Letzte Aktualisierung: 29.03.2021
Sprossenfenster verleihen Ihrem Haus einen ganz eigenen Charme. Jedes Fenster mit Sprossen an sich ist schon ein Kleinod – eine ganze Fassade mit Sprossenfenstern lenkt den Blick auf sich. Doch Sprossenfenster ist nicht gleich Sprossenfenster. Es gibt zahlreiche fensterbauliche Varianten, die wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen wollen. Sie erfahren dabei den Unterschied zwischen echten und falschen Sprossenfenstern und zugehörige Vor- und Nachteile. Wir informieren Sie auch über Preise von Sprossenfenstern und geben Ihnen wichtige Tipps, damit Sie für Ihr Haus die passenden Sprossenfenster kaufen können.
Top-Facts:
Fenster sind neben der Licht- und Luftöffnung seit jeher ein wichtiges Gestaltungselement menschlicher Behausungen. Verglaste Fenster waren lange Zeit, bis ins ausgehende Mittelalter, jedoch nur denjenigen vorbehalten, die sich diesen Luxus leisten konnten. Die einfachen Leute, Bauern, Handwerker und Stadtbürger, konnten sich teure Glasfenster lange nicht leisten. Und wenn überhaupt Glas buchstäblich zum Einsatz im Fenster kam, dann handelte es sich um kleine Scheiben. Denn der Glasmacher konnte nur kleinformatige Scheiben fabrizieren.
Im 12. Jahrhundert kam die Butzenscheibe auf: Für sie blies man eine Glaskugel, öffnete diese unten und schleuderte das Ganze, bis eine runde Scheibe entstand. Die hatte etwa einen Durchmesser von 15 Zentimetern. Verbaut wurden die Scheibchen mit Bleistegen (Bleiglasfenster), so dass auch größere Fensterflächen realisiert werden konnten.
In dieser Tradition entstanden auch die bis in die Gegenwart beliebten Sprossenfenster. Da früher häufig durch Sprossen unterteilte Drehflügelfenster mit Einfachverglasung zum Einsatz kamen, ist heute der Einsatz von Holzsprossen in Kombination mit modernen Wärmedämmverglasungen auch im Bereich der Denkmalpflege unerlässlich, um die Optik dieser Zeit überzeugend und realitätsnah darstellen zu können. Auch heute noch, werden sie traditionell in aufwendigem Handwerk hergestellt, woraus auch ihr verglichen mit ganzscheibigen Fenstern höherer Preis resultiert.
Grundsätzlich lassen sich die verschiedensten Sprossenfenster-Optiken realisieren. Je nach Zahl und Position der Sprossen ergeben sich individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Klassische Fensterarten wie Rechteck-, Rundbogen- und Stichbogenfenster können mit Sprossen ebenso wie symmetrische oder asymmetrische Dreieck-, Giebel- oder Erkerfenster als entsprechende Sprossenfenster realisiert werden. Erwähnenswert ist auch die schlanke Bauweise der Sprossen dänischer Fenster, die traditionell aus nordischer Kiefer gefertigt sind.
Aufgrund der Tatsache, dass traditionell aus vielen kleinen Scheiben und Sprossen hergestellte Sprossenfenster aufwendig und entsprechend teuer sind, hat man sich kostengünstigere Fertigungsweisen ausgedacht, die dennoch die typische Sprossenfensteroptik liefern. Man unterscheidet deshalb Sprossenfenster in echte und unechte Sprossenfenster.
Echte Sprossenfenster sind die traditionell gemachten, unechte bestehen im Falle der sogenannten „Wiener Sprosse“ aus einer herkömmlichen Glasscheibe, auf die die Sprossenoptik in Form aufgesetzter Sprossen mit innenliegenden Profilen aufgeklebt wird. Das geschieht mit geeigneten Zierleisten. Eine andere Bauweise unechter Sprossenfenster ist das sogenannte Helima-Verfahren. Dabei setzt man beschichtete Aluminiumsprossen in den Zwischenraum zwischen den Scheiben eines isolierverglasten Fensters.
Zusammengefasst unterteilt man Sprossenfenster demnach in die drei Modelle:
Echte, glasteilende Sprossen haben demzufolge eine glastragende Aufgabe, unechte nicht. Sie sind quasi Attrappen und können entsprechend schlanker gestaltet werden. Einen Spezialfall der unechten Sprossen stellen z.B. abklappbare Vorsatzsprossen dar, mit denen man nachträglich eine Sprossenfenster-Optik erzielen kann, indem die abklappbaren Sprossen auf die vorhandenen Fensterflügel aufgeschraubt werden.
Echte Sprossenfenster benötigen hingegen eine Überlappung der Sprossen über die Glasscheibe (Mindestabdeckung), was der Grund dafür ist, dass die echten Sprossenfenster etwas breiter ausfallen, als unechte Modelle. Wichtig ist deshalb, dass die echten Sprossenfenster wärmeisolierende Fensterprofile haben, damit nicht ineffiziente Wärmebrücken entstehen.
