Letzte Aktualisierung: 29.09.2022

Wärmeschutznachweis: Inhalt, Vorgaben und Zuständigkeit

Wer ein Haus bauen oder sein Bestandsgebäude sanieren möchte, muss sich zwangsläufig mit dem Thema "Wärmeschutznachweis" auseinandersetzen. Dieser stellt sicher, dass bestimmte, dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) entsprechende energetische und bauliche Werte eingehalten werden, um ein gesundes Wohnklima, eine langfristig intakte Bausubstanz oder auch die Einsparung von Primärenergie zu ermöglichen. Die gesetzlichen Anforderungen weichen bei Neubauten, Sanierungsmaßnahmen und Anbauten an Bestandsgebäuden in Teilen voneinander ab. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Regeln im Einzelnen gelten und wer Ihnen einen Ihren Anforderungen entsprechenden "GEG-Nachweis" (früher EnEV-Nachweis) ausstellen kann.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Wärmeschutznachweis ist – mit wenigen Ausnahmen – sowohl bei Neubauten als auch bei Bestandsgebäuden verpflichtend.
  • Der Wärmeschutznachweis ist besonders in Bezug auf Wohnklima, Bausubstanz, Ressourcen, Schadstoffe und Primärenergie von Bedeutung.
  • Entscheidende Kennzahlen sind die Ergebnisse von Primärenergiebedarf, Transmissionswärmeverlust und sommerlichem Wärmeschutz.
  • Wärmeschutznachweise können durch Architekten, Statiker, Fachplaner, Bauingenieure oder Energieberater ausgestellt werden.
  • Im Zuge der Energiewende führte die Politik den Wärmeschutznachweis im Jahr 2002 nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) ein. Die Grundlage des Wärmeschutznachweises bildet heute das Gebäudeenergiegesetz (GEG).
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Definition des Wärmeschutznachweises

Rund 30 % des Energieverbrauchs fallen hierzulande auf private Haushalte, wobei davon über 70 % allein auf die Heizungsanlagen zurückzuführen sind. Im Sinne des Klimaschutzes müssen private Hausbesitzer und Bauherren ihren Energieverbrauch merklich senken.

Der Staat hat die Problematik erkannt und stellt dementsprechend hohe Anforderungen an den Wärmeschutz in Gebäuden. Der sogenannte Wärmeschutznachweis - auch GEG-Nachweis bzw. früher EnEV-Nachweis genannt - gilt als Beleg für die Einhaltung der beschlossenen Gesetze.

Im Bauwesen bildet der Wärmeschutz einen Teilbereich der Bauphysik und setzt sich aus den Komponenten sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz zusammen. Somit geht es einerseits um den Schutz vor dem Einfluss von Wärme und andererseits um den Schutz vor Wärmeverlusten.

Die Kernziele eines Wärmeschutznachweises setzen sich aus

  • der Gewährleistung eines gesundes Wohnklimas
  • dem Schutz vor Feuchtigkeits- und Frostschäden an der Bausubstanz
  • der Schonung von Rohstoffressourcen
  • der Verminderung von Schadstoff-Emissionen
  • sowie der Einsparung der Primärenergie

zusammen.

Um einen ausreichenden Wärmeschutz nachzuweisen, werden Beschaffenheit und Aufbau der Außenhülle eines Gebäudes untersucht und dargelegt. Die rechtliche Grundlage des Wärmeschutznachweises bildet das Gebäudeenergiegesetz (GEG), durch welches festgelegt ist, welche maximalen U-Werte ein Bauteil erreichen darf.

Darüber hinaus spielen Kennwerte, wie Primärenergiebedarf, Transmissionswärmeverlust, Sonneneintrag und Übertemperatur-Gradstunden, eine Rolle.

