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Experten-Ratgeber zur konstruktiven Ausführung von Türschwellen

Was ist eine Türschwelle? Welche Aufgaben hat eine Türschwelle und wie wird sie diesen konstruktiv gerecht? Was ist eine niveaugleiche Türschwelle?

Eine klassische Türschwelle ist der untere Teil eines die Türöffnung umlaufenden Türrahmens. Sie verdeckt Stoßfugen, trennt Bodenbeläge thermisch, mindert Zugluft und dämmt Schall. Aus Gründen der Barrierefreiheit werden heute vermehrt niveaugleiche Türschwellen zum Einsatz eingesetzt.

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Bautechnische Entwicklung der Türschwelle

Die sogenannte Türschwelle (in Österreich sagt man auch (Tür-)Staffel dazu) ist ein klassisches Element einer Türkonstruktion. Gemeint ist damit ursprünglich das Brett oder der flache Stein unten zwischen den beiden senkrechten Teilen des Türrahmens (auch Blendrahmen oder Zarge genannt), die links und rechts die Laibung der Maueröffnung verkleiden. Zusammen mit dem konstruktiven Gegenstück oben, das den Türsturz verkleidet, den beiden Seitenteilen und der Türschwelle unten ergibt sich ein Rahmen rund um die Türöffnung.

Aus Gründen der Barrierefreiheit sind klassische Türschwellen, die eine Art Barriere darstellen, heutzutage in öffentlich zugänglichen Gebäuden nicht zulässig. Und auch in barrierefreien Wohnungen sind untere Türanschläge zu vermeiden. Sollten sie technisch notwendig sein, dürfen Türschwellen höchstens zwei Zentimeter hoch sein (siehe DIN 18040 im Absatz „Normen und Richtlinien“ weiter unten).

In der Praxis findet man im Neubau heute kaum noch Türschwellen bei Innentüren, die zwei Räume trennen. Eher üblich sind sie noch bei Haustüren, die als Eingangstür in ein Gebäude führen.

Barrierefreie Türschwellen machen den Weg nach draußen für Rollstuhlfahrer zu einer entspannten Angelegenheit. (Foto: Verband Fenster + Fassade VFF/ GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)
Barrierefreie Türschwellen machen den Weg nach draußen für Rollstuhlfahrer zu einer entspannten Angelegenheit. (Foto: Verband Fenster + Fassade VFF/ GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)

Konstruktive Unterscheidung von Haustürschwellen: Altbau vs. Neubau

Eine moderne Türschwelle ist ein flaches, meist keilförmiges Profil, das zwischen den senkrechten Teilen des Haustür-Blendrahmens eingepasst wird. Das Haustürblatt schlägt gegen die Haustürschwelle, um das Gebäudeinnere vor Schall, Zugluft und Regen zu schützen.

Die Schwelle deckt zugleich den Übergang von Innen- zu Außen-Bodenbelägen ab und kann auch so ausgelegt sein, dass sie eben diesen Übergang auch thermisch trennt. Bei Haustüren nutzt man entweder Altbau- oder Neubau(tür)schwellen.

Altbau-Schwelle

Als Altbau-Schwelle bezeichnet man im Bauwesen eine Türschwelle, die keinen sogenannten Bodeneinstand hat. Sie ist demnach nicht in den Boden eingelassen. Das heißt: Die Altbautürschwelle wird auf den vorhandenen Untergrund gesetzt und dort fixiert. So überdeckt die Altbauschwelle den Übergang zwischen den verschiedenen Bodenmaterialien auf der Außen- und Innenseite. In früheren architektonischen Epochen waren Türschwellen, vor allem von sakralen Bauten deutlich höher als heute.

Neubau-Schwelle

Die Neubau-Schwelle hat im Vergleich zur Altbauschwelle einen Bodeneinstand. Sie wird demzufolge in den Boden eingelassen. Dabei gleicht der Bodeneinstand die Höhe zwischen der Bodenplatte und der sogenannten OKFF aus: Das ist die "Oberkante des komplett fertigen Fußbodens" (kurz: OKFF) mit Bodenbelag wie Fliesen, Parkett oder Linoleum.

Auch hier trennt die Neubautürschwelle die unterschiedlichen Boden-Materialien auf der Innen- und Außenseite mit dem Ziel: gute Festigkeit. Wegen der thermischen Trennung der unterschiedlichen Bodenbeläge gelingt auch bei einer Neubauschwelle eine gute Wärmedämmung.

