Letzte Aktualisierung: 16.11.2020

WDVS-Putzfassade auf Holz: Wie verputze ich ein Holzhaus?

  • Wichtiges Element beim Verputzen eines Holzhauses ist die Putzträgerplatte. Auf sie wird der Putz letztlich aufgetragen. Auf die Platte wird ein Grundputz als Armierungslage mit Armierungsgewebe aufgetragen und dann ein Oberputz. Bei Bedarf kann die verputzte Holzfassade mit z. B. Silikat-Fassadenfarbe angestrichen werden.
  • Um vor Witterung zu schützen und gleichzeitig diffusionsoffen zu wirken, ist sie Teil eines WDVS. Die verwendeten Dämmplatten, Befestigungen und Putze müssen daher für diese Verwendung zugelassen und kompatibel zu den WDVS-Komponenten sein.
  • Neben EPS- und Mineralwolleplatten aus Steinwolle werden bei Holzhäuser aufgrund des homogenen und ökologischen Materialeinsatzes häufig Holzwolleplatten und Holz(weich)faserplatten verwendet. Diese sind zudem fester und steifer und können an die Holzwand/ -ständer geklammert bzw. gedübelt werden.
  • Als „Holz“-Putz empfehlen sich mineralische, diffusionsoffene Putze, die zum WDVS passen. Diese kommen der feuchteempfindlichen Konstruktion des Holzhauses entgegen, das sie Feuchtigkeit aufnehmen und schadlos wieder abgeben können. Außerdem sind sie alkalisch und daher auf natürliche Weise unempfindlich gegen Schimmelpilzbefall.

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Holzhäuser werden immer beliebter. 2020 wurden mehr als 20% aller neuen Ein- und Zweifamilienhäuser sowie auch vermehrt Mehrfamilienhäuser als Holzhaus-Konstruktion errichtet. Die Gründe liegen in

  • der Verwendung ökologischer Baustoffe auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes,
  • der energieeffizienten Bauweise – gute Dämmung im Winter und Hitzeschutz im Sommer – als auch
  • der Durchführung: Holzhäuser punkten hier aufgrund eines standardisierten Vorfertigungsgrades mit schnellen und gut kalkulierbaren Ausführungszeiten.
  • Zudem zeichnen sich Holzhäuser durch ein angenehmes Wohnklima aus. Das früher geltende Vorurteil des sogenannten „Barackenklimas“ gilt shon lange nicht mehr.
  • Dank des hohen Qualitätsmaßes z. B. der BDF-Anforderungen für Fertighaus-Holzhäuser sind diese heute nachhaltig moderne Hauskonstruktionen.

Anforderungen an außenliegende Dämmplatten als Putzträgerplatte

Viele wollen jedoch nicht mehr die alpine Optik einer Schweizer Almhütte oder die des Schwedenhauses, sondern wollen eine verputzte Holzfassade, sodass sich diese auch in den Baubestand einpasst. Denn Putzfassaden mit und ohne WDVS nehmen laut BBSR-Analyse KOMPAKT 11/2017 „Dämmmaßnahmen an Gebäudefassaden“ mit 72,1 % den größten Anteil an Fassadenflächen ein. Dank Putzfassade sieht man den meisten Häusern nicht mehr an, dass es sich um ein Holzhaus handelt.

Der Putz kann jedoch nicht direkt auf das Holz aufgetragen werden, da sich dieses bei Feuchtigkeitsveränderung verziehen, verdrehen oder reißen kann. Ein Putzsystem ist hingegen starr, das sich nach Aushärtung nicht mehr verformen lässt. Käme es zu einer Bewegung des Holzuntergrundes, so kann sich der Putz nicht mehr am Holz verkrallen und es entstehen Putzschäden in Form von Rissen oder Ablösungen.