Die Begriffe „Wärmeschutznachweis“ und „Energieausweis“ werden fälschlicherweise oft synonym verwendet. Der Energieausweis stellt jedoch lediglich den Gebäudezustand in einer kurzen Übersicht dar, während der Wärmeschutznachweis alle hierfür benötigten Berechnungen und Details umfasst.

Inhalt und Aufbau des Wärmeschutznachweises

Fachleute können mithilfe spezifischer Kennwerte, die sie zuvor rechnerisch ermittelt haben, Aussagen über die Energieeffizienz eines Gebäudes treffen.

Insbesondere die Ergebnisse von Primärenergiebedarf, Transmissionswärmeverlust und sommerlichem Wärmeschutz sind für die Ausstellung des GEG-Wärmeschutznachweises von Bedeutung.

Der Primärenergiebedarf

Der Primärenergiebedarf gibt an, wie viel Energie ein Haus benötigt. Um dies zu ermitteln, liegt der Fokus mitunter auch auf der Gewinnung, der Aufbereitung und dem Transport der Energieträger. Die Qualität der thermischen Gebäudehülle sowie der ausgewählte Energieträger beeinflussen den Primärenergiebedarf maßgeblich.

Bezüglich des verwendeten Energieträgers geben die Primärenergiefaktoren (PEF) Aufschluss über den Primärenergiebedarf je Energieträger.

Der PEF für Öl liegt beispielsweise bei 1,1, der PEF für Erdwärme oder Solarthermie bei 0,0. Je niedriger der Kennwert, desto energieeffizienter das Gebäude.

Der Transmissionswärmeverlust

Um Aussagen über die Qualität der thermischen Gebäudehülle treffen zu können, muss der Transmissionswärmeverlust ermittelt werden. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie viel Wärme über die Hüllfläche des Hauses verloren geht.

Auch hier gilt: je geringer der Wert, desto besser.

Der sommerliche Wärmeschutz

Während die Wärme in den Wintermonaten im Gebäude bleiben soll, kann sie im Sommer zur Belastung werden. Thermische Energie, die ins Haus gelangt ist, lässt sich nur schwer wieder abführen.

Teil des Wärmeschutznachweises ist also auch der sommerliche Wärmeschutz, der mithilfe der Sonneneintragskennwerte und der Übertemperatur-Gradstunden berechnet werden kann.

Klassischer Aufbau eines Wärmeschutznachweises

In der Regel verfügen GEG-Wärmeschutznachweise, mit wenigen Ausnahmen, über nachfolgenden Aufbau:

  • Titelblatt
  • Vorbemerkungen
  • Beschreibung der einzelnen geplanten Bauteile
  • Berechnung der erforderlichen Bauteilkennwerte
  • Einzelnachweis: Soll vs. Ist

Gesamtbetrachtung des Gebäudes mit einer Bewertung von

  • Jahresprimärenergiebedarf
  • Transmissionswärmeverlust
  • sommerlicher Wärmeschutz
  • Mindestwärmeschutz nach DIN 4108

Zusätzliche Angaben bei Nicht-Wohngebäuden:

Wer eine finanzielle Förderung, etwa bei der KfW, beantragen möchte, muss ggf. zusätzliche Nachweise, etwa zu einzelnen Wärmebrücken, erbringen.

Wer benötigt einen Wärmeschutznachweis?

Wärmeschutznachweise sind nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei vielen Sanierungsarbeiten und baulichen Veränderungen gemäß GEG verpflichtend.

Allerdings unterscheiden sich die Verfahren voneinander: während beim Neubau die gesamte Hülle geprüft wird, werden beim Bestand nur die neuen Gebäudeteile begutachtet.

Neubau

Bei der Neuerrichtung einer Immobilie muss die Berechnungsgrundlage bereits mit dem Baugesuch eingereicht werden.

Der GEG-Nachweis wird im Rahmen des Bauantragsverfahrens, also noch vor Baubeginn, ebenfalls früh benötigt.

