Letzte Aktualisierung: 13.10.2021

Steuer beim Erwerb und Betrieb einer Photovoltaikanlage

Wie wird eine Photovoltaikanlage besteuert? Welche steuerliche Behandlung gilt für Betreiber von Photovoltaikanlagen?
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Die steuerliche Behandlung von PV-Anlagen ist alles andere als einfach. Die einfache Lohnsteuerhilfe können Anlagenbetreiberinnen und -betreiber nicht nutzen, da der Betrieb der PV-Anlage als gewerbliche Tätigkeit zählt. Bei der Option zur Steuerpflicht muss in jedem Monat des ersten Jahres eine Umsatzsteuervoranmeldung gemäß UstG §18 Abs. 1 gemacht werden. Dies kann in den Folgejahren gemäß §18 Abs. 2 auf jährliche Meldungen reduziert werden. Insbesondere Kleinunternehmerinnen, Kleinunternehmer und Privatpersonen können vor dem bürokratischen Aufwand zurückschrecken und kommen somit nicht in den Genuss der ökonomischeren Behandlung einer PV-Anlage. Auf Basis der PV-Ertragsprognose kann jedoch auch im ersten Jahr bereits abgeschätzt werden, ob eine Besteuerung nach Abs. 2 in Betracht kommt.

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Steuerbefreiung für kleine Photovoltaikanlagen bis 10 kWp

Immer mehr Privatleute produzieren über eine Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Hausdach Ökostrom und speisen diesen entweder in Stromnetz ein oder nutzen diesen teilweise selbst. Sowohl der Eigenverbrauch als auch der Verkauf des Stroms an der Stromnetzbetreiber haben steuerrechtliche Konsequenzen hat.

Wer hingegen keinen „Papierkram“ mit dem Finanzamt möchte, der kann sich seit Sommer 2021 bei einer Photovoltaik-Anlage mit weniger als 10 kWp von allen Steuerpflichten (Einkommensteuer und Umsatzsteuer) befreien lassen.

Befreiung von der Einkommensteuer

Teilen Sie dem Finanzamt einmalig schriftlich mit, dass Sie Ihre Anlage ohne Gewinnerzielungsabsichten betreiben. Dann müssen Sie für ihre „Einkünfte“ aus der PV-Anlage keine Einkommensteuererklärung abgeben.

In diesen Fällen wird der steuerpflichtigen Person aus Vereinfachungsgründen ohne weitere Prüfung in allen offenen Veranlagungszeiträumen unterstellt, dass Sie die Solaranlage nur als eine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei betreiben.

Keine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei liegt hingegen bei Solaranlagen vor, die vor dem 31.12.2003 in Betrieb gesetzt wurden, da aufgrund der damals deutlich höheren Einspeisevergütungen hier grundsätzlich von einer Gewinnerzielungsabsicht auszugehen sei. Allerdings kann sich diese Einschätzung beim Weiterbetrieb dieser Anlagen ändern, da nach Ende der EEG-Förderung nach Ablauf von 20 Jahren die Einspeisevergütung deutlich sinkt. In beiden Fällen empfiehlt das Bundesministerium der Finanzen "im Einzelfall eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht ggf. ab dem Zeitpunkt des Auslaufens der Einspeisevergütung nachzuweisen".

Experten-Tipp: Mit dem BMF-Schreiben „Gewinnerzielungsabsicht bei kleinen Photovoltaikanlagen und vergleichbaren Blockheizkraftwerken“ vom 02. Juni 2021 vereinfachte das Bundesfinanzministerium die Beurteilung der „Gewinnerzielungsabsicht“ kleiner Photovoltaikanlagen. Seither gilt, dass sich Betreiber kleiner, privat betriebener Solaranlagen bis 10 kW von der Ermittlung und Abführung der Einkommensteuer befreien lassen können. (Weitere Infos zur Steuerbefreiung)

Befreiung von der Umsatzsteuer

Es wird keine Umsatzsteuer erhoben, wenn Sie von der sogenannten Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen. Denn die Umsätze mit einer normalen PV-Anlage auf einem Wohngebäude werden die hierfür maßgebliche Umsatz-Grenze – 2021 belief sich diese auf 22.000 € im Jahr - nicht überschreiten.

In diesem Fall wird auf die Erhebung der Umsatzsteuer verzichtet und es besteht keine Verpflichtung zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen. Dies ist bei der Anmeldung der PV-Anlage beim Finanzamt zu erklären.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass Sie dann den Vorsteuerabzug aus der Anschaffung der Anlage und aus sämtlichen laufenden Kosten nicht geltend machen können.

Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung

Neben der obligatorischen Anmeldung der Photovoltaikanlage beim Finanzamt ist als erstes die Wahl der Besteuerungsform entscheidend. Hier hat der Betreiber einer kleinen bis mittelgroßen Photovoltaikanlage in der Regel die Wahl zwischen

  • der Kleinunternehmerregelung und
  • einer Regelbesteuerung.

