Letzte Aktualisierung: 23.11.2020

KfW 40: Bau- & Haustechnik-Pflichten im Detail erklärt

Was heißt "KfW 40"? Wie wird der KfW Energieeffizienzhaus-Standard 40 eines Gebäudes definiert? Welche Kriterien muss ein solches KfW-gefördertes Haus erfüllen? Mit welchen Maßnahmen lässt sich der ein KfW-40-Haus erreichen? Wie hoch sind die KfW-Förderun
  • Ein KfW-40-Haus darf gemäß der EnEV 2009 nur 40% des Primärenergieverbrauchs und nur 55% der Transmissionswärmeverluste des KfW 100 Referenzgebäudes besitzen.
  • Für den Standard KfW-Effizienzhaus 40 Plus benötigen Sie im Vergleich zum KfW 5-Haus weitere Geräte und Anlagen, etwa zur Stromerzeugung und Lüftung.
  • Die KfW fördert den Standard KfW 40 mit zinsgünstigen Darlehen Zuschüssen, jedoch nur bei Neubauten.
  • Der Bau eines KfW 40-Hauses ist laut Studien max. 7,5% teurer als ein KfW 55-Haus. Im Minimum ist der Bau sogar ohne Mehrkosten verbunden.
  • Der Energieverbrauch eines KfW 40-Hauses gilt als das Maximum, was ein Haus hinsichtlich der Klimaschutzziele von Paris maximal verbrauchen darf.

Was versteht man unter einem KfW 40-Haus?

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), eine nationale, öffentlich-rechtliche Bank, fördert im Auftrag des Staates unter anderem für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden im Neu- und Altbau.

Als Zielgrößen hat die KfW Haustypen definiert, die allesamt Maßnahmenbündel darstellen, um abhängig von einem KfW-Standardhaustyp ("KfW 100") ein Haus mit einem bestimmten Energiebedarf zu bauen bzw. zu sanieren.

Die Energieeinsparverordnung legt das grundsätzlich zu erreichende Effizienzniveau fest. Sie wird gemäß der EU-Gesetzgebung regelmäßig aktualisiert. Entscheidend für die Einordnung ist die energetische Qualität der Immobilie. Sie wird mit den Referenzgrößen

  • Primärenergiebedarf und
  • Transmissionswärmeverlust gemessen.

Für beide Größen definiert die Energieeinsparverordnung (EnEV) Höchstwerte, die ein Referenzgebäude einhalten muss.

  • Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht zum Beispiel den Vorgaben der EnEV.
  • Ein KfW-Effizienzhaus 55 benötigt 55 % der Energie des Referenzgebäudes,
  • ein KfW-Effizienzhaus 40 sogar nur 40 %.

Anders ausgedrückt: Das KfW-40-Gebäude verbraucht 60 Prozent weniger Primärenergie jährlich als ein KfW-Effizienzhaus 100.

Tabelle 1: Überblick über KfW-Haustypen
KfW Haus Primärenergiebedarf QP Transmissionswärmeverlust H'T
KfW 115 ≤ 115 % ≤ 130 %
KfW 100 ≤ 100 % ≤ 115 %
KfW 85 ≤ 85 % ≤ 100 %
KfW 70 ≤ 70 % ≤ 85 %
KfW 55 ≤ 55 % ≤ 70 %
KfW 40 ≤ 40 % ≤ 55 %

Der maximale Jahresprimärenergiebedarf beim KfW-40-Haus liegt bei 30 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter (m2). Der Grenzwert für den jährlichen Heizwärmebedarf beträgt 15 kWh pro m2 Wohnfläche.

Bau- und haustechnische Maßnahmen

Um den Energiestandard KfW 40 zu erreichen und schließlich Energieverbrauch und daraus resultierende Energiekosten zu senken, sind verschiedene energetische Maßnahmen nötig, die sich in

  • bautechnische und
  • haustechnische

unterteilen lassen.

Bautechnische Maßnahmen zur Erreichung des Energiestandards KfW 40

Zu den bautechnischen Maßnahmen, mit denen sich der Energiestandard KfW 40 erzielen lässt, gehört ein umfassender Wärmeschutz, der die Gebäudehülle gänzlich umfasst.

Das heißt, dass ein KfW-40-Gebäude vom Dach bis zur Bodenplatte gedämmt werden muss. Als Dämmmaßnahmen kommen zum Beispiel

zum Einsatz. Letztere lässt sich im Nachhinein nicht machen, daher gibt’s die Förderstufe KfW 40 nur für Neubauten.

Für eine wärmedichte Gebäudehülle gemäß KfW 40 müssen zudem die Fenster und Türen so ausgelegt sein, dass über sie nur ein Minimum an Wärme unkontrolliert an die Außenwelt verloren geht. Mit dem Einbau

Ein beispielhafter, tabellarischer Vergleich der bautechnischen Kennwerte zwischen KfW 100 und KfW 40 zeigt folgende Unterschiede bei den Bauteilen auf:

Tabelle 2: Bautechnische Maßnahmen-Kombination zur Erreichung eines KfW40-Hauses
Bauteile KfW 100 KfW 40
Kellerdämmung 8 Zentimeter 16 Zentimeter
Fassadendämmung 10 Zentimeter 32 Zentimeter
Flachdachdämmung 20 Zentimeter 32 Zentimeter
Fensterglas Isolierverglasung Dreifach-Wärmeschutzverglasung
Fensterrahmen Holz PVC 5-Kammerprofil
Lüftung Fenster Lüftung mit Wärmerückgewinnung (80 Prozent)

Haustechnische Maßnahmen zur Erreichung des Energiestandards KfW 40

Ist der Neubau gemäß den Anforderungen an ein Gebäude mit KfW-40-Energiestandard errichtet, ist er luftdicht ausgelegt. Wärmedämmung und Luftdichtheit haben Auswirkungen auf den Heizwärmebedarf des Gebäudes und begründen die daraufhin dimensionierte Haustechnik, die für das Gebäudeklima im Einsatz ist – allen voran: die Heizung.

