wollte man Holzwolleplatten lackieren oder mit Tapeten bekleben, müssen sie zuvor grundiert werden. Wichtig: Mit dem Streichen und Tapezieren verändert man die Atmungsaktivität der Dämmplatten zum Schlechteren hin. Empfohlen werden deshalb Silikatfarben, die ein Atmen der Platten gewährleisten.

Anwendungen zur Wärme- und Schalldämmung

Lange Zeit leisteten reine Holzwolleplatten beim Dämmen von Fassaden gute Dienste. Insbesondere obenauf montiert auf Styroporplatten haben sie sich bestens bewährt. Denn auf einer Kunststoff-Hartschaumplatte hält Putz längst nicht so gut wie auf einer Holzwolleplatte. Die nämlich ist ein idealer Putzträger.

Im Zuge der Entwicklung von immer wirkungsvolleren Dämmstoffen begann man, Holzwolleplatten mit einem Dämmkern auszustatten, der eine noch geringere Wärmedurchlässigkeit hatte, als die Holzwolle selbst. Solch ein Dämmkern kann ein- oder beidseitig mit einer zementierten Holzwolleschicht bestückt sein. So erzielte man insgesamt eine höhere Dämmwirkung der Platten. Die auf diese Weise mehrschichtigen Platten nennt man entsprechend Holzwolle-Mehrschichtplatten. Es gibt sie mit unterschiedlichen Kernmaterialien, beispielsweise mit mineralischer Steinwolle oder mit dem bereits angesprochenen Polystyrol.

Ein Kern aus Steinwolle verbessert neben der Dämmwirkung auch das Brandverhalten und vor allem den Schallschutz der Holzwolleplatte erheblich. Solche Platten kommen deshalb vorwiegend bei der Dämmung von Dächern, Fabrikhallen oder auch Tiefgaragen zum Einsatz, wo es laut zugeht. Mehrschichtige Platten mit einem Styroporkern sollen vor allem Wärme dämmen. Man findet sie deshalb viel im Bereich der Außendämmung, sprich: Fassadendämmung.

Reine Holzwolleplatten kommen oft im Innenbereich zum Einsatz. An Innendecken, Innenwänden und im Dach, dort beispielsweise als Untersparrendämmung, sorgen sie für Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz. Selbst leichte Trennwände kann man mit ihnen errichten.

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