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Aufbau und Konstruktionsweisen klassischer Stichbogenfenster

Was sind Stichbogenfenster? Wie berechnet man den Stichbogen? Wo werden diese Rundbogenfenster eingesetzt? Welche Vor- und Nachteile weisen sie auf?

Stichbogenfenster vermitteln einer Fassade oft einen romantischen, teilweise gar romantisch verspielten Touch. Solche Bogenfenster oder Rundbogenfenster haben eine lange Tradition in der Architektur. Es gibt sie in vielen Varianten. Das namensgebende Merkmal der Bogenfenster ist die obenseitig gebogene Form der Fenster, die der entsprechend gebogenen Maueröffnung entspricht. Einen solchen Mauerbogen zu mauern, ist eine große Herausforderung: Denn der obere Abschluss der Maueröffnung, die sogenannte Fensterlaibung, muss die statischen Druckkräfte, die in der Wand wirken, um das Fenster herum leiten. Das Material, das für den waagerechten oberen Abschluss, den sogenannten Fenstersturz, verwendet wird, muss darüber hinaus fähig sein, die entstehende Zugspannung auszuhalten.

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Die Wurzeln des Fensterbogens: Vom Rund- zum Stichbogen

Fenster mit Stichbogen sind häufig in älteren Fassaden integriert. Die Bogenform löst dabei die starren Ecken auf und lässt das Fenster größer wirken. (Foto: energie-experten.org)
Fenster mit Stichbogen sind häufig in älteren Fassaden integriert. Die Bogenform löst dabei die starren Ecken auf und lässt das Fenster größer wirken. (Foto: energie-experten.org)

Schon die Römer bauten Fenster mit Bögen, die quasi aus einem rechteckigen Teil und einem mehr oder minder halbkreisförmigen Bogen bestehen. Vor allem für die großzügige Belichtung der Thermen, die wichtiger sozialer Treffpunkt waren, errichteten die Alten Römer dreigeteilte, sogenannte trichotomische Fenster. Deren mittleres Fenster war ein Bogenfenster im oben beschriebenen klassischen Sinn.

Die italienischen Architekten übernahmen die Bogenfenster ab dem 16. Jahrhundert (Renaissance) auch für sogenannte Profanbauten, zum Beispiel Villen in Venedig. Ebenso wurden bei der Errichtung von Kirchen die Stichbogenfenster aus der Renaissance berücksichtigt und quasi in den Barock adaptiert. Insbesondere in Kirchen wurden die Stichbogenfenster aufwendig verglast. Da die Errichtung und Verglasung solcher Stichbogenfenster sehr aufwendig und entsprechend teuer waren, konnten sich nur wohlhabende Bürger oder die Kirche diesen Luxus leisten. Doch war nicht mehr aufzuhalten: Sie wurden zum festen Bestandteil der architektonischen Gestaltungskunst. Man kennt sie heute von klassizistischen Bauten sowie von Gebäuden aus den Epochen Historismus und Jugendstil.

Gut zu wissen: Schon sehr früh gelang es den Fensterbauern, verschiedene Bereiche des Stichbogenfensters mit Mechanismen zur Öffnung derselben zu versehen.

Das Bogenfenster ergab sich demnach aus der oberseitig gebogenen Wandöffnung, die traditionell auch bogenförmig gemauert wird. Im Laufe seiner jahrhundertealten Karriere und den verschiedensten Einflüssen auf die in den jeweiligen Epochen vorherrschende Architektur entwickelten sich die verschiedensten Bogenfenster. Ausgehend vom ursprünglichen Rundbogen der Romanik, über gotische Spitzbögen entstanden Varianten wie Ellipsenbögen, Korbbögen, Tudorbögen und Segmentbögen. Letztere werden häufig auch Stichbögen genannt.

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Merkmale des Stichbogen- und Segmentbogenfensters

Bei einem Stichbogenfenster beziehungsweise Segmentbogenfenster ist der Kreisausschnitt (das Segment), aus dem sich der Bogen ergibt, immer kleiner als 180 Grad. Der Stichbogen ergibt demnach keinen vollen Halbkreis. Aus dieser Tatsache ergibt sich folgende Möglichkeit zur Berechnung eines Stichbogens.