Basis des Holzhaus-Putzes ist daher immer eine Putzträgerplatte als außenliegende Dämmplatte. Darauf kann dann ganz normal eine Putzbeschichtung aufgetragen werden. Aber nicht jede Dämmplatte ist geeignet. Dämmplatten, die als Putzträgerplatte für Holzhausfassaden dienen sollen, müssen eine Zulassung für derlei Verwendung vorweisen.

Das bedeutet, dass die Platte gewisse Anforderungen erfüllen muss. Insbesondere muss sie natürlich den Holzhaus-Putz tragen. Das Gesamtsystem mit der Putzbeschichtung muss sicherstellen, dass die feuchteempfindliche Konstruktion des Holzhauses vor Feuchtigkeit geschützt ist. Die Dämmplatte muss daher gleichzeitig das Holzhaus in Kombination mit der Putzschicht dauerhaft vor der Witterung schützen. Zudem muss das System aus Platte und Putz so abgestimmt sein, dass keine Kondensationsfeuchte in die Konstruktion eintritt.

Überblick über Putzträgerplatten für verputzte Holzhausfassaden

Zu diesem Zweck gibt es unterschiedliche Dämmplatten als Putzträgerplatte für Holzhausfassaden.

Konventionelle Putzträgerplatten für Holzhäuser

Zu den günstigen Optionen, die auch immer noch am meisten verwendet werden, zählen EPS-Platten, also aus expandiertem Polystyrol.

Zu den hochwertigeren Alternativen zählen Mineralwolleplatten aus Steinwolle. Diese haben den großen Vorteil, dass sie nicht brennbar sind, und daher dort eingesetzt werden, wo hohe Brandschutzanforderungen erfüllt werden müssen.

Putzträger-/ Dämmplatten auf Holzbasis

Eine weitere Möglichkeit, stellen Holzwolle-Platten / HWL-Platten (auch „Sauerkrautplatten“ genannt) dar. Sie sind umweltverträglicher und sind ebenfalls schwer entflammbar. Sie können somit ebenfalls im mehrgeschossigen Wohnbau eingesetzt werden.

Als Bindemittel enthalten sie nicht Kunstharz wie beispielsweise Spanplatten, sondern schweren Zement, Magnesit oder Gips, was sie zu schweren und stabilen Putzträgerplatten auf Holz macht. So können sie im Gegensatz zu einer Steinwolleplatte, die geklebt werden muss, vom Holzbauer z. B. mit einer Breitrückenklammer an die Wand geklammert bzw. gedübelt werden.

Immer öfter, gerade auch aus ökologischen Gründen, werden Holz(weich)faserplatten eingesetzt. Diese passen gerade gut zu Holzhäusern, da man hiermit das gleiche nachwachsende Material auch in der Putzfassade einsetzt. Sie sind ebenfalls sehr stabil und können geklammert oder gedübelt werden. Zudem bringen sie die nötige Speichermasse für einen hohen sommerlichen Wärmeschutz mit. So kann die Hitze nicht so schnell von außen nach innen wandern und wirkt damit einem Barackenklima effektiv entgegen. Aufgrund ihrer Massivität bietet sie ebenfalls einen guten Schallschutz.

Experten-Wissen: Die Wärmeleitfähigkeit λ sowie die Festigkeit und Steifigkeit der Holzfaserdämmplatten hängt im Wesentlichen von der Rohdichte der Dämmplatten ab. Dabei gilt: Wärmeleitfähigkeit, Festigkeit und Steifigkeit steigen mit der Rohdichte an. Da bei Holzfaser-WDVS auf Holzständerwänden tendenziell Dämmplatten mit höherer Rohdichte und damit besseren Festigkeitswerten eingesetzt werden, muss man daher auch etwas höhere Wärmeleitfähigkeiten und eine etwas schlechtere Dämmwirkung in Kauf nehmen.

Im Holzbau werden Holzfaser-WDVS überwiegend direkt auf der Holzkonstruktion montiert. Zur Befestigung können

  • Breitrückenklammern,
  • Tellerbefestiger oder
  • Spezialschrauben

verwendet werden. Die für das jeweilige System zulässigen Verbindungsmittel werden in der Zulassung des Holzfaser-WDVS benannt. Alle Verbindungsmittel, die unmittelbaren Kontakt mit Putzkomponenten haben, müssen aus nichtrostendem Stahl bestehen, um Roststellen zu vermeiden.

