Letzte Aktualisierung: 25.11.2020

Dämmen mit Zellulose: Dämmstoff-Eigenschaften, Verarbeitung & Kosten

Anzeige
Welche Eigenschaften bringt Zellulose als Dämmmaterial mit? Welche Vor- und Nachteile hat eine Zellulosedämmung? Wo ist eine "Papier"dämmung sinnvoll im Einsatz? Was ist beim Dämmen Flocken, Granulat und Matten zu beachten? Mit welchen Kosten ist zu rechn
  • Der Dämmstoff Zellulose besteht Großteils aus pflanzlichen Fasern, denn er wird aus Papier – bestenfalls Recyclingpapier – gefertigt.
  • Es gibt Zellulose zum Dämmen vorwiegend in loser Form (Flocken und Granulat/Pellets) zur Einblasdämmung oder Schüttdämmung und seltener in Form von Platten bzw. Matten als Klemmfilz.
  • Eine Zellulosedämmung kann sowohl als Dachdämmung zwischen und unter den Sparren als auch als Wand-, Fußboden- und Deckendämmung eingesetzt werden.
  • Die Preise für eine Zellulosedämmung variieren mit der Dämmstoffform, wobei loser Dämmstoff günstiger zu haben ist (ab 10 Euro pro Quadratmeter) als zu Platten verpresster (50 bis 60 Euro pro Quadratmeter).

Angebote für Wärmedämmungen kostenlos anfordern

Jetzt Ihre Fachbetriebe finden!
Anzeige

Vorkommen, Beschaffenheit und Eigenschaften von Zellulose

Zellulose (auch Cellulose) ist das Material, aus dem die Zellwände von Pflanzen hauptsächlich bestehen. Chemisch betrachtet ist Zellulose ein Polymer, also ein Polysaccharid oder Vielfachzucker. Zellulose ist das am häufigsten vorkommende Biomolekül – sie besteht aus Hunderten bis Zehntausenden unverzweigten hochmolekularen Ketten (Einheiten), die reißfeste Fasern bilden und Pflanzen zu Statik verhelfen. Sie wird daher auch Struktursubstanz genannt. Zellulose ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, zum Beispiel, um Papier herzustellen.

Als Dämmstoff eignet sich Zellulose, weil ihre Wärmeleitfähigkeit je nach Hersteller und Verarbeitung bei Werten zwischen 0,039 Watt pro Meter und Kelvin (W/mK) für Zellulosematten und 0,045 W/mK liegt. Zellulose bringt eine recht gute Wärmespeicherkapazität mit.

Damit Zellulose als Dämmstoff eingesetzt werden kann, braucht sie einen extra Brandschutz, denn den hat sie von Haus aus nicht. Hersteller von Zellulose-Dämmmaterial versetzen ihre Produkte daher mit einem Flammschutzmittel, zum Beispiel Borax (das auch als Fungizid, also Wirkstoff gegen Pilze und ihre Sporen wirkt). Damit kommt Zellulose in Sachen Brandschutz auf die Baustoffklasse B2 und gilt als „normal entflammbar“.

Tabelle 1: Übersicht der Dämmstoffeigenschaften von Zellulose
Kennzahl Schaumglas
Anwendungstyp nach DIN V 4108-10 DAD, DZ, DI, WH, WI, WTR
Produktnorm Nein
Rohdichte in kg/m3 30 bis 60 (lose) und 60 bis 90 (als Platten)
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit W/(mK) 0,039 bis 0,045
Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ 1 bis 2
Brandklasse nach DIN EN 13501-1 B2 (DIN 4102-1) / E (Euroklasse)
Spezifische Wärmekapazität in J/(kgK) 1700 bis 2200
Druckspannung in kPa (10% Stauchung) 60 (als Platte)
Zugfestigkeit in kPa (senkrecht zur Plattenebene) 60 (als Platte)
Dynamische Steifigkeit in MN/m3 3 bis 7
Dimensionstabilität in % 0 (lose, in senkr. Wand) und 10 bis 20 (lose, horizontal)
Temperaturbeständigkeit in °C 60

Herstellung und Recycling von Zellulose

Insbesondere Zellulosedämmung zählt zu den Ressourcen schonenden Dämmlösungen. Denn hinter der Bezeichnung Zellulose verbirgt sich nichts anderes als Altpapier von Tageszeitungen. Als reines Recyclingmaterial hat dieser Dämmstoff bereits nach kurzer Zeit mehr Energie eingespart, als für seine Herstellung benötigt wurde.

