Letzte Aktualisierung: 23.11.2020

Experten-Ratgeber zum Aufbau und Varianten des Fensteranschlag

Was ist ein Fensteranschlag? Wie wird er konstruktiv umgesetzt? Welche Unterschiede gibt es? Was ist beim Anschlagen von Fenstern zu beachten?
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Die Montage von Fenstern in eine Fassade ist eine konstruktive Herausforderung: Denn die zugehörigen Baukörperanschlüsse zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk müssen den konstruktiven Anforderungen an Wärmeschutz und Dichtheit genügen. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, wie der sogenannte Fensteranschlag dazu beiträgt, einen dichten Baukörperanschluss zwischen Fenster und umgebender Ziegelmauer hinzubekommen. Sie erfahren dabei grundlegendes Wissen zum Fensteranschlag und bekommen Tipps zur fachgerechten Ausführung desselben.

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Begriffsabgrenzung des Fensteranschlags im Fensterbau

Der Begriff Fensteranschlag bzw. Anschlag wird im Fensterbau in verschiedenenen Sachverhalten gebraucht:

  • Zum einen geht es darum, auf welcher Seite ein Fenster „angeschlagen“ ist. Am Sitz der Fensterscharniere erkennen Sie, dass ein Fenster DIN links angeschlagen oder DIN rechts angeschlagen ist: Bei einem Fensteranschlag DIN links befinden sich die Scharniere eines sich nach innen öffnenden Fensters innenseitig links, bei einem Fensteranschlag DIN rechts ist es umgekehrt. Das Gleiche gilt auch für Fenster, die man nach außen öffnet – allerdings muss man diese dann auch von der Außenseite her betrachten.
  • Zum anderen benutzt man den Begriff Fensteranschlag, wenn man beschreibt, wie ein Fensterrahmen in die Laibung (auch Leibung) eingebaut (angeschlagen) wird, wobei man nach verschiedenen Fensteranschlägen wie stumpfer Anschlag, Außenanschlag oder Innenanschlag (siehe weiter unten) unterscheidet. Außen angeschlagene Fenster baut man von außen ein, innen angeschlagene entsprechend von innen.
  • Die Anschlagdichtung wiederum dient dem lückenlosen Anschluss des Fensterflügels an den Fensterrahmen und verbessert die Wärme- und Schalldämmung. Sie wird innen und/oder außen am Anschlag des Fensterprofils angebracht und besteht aus einem elastischen und widerstandsfähigen Kunststoff. Die Anschlagdichtung gehört zu den Falzdichtungen, bei denen zwischen Anschlag- und Mitteldichtungen unterschieden wird. Falzdichtungen sorgen dafür, Kondens- oder eingedrungenes Regenwasser nach außen abzuleiten.

Der Fensteranschlag innerhalb der Fensterlaibung

Wir gehen in diesem Artikel auf den Fensteranschlag innerhalb der Fensterlaibung ein.

Fensteranschlag

Als Fensteranschlag bezeichnet man im Baudeutschen zur Raumseite hin vorgesetzte Aufmauerunginnerhalb der Fensterlaibung, an der man das Fenster befestig (anschlägt). Das ist nötig um keine Wärmebrücken entstehen zu lassen, die die Folge anschlagloser Fensterlaibungen wären und insofern gefährlich werden könnten, als dass sich auf der Innenseite wegen der niederen Oberflächentemperatur Tauwasser niederschlagen könnte.

Ein Fensterbau, der einen Fensteranschlag umfasst, mindert demzufolge die Tauwasserbildung und damit die daraus resultierende Gefahr für Baukonstruktion und Bausubstanz. Fensteranschläge lassen sich mit den üblichen Mauerziegeln realisieren oder mit speziellen Ziegeln, zum Beispiel Fensteranschlagziegeln oder Anschlagschalen.

Fensteranschlagziegel

Fensteranschlagziegel sind speziell geformte Mauerziegel: in der Draufsicht ergibt sich ein L. Mit ihrer speziellen Form bieten sie dem Fensterrahmen extra Schutz. Sie unterstützen die natürliche Dämmung der Mauer und reduzieren die Gefahr von Wärmebrücken in der Fensterlaibung. Da ihre Oberfläche besonders glatt ausgebildet ist, lässt sich der Fensterrahmen winddicht und luftdicht an den Fensteranschlagziegeln (auch Ergänzungsziegel genannt) befestigen. Dank des quasi mauerziegeleigenen Anschlags sitzt das Fenster dauerfest fest in der Maueröffnung.

Anschlagschale

Eine sogenannte Anschlagschale ist eine extra gefertigte, u-förmige Ziegelschale mit einem innenliegenden Dämmstoff, der je nach Hersteller unterschiedlicher Art sein kann. Üblich ist ein Dämmkern aus Mineralwolle. Mit den Anschlagschalen lässt sich ein optimal gedämmter Fensteranschlag oder Türanschlag in Plan- und Blockziegelmauerwerk bauen. Die Anschlagsschalen werden nach dem Hochzeihen des Mauerwerks mit Hilfe von Dünnbettmörtel in die lotrechte Laibung gemauert, wozu empfohlen wird, wie üblicherweise bei Fensterecken und Deckenränder beim Auftragen des Putzes ein Gewebe einzulegen.