Die Kleinunternehmerregelung erspart dem Anlagenbetreiber eine Menge Aufwand, allerdings kann dann auch nicht die beim Kauf gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder erstattet werden.

Wer die Regelbesteuerung wählt, der gilt ganz offiziell als Unternehmer, kann die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer zurückfordern, muss aber auch die vom Energieversorger gezahlte Umsatzsteuer an das Finanzamt überweisen.

Bei Wahl der Regelbesteuerung sind Sie für fünf Jahre hieran gebunden. Wollen Sie den Vorsteuerabzug aus der Anschaffung der Photovoltaik-Anlage und aus sämtlichen laufenden Kosten geltend machen, sind Sie jedoch auch verpflichtet, im Jahr der Anschaffung und im folgenden Kalenderjahr vierteljährliche Voranmeldungen abzugeben, in denen Sie die Umsätze und etwaige Vorsteuern erklären.

Die Anmeldung muss regelmäßig bis zum 10. eines Folgemonats abgegeben werden und muss per „Elster“ online erfolgen. Anschließend reicht dem Finanzamt in der Regel die jährliche Abgabe einer Umsatzsteuererklärung. Im Fall der (bei der Anmeldung zu beantragenden) Ist-Versteuerung sind die Umsätze und Vorsteuern für den Voranmeldungszeitraum (Monat/ Jahr) anzumelden, der dem Zu- und Abflussprinzip wie bei der Einkommensteuer entspricht.

Bei Regelbesteuerung der Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer gilt zudem folgendes: Zu den Betriebseinnahmen zählt die vom Netzbetreiber erhaltene Einspeisevergütung zusammen mit der dabei erhaltenen an das Finanzamt abzuführenden Umsatzsteuer. Auch der selbst verbrauchte Strom zählt als Umsatz. Hierfür setzen Sie den Preis an, den Sie bei Ihrem Energieversorger bezahlen.

Daneben sind auch Umsatzsteuerbeträge zu berücksichtigen, die als Vorsteuer vom Finanzamt rückerstattet werden, z.B. eine anfängliche Rückerstattung der Umsatzsteuer aus den Anschaffungskosten der PV-Anlage. Die an das Finanzamt abgeführte Umsatzsteuer ist als Betriebsausgabe anzusetzen.

Der ermittelte Eigenverbrauch ist wiederum als „unentgeltliche Wertabgabe“ zu versteuern. Hierzu wird das Formblatt „Unentgeltliche Wertabgabe einer PV-Anlage nach § 3, Abs.1b Nr.1 UStG“ genutzt. Der verbrauchte Strom ist dabei mit dem vor Ort üblichen Bezugswert zu bewerten, d.h. mit dem Betrag, wie ihn der örtliche Energieversorger seinen Kunden zum gleichen Zeitpunkt in Rechnung stellt. Im Gegenzug kann die gezahlte Umsatzsteuer aus Eingangsrechnungen als Vorsteuer geltend gemacht werden.

Experten-Tipp: Angesichts immer weiter sinkender Anschaffungskosten stellt sich die Frage, ob der Vorteil des Vorsteuerabzugs bei der Regelbesteuerung wirklich den damit verbundenen Aufwand rechtfertigt, zudem Ihr zu versteuernder Eigenverbrauch an die (voraussichtlich steigenden) Strompreise gekoppelt bleibt.

Einkommensteuerpflicht der Photovoltaik-Einnahmen

Zur Ermittlung der Einkommensteuer gemäß § 15 Einkommensteuergesetz (EStG) wird der Gewinn bzw. Verlust durch eine ganz normale Einnahme-Überschuss-Rechnung ermittelt.

Dabei sind die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben in der Regel nach dem Zu- bzw. Abflussprinzip zu erfassen (Zeitpunkt der Einnahme bzw. Ausgabe gem. Zugang/Abgang auf dem Bankkonto oder in bar). Das füllt man i.d.R. mit einem Elster-Formular online aus, zusammen mit der Einkommensteuererklärung.

Der nach der Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben verbleibende Gewinn oder Verlust ist dann in der Einkommensteuererklärung mit der Anlage G zu erklären.

Zu den Betriebseinnahmen zählt die

  • Vergütung für den ins Netz eingespeisten Strom (Einspeisevergütung), aber auch
  • der von der PV-Anlage erzeugte Strom, den man selbst verbraucht hat (Entnahme).

Die Entnahme ist mit dem „Teilwert“ anzusetzen. Dieser Teilwert des selbstverbrauchten Stroms ist nicht der Wiederbeschaffungswert des Endverbrauchers, sondern der Herstellungswert des Anlagenbetreibers, also etwa 10 oder 12 Cent. Es gibt auch Finanzämter, die beispielsweisen den Eigenverbrauch ertragssteuerlich pauschal mit 20 Cent ansetzen wollen, was zu hoch angesetzt sein dürfte.