Um Wärme zu erzeugen, wird in einem KfW-40-Haus auf erneuerbare Energien gesetzt. Als Wärmeerzeuger dienen deshalb:

  • Holz verfeuernde Heizungsgeräte (erneuerbare Energiequelle: im Holz chemisch gebundene Sonnenenergie),
  • Solarthermie-Anlagen (erneuerbare Energiequelle: Sonnenwärme)
  • Wärmepumpen (erneuerbare Energiequelle: Umweltwärme, also in der Umwelt (Luft, Wasser, Erde) gespeicherte Sonnenenergie).

Insbesondere Holzheizungen werden oft mit Solarheizungen kombiniert, die den Wärmebedarf des Gebäudes (warmes Brauchwasser für Küche und Bad sowie Heizwasser) im Sommer komplett solar decken, so dass der Holzkessel dann komplett ausbleiben kann.

Die luftdicht abgedichtete Gebäudehülle macht außerdem den Einsatz einer kontrollierten Wohnraumlüftung nötig. Um auch die Abwärme des Gebäudes effizient zu nutzen, wird diese mit einer Wärmerückgewinnung kombiniert.

Der Strombedarf des Gebäudes kann gleichfalls mit erneuerbarer Energie gedeckt werden, teils mit eigens erzeugtem Photovoltaik-Strom.

Kosten des KfW40-Haussstandards

Natürlich ist der höherwertige Energiestandard auch mit Mehrkosten beim Bau verbunden. Die entscheidende Frage ist hierbei, ob sich die Mehrkosten auch im Vergleich zu einem "schlechteren"Hausstandard wie zB KfW 55 lohnen. Diese komplexe Kostenfrage wurde in verschiedenen Studien näher untersucht.

Tabelle 3: Metastudien-Vergleich der Steigerung der Kosten beim Bau eines KfW40-Hauses im Vergleich zu niedrigeren Standards (Quelle: Wirtschaftlichkeit baulicher Investitionen bei Erhöhung energetischer gesetzlicher Anforderungen)
von / nach KfW-40 (Minimum) KfW-40 (Maximum)
EnEV 2009 18,7% 25,9%
EnEV 2014 17,0% 31,6%
EnEV 2016 1,0% 19,9%
KfW-70 13,0% 14,1%
KfW-55 -3,4% 7,5%

So schwanken beispielsweise die Steigerungen der Baukosten im Zuge einer Erhöhung von einem Standard EnEV 2016 auf einen KfW-40-Standard beträchtlich. Die Mehrkosten reichen hier von mindestens 1,0 % bis maximal 19,9 %. Diese Differenz der Werte resultiert an erster Stelle aus der unterschiedlichen Datengrundlage der Berechnung und verschiedener Anlagentechnik.

Als Gemeinsamkeit lässt sich eine Steigerung der Bauwerkskosten durch die Erhöhung des energetischen Standards feststellen. Dabei wird jedoch nur die Kostenseite betrachtet. Um Aussagen über die Wirtschaftlichkeit treffen zu können, muss zudem der Nutzen betrachtet werden. Damit bilden diese beschriebenen Bauwerkskosten nur einen Teil der Wirtschaftlichkeitsbewertung ab.

Beantragung der KfW Gebäudeförderung KfW 40

Grundvoraussetzung für eine Förderung ist die Prüfung und Dokumentation der energetischen Qualität des Hauses vor Baubeginn und nach Baufertigstellung durch einen zugelassenen Sachverständigen. Die Förderbedingungen für KfW40-Effizienzhäuser sehen für die geforderte Baubegleitung durch einen Sachverständigen zudem vor, dass dieser die spezielle Detailplanung für die Luftdichtigkeit und das Lüftungskonzept prüft.

Außerdem muss die Planung und Baubegleitung mit der Prüfung des Leistungsverzeichnisses dokumentiert werden. Vor Ausführung der Putzarbeiten ist eine Baustellenbegehung erforderlich, bei der die Ausführung von Details im Bereich von möglichen Wärmebrücken sowie die Umsetzung von Luftdichtheits- und Lüftungskonzept geprüft werden. Ein Blower-door-Test gehört ebenfalls zu den erhöhten Anforderungen. Der Sachverständige überprüft dabei die Einhaltung der Luftdichtheit der Gebäudehülle.

Nach Bauabschluss sieht das Anforderungspaket die Kontrolle der Haustechnik und die Begleitung bei der Einweisung sowie der Übergabe an den Bauherren vor.

Erfüllt ein Gebäude die Kriterien des Energiestandards KfW 40, dann gewährt die KfW mit ihrem Förderprogramm 153 „Energieeffizient Bauen“ derzeit (Stand August 2019)

  • einen Kredit von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit
  • mit 0,75 Prozent Sollzins (Effektivzins) und
  • einen stattlichen Tilgungszuschuss von bis zu 10.000 Euro (10 Prozent der Darlehenssumme).
  • Kombination mit anderen Fördermitteln bis zur Höhe der Bauwerkskosten möglich

Ablauf der Antragstellung:

  • Das KfW40-Effizienzhaus-Niveau ist mit der Antragstellung durch einen zugelassenen Sachverständigen zu bestätigen.
  • Der Kreditnehmer reicht die Bestätigung des Sachverständigen zur antragsgemäßen Durchführung der Baumaßnahme – Energieeffizient Bauen – über seine Hausbank bei der KfW ein.
  • Die Hausbank bestätigt den fristgerechten Einsatz der Fördermittel.

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