Sanierung und bauliche Veränderungen

Auch bei energetisch relevanten Sanierungsarbeiten muss, sofern Letztere mehr als 10 % der Gesamtfläche der Gebäudehülle umfassen, ein Wärmeschutznachweis erstellt werden.

Dies ist die Regel beim Ersatz und erstmaligem Einbau von Bauteilen, der Putzerneuerung an den Außenwänden, der Montage von Bekleidungen, der Montage von Dämmschichten, der Erneuerung der Dachhaut sowie der Montage von innenseitigen Bekleidungen am Dach.

Ausnahmen bei Anbauten

Ein GEG-Ausweis wird nicht nur beim Neubau und gewissen Sanierungsarbeiten erforderlich. Auch bei Anbauten wird dieser oft verlangt, allerdings in unterschiedlicher Ausführung.

Weist der Anbau eine Fläche von weniger als 50 m2 Nutzfläche auf, findet das vereinfachte Bauteilverfahren Anwendung.

Bei mehr als 50 m2 werden die U-Werte der Bauteile des Anbaus mit jenen Werten, die im GEG festgelegt sind, abgeglichen. Zusätzlich muss der sommerliche Wärmeschutz durch einen Experten nachgewiesen werden.

Wird darüber hinaus noch eine neue Heizung eingebaut, gilt, wie bei Neubauten, das Gebäudeverfahren mit der Berechnung des Primärenergiebedarfs.

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Ausstellung des Nachweises zum Wärmeschutz

Für das Erstellen eines Wärmeschutznachweises braucht es einen fachspezifischen Experten. Dieser analysiert, wie hoch der Energieverbrauch eines Hauses ist, damit in jedem Raum die gewünschte Temperatur erreicht werden kann. Die Berechnung erfolgt aus Sicht des Nutzerverhaltens.

Welche Person einen Wärmeschutznachweis ausstellen darf, hängt mitunter von der Gebäudeklasse und dem Standort des Gebäudes ab.

In der Regel kann der Architekt den Nachweis als Teil der Bauantragsunterlagen selbst erbringen. Möglich ist die Ausstellung aber auch von Statikern, Fachplanern, Bauingenieuren oder Energieberatern.

Entscheidend ist, dass die beauftragte Person, die mit ihrer Unterschrift haftet, auch dazu berechtigt ist.

Die konkreten Bestimmungen über berechtigte Verfasser können länderspezifisch voneinander abweichen. Welche Regelung bei Ihnen gilt, erfahren Sie in der für Ihren Wohnort geltenden Landesbauordnung.

Im Idealfall überzeugt der Ersteller nicht nur mit seiner Qualifikation, sondern auch mit seiner Neutralität. Achten Sie darauf, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen produktneutral sind und sich auf die wesentlichen Anforderungen konzentrieren.

Die Kosten können variieren

Die Höhe der Kosten von Wärmeschutznachweisen hängen stark von der jeweiligen Größe des Gebäudes bzw. dem Umfang der angestrebten Sanierungsarbeiten ab. Daher lohnt es sich, mehrere Angebote miteinander zu vergleichen.

Die Richtwerte für ein Einfamilienhaus liegen beispielsweise zwischen 500 und 1.000 Euro.

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die die Höhe der Kosten beeinflussen:

  • Art des Gebäudes (Wohn- oder Gewerbegebäude, Einfamilienhaus oder Mehrparteienhaus mit mehr oder weniger als 5 Wohneinheiten)
  • Baujahr des Gebäudes
  • Erreichung oder Nicht-Erreichung des Standards der WSchV 1977 bei älteren Gebäuden vor 1977

Seien Sie skeptisch, wenn Sie ein scheinbar sehr günstiges Angebot, insbesondere über das Internet, erhalten und lassen Sie sich im Zweifel die entsprechende Legitimation zeigen. Denn bei einem ungültigen oder gefälschten Wärmeschutznachweis drohen hohe Bußgelder.

