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Einsatz von Zellulose zur Einblasdämmung

Warum ist Zellulose für die Einblasdämmung sehr gut geeignet? Welche Vor- und Nachteile hat der Einblasdämmstoff Zellulose? Was ist beim Dämmen mit Zelluloseflocken zu beachten?

Einer der Einblasdämmstoffe, der heutzutage am häufigsten eingesetzt wird, ist Zellulose. In Form sogenannter Zellulose-Flocken wird sie genutzt, wenn es gilt, schwer oder gar unzugängliche Hohlräume lückenlos und wärmebrückenfrei im Dach, im Mauerwerk (Stichwort: zweischaliges Mauerwerk), im Keller (Stichwort. Kriechkeller) oder in Decken und Zwischendecken zu dämmen. Gründe für die große Beliebtheit von Zellulose als Einblasdämmstoff gibt es genug. Wir zeigen im Folgenden die wichtigsten auf.

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Eigenschaften von Zellulose zur Wärmedämmung

Zellulose wird zunächst in gepressten Ballen angeliefert und dann per Hand oder Einblasmaschine zu Flocken zerrissen. (Foto: X-Floc Dämmtechnik-Maschinen GmbH)
Zellulose wird zunächst in gepressten Ballen angeliefert und dann per Hand oder Einblasmaschine zu Flocken zerrissen. (Foto: X-Floc Dämmtechnik-Maschinen GmbH)

Trotz ihres relativ günstigen Preises punktet Zellulose als Dämmstoff mit Eigenschaften, die sie als äußerst wirkungsvollen Dämmstoff qualifizieren. Dazu gehört, dass Zellulose gut isoliert, sowohl, was Wärme und Kälte anbelangt, als auch bezüglich des Schalls. Hinzu kommt, dass Zelluloseflocken eine hohe Wärmespeicherkapazität besitzen und zugleich diffusionsoffen sind.

Ihre Wärmeleitfähigkeit wird mit U-Werten zwischen 0,040 und 0,045 Watt pro Kelvin und Quadratmeter angegeben. Sie sind damit aus bautechnischer und bauökologischer Sicht ein guter Wärmedämmstoff. Insbesondere als Einblasdämmung weist Zellulose viele Vorteile auf.

Dämmwerte von Zellulose (Quelle: Umweltinstitut München, Wärmedämmstoffe im Vergleich, 2000)
Lambda-WertDiffusionswiderstandDichteEnergetische AmortisationBaustoffklasse
0,04 - 0,045 W/mK0,5 - 230 - 80 kg/m32 - 3 MonateB2/ B1

Vorteile von Zellulosedämmstoff zur Einblasdämmung

Zellulose füllt Hohlräume komplett

Als Einblasmaschine zur Einblasdämmung von Zellulose - wie hier der bekannte Zellulose Einblasdämmstoff isofloc - kommt häufig der Zellofant von X-Floc zum Einsatz. (Foto: energie-experten.org)
Als Einblasmaschine zur Einblasdämmung von Zellulose - wie hier der bekannte Zellulose Einblasdämmstoff isofloc - kommt häufig der Zellofant von X-Floc zum Einsatz. (Foto: energie-experten.org)

Um in eine Dämmschicht Zellulose einzublasen, werden die Zelluloseflocken mit Hilfe einer Einblasmaschine in die Hohlräume geblasen. Das geschieht bei leichtem Überdruck, so dass sie sich zugleich verdichten. Und zwar so, dass sie dicht an allen Bauteilen anliegen, ohne unerwünschte Ritzen, Fugen oder Ähnliches zu bilden. Das gelänge mit Dämmmaterialien, die möglichst passend auf die Hohlräume zugeschnitten werden müssten, kaum.

Der in jedem Fall gewünschte Transport von Feuchtigkeit (Stichwort: Tauwasserschutz) wird so bestens gewährleistet. Und wo wir schon bei Dämmstoffen sind, die passgenau zugeschnitten werden müssen: Der dort unvermeidliche Verschnitt, der schon bei der Planung einkalkuliert werden muss, entfällt beim Einblasen von Zellulose. Das spart Material und daraus resultierende Kosten.

