Letzte Aktualisierung: 29.04.2024

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Lohnen sich gebrauchte Solarmodule?

  • Gebrauchte Solarmodule: Als gebraucht gelten PV-Module, wenn sie bereits eine gewisse Nutzungsdauer hinter sich haben, aber nach Generalüberholung weiter einsatzbereit sind.
  • Warum gebrauchte Solarmodule? Der Hauptgrund ist, dass Sie gebrauchte Solarmodule günstig kaufen können: zur Erweiterung bestehender Anlagen, für Balkonkraftwerke oder den mobilen Einsatz entscheiden viele Solarfans, PV-Module gebraucht zu kaufen. Achtung: Attraktive Preise kommen nicht ohne das Risiko geringerer Leistung oder Funktions-Störungen.
  • Gebrauchte Solarmodule kaufen: Verschiedene Online-Shops für Secondhand-Elektrotechnik bieten auch Solarmodule an. Manche Anbieter haben sich sogar ganz auf den Verkauf von refurbished Solartechnik spezialisiert. Beim Kauf sollten Sie auf eine Rücknahmeoption achten, da sich die restliche Leistung des Moduls im Vorfeld schwer einschätzen lässt.
  • Gebrauchte Solarmodule zu verschenken: Da die Entsorgung ausrangierter PV-Module Kosten verursacht, entscheiden sich manche PV-Anlagen-Besitzende zum Verschenken der gebrauchten Module. Ein regelmäßiger Blick in Nachbarschafts-Apps oder Kleinanzeigen kann Schnäppchen ermöglichen.
  • Gebrauchte Solarmodule testen: Nach Erhalt sollten Sie das gebrauchte Modul testen. Zunächst ein optischer Check auf Gebrauchsspuren wie Kratzer, Rost oder Verschmutzung – und die Bewertung, ob diese die Performance des Moduls stark beeinflussen können. Bei der anschließenden Messung der PV-Modul Leistung hilft provisorisches Aufständern und ein Voltmeter.

Preisvorteile von gebrauchten Solarmodulen

Gebrauchte Solarmodule findet man häufig in Kleinanzeigenportalen oder auf den An- und Verkauf spezialisierten Online-Marktplätzen. Nachfolgend haben wir gestaffelt nach Modulgröße Beispielpreise für gebrauchte Solarmodule aus einem Kleinanzeigenportal von Privatanbietern aufgeführt.

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Tabelle: Preisbeispiele für gebrauchte Solarmodule aus Kleinanzeigen
Hersteller Modultyp Leistung Preis gebraucht Geschätzter Neupreis Preisvorteil
SOLAREX MSX-120 120 Wp 60,00 Euro 120,00 Euro 50%
SHARP ND-160E1 160 Wp 69,00 Euro 140,00 Euro 51%
SHARP NU-180E1 180 Wp 85,00 Euro 160,00 Euro 47%
Conergy 220-DC 220 Wp 93,00 Euro 180,00 Euro 48%
LatitudeSolar Latitude P6/60 240 Wp 110,00 Euro 190,00 Euro 42%

Deutlich wird, dass die allermeisten Gebrauchtmodule zu einem sehr günstigen Preis zu bekommen sind. Durchschnittlich ergaben sich bei unserer Preisrecherche Preisvorteile bei gebrauchten Solarmodulen von fast 50 % (48 %). Rein auf Basis des Preises zu urteilen, kann man beim Kauf von einem oder mehreren gebrauchten Solarmodulen durchaus ein Schnäppchen machen!

Allerdings fiel neben der Preisrecherche auf, dass die Gebrauchtangebote aufgrund nicht homogener Anbieterangaben sehr schwer zu vergleichen waren. In aller Regel fehlte die wichtigste Angabe: das Alter der Solarmodule. Denn insbesondere das Alter eines bereits gebrauchten Moduls entscheidet darüber, inwieweit die Leistungsangabe der Hersteller von der im Betrieb zu erwartenden Leistung abweicht. Vermeintliche Preisvorteile können sich daher ohne Altersangabe schnell ins Gegenteil verkehren, wenn das gebrauchte Modul nur noch 3/4 der angegebenen Leistung erbringt. Dann relativiert sich auch der Preisvorteil.

Unser Rat: Entscheiden Sie beim Kauf von gebrauchten Solarmodulen nicht nur nach dem günstigsten Preis. Nehmen Sie Kontakt zum jeweiligen Anbieter auf und erfragen Sie alle notwendigen technischen Daten. Dazu muss auch ermittelt werden, in welchem Anlagensystem das Modul eingebunden war und, ob die Anlage z. B. häufigen Störungen unterlag oder sogar Blitzeinschlägen, Hagel etc. ausgesetzt war.

