Letzte Aktualisierung: 23.11.2020

Der Sanierungsfahrplan iSFP und EWärmeG-Variante in B-W

  • Der Sanierungsfahrplan visualisiert Eigentümern von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden sinnvolle Maßnahmen, wie sie ihre Immobilie energieeffizient sanieren können.
  • Bundesweit können sich Bürger einen „Individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)“ im Zuge einer vom BAFA geförderten Vor-Ort-Beratung von einem Energieberater zusätzlich ausstellen lassen. Er ist für die BAFA-Vor-Ort-Beratung nicht verbindlich.
  • Es besteht keine Verpflichtung, die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen. Der Sanierungsfahrplan soll nur aufzeigen, welche Sanierungsschritte in welcher Reihenfolge für das Gebäude sinnvoll sind.
  • In Baden-Württemberg kann man einen Sanierungsfahrplan als Erfüllungsoption für das EWärmeG anrechnen lassen. Der iSFP ähnelt diesem und wird daher vom Umweltministerium in BAden-Württemberg als Alternative anerkannt.
  • Der Sanierungsfahrplan nach EWärmeG wird nicht gefördert. Da der iSFP vom BAFA gefördert wird, kann es sich lohnen, von vornherein einen iSFP nach BAFA erstellen zu lassen.

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Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) als Beratungsoption

Erstellung und Visualisierung eines iSFP

Das Vorgehen bei der Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist recht einfach:

Im Vor-Ort-Gespräch mit dem Kunden wird der energetische Zustand des Hauses aufgenommen und die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Hauseigentümers sowie geplante Nutzungsänderungen in den nächsten Jahren in Erfahrung gebracht.

Darauf folgt die Bewertung des energetischen Gesamtzustands anhand bedarfsbasierter Kennwerte mit Hilfe einer Bilanzierungssoftware, die als Farbklassen von dunkelgrün bis dunkelrot ausgegeben werden und den Istzustand veranschaulichen sollen.

Durch die farbliche Visualisierung kann man sich ein Bild vom energetischen Ausgangszustand des Wohngebäudes machen und sich besser vorstellen, wie sich die Energieeffizienz des Gebäudes bei Umsetzung der einzelnen Sanierungsvorschläge schrittweise verbessert.

Bei der farblichen Klassifizierung wird die beste Komponentenklasse für den auf absehbare Zeit höchsten Effizienzstandard vergeben, beispielsweise Effizienzhaus-40- oder Passivhaus-taugliche Bauteile.

Bei den Komponentenklassen steht die zweite Stufe für die Anforderungen der KfW-Einzelmaßnahmenförderung (außer bei den Lüftungsanlagen). In der dritten Stufe sind die Anforderungen des GEG an sanierte Bauteile oder die Anlagentechnik einsortiert.

Die weiteren Klassen stehen zur Verfügung, um die verschiedenen Baualtersklassen und Teilsanierungen unterscheiden zu können

Schritt-für-Schritt-Fahrplan in Paketen

Der individuelle Sanierungsfahrplan zeigt auf, wie das Gebäude Schritt-für-Schritt über einen längeren Zeitraum durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen umfassend energetisch saniert und der Primärenergiebedarf so weit wie möglich gesenkt werden kann. Die möglichen energetischen Sanierungsmaßnahmen werden dabei nach dem Bestmöglich-Prinzip ausgewählt und sollen Lock-in-Effekte vermeiden.

Wichtiges Element des individuellen Sanierungsfahrplans ist die Bildung von Paketen aus einzelnen Sanierungsmaßnahmen. Die Bildung dieser Pakete trägt folgenden Umständen Rechnung:

  • Grundsätzlich trägt dieses Vorgehen im Sanierungsfahrplan notwendigen, aufeinander aufbauenden Vorarbeiten Rechnung: Beispielsweise muss zunächst die Luftdichtheit verbessert werden, damit eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung funktioniert und wirtschaftlich ist.
  • Das Vorgehen in Paketen bietet sich auch deshalb an, weil so Ohnehin-Maßnahmen wie z. B. der Aufbau eines Gerüstes nur einmal ausgeführt werden muss.
  • Zudem können bereits Sanierungsmaßnahmen aufeinander abgestimmt werden, ohne, dass sie zeitglich ausgeführt werden müssen. So können z. B. Montagerahmen in die Dämmebene eingebaut werden, sodass später der Einbau neuer Energiesparfenster einfacher möglich ist.
  • Ebensolche Vorteile ergeben sich durch sukzessive Einsparungen: Wird zunächst das Haus gedämmt, so reduziert sich der Wärmebedarf und in einer späteren Heizungssanierung kann eine kleinere Heizleistung gewählt werden. Dies verbessert auch das Budget, weil bereits Heizkosten eingespart werden konnten.