Mit flachen Bodenschwellen und breiten Terrassentüren wird die Terrasse zum zweiten Wohnzimmer ... oder umgekehrt. (Foto: Verband Fenster + Fassade (VFF) / GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)
Mit flachen Bodenschwellen und breiten Terrassentüren wird die Terrasse zum zweiten Wohnzimmer ... oder umgekehrt. (Foto: Verband Fenster + Fassade (VFF) / GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)

Die grundsätzlichen Aufgaben einer klassischen Türschwelle

Eine klassische Türschwelle dient nicht nur der optischen Abgrenzung zweier Räume. Sie erfüllt auch konstruktive und bauphysikalische Aufgaben:

Abdeckung der Stoßfugen

Die Türschwelle deckt die sogenannten Stoßfugen ab, also die gewollten beziehungsweise toleranzbedingten Spalte (Zwischenräume, Fugen) zwischen zwei Bauteilen oder Materialien, zum Beispiel Mauersteinen, einer Lage.

Unterer Anschlag fürs Türblatt

Die Türschwelle dient auch als unterer Anschlag für das Türblatt, also den beweglichen Teil der Türkonstruktion. Ist die Tür geschlossen, liegt das Türblatt dicht am unteren Anschlag an. So hilft die Türschwelle, den Durchlass von Lärm (Stichwort: Schalldämmung) und Zugluft (Stichworte: Wärmedämmung, Wohnbehaglichkeit) zu mindern. Und auch das Eindringen von Wasser in die hinter der Tür liegenden Räumlichkeiten wird mit entsprechend hohen Türschwellen verhindert.

Die hochdämmende flache Balkontürschwelle von hilzinger verfügt über 3 Dichtungsebenen und ausgedämmte Profilkammern. (Grafik: hilzinger GmbH Fenster und Türen)
Die hochdämmende flache Balkontürschwelle von hilzinger verfügt über 3 Dichtungsebenen und ausgedämmte Profilkammern. (Grafik: hilzinger GmbH Fenster und Türen)

Normen und Richtlinien zur konstruktiven Ausführung von Türschwellen

Im Oktober 2010 erschien innerhalb der Norm DIN 18040 die neue DIN 18040-1 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude”. Sie ersetzt die bauaufsichtlich eingeführte Norm DIN 18024-2 vom November 1996. Teil 2 der DIN 18040 „Wohnungen” folgte wenige Monate später und ersetzte die DIN 18025-1 und -2. Den Normen zufolge sind untere Türanschläge und Türschwellen möglichst ganz zu vermeiden beziehungsweise falls konstruktiv nötig auf eine Höhe von oben bereits erwähnten zwei Zentimetern zu beschränken.

Die Anwendung sogenannter niveaugleicher Türschwellen werden von der Norm für Bauwerksabdichtungen DIN 18195 bereits seit 2000 in DIN 18195-5, in genauerer Formulierung seit 2004 in DIN 18195-9 geregelt.

Niveaugleiche Balkontürschwellen lassen sich ideal mit bodentiefen Fenstern und Fenstertüren kombinieren. (Foto: Verband Fenster + Fassade (VFF) / GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)
Niveaugleiche Balkontürschwellen lassen sich ideal mit bodentiefen Fenstern und Fenstertüren kombinieren. (Foto: Verband Fenster + Fassade (VFF) / GAYKO Fenster-Türenwerk GmbH)

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Problematik: Abdichtung gegenüber Feuchtigkeit vs. Barrierefreiheit bei Haustürschwellen

Trotz der damit geregelten Lage, so ist es in Fachblättern des Bauwesens wie der Deutschen Bauzeitung (db) zu lesen, böten die meisten Türrahmenprofile noch immer keine zuverlässigen Anschlussmöglichkeiten für Abdichtungen nach den Regeln der DIN 18195. Es heißt dort, dass der Übergangsbereich zwischen Türrahmen und Laibung sogar ganz außen vor bliebe.

Aus Mangel an Systemlösungen, die trotz eines als groß geschätzten Bedarfs nicht oder nur selten angeboten würden, müssten Planer und Ausführende der verschiedenen Gewerke demnach immer wieder „das Rad neu erfinden“, um die anscheinend widersprüchlichen Zielsetzungen des Feuchteschutzes und der Nutzbarkeit bei barrierefreien Türschwellen in Einklang zu bringen.

Die Normen DIN 18195-5 und DIN DIN 18195-9 fordern, dass man für niveaugleiche Türschwellen besondere Maßnahmen zum Feuchtigkeitsschutz ergreife, darunter 

  • Errichtung von Vordächern,
  • Errichtung von Rinnen mit Gitterrosten (teilweise ach beheizt beheizt),
  • Abdichtung des Innenraums und
  • Unterfahren der Schwelle mit der Abdichtung.

