Letzte Aktualisierung: 14.03.2016

Einsatz von Holzwolle als natürlicher Wärmedämmstoff

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Was ist Holzwolle? Wie wird Holzwolle hergestellt? Welche Eigenschaften hat Holzwolle und was macht sie zu einem guten Dämmstoff?

Holzwolle ist ein Werkstoff mit langer Tradition. Schon seit mehreren Jahrhunderten wird sie zu unterschiedlichsten Zwecken genutzt. Heute versteht man unter Holzwolle lose und naturbelassene Holzwollfäden, die sehr fein und bis zu einem halben Meter lang sein können. Holzwolle wird auf unterschiedliche Weise zu losen Dämmflocken oder auch zu Dämmplatten verarbeitet. Hier erklären wir, welche Vor- und Nachteile Holzwolle als Dämmstoff besitzt und in welchen Dämmanwendungen Holzwolle zum Einsatz kommt.

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Herstellung von Holzwolle-Dämmstoffen

Holzwolle ist ein mechanisch hergestelltes Material, das aus entrindetem und - in Abhängigkeit von der späteren Verwendung der Holzwolle entsprechend bis auf eine Restfeuchte von 13 Prozent –luftgetrocknetem Laub- und Nadelholz der höchsten Qualitätsklassen (mit FSC- oder PEFC-Zertifikat) besteht. Man spricht dabei auch von Rundlingen. Um Holzwolle zu produzieren, bedient man sich sogenannter Holzwollmaschinen, die zu den spanabhebenden Hobelmaschinen gehören.

Für das Dämmmaterial Holzwolle werden die Holzwollfäden zunächst zu einem Vlies verarbeitet, aus dem anschließend unter Zugabe von Bindemitteln wie Zement oder Magnesit feste, sprich: formstabile, Dämmplatten gemacht werden. Holzwolle ist auch als loser Dämmstoff zu haben, beispielsweise, um sie mittels der Einblasdämmung in Hohlräume zu füllen (Kerndämmung).

Je nachdem, welches Holz für die Herstellung der Holzwolle genutzt wird, unterscheidet sich auch die Holzwolle in ihren biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften. Um für den jeweils vorgesehenen Verwendungszweck die beste Holzwolle zu nutzen, werden Holzwollfäden unterschiedlicher Hölzer auch häufig miteinander gemischt. Die Mischung macht dann einen Unterschied. Außerdem beeinflussen auch die Holzwollfadendimensionen Länge und Durchmesser an sich die Eigenschaften der Holzwolle.

Vorteile von Holzwolle als Dämmstoff

Folgende Vorteile weist die Nutzung von Holzwolle als Wärmedämmstoff auf:

  • Holzwolle ist zuallererst ein natürlicher Dämmstoff, der mit seiner Klimaneutralität und Umweltfreundlichkeit punktet.
  • Zudem ist Holzwolle widerstandsfähig gegenüber Ungeziefer, Verrottung und Pilzbefall.
  • Die Produktion von Holzwolle ist rein mechanisch, also vergleichsweise energiearm.
  • Besonders vorteilhaft ist die Eigenschaft von Holzwolle, den Schall zu dämmen. Insbesondere in Städten hat der Schallschutz große Bedeutung, eine geräuscharme beziehungsweise geräuschfreie Umgebung ist in Job und Freizeit dort nahezu ein Luxus.
  • Die Wärmespeicherkapazität von Holzwolle wird als gut bewertet. Vor allem im Sommer kommt sie zum Tragen, wenn es gilt, die Wärme nicht ins Gebäude zu lassen.
  • Bezüglich der Baustoffklasse, die Auskunft über das Brandverhalten von Holzwolle gibt, ist der Dämmstoff ebenfalls als gut zu bewerten. Er wird gemäß der neuen Norm DIN EN-13501-1 als nicht brennbar mit Anteilen von brennbaren Baustoffen eingeordnet: Baustoffklasse A2 s 1 d0.
  • Holzwolle ist relativ günstig, sie kostet je nach Ausführung zwischen 80 und 90 Euro pro Quadratmeter.
  • Auch nicht unbedeutend: Holzwolle absorbiert Feuchtigkeit gut. Sie beugt dank ihrer Offenporigkeit der Bildung von Tauwasser (Kondensat) vor und trägt so zu einem angenehmen und gesunden Wohnklima bei.
  • Nicht zuletzt gereicht der Holzwolle zum Vorteil, dass sie sich leicht als Dämmstoff verarbeiten lässt. Herkömmliche Werkzeuge wie Säge und Bohrer sowie Schraub- und Nagelbefestigungen sind für sie geeignet.