Zelluloseflocken rieseln nicht

Beim Einblasen verhaken sich die einzelnen Flocken ineinander. Das hat den großen Vorteil, dass ein Durchrieseln des Dämmstoffs verhindert wird, wie es bei nicht komplett geschlossenen Hohlräumen mitunter vorkommt. Anders als bei faserigen Einblasdämmstoffen wie Zellulose, Grasfaser, Holzfaser, Hanf oder auch Mineralfaser es sind, ist das Durchrieseln bei Einblasdämmstoffen in Granulat-Form nämlich keine Seltenheit. Denn Granulat ist rieselfähig. Das hat ja auch sein Gutes: Zum Beispiel rieselt das Granulat beim Einblasen dicht auf dicht. Anders faserige Zellulose. Die muss zusätzlich verdichtet werden, damit keine Hohlräume in der Dämmschicht entstehen.

Zelluloseflocken sind recycelt und wiederverwertbar

Zelluloseflocken bestehen zu einem Großteil aus Altpapierfapierflocken. Hinzu kommen Borax oder Ammoniumpolyphosphat und ein kleiner Anteil Naturharze. (Grafik: energie-experten.org)
Zelluloseflocken bestehen zu einem Großteil aus Altpapierfapierflocken. Hinzu kommen Borax oder Ammoniumpolyphosphat und ein kleiner Anteil Naturharze. (Grafik: energie-experten.org)

Zellulose ist auch deshalb so oft bei der Einblasdämmung im Einsatz, weil sie eine ganz gute Öko-Bilanz hat. Die Zelluloseflocken werden aus Altpapier, zum Beispiel aus Remittenden, also nicht benutzten Zeitungspapieren, recycelt. Solche Remittenden stehen in Deutschland in ausreichender Menge zur Verfügung, die Rede ist von bis zu einer Million Tonnen pro Jahr. Das wiederum schont die Ressourcen, da schon Papier an sich ein nachwachsender Rohstoff ist. Das in diesem Fall noch bessere Altpapier wird zur Herstellung von Zelluloseflocken lediglich zerkleinert (zerrissen und zermahlen) - ein Aufwand, der recht wenig Energie und kaum bis gar kein Wasser verbraucht.

Und selbst wenn einige Hersteller von Zellulose-Dämmstoff den Altpapierfetzen sogenanntes Borsalz (Borax) zusetzen, das deren Entflammbarkeit niedrig und den Fäulnisschutz hoch halten soll, ist die Produktion des Einblasdämmstoffs Zelluloseflocken verhältnismäßig einfach und entsprechend preiswert. Die dabei verursachten Emissionen an Treibhausgas CO2 sind entsprechend geringer im Vergleich zu anderen Einblasdämmmaterialien.

Es muss auch nicht immer das aus ökologischer Sicht zu Recht als nachteilig angesehene und deshalb umstrittene Borsalz sein. Es gibt inzwischen auch borsalzfreie Zelluloseflocken. Alternativ setzt man zum Beispiel

  • Tonerdehydrat,
  • Ammonium(poly)phosphat und
  • Naturharze wie Fungotannin ein.

Letzteres wird aus dem Rindenextrakt Tannin gewonnen. Zusätze, die biologisch abbaubar sind. Die Zellulose-Dämmschicht einer Einblasdämmung ist damit sogar kompostierbar. Zudem lassen sich Zelluloseflocken, die mittels Einblasdämmung in Hohlräume eingebracht wurden, dort auch wieder herausnehmen und erneut als Einblasdämmstoff einsetzen. Der dafür nötige Rückbauaufwand ist vergleichsweise gering.

Zellulose ist nur schwer entflammbar

Apropos Entflammbarkeit: Gleichwohl Zelluloseflocken aus dem leicht brennbaren Material Papier gewonnen werden, sind sie selbst recht feuerfest. Ihr Brandverhalten wird nach verschiedenen DIN-Normen und EU-Richtlinien bewertet. Nach der Norm EN ISO 13501-1 beispielsweise bezeichnet man sie mit "B-s2, d0". Dabei steht das "B" für die Baustoffklasse "schwer entflammbar". "s2" bedeutet, dass die Zellulose-Dämmschicht im Falle eines Brandes nur begrenzt Rauch entwickelt.