Bei einem Stichbogenfenster ist die Stichhöhe immer kleiner als der Radius, da sonst bei gleichem Längenverhältnis ein klassisches Rundbogenfenster entsteht. (Grafik: energie-experten.org)
Bei einem Stichbogenfenster ist die Stichhöhe immer kleiner als der Radius, da sonst bei gleichem Längenverhältnis ein klassisches Rundbogenfenster entsteht. (Grafik: energie-experten.org)

Berechnung des Stichbogens für Stichbogenfenster

Die Basis eines Bogens nennt man Kämpfer. Demnach ist die Linie zwischen zwei Punkten A und B, zwischen denen der Bogen nach oben hin „gespannt“ wird, die sogenannte Kämpferlinie. Anders ausgedrückt: Der Stichbogen des Fensters beginnt erst oberhalb der Kämpferlinie. Der höchste Punkt S des Bogens ist der sogenannte Bogenscheitel.

Um einen gleichmäßigen Stichbogen zu produzieren, errichtet man auf der Kämpferlinie AB eine Mittelsenkrechte. Auf dieser trägt man die Stichhöhe ab. Sie wird in der Architektur auch nur Stich genannt und ist ein Maß, um die Entfernung zwischen der Kämpferlinie AB und dem Scheitelpunkt S des Stichbogenfensters zu bestimmen. Verbindet man anschließend die Punkte A und B jeweils mit S und errichtet auf den so entstehenden Verbindungslinien wiederum die Mittelsenkrechten, kreuzen diese sich unterhalb der Kämpferlinie im Punkt M. Damit hat man den Einsatzpunkt zum Zeichnen des Stichbogenfensters gefunden.

Tipp: Viele Fensterbauer bieten heute im Internet praktische Berechnungstools an, mit deren Hilfe man jedes individuelle Maß für ein Stichbogenfenster ermitteln und so eine Voransicht für die Hausfassade erstellen kann.

Bautechnische Besonderheiten des Stichbogenfensters

Neu eingesetztes Kunststofffenster in den Stichbogen eines Altbaus nach einer Gebäudesanierung. (Foto: energie-experten.org)
Neu eingesetztes Kunststofffenster in den Stichbogen eines Altbaus nach einer Gebäudesanierung. (Foto: energie-experten.org)

Der Beschlag für die Stichbogenfenster beruht meist auf einem Standardbeschlag und zusätzlichen Bauteilen. Da es sehr aufwendig ist, Stichbogenfenster zu produzieren, werden sie meist nur noch als Ersatz bei der Renovierung von historisch wertvollen, denkmalgeschützten und Altbauten eingesetzt.

Bautechnisch ist der Bereich, wo der Bogen des Stichbogens an die geraden, parallelen Schenkel des Stichbogenfensters angesetzt wird, eine klassische Schwachstelle der Fensterkonstruktion. Moderne Herstellungsverfahren ermöglichen heute jedoch die Fertigung von Stichbogenfenstern aus Kunststoff wie PVC in einem Stück. Dabei wird beispielsweise nur der anschließend zu biegende Teil des Fensters erhitzt und wärmetechnisch verformt. So entfällt ein Anschweißen der Profilschenkel und man vermeidet einen offensichtlichen Ansatz.

In der Regel öffnet man bei einem Stichbogenfenster beide Fensterflügel wie bei einem herkömmlichen Fenster mittels Kipp- oder Dreh-Kipp-Funktion. Andere Öffnungsmechanismen sind wegen der Form und Bauweise der Stichbogenfenster nicht bzw. unmöglich. Manchmal lässt sich auch ein Teil der Bogenfläche separat öffnen.

Montieren und Verglasen eines Stichbogenfensters

Stichbogenfenster sind bis heute ein beliebtes Gestaltungselement für die Fassade von Gebäuden. Es gibt sie in unzähligen Formen, zum Beispiel auch als Sprossenfenster. Dann ist der Bogen mit Hilfe mindestens einer Sprosse, oft aber auch drei oder mehr Sprossen, unterteilt. Solche Sprossen können die Verglasung entweder tatsächlich unterteilen oder nur aufgeklebt sein (falsche Sprossen). Als Gläser kommen heute alle möglichen Arten zum Einsatz, zum Beispiel Verbundglas (Isolierglas, Wärmeschutzglas) oder Schmuckglas (Buntglas, Bleiglas). Wobei Letztere vor allem bei historischen Gebäuden als Ersatz denkmalgeschützter Stichbogenfenster gebraucht werden.

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Weitere Fensterformen im Überblick

"Aufbau und Konstruktion des Stichbogenfensters" wurde am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.