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Abschreibung: Modelle und Rechenbeispiele für Photovoltaikanlagen

Wie wird die Abschreibung einer Photovoltaikanlage ermittelt? Welche Abschreibungen können bei der Steuerermittlung angesetzt werden?

Egal ob man seine PV-Anlage ausschließlich für die eigene Stromversorgung nutzt oder ob man mit dieser durch den Verkauf von Strom Geld verdient, die Abschreibung der Photovoltaikanlage spielt in beiden Fällen eine wichtige Rolle bei der Ermittlung der Steuerlast und der Kalkulation der Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlage.

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Steuerliche und finanzwirtschaftliche Bedeutung

Sowohl aus steuerlicher Sicht als auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht ist die kalkulatorische Abschreibung des Wertes der PV-Anlage über deren Nutzungsdauer von besonderer Bedeutung:

  • Betreibt man die Photovoltaikanlage als Unternehmer, so kann die durch den Betrieb der Anlage stattfindende Wertminderung als Kosten steuermindernd z. B. bei der Einkommensteuer angesetzt werden.
  • Um im Vorfeld die Wirtschaftlichkeit einer Investition in eine PV-Anlage zu berechnen, müssen die gesamten Kosten und gesamten Erträge während der Lebensdauer der PV-Anlage ermittelt und gegenübergestellt werden.

In beiden Fällen können je nach Berechnungszweck und Anlagenspezifika unterschiedliche Abschreibungsmethoden angewendet werden.

Hinweis: Nachdem im Rahmen der Unternehmenssteuerreform 2008 die degressive Abschreibungsmethode für PV-Anlagen zunächst aufgehoben und 2009 und 2010 im Rahmen eines Konjunkturprogramms vorübergehend wieder zugelassen wurde, können Photovoltaikanlagen, die ab dem 01.01.2011 installiert wurden, nun nicht mehr degressiv abgeschrieben werden. Anlagenbesitzer, die ihre Anlage zwischen 2008 und 2011 gekauft haben, müssen daher prüfen, welche Regelung gültig war. Alle, die ihre Anlage vor 2008 gekauft haben, können degressiv abschreiben.

Übersicht der grundsätzlichen Abschreibungsmodelle

Insgesamt haben Besitzer von PV-Anlagen zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Abschreibung, die teilweise miteinander kombiniert werden können. Im Folgenden werden diese Abschreibungsmöglichkeiten erläutert und anhand möglichst einfacher Rechenbeispiele veranschaulicht.

Lineare Abschreibung der Photovoltaikanlage

Unter der Linearen Abschreibung versteht man die gleichmäßige Verteilung der Anschaffungskosten der Anlage auf die Nutzungsdauer von 20 Jahren. Im Jahr sind das dann 5%.

Rechenbeispiel: Anschaffungskosten 20.000 €, Nutzungsdauer 20 Jahre

20.000 €/ 20 = 1.000 € pro Jahr

Das heißt, pro Jahr können 1.000 Euro abgeschrieben werden. Dabei muss aber beachtet werden, dass für die Abschreibung des ersten Jahres, in der die PV-Anlage in Betrieb genommen wird, nur die anteiligen Monate berechnet werden dürfen. Wird die Anlage zum Beispiel erst im Dezember in Betrieb genommen, dann dürfen im ersten Jahr nur anteilig 1/12 sprich 83,30 € abgeschrieben werden, der Restbetrag (11 Monate) werden dann erst im 21. Jahr abgeschrieben.

Degressive Abschreibung der Photovoltaikanlage

Die degressive Abschreibung ist etwas komplexer. Hier werden die Abschreibungen prozentual berechnet und dürfen jährlich maximal das 2,5-fache des linearen Abschreibungsbetrags betragen. Der lineare Abschreibungsprozentsatz beträgt 5%, dann ergibt sich für den degressiven Abschreibungssatz 12,5 Prozent.

Dieser Prozentwert wird aber immer nur vom jährlichen Restwert der Anlage abgezogen, sodass die Abschreibungen jedes Jahr geringer werden. Entscheidender Vorteile hierbei ist, dass zu Beginn der Anschaffung die Steuerlast gemindert wird. Sinnvollerweise kann nach einiger Zeit zur linearen Abschreibung gewechselt werden.

Rechenbeispiel: Anschaffungskosten 20.000 €

Erstes Jahr: 20.000 €/ 100 x 12,5 = 2.500 € -> 20.000 € - 2.500 € ergibt einen Restwert von 17.500 €

Zweites Jahr: 17.500 /100 x 12,5 = 2.187,5 -> Restwert 15.312,5 € usw.

Abschreibungs- und Restwerte bei linearer und degressiver Abschreibung einer Photovoltaikanlage im Wert von 20.000 Euro bezogen auf eine Nutzungsdauer von 20 Jahren
NutzungsdauerLineare Abschreibung Degressive Abschreibung
AbschreibungswertRestwertAbschreibungswertRestwert
1. Jahr1.000 Euro19.000 Euro2.500 Euro17.500 Euro
2. Jahr1.000 Euro18.000 Euro2.188 Euro15.313 Euro
3. Jahr1.000 Euro17.000 Euro1.914 Euro13.398 Euro
4. Jahr1.000 Euro16.000 Euro1.675 Euro11.724 Euro
5. Jahr1.000 Euro15.000 Euro1.465 Euro10.258 Euro
6. Jahr1.000 Euro14.000 Euro1.282 Euro8.976 Euro
7. Jahr1.000 Euro13.000 Euro1.122 Euro7.854 Euro
8. Jahr1.000 Euro12.000 Euro982 Euro6.872 Euro
9. Jahr1.000 Euro11.000 Euro859 Euro6.013 Euro
10. Jahr1.000 Euro10.000 Euro752 Euro5.262 Euro
11. Jahr1.000 Euro9.000 Euro658 Euro4.604 Euro
12. Jahr1.000 Euro8.000 Euro575 Euro4.028 Euro
13. Jahr1.000 Euro7.000 Euro504 Euro3.525 Euro
14. Jahr1.000 Euro6.000 Euro441 Euro3.084 Euro
15. Jahr1.000 Euro5.000 Euro386 Euro2.699 Euro
16. Jahr1.000 Euro4.000 Euro337 Euro2.361 Euro
17. Jahr1.000 Euro3.000 Euro295 Euro2.066 Euro
18. Jahr1.000 Euro2.000 Euro258 Euro1.808 Euro
19. Jahr1.000 Euro1.000 Euro226 Euro1.582 Euro
20. Jahr1.000 Euro0 Euro198 Euro1.384 Euro