Fallstricke beim Kauf gebrauchter Solarmodule

Rechtliche Besonderheiten

Die Clearingstelle EEG hat in ihrem Hinweis 2013/16 klargestellt, dass defekte oder gestohlene Solarmodule auch durch gebrauchte Module ersetzt werden können, ohne dass sich dadurch im Sinne des EEG das Datum der Inbetriebnahme der Anlage ändert. Bisher dahin war nämlich die Rechtsauslegung unklar und entsprechend der bis zum 31. März 2012 geltenden Fassung des EEG 2012 ging man davon aus, dass defekte Module nur durch neue und nicht durch gebrauchte Module ersetzt werden dürfen. Es können beim Austausch von Modulen daher sowohl neue als auch gebrauchte Module eingesetzt werden und die zum Zeitpunkt der ersten Inbetriebnahmegültige Einspeisevergütung bleibt somit weiterhin bestehen.

Weitere Informationen finden Sie zu diesem Thema in unserem "Ratgeber zur PV-Austauschregelung".

Technische Auswahlkriterien

Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die Solarglasscheiben nicht blind, zerkratzt, undicht sind oder gar Sprünge aufweisen. Sofern es sich nicht um einen baugleichen Austausch handelt, sollte immer auch geprüft werden, ob sich das gebrauchte Modul mit dem Montagegestell der bestehenden PV-Anlageüberhaupt befestigen lässt. Zudem sollten immer alle Papiere vom Originalkauf vorliegen. Eventuell sind auch noch Leistungsgarantien wirksam. Daher sollten beim Kauf auch dementsprechende Garantieerklärungen vom Modulhersteller vorliegen.

Wichtig ist auch die Seriennummer. Mit ihrer Hilfe lässt sich ganz genau zurückverfolgen, woher das Solarmodul stammt. Dies ist wichtig, um festzustellen, ob das gebrauchte Modul nicht eventuell von einer anderen Anlage gestohlen wurde. Zudem dient die Seriennummer bei Fehlen anderer Modulinformationen zur genauen Identifizierung der verbauten Modulkomponenten. Dies ist zum einen wichtig, um feststellen zu können, ob das gebrauchte Solarmodul auch aus elektrotechnischer Hinsicht zu den anderen Modulen und zum Wechselrichter passt.

Zum anderen ist dies wichtig, um das Modul später entsorgen zu können. So werden z. B. CdTe-Module in gebrauchtem Zustand oder auch als Lagerware sehr günstig angeboten. Diese enthalten jedoch Cadmium und eine spätere Entsorgung der gebrauchten Module kann unter Umständen nicht entsprechend der seit August 2012 geltenden WEEE-Richtlinie kostenlos beim Hersteller entsorgt werden.

Leistungsangaben nachprüfen

Allerdings kann man gebrauchten Modulen nicht "ansehen", ob und wie der Wirkungsgrad bereits gesunken ist. Die Herstellerangaben können hier immer nur eine Richtgröße darstellen. In der Praxis kann es jedoch durchaus vorkommen, dass gebrauchte Module schon in den ersten Betriebsjahren eine überdurchschnittlich hohe Degradation erfahren. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man daher selbst nachmessen, welche Leistung ein gebrauchtes Solarmodul noch erbringt.

Zur Messung der kW-Leistung wird das Modul in die Sonne gelegt und die Leerlaufspannung und der Kurzschlussstrom gemessen. Der Kurzschlussstrom sollte dabei den Herstellerangaben entsprechen. Dann wird die Messung bei bewölktem Himmel wiederholt. Die Leerlaufspannung sollte dann immer noch in etwa gleich hoch sein, der Kurzschlussstrom aber deutlich niedriger. Dann wird eine Last mit z.B. 20 Ohm angeschlossen und der Nennstrom und Nennspannung bei Sonnenschein gemessen. Zuletzt kann man noch die Bypassdioden prüfen, indem einzelne Solarzellen abgedeckt werden.

Lese-Tipp: Wie man ein Balkonkraftwerk aus gebrauchten Modulen baut, berichten wir in unserer DIY-Anleitung. Achtung, beim Verschalten mehrerer Module sollten Sie immer darauf achten, die Module parallel zu schalten.

Fazit: Gebrauchte Solarmodule lohnen nicht immer

Grundsätzlich ist der Kauf eines gebrauchten Solarmoduls immer mit Unsicherheit über die technische Qualität des Moduls behaftet. Das Risiko, sich ein leistungsschwaches Modul andrehen zu lassen, reduziert den Preisvorteil deutlich.

Wer mehr als ein Modul gebraucht kaufen möchte und diese in eine bestehende Anlage integrieren will, der sollte in der Lage sein, genau zu beurteilen, was er dort kauft. Für alle anderen Hobbykäufer eignen sich gebrauchte Module eigentlich nur als Bastelspaß.

Wer ernsthaft an einer kleinen PV-Installation für den Balkon, Gartenlaube oder Campingmobil interessiert ist, der sollte auf einen Neukauf mit dementsprechenden Garantien, Ersatzteilen etc. setzen. Der häufig teurere Preis geht dann aber mit einer vollfunktionstüchtigen Anlage einher.

Letztendlich sind neue Solarmodule heute deutlich günstiger zu bekommen als noch vor ein paar Jahren. Wenn man eine funktionsfähige Anlage mit relevantem und dauerhaft verfügbaren Stromertrag betreiben möchte, dann sollte man eher auf gebrauchte Solarmodule verzichten und gleich zu Neuware greifen.

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