Und anders als synthetische Dämmmaterialien wie Styropor beispielsweise entstehen beim Verbrennen von Zellulose keine giftigen Gase. "d0" schließlich weist darauf hin, dass brennende Zellulose weder tropft noch abfällt. Das heißt, dass sich ein Brand des Dämmstoffs auch weniger schnell ausbreitet als beispielsweise im Fall brennender Styroporplatten.

Mäuse ziehen andere Einblasdämmstoffe vor

In einschlägigen Foren kann man nachlesen, dass der Schaden von Kleinnagern wie Mäusen in eingeblasenen Dämmschichten aus Zellulose eher gering ausfällt. Denn durch die starke Verdichtung der eingeblasenen Zellulose haben Nager wie Ratten und Mäuse es schwerer, Hohlräume zu bauen, die sie als Gänge und Nester nutzen können. Das mit Borsalz versetzte Altpapier reizt zudem die Schleimhäute der Nager und hält sie von den Flächen fern. Allerdings gibt es auf dem Markt Zellulosen mit unterschiedlichen Salzgehalten. Bei Problemen mit Nagetieren empfehlen Experten Produkte mit mehr als 8 % Bor.

Nachteile von Zellulose für die Einblasdämmung

Nach all den Vorteilen muss auch Platz sein für Nachteile, die der Einsatz von Zellulose als Dämmmaterial bei der Einblasdämmung mit sich bringt. Ein vielfach belegter ist, dass das Einbringen der Zelluloseflocken mit der Einblasmaschine feine - wie es heißt, auch lungengängige - Fasern freisetzen kann. Umso wichtiger ist hier der fachgerechte Umgang mit Maschine und Material! Experten setzen mit einem Einblasen im geschlossenen Kreislauf kaum Staub frei.

Zudem gilt Zellulose als nicht setzungsischer. Das heißt, dass die Papierflocken mit der Zeit nach unten sacken und so wiederum Hohlräume entstehen, die die Wärmedämmung der Außenwand beeinflussen. Im besten Fall kann man bei Setzungserscheinungen Zellulose von oben nachkippen. Im schlechtesten Fall sind die Hohlräume irreparabel.

Ein Hinweis auf das Setz- bzw. Setzungsverhalten von Zellulose gibt daher der Dichtebereiche in kg/m3 an, der vom Hersteller auf der Verpackung der Zellulose-Einblasdämmung angegeben wird. Zudem werden teilweise die Verarbeiter der Zellulose vom Hersteller verpflichtet, einen Baustellennachweis mit der eingebauten Rohdichte auszustellen und dem Kunden auszuhändigen.

Die notwendige Verdichtung, um eine setzungssichere Einblasdämmung herzustellen, wird vom Hersteller häufig in Modellen durch Vibrationen und Gewichten ermittelt. Sitzt der Zellulose-Dämmstoff zu locker, so entstehen Setzungserscheinungen. Die Einbaudichte, bei der keine Setzung zu beobachten ist, ist dann die für das entsprechende Bauteil geltende notwendige Einbaudichte.

Experten-Tipp: Um bei der Dämmstoffauswahl, bei der Aufbereitung und dem Einblasdruck auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, zunächst die Hohlschicht per Endoskop auf ihren baulichen Zustand und Tiefe zu untersuchen. Um das Mauerwerk endoskopisch zu untersuchen, werden an aussagekräftigen Stellen rund 12 mm große Löcher in die Außenwand gebohrt, durch die das Endoskop eingeführt wird. Sind z. B. viele Mörtelbrücken erkennbar, die die hohlraumfreie Verdichtung der Zellulose-Einblasdämmung beeinträchtigen könnten, sollte eher auf ein rieselfähiges Granulat gesetzt werden.

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"Einsatz von Zellulose zur Einblasdämmung" wurde am 16.04.2018 das letzte Mal aktualisiert.