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Investitionsabzug bei PV-Anlagen

Zusätzlich zu den beiden bereits genannten Abschreibungsmethoden kommen noch die besonderen Abschreibungen für die Anschaffungskosten hinzu.

Beim sogenannten Investitionsabzug können bis zu 40% der anfallenden Anschaffungskosten bereits im ersten Jahr geltend gemacht werden. Die restliche Laufzeit der Anlage wird dann über einen jährlichen Abschreibungssatz von 5% berechnet. Außerdem darf der Investitionsabzugsbetrag bereits ein bis drei Jahre vor der Anlagen-Anschaffung geltend gemacht werden.

Plant man also eine neue PV-Anlage für 20.000 Euro im darauffolgenden Jahr anzuschaffen, dann ergibt sich folgendes Rechenbeispiel:

Anschaffungskosten: 20.000 €

20.000 € / 100 x 40 = 8.000 €

Somit können bereits im Jahr der Investitionsentscheidung die eigenen Steuern um den Investitionsbetrag verringert werden.

Beispiel: Ein durchschnittlicher Angestellter hat einen Einkommenssteuersatz von 30% und zahlt seine Einkommensteuer im Voraus. Bei oben angenommenen Werten ergibt sich dann folgende Berechnung für den Investitionsabzug

8.000 € Investitionsabzug / 100 x 30 (Steuersatz Angestellter) = 2.400 €

Das heißt, der Angestellte erhält in unserem Beispiel vom Finanzamt die vorausgezahlten Lohnsteuern zurück, und zwar in Höhe eines Betrages von 2.400 Euro. Das Finanzamt verlangt in diesem Fall einen Nachweis über die verbindliche Auftragserteilung. Schafft man die Photovoltaik-Anlage dann aber doch nicht an, löst das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend wieder auf.

Sonderabschreibung bei PV-Anlagen für Unternehmer

Bei der Sonderabschreibung hingegen können kleine und mittlere Unternehmen insgesamt 20 Prozent der Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage auf einen Zeitraum von vier Jahren als Abschreibungen verteilen. Dabei kann die Verteilung selbst bestimmt werden, was ein besonderes Maß an Flexibilität mit sich bringt.

Beispiel: Im ersten Jahr kann man 5% geltend machen, im zweiten dann 12%, im dritten 2% und im vierten 1%.

Eine lineare Abschreibung wird dann für den Restbetrag neu berechnet. Für die Sonderabschreibung der PV-Anlage müssen aber bestimmte Voraussetzungen vom Unternehmer erfüllt werden.

Zu diesen zählen:

  • Die PV-Anlage wird als Gewerbebetrieb geführt
  • Wird die PV-Anlage nicht privat, sondern für einen bestehenden Betrieb eingesetzt, so muss das jährliche Anlagevermögen unter 204.517,00 Euro liegen
  • Die PV-Anlage muss mindestens ein Jahr in Betrieb sein
  • Die PV-Anlage darf ausschließlich (mindestens 90%) betrieblich genutzt werden

Zusammenfassung und Tipps zur Abschreibungspraxis

Übersicht zur Abschreibung einer Photovoltaikanlage
Typ der AbschreibungProzentsatz / DauerVorteilZielgruppe
Linear5% / 20 JahreGleichmäßige VerteilungPrivat und Gewerbe
Degressiv12,5% des jährlichen Restwertes / 20 JahreMinderung der Steuerlast bei AnschaffungPrivat und Gewerbe
Sonderabschreibung20% / 4 JahreIndividuelle VerteilungUnternehmen
Investitionsabzug40% erste Jahr, dann 5% jährlichBis zu drei Jahre vor Anschaffung möglichPrivat und Gewerbe

1. Für private PV-Anlagenbetreiber ist es nicht so wichtig, jedes steuerliche Schlupfloch der Abschreibungen kennenzulernen. Das wäre auch fast nicht möglich. Wichtig ist aber, dass man sich mit den Grundlagen moderner Abschreibungsverfahren vertraut macht und diese zumindest im Ansatz versteht. Man sollte wissen, welche Abschreibungsmöglichkeiten es gibt und wie diese angewendet werden.

2. Die restlichen Aufgaben sollte man einem Fachmann überlassen. Steuerberater sind hier die erste Anlaufstelle, um sich eingehend beraten zu lassen, sodass man dann auch nichts verkehrt macht. Besonders dann, wenn mehrere Abschreibungsmethoden kombiniert werden, wird es für den Laien schwer mitzuhalten.

3. Das Finanzamt selbst versteht bei versehentlich falsch gemachten Angaben keinen Spaß und Unwissenheit schützt auch hier nicht vor einer Strafe. Daher ist vor dem geltend machen von Abschreibungen oder anderen steuerlichen Maßnahmen eine eingehende Beratung zwingend erforderlich.

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"Abschreibung Photovoltaikanlage: Modelle, Sonderabschreibungen und Investitionsabzug" wurde am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.