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Mögliche Nachteile von Holzwolledämmstoffen

Die Dämmwirkung von Holzwolle ist überraschend gering. Ihre Wärmeleitfähigkeit wird auf etwa 0,09 Watt pro Meter und Kelvin beziffert. Verglichen mit Mineralwolle oder Polystyrol ist das ein recht schlechter beziehungsweise hoher Wert. Will man den Vorschriften der aktuell geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV) mit dem Dämmstoff Holzwolle gerecht werden, die für die Fassadendämmung beispielsweise einen Wärmedurchgangskoeffizienten (so genannter U-Wert) von 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin vorschreibt, müsste man sage und schreibe eine 36 Zentimeter dicke Dämmschicht Holzwolle aufbringen.

Zum Vergleich: Mineralwolle käme auf 14 Zentimeter. Um einen solchen übermäßigen Dämmstoffauftrag zu vermeiden, werden in der Praxis häufig andere Dämmstoffe mit Holzwolle kombiniert, gleichwohl das die ökologische Bilanz des Dämmstoffs verschlechtert. Zum Beispiel als Holzwolle-Mehrschichtplatte mit einem Steinwollkern oder einem Kern aus Polystyrol. Solche Kombi-Lösungen heißen mehrschalige Dämmplatten.

Übersicht der Dämmwerte von Holzwolledämmplatten*
Kennzahl Eigenschaften von Glaswolle
Anwendungstyp nach DIN V 4108-10 DAD, DAA, DZ, DI, DEO, WAB, WAA, WZ, WTR, WAP, WH, WI
DIN EN/ Zulassung DIN EN 13168 (für Gebäude)
Rohdichte in kg/m3 350 bis 600 (WW); 180 bis 300 (MW); 60 bis 300 (EPS)
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit W/(mK) 0,08 bis 0,11 (WW)
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl 2 bis 5 (WW)
Brandklasse nach DIN EN 13501-1 B1, B2 (DIN 4102-1), B, A2-s1, d0 (Euroklasse, WW/ MW), E (Euroklasse mit EPS)
Spezifische Wärmekapazität in J/(kgK) 2100
Druckspannung in kPa (10% Stauchung) 150 bis 200 (WW)
Zugfestigkeit in kPa (senkrecht zur Plattenebene) > 7,5
Dynamische Steifigkeit in MN/m3 > 150 (MW)
Dimensionstabilität in % k. A.
Temperaturbeständigkeit in °C 180 (WW und MW); 100 (EPS)

* WW = Dämmplatte aus reiner Holzwolle (Woodwool), MW = Dämmplatte aus Holzwolle mit einem Kern aus Mineralwolle (Mineralwool), EPS = Dämmplatte aus Holzwolle mit einem Kern aus expandiertem Polystyrol (expanded Polystyrene)

Beispiele für die Anwendung von Holzwolledämmung

Als Anwendungsbeispiele für Dämmungen mit Holzwolle lassen sich folgende nennen:

  • Dämmung der Kellerdecke (zugleich unterste Geschossdecke)
  • Außendämmung der Fassade (geeignet für Mauerwerk, Holzfachwerk und Holztafelbau)
  • Innendämmung von trennenden Wänden und Decken
  • Dämmung des Dachs in Form von einer Zwischensparrendämmung und / oder Untersparrendämmung und / oder Aufsparrendämmung
  • Dämmung im zweischaligen Mauerwerk (lose Holzwolle)
  • Hohlraumdämmung (lose Holzwolle)

Wichtig: Holzwolle ist nicht geeignet, um den erdberührenden Sockel eines Gebäudes (sogenannte Perimeterdämmug) zu dämmen. Holzwolle kommt als Dämmstoff dort zum Einsatz, wo es auf die ökologische Korrektheit des Dämmmaterials ankommt.

Ökologie und Nachhaltigkeit von Holzwolledämmstoff

Holzwolle wird aus Holz gewonnen, also aus einem nachwachsenden Rohstoff. Sie gilt als natürlicher Dämmstoff beziehungsweise Naturdämmstoff. Für ihre Herstellung ist verglichen mit anderen Dämmmaterialien nur wenig Energie vonnöten. Die Schadstoffbelastung von Holzwolle ist relativ gering, sie gilt als baubiologisch vorteilhaft. Als Naturdämmstoff bereitet auch die Entsorgung von Holzwolle keine ökologischen Probleme, Großteils ist sie biologisch abbaubar. Als Verbund mit einem Kern aus Mineralwolle oder Polystyrol ist die Entsorgung allerdings aufwendiger und weniger ökologisch.

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News zur Holzwolle

Holzschaumplatten sind hundertprozentige Naturprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen und bieten die selben Materialeigenschaften wie künstlich hergestellte Dämmplatten. (Foto: Manuela Lingnau / Fraunhofer WKI)
| Dämmung
[...] kann mit klassischen Kunststoffschäumen mithalten Zwar gibt es heute bereits Dämmstoffe auf Holzbasis wie z. B. Vliese aus Holzfasern oder Holzwolle, diese besitzen allerdings den Nachteil, dass sie fasern und weniger formstabil sind als Dämmmaterialien aus Kunststoff. Oftmals sinken [...]
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