Der Eigentümer erhält in seinem Sanierungsfahrplan auch Informationen über die Höhe der Kosten der vorgeschlagenen Effizienzmaßnahmen. Dabei wird die geschätzte, zu erwartende jährliche Gesamtkostenbelastung dargestellt.

Neben den einmaligen Investitionskosten für Instandhaltung und Energieeffizienzmaßnahmen sind die laufenden Betriebs-, Wartungs- und Energiekosten aufgeführt. Sie werden zusammengefasst als durchschnittliche jährliche Kosten über den Betrachtungszeitraum von 20 Jahren dargestellt. Auch mögliche Erlöse durch eine PV-Anlage werden hier aufgeführt.

Der Energieberater weist auch darauf hin, welche Fördermittel Sie beantragen können.

Förderung des iSFP durch das BAFA

Die Ergebnisse werden vom Energieberater in einem schriftlichen, mehrteiligen Energieberatungsbericht:

  • Dokument „Mein Sanierungsfahrplan“
  • Dokument „Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen“

zusammengefasst, den er Ihnen aushändigt und in einem Abschlussgespräch erläutert. Sie erhalten einen Sanierungsfahrplan im Zuge einer geförderten Energieberatung für Wohngebäude.

Seit Anfang 2020 bekommen Hausbesitzer eine BAFA-Förderung für die Energieberatung von 80 Prozent! Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern bekommen damit bis zu 1.300 Euro für Sanierungskonzepte (Sanierungsfahrplan oder Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus).

Den Antrag auf einen Zuschuss zur „Vor-Ort-Beratung“ und die Abwicklung übernimmt der Energieberater. Vor Beginn der Beratung reicht er den Förderantrag online beim BAFA ein. Der Zuschuss wird an den Energieberater gezahlt. Dieser ist aber verpflichtet, Ihnen ein um den Zuschuss ermäßigtes Beratungshonorar in Rechnung zu stellen.

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Sanierungsfahrplan für das EWärmeG in Baden-Württemberg

Der Landtag Baden-Württemberg hat am 11. März 2015 mit der Novelle des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes (EWärmeG) beschlossen, dass der Pflichtanteil für Ökowärme in bestehenden Wohngebäuden von 10 auf 15 Prozent steigt. Im Gegenzug bietet das EWärmeG nun aber mehr Möglichkeiten für Hauseigentümer, die Vorgaben umzusetzen. Eine teilweise Erfüllung ist mit einem sogenannten Sanierungsfahrplan möglich.

Erstellung

Zur Erstellung eines Sanierungsfahrplanes entsprechend der Anforderungen des EWärmeG in Baden-Württemberg wird im Rahmen einer Vor-Ort-Beratung eine Analyse des Ist-Zustands des Gebäudes erstellt. Aufbauend auf dieser Energieberatung werden dem Hausbesitzer dann mindestens zwei Alternativen vorgestellt, wie bei einer energetischen Sanierung vorgegangen werden kann. Dies kann im Rahmen eines weiteren Vor-Ort-Besuchs durch ein persönliches Beratungsgespräch oder auch telefonisch erfolgen. Die Umsetzung der Maßnahmen des Sanierungsfahrplanes ist jedoch nicht verpflichtend.

Die Erstellung des Sanierungsfahrplan Baden-Württemberg kann sich nach dem von der Landesrierung herausgegebenen Musterbericht (hier als pdf-Version) richten. Diese Darstellung ist jedoch nicht verpflichtend und kann auch durch eine andere Darstellungsweise erfüllt werden, solange sich diese nach den Anforderungen des EWärmeG richtet. So sind Fahrpläne, die nach den Vorgaben der BAFA "Vor-Ort-Beratung" erstellt werden ebenfalls zulässig. Als Sanierungsfahrplan können jedoch nur BAFA-Berichte zugelassen werden, nicht älter als fünf Jahre alt sind.

Die Voraussetzungen zur Berechtigung werden in der Verordnung geregelt (§ 6 des Entwurfs). Neben nach § 21 EnEV qualifizierten Energieberatern sind auch entsprechend qualifizierte Handwerker für den Sanierungsfahrplan Baden-Württemberg ausstellungsberechtigt. Der Aussteller muss dann in einer Selbsterklärung bestätigen, dass er die Anforderungen dieser Verordnung erfüllt.

Zu den wichtigsten Ansätzen eines Sanierungsfahrplanes zählen Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung, Fenster- oder Heizungstausch. Bei manchen Gebäuden wird der Energieberater dazu raten, zuerst den alten Heizkessel auszutauschen, wenn diese Maßnahme das größte Einsparpotenzial verspricht. Bei anderen Immobilien kann es sich lohnen, zuerst die Außenhülle zu dämmen: Denn in schlecht gedämmten Häusern entweicht ein Großteil der wertvollen Wärme über das Dach, ungedämmte Außenwände sowie zugige Fenster und Türen.