Abschreibung der Photovoltaikanlage

Der größte Posten auf der Ausgabenseite sind sicherlich die Abschreibungskosten der Absetzung für Abnutzung (Afa). Diese werden bei Aufdach- als auch Indachanlagen in der Regel linear über 20 Jahre zu jeweils 5 Prozent angesetzt. Die Abschreibung der Photovoltaikanlage ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen zudem Sonderabschreibungen gemäß § 7g Abs. 5 EStG und einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG.

Wird eine Solaranlage mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben, so hängt die Art und Weise der Abschreibung eines Solarstromspeichers davon ab, ob dieser „vor“ oder „nach dem Wechselrichter“ der Photovoltaik-Anlage angeschlossen wurde.

Ist der PV-Speicher nach dem Wechselrichter angeschlossen („wechselstromseitig“), dann gelten solche „AC-Speicher“ mit eigenem Wechselrichter als selbstständiges Wirtschaftsgut und müssen einzeln abgeschrieben werden.

DC-gekoppelte Stromspeicher, die vor dem Wechselrichter angeschlossen sind, gelten als unselbstständiger Bestandteil einer Photovoltaikanlage und werden aus ertragsteuerlicher Sicht gemeinsam mit der Photovoltaikanlage abgeschrieben.

Bei Batteriespeichern, die dem privaten Eigenverbrauch dienen, kann keine Abschreibung geltend gemacht werden kann.

Laufenden Kosten als Betriebsausgaben ansetzen

Die laufenden Kosten für die PV-Anlage sind regelmäßig als Betriebsausgaben abzugsfähig.

  • Dazu zählen insbesondere Kosten für Wartung, Zählermiete, Versicherung oder Instandhaltungsarbeiten, immer inklusive der dabei in Rechnung gestellten Umsatzsteuer.
  • Zudem sind auch die Schuldzinsen bei einer Fremdfinanzierung Betriebsausgaben.

Erforderliche Arbeiten an der Photovoltaik-Anlage selbst und den dazugehörenden notwendigen technischen Komponenten sind grundsätzlich nur dann sofort abziehbare Betriebsausgaben, sofern im Einzelfall nicht nachträgliche Anschaffungskosten vorliegen (z.B. die bestehende Anlage ergänzt wird).

Machen Sie Gewinn oder Verlust?

Die Finanzverwaltung prüft meistens, ob Sie an Hand einer Wirtschaftlichkeitsberechnung über die Dauer der Anlagennutzung überhaupt einen Gesamtgewinn erzielen können.

Bei anfänglichen Verlusten (z.B. bei einer Fremdfinanzierung in den ersten Jahren, bei denen die anfallenden Schuldzinsen zu einem Verlust beitragen) kann die jährliche Einkommensteuerfestsetzung daher für diese gewerbliche Betätigung „vorläufig“ erfolgen und ggf. später wieder geändert werden.

Ist an Hand der Wirtschaftlichkeitsberechnung über die Gesamtdauer der Nutzung von vornherein mit einem Verlust zu rechnen, wird die Finanzverwaltung unterstellen, dass keine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden ist und Verluste steuerlich nicht anerkennen („Liebhaberei“).

Gewerbesteuer und Grunderwerbsteuer

Aus gewerberechtlicher Sicht gilt der Betrieb einer Photovoltaikanlage nicht als Gewerbe. Dies ist darin begründet, dass hier immer nur ein Vertragspartner, nämlich der Energieversorger, den Strom abnimmt. Somit muss die Photovoltaikanlage auch nicht als Gewerbe angezeigt werden und es fällt keine Gewerbesteuer an.

Ob auf den Wert der Photovoltaikanlage beim Verkauf des Hauses und des Grundstücks Grunderwerbsteuer gezahlt werden muss, hängt hingegen von der "Grundstückszugehörigkeit" ab:

  • Wird die Photovoltaikanlage ausschließlich zum Eigenverbrauch betrieben, so wird der auf die Photovoltaikanlage entfallende Kaufpreisanteil der Grunderwerbsteuer zugerechnet.
  • Wird der produzierte Strom eingespeist, so muss keine Grunderwebsteuer gezahlt werden.

Viele Experten-Tipps wie Solaranlagen steuerlich behandelt werden, gibt u.a. das Bayerische Landesamt für Steuern. Im Ratgeber "Hilfe zu Photovoltaikanlagen" finden sich viele Antworten auf einkommensteuerliche und umsatzsteuerliche Fragestellungen zum Betrieb einer Photovoltaikanlage mit vielen Rechen-Beispielen.

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