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Auswahl von Grund- und Oberputzen für Holzhäuser

Auf die Dämmplatten kann dann nicht jeder Putz aufgetragen werden, denn bei der Putzbeschichtung von Holzfassaden handelt es sich um vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) abgenommene WärmeDämmVerbundSysteme (kurz: WDVS).

Auf die Platte wird daher ein Grundputz als Armierungslage (Armierungsmörtel) mit Armierungsgewebe aufgetragen und dann ein Oberputz und bei Bedarf noch ein Anstrich mit z. B. Silikat-Fassadenfarbe.

Bei der Auswahl eines Oberputzes muss man darauf achten, dass der Oberputz ebenfalls offiziell geprüft wurde und nachweisen kann, dass dieser einen dauerhaften Witterungsschutz gewährleistet.

Insbesondere im Holzbau bieten sich mineralische Putz-Produkte an, die diffusionsoffen sind und Feuchte von außen – sogenannte Taufeuchte - absorbieren können. So wird sichergestellt, dass auch der Putz innerhalb dieses diffusionsoffenen Putzsystems auf der Holzhausaußenwand funktioniert.

Zugelassene WDVS für Putzfassaden auf Holzhäusern

Um Schäden an Wärmedämmverbundsystemen im Holzhausbau zu vermeiden, werden aufeinander abgestimmte WDVS eingesetzt. Diese Systeme werden dann herstellerspezifisch angeboten und können aber mit Produkten anderer Hersteller, die kompatibel und zugelassen sind, auch kombiniert werden.

Tabelle: WDV-Putzsysteme für den Holzbau am Beispiel von putzbeschichtbaren Holzfaser-Dämmplatten von Steico
Hersteller WDV-Systeme für Holzbau Putzträgerplatte Befestigung Beschichtung Armierung Haftvermittler Schlussbeschichtung
Steico STEICOsecure Timber STEICO protect H, STEICO protect M, STEICO protect L, STEICO duo EJOTHERM STR H STEICOsecure Base STEICOsecure Mesh STEICOsecure Base Coat STEICOsecure Render M (K/R), STEICOsecure Render MP, STEICOsecure Render S (K/R)
Akurit AKURIT Wärmedämmverbundsystem STEICO protect H, STEICO protect M, STEICO protect L, STEICO duo Schraubbefestiger Holz STR H AKURIT SK leicht AKURIT GF fein / AKURIT GM mittel AKURIT GPG Putzgrund / AKURIT GMG Mineralgrund AKURIT VARIOSTAR Strukturputz, AKURIT SP Scheibenputz, AKURIT RP Rustikalputz, AKURIT MR Münchner Rauputz, AKURIT HCF HYDROCON Feinputz, AKURIT HCS HYDROCON Scheibenputz, AKURIT HCR HYDROCON Rillenputz, AKURIT PSH Silikonharzputz K/R/MP
Baumit Baumit ÖkoFassade STEICO protect H, STEICO protect M Baumit Schraubdübel STR H / Holzdübel (Stahlschraube + Tellerdübel) MC 55 W, 6-8 mm StarTex fein/grob PremiumPrimer DG27 UniPrimer Edelweiß Structo EST, Fascina EST / SEP, ScheibenPutz SEP, Modellierputz MSP, Münchner Rauputz MRP, KellenwurfPutz KWP, multiContact MC 55 W, SilikatTop bei STEICOprotect M dry, Fascina EST / SEP, NanoporTop
Rygol Sakret WDVS Holzfaser Holzbau STEICO protect H, STEICO protect M, STEICO protect L Sakret Schraubdübel STR H Sakret KAM weiß Sakret Armierungsgewebe Rygol GRW /GRF Rygol Scheibenputz, Sakret Silikonharzputz
Knauf Knauf WARM-WAND Natur S im Holzbau STEICO protect H, STEICO protect M EJOTHERM STR H SM 700 / Luis / SM 700 Pro Armierungsgewebe 5 x 5 / 4 x 4 mm IsoGrund SP 260 / RP 260, Noblo / Noblo Filz, Conni S, Kati S, SM700 Pro, Addi S/R
Hasit FIXIT WF-H System STEICO protect H EJOTHERM STR H Dieplast 804 Dieplast 860 Light Armierungsgewebe rot oder weiß Putzgrund Uni Hasit 704
Schwepa Schwepa HFD-System STEICO protect M EJOTHERM STR H HS grau / HS weiß Armierungsgewebe F / M ARU-Grund Silikat-Putzgrund Scheibenputz, Marmorputz, Premium Strukturalputz L, Silikatputz, Siloxanputz, Silikonharzputz