Alle Einzelmaßnahmen, die für die Erstellung des Sanierungsfahrplans zugrunde gelegt werden, müssen dabei "ambitionierte Einzelmaßnahmen" sein. Soweit dies aus technischen Gründen oder gebäudeindividuellen Gegebenheiten nicht möglich ist, sind im Sanierungsfahrplan alternative Maßnahmen aufzuzeigen und die Gründe zu beschreiben. Zudem sind bei der Planung der Maßnahmen baukulturelle, denkmalschutzrechtliche und städtebauliche Gegebenheiten zu beachten.

Geltungsbereiche

Der Sanierungsfahrplan Baden-Württemberg ist eine Teilpflicht für Wohngebäude, die das EWärmeG vorsieht und kann darauf angerechnet werden. Der Sanierungsfahrplan wird dann bei Wohngebäuden als eine Teilerfüllungsoption mit 5 Prozent angerechnet. Dadurch reduzieren sich weitere Maßnahmen auf nur noch 10 Prozent. Diese verbleibenden 10 Prozent können dann durch eine regenerative betriebene Heizung, ein BHKW, durch Dämmungsmaßnahmen oder den Anschluss an ein Wärmenetz erfüllt werden.

Für mehrere Wohngebäude gilt ein sogenannter Portfolio-Sanierungsfahrplan. Dafür wird ein Sanierungsfahrplan für ein ähnliches in Baden-Württemberg gelegenes Typgebäude erstellt, der dann auf die jeweils anderen Gebäude gleichen Typs übertragen wird. Der Portfolio-Sanierungsfahrplan gilt dann für alle Gebäude, die einem Typgebäude zugeordnet wurden.

Bei einem Gebäudekomplex kann ein für den gesamten Komplex erstellter Sanierungsfahrplan auch als Sanierungsfahrplan für ein Einzelgebäude verwendet werden, wenn die Gebäude miteinander vergleichbar sind.

Bei Nichtwohngebäuden ist der Sanierungsfahrplan eine Option, um das EWärmeG vollständig zu erfüllen. Dieser muss dann aber zusätzlich die Themen Lüftung, Kühlung, Klimatisierung und Beleuchtung mit berücksichtigen und ist daher auch umfangreicher und aufwändiger als ein Sanierungsfahrplan für "normale" Wohngebäude.

Die erforderlichen Inhalte und die Voraussetzungen zu diesem Sanierungsfahrplan und zur Ausstellungsberechtigung sind ebenfalls in der Verordnung festgelegt. Aufgrund der Vielfalt der Gebäudetypen und Nutzungsarten gibt es bei Nichtwohngebäuden keinen allgemein gültigen Mustersanierungsfahrplan. Die Verordnung (Anlage 1) enthält eine Aufzählung von Handlungsfeldern, die in einer Energieberatung zu untersuchen und darzustellen sind.

Ein Beispiel eines Muster-Sanierungsfahrplans für ein Bürogebäude, der "Musterbericht für ein Nichtwohngebäude nach Sanierungsfahrplan-Verordnung Baden-Württemberg" (Stand: Februar 2019), wird vom » Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zum Download zur Verfügung gestellt.

Kosten und Förderung

Der Sanierungsfahrplan ist eine relative günstige Möglichkeit die Auflagen des EWärmeG zur erfüllen: Für Ein- oder Zweifamilienhäuser liegen die Kosten je nach Objekt in einer Größenordnung von rund 800 Euro. Die Kosten für einen Sanierungsfahrplan bei einem Nichtwohngebäude mit vereinfachtem Berechnungsverfahren belaufen sich auf 3.000 und 6.000 Euro. Für andere Nichtwohngebäude ist mit Kosten von etwa 3.000 bis 8.000 Euro je Nutzungseinheit zu rechnen.

Im Vergleich zu den Kosten für die Erfüllung der verbleibenden 10 Prozent, sollte man daher unbedingt die Möglichkeit der Ausstellung eines Sanierungsfahrplanes in Anspruch nehmen. Hier lohnt es sich trotzdem, mehrere Angebote für einen Sanierungsfahrplan von verschiedenen Gebäudeenergieberatern anzufordern, um das beste Angebot auswählen zu können.

Die Ausstellung eines Sanierungsfahrplans für Wohngebäude oder Nichtwohngebäude wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg nicht mehr gefördert.

Da der Sanierungsfahrplan auch entsprechend der Vorgaben der BAFA "Vor-Ort-Beratung" erfüllt werden kann, können auch hierüber BAFA-Förderungen in Anspruch genommen werden: Eigentümer erhalten so (zum Stand der Veröffentlichung dieses Artikels) einen maximalen Zuschuss zu den Kosten für einen Sanierungsfahrplan von maximal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser bzw. 1.100 Euro für Wohngebäude mit drei oder mehr Wohneinheiten.

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