Sprossenfenster lassen sich aus den gängigen und heute üblichen Fenstermaterialien produzieren. Meist werden die Sprossenmaterialien auf die des Fensterrahmens abgestimmt. Entsprechend gibt es Sprossenfenster mit Sprossen
Holz ist ein klassischer Fensterbaustoff. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, der von Natur aus wärmedämmende Eigenschaften mitbringt. Mit entsprechender werkstofflicher Behandlung lässt sich die Langlebigkeit von Holzrahmen und Holzsprossen optimieren.
Der moderne Fensterbaustoff Kunststoff ermöglicht es, die in Farbe und Form unterschiedlichsten Sprossen anzufertigen. Hinzu kommt die materialinhärente Leichtigkeit in Bezug auf Gewicht und Pflege von Kunststoffsprossen. Moderne Kunststoff-Sprossenfensterrahmen sin heutzutage so gebaut, dass sie dank Liftkammern auch wärmedämmende Eigenschaften gemäß EnEV mitbringen.
Wer den klassischen Fensterbaustoff Holz mit dem modernen Aluminium verknüpft, profitiert von den Vorzügen beider Werkstoffe. Das Holz-Aluminium-Sprossenfenster zeigt nach innen in den Wohnraum die Holzoptik mit all ihren Vorteilen und nach außen die Aluminium-Optik, da das Holz dort mit Alu verkleidet ist. So wird das Sprossenfenster wetterfester und witterungsbeständiger. Zugleich sinkt der Pflegeaufwand. Echte, glasteilende Sprossen sind dank der Materialkombi gut wärmedämmend.
Insbesondere Sprossen bilden ein wesentliches Gestaltungselement historischer Fenster. Bei einer Fenstersanierung ergibt sich das Problem, dass die Änderung der Sprossenaufteilung bzw. der Lage der Sprossen das optische Erscheinungsbild des Fensters verändern würde. So würde z. B. beim Setzen der Sprossen zwischen den Glasscheiben die plastische Wirkung der außenliegenden Sprossen verloren gehen. In der Praxis werden daher beim Nachbau historischer Sprossenfenster die besten optischen Ergebnisse erzielt, indem glasteilende Sprossen eingesetzt werden.
Eine solche Lösung ist jedoch konstruktionsbedingt mit einem vergleichsweise hohen Arbeitsaufwand verbunden, da glasteilende Sprossen auch die Abwicklungslänge des Glasrandverbundes vergrößern und bei Mehrfachisolierverglasungen der Glasrandverbund dazu neigt, als Wärmebrücke zu fungieren. Die Zunahme der Abwicklungslänge des Glasrandverbundes wirkt sich dann nachteilig auf den Wärmedurchgangskoeffizienten (Uw-Wert) des gesamten Sprossenfensters aus.
Heutzutage ist es mit schöner Sprossenfenster-Optik alleine nicht getan. Fenster sind längst funktionaler Teil der Gebäudehülle, die energetischen Standards entsprechen muss. Und so gibt es auch für moderne Sprossenfenster Ansprüche in Sachen Wärmeschutz seitens der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV).
Die diesen energiesparenden Ansprüchen gerecht werdende Isolierverglasung verteuert das Sprossenfenster je nachdem, ob es in echter oder unechter Bauweise gefertigt wird. Ein Fenster in handelsüblicher Größe, das mit echten Sprossen zwischen 350 und 400 Euro kostet, ist mit falschen Sprossen auch für gut die Hälfte zu haben: die Kosten liegen zwischen 200 bis 250 Euro. Ein gleich großes historisches Sprossenfenster kostet dagegen deutlich mehr: etwa 1.000 Euro.
Für die vielen wärmeschutzverglasten Scheiben eines echten Sprossenfensters müssen Sie höhere Preise zahlen, als für die eine Iso-Scheibe, die beispielsweise mit Wiener-Zierleisten beklebt wird. Wird statt der Wärmeschutzverglasung Fensterglas mit weiteren Eigenschaften (Ornamentglas, Glas mit UV-Schutz oder bruchsicheres Sicherheitsglas mit Einbruchsschutz) verwendet, erhöht das den Preis der Sprossenfenster ebenfalls.
Auch die Materialunterschiede der Sprossen und Rahmen verursachen deutliche Preisunterschiede. Vergleicht man ein herkömmliches sprossenloses Fenster mit einem Sprossenfenster, das in unterschiedlichen Materialien ausgeführt wurde, ergeben sich folgende Preise:
Die Preisunterschiede lassen sich bis auf die einzelne Sprosse herunterbrechen: Unechte Sprossen kosten dann in Holz ab 50 Euro, in Kunststoff ab 30 Euro und in Alu ab 40 Euro. Echt Sprossen kosten in Holz ab 100 Euro, in Kunststoff ab 140 Euro und in Alu ab 150 Euro. Typische Sprossenformen sind Zierfalz- oder Trapezsprossen, erstere sind klassischer, letztere moderner in der Optik.