Die Vorteile des Nachweises

Auf den ersten Blick erscheint der Wärmeschutznachweis wie ein unerwünschter Kostenfaktor, der den Bauherren zusätzlich finanziell herausfordern soll. Allerdings besteht der eigentliche Sinn des Nachweises im Erreichen der Klimaziele und dem effizienten Bauen und Umbauen von Häusern. Damit sind Sie schlussendlich also wieder im Vorteil.

Der Wärmeschutznachweis dient Ihnen ferner als Grundlage für die Förderung des Effizienzhauses und ermöglichtet Ihnen den Erhalt von Fördergeldern durch KfW und BAFA.

Auch von nachfolgenden Faktoren können Sie mit Ihrem Wärmeschutznachweis profitieren:

  • In Ihr Bauvorhaben fließt die energetische Planung mit ein
  • Durch die Genehmigung Ihres zuständigen Bauamtes können Sie allen gesetzlichen Ansprüchen nachkommen
  • Je nach Verfügbarkeit und Kosten der verwendeten Materialien können während der Bauarbeiten Anpassungen im Rahmen des Wärmeschutznachweises vorgenommen werden
  • Die anschließende Prüfung garantiert Ihnen, dass alle Arbeiten auf der Baustelle die Mindestvorgaben des Wärmeschutznachweises und damit der Baugenehmigung erfüllen

Auf lange Sicht gewährleistet der Wärmeschutznachweis Planungssicherheit und somit auch ein wertbeständiges Gebäude.

Ebenso wird ein effizienter Einsatz von Energieträgern gesichert. Sowohl laufende Betriebskosten als auch gebäudebezogene Emissionen fallen durch den gesetzlich vorgegebenen Wärmeschutz geringer aus.

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Häufige Fragen (FAQ) zum Wärmeschutznachweis

Wozu braucht man einen Wärmeschutznachweis?

Der Wärmeschutznachweis belegt, dass neue und sanierte Gebäude die hohen gesetzlichen Anforderungen des GEG an den Wärmeschutz erfüllen. Er ist bei einem Neubau für das gesamte Gebäude zu erstellen und meist zusammen mit dem Bauantrag einzureichen. Bei einer Sanierung genügt in vielen Fällen ein einfacherer Nachweis.

Ist ein Wärmeschutznachweis Pflicht?

Beim GEG-Nachweis (vormals EnEV-Nachweis) handelt es sich um einen öffentlich rechtlichen Nachweis, der für die Bauvorlagen bei Neubauten bzw. Sanierungen benötigt wird. Der Wärmeschutznachweis ist Pflicht, wenn ein beheiztes Gebäude neu gebaut oder ein bestehendes Gebäude modernisiert wird. Dann muss der Wärmeschutz entsprechend den Anforderungen des GEG nachgewiesen werden.

Welcher Wärmeschutznachweis wird benötigt?

Das ist abhängig von der Art des Bauvorhabens und unterscheidet sich auch zwischen den einzelnen Bundesländern. Welche Regeln in Ihrem Fall gelten, erfahren Sie in der für Ihren Wohnort geltenden Landesbauordnung.

Wo bekommt man den Wärmeschutznachweis?

Der Wärmeschutznachweis kann zumeist von Architekten, Statikern, Fachplanern, Bauingenieuren oder Energieberatern ausgestellt werden. Wichtig ist, dass der gewählte Experte über die entsprechende Legitimation verfügt.

Was kostet ein Wärmeschutznachweis?

Die Höhe der Kosten von Wärmeschutznachweisen hängen stark von der jeweiligen Größe des Gebäudes bzw. dem Umfang der angestrebten Sanierungsarbeiten ab. Für einen GEG-Nachweis können Bauherren von Einfamilienhäusern mit 750 bis 1.500 Euro je Wärmeschutznachweis rechnen. Bei Zwei- und Mehrfamilienhäusern fallen die Kosten höher aus.

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