Bei der Herstellung wird Altpapier zerfasert und mit dem Zusatz von Borsalz gegen Schimmel und Brand geschützt. Die Zellulose wird dabei zunächst in einem Hacker mechanisch zerkleinert, anschließend mit pulverförmigen Borsalzen (ca. 5 %) oder Ammoniumphosphat (bis zu 8 %) als Zusatzstoff für einen verbesserten Brandschutz und zur Verbesserung der Dauerhaftigkeit vermischt.

Der Faseraufschluss erfolgt dann mit vorgeschalteten Hammermühlen in Refiner- oder Wirbelstrommühlen. Nach einer Abscheidung des Feinanteils (Staub) kann das Material bei Anwendung als loser Dämmstoff zu Ballen verpresst bzw. in Säcken abgepackt und ausgeliefert werden.

Alternativ können auch Dämmpellets oder Dämmstoffmatten hergestellt werden. Unter Einsatz von Bindemitteln oder Stützfasern und unter Einwirkung von Wasserdampf werden die Flocken zu Zellulosematten gepresst. Im trockenen Zustand können diese dann zugeschnitten werden.

Fachbetriebe für Wärmedämmungen in Ihrer Nähe finden

Jetzt Ihre Fachbetriebe finden!
Anzeige

Zellulose zum Dämmen für verschiedene Dämmungen

Je nachdem, in welcher Form das Dämmmaterial Zellulose angeboten wird, lässt es sich zu unterschiedlichen Dämmzwecken einsetzen.

Expertenwissen: Wegen seiner Eigenschaften, insbesondere seinem Feuchteverhalten, kommt der Dämmstoff Zellulose in der Regel nur integriert in ein Gebäudebauteil zum Einsatz. Das heißt: Der Dämmstoff ist stets von anderen Baustoffen wie Holz oder Gipsplatten (Gipsfaser und Gipskarton) umschlossen.

Zellulosedämmung mit Zelluloseflocken - Einblasdämmung

Lose Zelluloseflocken bläst man mit Hilfe geeigneter Luftdruckmaschinen über Schläuche in Hohlräume. Bei der Einblasdämmung verdichten sich die losen Flocken so lange, bis sich eine Art fugenloser Dämmstoffblock bildet. Er füllt den Hohlraum komplett aus.

Expertenwissen: Eine Einblasdämmung mit Zelluloseflocken ist eine Sache für Profis. Sie braucht erfahrene Hände und geeignete Maschinen. Beim Einblasdämmen müssen die Atemwege wegen der Feinstaubbelastung geschützt werden.

Demnach lassen sich mit dem Einblasen von Zellulose Hohlräume in

  • Dächern (Gefache zwischen Dachsparren)
  • Wänden und
  • Decken/Geschossdecken

füllen.

Eine mit losen Zelluloseflocken errichtete Dämmung ist diffusionsoffen, also dampfdurchlässig. Damit wirkt die Zellulosedämmung feuchtigkeitsregulierend – das ist von Vorteil, denn die Dämmung kann deshalb Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grad absorbieren (aufnehmen), puffern und zu einem späteren Zeitpunkt (zeitversetzt) abgeben. Aber: Nass werden darf die Zellulosedämmung nicht.

Expertenwissen: Das ist der Grund, warum sich Zellulose als Kerndämmstoff für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (kurz: VHF) nicht eignet.

Zellulosedämmung mit Zellulosepellets – Schüttdämmung

Zum Dämmen von Fußböden und Geschossdecken gibt es auch Zellulose-Pellets als Schüttmaterial zu kaufen. Im Unterschied zur Zellulose-Einblasdämmung wird die Zellulose-Schüttdämmung nicht maschinell, sondern mit der Hand eingebracht.

Dabei unterscheidet man zwei Arten von Zellulose-Schüttdämmung:

  • die druckbelastbare und
  • die nicht druckbelastbare.

Die nicht druckbelastbare Schüttdämmung mit Zellulose wird vorwiegend zum Dämmen oberster Geschossdecken eingesetzt, wenn der Dachfußboden nicht betreten werden soll.

Dort wo Bodenbereiche betreten werden sollen, kommen als Zellulose-Schüttung spezielle Dämmpellets zum Einsatz. Das sind Granulate aus Zellulose. Ihre Korngröße liegt zwischen drei und acht Millimetern (mm). Weil das Schüttgewicht solcher Zellulose-Pellets deutlich höher ist als das herkömmlicher Zelluloseflocken, können Sie damit belastbare Dämmschichten für den Unterbodenbereich errichten, die zur Wärmedämmwirkung auch eine gute Schalldämmwirkung besitzen.