Das Gewerkeloch: Achten Sie auf die Anschlüsse!

Holz ist feuchtempfindlich. Daher muss unbedingt vermieden werden, dass Feuchtigkeit eindringt. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Anschlüsse im Bereich der Fensterlaibung – der inneren Mauerfläche an den Seiten einer Fensteröffnung - mit zum WDV-System für Holzbau geeignetem Fugendichtband angeschlossen wird, dass unter der Fensterbank keine Feuchtigkeit in die Konstruktion läuft aber auch im Bereich des Sockels sauber gearbeitet wird.

Tabelle: Typische Schäden an verputzten Holzhausfassaden
Problemstellen Gründe
Fensterbankanschlüsse Putzabrissfugen an den Endprofilen
falsch eingebaute Fugendichtbänder
offene Fensterrahmennuten/ Gewerkeloch
Neigung der Fensterbank ist zu gering
Sockelanschlüsse Fußschwelle & WDVS auf gleicher Höhe oder unterhalb des Geländeniveaus
Undichter Übergang zwischen Außenwand und Betonplatte bzw. Kellerdeckenoberkante

Experten-Wissen: Bei Ausführungsfehlern z. B. bei der zweiten Dichtebene für Fenster – diese wird gefordert, da Regen immer auch mit Wind schräg unter die Fensterbank in die Laibung und im Bereich des Fensteranschlusses gedrückt werden kann - spricht man insb. im Holzhausbau auch vom „Gewerkeloch“. Physisch ist dies offene Schnittstelle im Eckbereich zwischen Fenster, Fensterbank, Sonnenschutzführungsschiene und Fassade. Dieses ist auf Kommunikationsfehler zwischen Holzbauer, Fensterbauer und Stuckateur zurückzuführen und lässt sich dadurch verhindern, indem das Fenster „von hinten“ abgedichtet wird, sodass das Wasser dann nach vorne ablaufen kann.

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FAQs zum Verputzen von Holzhäusern

Wie wird eine Holzfassade verputzt?

Um ein Holzhaus zu verputzen, werden Putzträgerplatten auf die Holzkonstruktion aufgebracht. Auf die Trägerplatte kommt dann ein Grundputz mit Armierungsgewebe. Dann folgt der Oberputz und bei Bedarf ein Anstrich.

Welche Dämmplatten passen zum Holzhaus?

Zum Verputzen eines Holzhauses können verschiedene Dämmplatten aus EPS, Mineralwolle, Holzwolle oder Holzfasern verwendet werden. Da Holzfasern nur aus ebenfalls Holz gefertigt werden, passen sie aus ökologischen und bauphysikalischen Gründen am besten zur Holzfassade.

Welcher Putz eignet sich für Holzfassaden?

Auf Dämmplatten auf Holz kann nicht jeder Putz aufgetragen werden. Als Grund- und Oberputze auf Holzkonstruktionen eignen sich vor Allem mineralische Putz-Produkte, die diffusionsoffen sind und Feuchte von außen absorbieren und wieder abgeben können.

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