Diese Maßnahmen lassen sich mit dem vergleichen, was in der Flachdachrichtlinie ZVDH 2008 steht. Aber: Die genannten Regelwerke differenzieren laut der db jedoch "weder nach der tatsächlichen Wasserbeanspruchung noch klären sie, ob alle Forderungen gleichzeitig, einzeln oder in bestimmten Kombinationen vorzusehen sind. Sie heben aber hervor, dass barrierefreie Übergänge eine intensive Koordination zwischen Planern und Ausführenden bedürfen und lassen daher einen gewissen Spielraum, den erforderlichen Feuchteschutz zu planen und auszuführen.“

„PremiPlan Plus“ ist ein Premium Türschwellensystem für maximale Barrierefreiheit mit hohem Begehkomfort, bei ebenerdigem Einbau auf null Millimeter. (Grafik: profine GmbH)
„PremiPlan Plus“ ist ein Premium Türschwellensystem für maximale Barrierefreiheit mit hohem Begehkomfort, bei ebenerdigem Einbau auf null Millimeter. (Grafik: profine GmbH)

Konstruktionen zum Anschluss der Abdichtung an Laibungen und an Schwellen

Grundsätzlich stelle sich daher die Frage nach den Unterschieden in der Beanspruchung zwischen Türschwellen und Fensterbänken inklusive der seitlichen Bauteilanschlüsse. Für Fensterbänke gelte demnach, dass einfache Bänke mit geringen Überständen und Aufkantungshöhen mit nicht selten nur sehr einfachen Anschlüssen an Putzoberflächen in der Regel schadensfrei ausgeführt würden.

Für Türschwellen dagegen würden aufwendige Anschlüsse mit gegen Spritzwasser schützenden Aufkantungen sowie Klemmleisten einschließlich der Abdichtung der Fuge zwischen Blendrahmen und Laibung verlangt werden.

Eine aktuelle Forschungsarbeit habe allerdings herausgefunden, dass gerade dort, wo geringe Beanspruchung herrsche, regelgerechte Aufkantungen und Anschlüsse selten seien – und trotzdem kaum Schäden aufträten. 

  • Bei einer nur geringen Wasserbeanspruchung (Wasserbeanspruchungsklasse: WBK 1) reiche es daher, die Abdichtung bis auf die Höhe der Oberkante des angrenzenden Belags aufzukanten und dort zu verwahren, so dass kein Wasser dahinter gelangen könne. Die Abdichtung könne demnach mit einfachen Maßnahmen an den Blendrahmen der Tür angeschlossen werden, ähnlich wie beim Ausführen von Fensteranschlüssen.
  • Für Türschwellen mit mittlerer Wasserbeanspruchung (WBK 2) sollten Sie die Abdichtungen an das Türschwellenprofil zumindest mit flüssig zu verarbeitenden Kunststoffen (FLK) anschließen, die auf dem seitlichen Blendrahmen hochgeführt und auf die Laibung übergehen würden.
  • Bei Türschwellen mit hoher Wasserbeanspruchung (WBK 3) sollte man die in der Norm DIN 18195 genannten Lösungen (äußerer Anschluss oder Unterfahren der Schwelle) realisieren. Dazu werde vor Einbau der Tür die Abdichtung bis in den Innenbereich verlegt und danach von innen an die Tür angeschlossen, so dass der Anschluss vor Witterungseinflüssen geschützt liege. Gegebenenfalls hinter das Schwellenprofil dringendes Wasser werde demnach nach außen geleitet, ohne dass es in den Innenraum gelange. Zum Abdichten seien bahnenartige Abdichtungsmaterialien geeignet, die Sie auch an enge Radien anpassen könnten. Alternativ ließen sich Flüssigabdichtungen nutzen, die sich bei sorgfältiger Verarbeitung bewährt hätten. Die Abdichtung sei an Laibungen bis auf die übliche Spritzschutzhöhe von 15 Zentimetern zu führen.

Gut zu wissen: Während die Autoren der angesprochenen Forschungsarbeit die Bedeutung des Feuchteschutzes an niveaugleichen Türschwellen als wesentlich bewerteten, sei die Bedeutung eines Wärmeschutzes dort vergleichsweise gering: Der Grund: verglichen mit der wärmeübertragenden Gebäudehülle seien die Schwellenansichtsflächen nur sehr klein. Die Wärmeströme durch Schwellen wirkten sich bei Einhaltung des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 demnach nicht nennenswert auf den Energiebedarf aus.

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"Ratgeber zur Ausführung von Türschwellen" wurde am 06.11.2018 das letzte Mal aktualisiert.