Zellulosedämmung mit Platten und Matten aus Zellulose

Zu Platten oder Matten gepresste Zellulose, der man aus Gründen höherer Stabilität oft zerkleinerte Textilien zugibt, kann man dem Ökologischen Baustoffinformationssystem WECOBIS zufolge zur Außendämmung des Dachs verwenden. Die Zellulose-Dämmplatten oder Zellulose-Dämmmatten lassen sich unter der Dacheindeckung verarbeiten, vorausgesetzt, sie sind dort gut geschützt vor witterungsbedingter Feuchtigkeit. Auch zur Dämmung

  • unter und
  • zwischen

den Dachsparren (in den sogenannten Gefachen)

eigen sich die Platten/Matten aus Zellulose. Sie werden zum Beispiel wie Klemmfilz in die Gefache eingebracht.

Außerdem lassen sich Wände und Decken mit Zelluloseplatten und Zellulosematten dämmen: Laut Ökologischem Baustoffinformationssystem WECOBIS eignen sie sich zur

  • Außendämmung (Dachdämmung: Zwischensparrendämmung, Untersparrendämmung, Dämmung eines zweischaligen Dachs; Fassadendämmung)
  • und zur Innendämmung (Dämmung von Wand, Decke und Fußboden).

Zelluloseplatten sind vergleichsweise flexibel. Darüber hinaus gelten sie als ziemlich resistent gegen Fäulnis und Verrottung. Aber: Zelluloseplatten sind eher nicht druckstabil. Das macht sie für eine Perimeterdämmung ungeeignet, denn den dort wechselnden Druckverhältnissen, herrührend aus dem Druck von Grundwasser und Erdboden, können sie nicht standhalten.

Die Wärmeleitfähigkeit von Zellulosedämmplatten liegt bei etwa 0,040 W/mK.

Zellulosedämmung im Sprüh-/ Spritzverfahren

Zur Dämmung der Kellerdecke von unten oder für Innen- und Außenwände kann Zellulose auch aufgesprüht werden. Beim Feuchtsprühverfahren wird das Zellulosedämmmaterial mit Hochdruckdüsen befeuchtet. Durch dieses befeuchten wird der Dämmstoffeigene Klebstoff Lignin aktiviert und kann auf geeigneten Flächen Lagenweise aufgetragen werden. Überschüssiges Material wird planeben mit einem sog. Scraber abgezogen.

Durch das Aufsprühen können Rundungen und historische Wandformen weitgehend erhalten bleiben, unerwünschte Hohlräume zwischen Mauerwerk und Dämmung werden vermieden und Unebenheiten reduziert. Bei einer Schichtdicke von rund 80 mm erreicht das Material eine Wärmeleitfähigkeit von 0,052 W/mK und lässt sich - außer auf Gips - auf allen bestehenden Putzuntergründen aufbringen.

Preise und Kosten einer Zellulosedämmung

Das Dämmen mit Zellulose ist vergleichsweise günstig: Die Preise für Zellulose-Dämmstoffe variieren jedoch stark mit der Form, in welcher der Dämmstoff verkauft wird:

  • Ein Kubikmeter Zelluloseflocken kostet zwischen 130 und 160 Euro und reicht bei einer Hohlraumstärke von beispielswiese 30 Zentimetern für 3 bis 4 Quadratmeter je nach Einblasdruck.
  • Eine Zellulose-Dämmschüttung kostet rund 0,3 Euro pro Liter, ein 100 Liter Sack kostet somit rund 30 Euro. 100 Liter reichen für 10 qm pro 10 mm Schütthöhe.
  • Zellulosematten der Stärke 15 Zentimeter kosten zwischen 50 und 60 Euro pro Quadratmeter.

Wichtig: Bei einem Preisvergleich sollten Sie unbedingt auf die Verbrauchsangaben des Herstellers achten, um die letztlich benötigte Verbrauchsmenge zu kalkulieren.

Preisvergleich von Wärmedämmstoffen in Ihrer Nähe

Jetzt Ihre Fachbetriebe finden!
Anzeige

Weitere Informationen über natürliche Dämmstoffe

Kostenlose Angebote anfordern:

Das könnte Sie auch interressieren:

  • Heizung planen

    Mit unserem Heizungsplaner ermitteln Sie einfach online ein Heizungskonzept, das Ihre Heizwärmeanforderungen am Besten erfüllt. Dabei richtet sich die…

    Heizung planen
  • Solarrechner

    Mit unserem Online-Solarrechner können Sie sofort prüfen, ob sich Ihr Dach für eine Photovoltaik-Anlage technisch eignet und finanziell lohnt. Mit nur wenigen…

    Solarrechner
  • Dämmung berechnen

    Mit unserer Online-App "Dämmkostenrechner" ermitteln Sie in wenigen Schritten einfach & unkompliziert, welche Dämmung in welcher Dicke wie viel kostet, was sie…

    Dämmung berechnen