Raum- und außenseitige Belastung des Baukörperanschlusses

Auf das Fenster beziehungsweise den Baukörperanschluss, also den Bereich zwischen Fenster und Ziegelmauer, wirken sowohl von außen als auch von innen (raumseitig) unterschiedliche Kräfte ein. Von außen sind das Wind und Wetter, inklusive Schlagregen und UV-Licht, sowie Schall. Auf diese äußeren Belastungen muss der Baukörperanschluss ebenso adäquat reagieren wie auf die von innen Einfluss nehmende Raumtemperatur und Raumluftfeuchtigkeit.

Hinzu kommt die materialspezifische Längenänderung der Baumaterialien entsprechend der vorherrschenden klimatischen Verhältnisse, die ebenfalls den Fensteranschlag „belastet“.

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Basisanschlüsse des Fensteranschlags

Man unterscheidet grundsätzlich drei Basisanschlüsse beziehungsweise drei Fensteranschläge:

Außenanschlag

Bei einem Außenanschlag hat die Fensterlaibung eine Aussparung außen, so dass der Rahmen nur von außen und an die vorspringende Kante der Aussparung angeschlagen werden kann. Der Außenanschlag von Fenstern ist in der Praxis eher selten. Man findet ihn heutzutage beispielsweise noch häufig in alten Gebäuden in Ostfriesland, wo sein Einsatz einst die Regel war, weil man so gewährleistete, dass der Wind den Fensterflügel in den rahmen drückte, anstelle den Zwischenraum zu vergrößern.

stumpfer Anschlag (ohne Anschlag)

Der stumpfe Fensteranschlag ist sozusagen der Standardanschlag. Er ist bei der sogenannten monolithischen Ziegelbauweise (einschaliges Mauerwerk) besonders gängig. Die Maueröffnung bei einem stumpfen Anschlag ist durchgehend glatt. Das Fenster kann dementsprechend an jeder beliebigen Tiefe in der dafür vorgesehenen Maueröffnung platziert werden.

Vorteilhaft: Der stumpfe Anschlag ist vergleichsweise preiswert auszuführen. Dafür wird dem stumpfen Fensteranschlag häufig als nachteilig angekreidet, dass er mit einer nur einstufig ausgebildeten Fuge einhergeht. Das bedeutet, dass dann die außenseitige Fuge zwischen Blendrahmen und Mauerwerk funktional Regen- und Windsperre zugleich sein muss, während die raumseitige Einbaufuge für Luftdichtheit sorgen muss.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Wärmeschutzes sollte das Fenster immer mittig in der Maueröffnung sitzen beziehungsweise im mittleren Wanddrittel. Der Grund: In dieser Position ergeben sich die günstigsten Isothermenverläufe mit den geringsten Wärmebrückenverlustkoeffizienten. Ein Beispiel: Verschiebt man innerhalb eines 36,5 Zentimeter dicken Mauerwerks den Sitz des Fensters (Fensterebene) in Richtung Außen- beziehungsweise Innenkante erhöht sich der entsprechende Wärmebrückenverlustkoeffizient um jeweils etwa die Hälfte (plus 50 Prozent).

Innenanschlag

Ist die Außenwand extra gedämmt oder handelt es sich um ein zweischaliges Mauerwerk oder werden spezielle Anschlagziegel beziehungsweise Dämmzargen benutzt, setzt man anstelle eines stumpfen Fensteranschlags eher auf den bauphysikalisch höherwertigen Innenanschlag. Die Laibung hat hier nur innen eine Aussparung, so dass das Fenster nur von innen und an diese angeschlagen werden kann.

Der Innenanschlag ist typisch für Geschossbauten. Er kommt mit einer zweistufigen Fuge daher. Da beim Innenschlag der Blendrahmen teilweise konstruktiv überdeckt wird, ergibt sich ein guter Schutz gegen Schlagregen. Die erforderliche Windsperre lässt sich in diesem Fall raumseitig realisieren. Damit ist die Windsperre nachhaltig geschützt und bildet zugleich die Luftdichtheitsschicht.

Ragen die Blendrahmen des Fensters in etwa bis Hälfte in die Dämmung rein und wird der Fensterrahmen auch auenseitig teilweise überdämmt, ergeben sich die kleinsten Wärmebrückenverlustkoeffizienten. Dank der beiden für den Innenanschlag typischen Abdichtungsebenen liefert er auch einen vergleichsweise hohen Schallschutz. Dieser ist bei Fenstern mit Rw-Werten größer als 40 Dezibel (dB) nötig, um eine sogenannte Fugenschallübertragung zu unterdrücken.

Wer jetzt meint, dass es von Vorteil sein könnte, die Fenster komplett in die Dämmebene zu versetzen, sollte wissen, dass das zu Problemen mit dem Schallschutz führen könnte. Lärm von außen könnte dann leichter in den Raum eindringen.

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