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Lohnen sich gebrauchte Solarmodule?

Wer sich für den Kauf gebrauchter Solarmodule interessiert, der sucht zu einem günstigen Preis einzelne Solarmodule als Inselanlage oder zur Ergänzung bzw. Ersatz von Modulen einer bestehenden PV-Anlage. Um letztlich entscheiden zu können, ob es sich lohnt, ein oder mehrere gebrauchte Module anzuschaffen, haben wir im Folgenden Kriterien aufgeführt, an denen Sie sich orientieren und das Risiko eines Fehlkaufes minimieren können.

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Preisvorteile von gebrauchten Solarmodulen

Gebrauchte Solarmodule findet man häufig in Kleinanzeigenportalen oder auf den An- und Verkauf spezialisierten Online-Marktplätzen. Nachfolgend haben wir gestaffelt nach Modulgröße Beispielpreise für gebrauchte Solarmodule aus einem Kleinanzeigenportal von Privatanbietern aufgeführt.

Tabelle: Preisbeispiele für gebrauchte Solarmodule aus Kleinanzeigen
HerstellerModultypLeistungPreis gebrauchtGeschätzter NeupreisPreisvorteil
SOLAREXMSX-120120 Wp60,00 Euro120,00 Euro50%
SHARPND-160E1160 Wp69,00 Euro140,00 Euro51%
SHARPNU-180E1180 Wp85,00 Euro160,00 Euro47%
Conergy220-DC220 Wp93,00 Euro180,00 Euro48%
LatitudeSolarLatitude P6/60240 Wp110,00 Euro190,00 Euro42%
Interessiert man sich für den Kauf gebrauchter Solarmodule, so müssen eine Vielzahl von Kaufkriterien berücksichtigt werden. Hier entscheidet nicht nur der günstigste Preis. (Grafik: energie-experten.org)
Interessiert man sich für den Kauf gebrauchter Solarmodule, so müssen eine Vielzahl von Kaufkriterien berücksichtigt werden. Hier entscheidet nicht nur der günstigste Preis. (Grafik: energie-experten.org)

Deutlich wird, dass die allermeisten Gebrauchtmodule zu einem sehr günstigen Preis zu bekommen sind. Durchschnittlich ergaben sich bei unserer Preisrecherche Preisvorteile bei gebrauchten Solarmodulen von fast 50% (48%). Rein auf Basis des Preises zu urteilen, kann man beim Kauf von einem oder mehreren gebrauchten Solarmodulen durchaus ein Schnäppchen machen!

Allerdings fiel neben der Preisrecherche auf, dass die Gebrauchtangebote aufgrund nicht homogener Anbieterangaben sehr schwer zu vergleichen waren. In aller Regel fehlte die wichtigste Angabe: Das Alter der Solarmodule. Denn insbesondere das Alter eines bereits gebrauchten Moduls entscheidet darüber, inwieweit die Leistungsangabe der Herstellers von der im Betrieb zu erwartenden Leistung abweicht. Vermeintliche Preisvorteile können sich daher ohne Altersangabe schnell ins Gegenteil verkehren, wenn das gebrauchte Modul nur noch 3/4 der angegebenen Leistung erbringt. Dann relativiert sich auch der Preisvorteil.

Unser Rat: Entscheiden Sie beim Kauf von gebrauchten Solarmodulen nicht nur nach dem günstigsten Preis. Nehmen Sie Kontakt zum jeweiligen Anbieter auf und erfragen Sie alle notwendigen technischen Daten. Dazu muss auch ermittelt werden, in welchem Anlagensystem das Modul eingebunden war und, ob die Anlage z. B. häufigen Störungen unterlag oder sogar Blitzeinschlägen, Hagel etc. ausgesetzt war.

Fallstricke beim Kauf gebrauchter Solarmodule

Rechtliche Besonderheiten

Die Clearingstelle EEG hat in ihrem Hinweis 2013/16 klargestellt, dass defekte oder gestohlene Solarmodule auch durch gebrauchte Module ersetzt werden können, ohne dass sich dadurch im Sinne des EEG das Datum der Inbetriebnahme der Anlage ändert. Bisher dahin war nämlich die Rechtsauslegung unklar und entsprechend der bis zum 31. März 2012 geltenden Fassung des EEG 2012 ging man davon aus, dass defekte Module nur durch neue und nicht durch gebrauchte Module ersetzt werden dürfen. Es können beim Austausch von Modulen daher sowohl neue als auch gebrauchte Module eingesetzt werden und die zum Zeitpunkt der ersten Inbetriebnahme gültige Einspeisevergütung bleibt somit weiterhin bestehen.

Weitere Informationen finden Sie zu diesem Thema in unserem "Ratgeber zur PV-Austauschregelung".

Technische Auswahlkriterien

Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die Solarglasscheiben nicht blind, zerkratzt, undicht sind oder gar Sprünge aufweisen. Sofern es sich nicht um einen baugleichen Austausch handelt, sollte immer auch geprüft werden, ob sich das gebrauchte Modul mit dem Montagegestell der bestehenden PV-Anlage überhaupt befestigen lässt. Zudem sollten immer alle Papiere vom Originalkauf vorliegen. Eventuell sind auch noch Leistungsgarantien wirksam. Daher sollten beim Kauf auch dementsprechende Garantieerklärungen vom Modulhersteller vorliegen.

Wichtig ist auch die Seriennummer. Mit ihrer Hilfe lässt sich ganz genau zurück verfolgen, woher das Solarmodul stammt. Dies ist wichtig, um festzustellen, ob das gebrauchte Modul nicht eventuell von einer anderen Anlage gestohlen wurde. Zudem dient die Seriennummer bei Fehlen anderer Modulinformationen zur genauen Identifizierung der verbauten Modulkomponenten. Dies ist zum einen wichtig, um feststellen zu können, ob das gebrauchte Solarmodul auch aus elektrotechnischer Hinsicht zu den anderen Modulen und zum Wechselrichter passt.

Zum anderen ist dies wichtig, um das Modul später entsorgen zu können. So werden z. B. CdTe-Module in gebrauchtem Zustand oder auch als Lagerware sehr günstig angeboten. Diese enthalten jedoch Cadmium und eine spätere Entsorgung der gebrauchten Module kann unter Umständen nicht entsprechend der seit August 2012 geltenden WEEE-Richtlinie kostenlos beim Hersteller entsorgt werden.

Leistungsangaben nachprüfen

Allerdings kann man gebrauchten Modulen nicht "ansehen" ob und wie der Wirkungsgrad bereits gesunken ist. Die Herstellerangaben können hier immer nur eine Richtgröße darstellen. In der Praxis kann es jedoch durchaus vorkommen, dass gebrauchte Module schon in den ersten Betriebsjahren eine überdurchschnittlich hohe Degradation erfahren. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man daher selbst nachmessen, welche Leistung ein gebrauchtes Solarmodul noch erbringt.

Zur Messung der kW-Leistung wird das Modul in die Sonne gelegt und die Leerlaufspannung und der Kurzschlussstrom gemessen. Der Kurzschlussstrom sollte dabei den Herstellerangaben entsprechen. Dann wird die Messung bei bewölktem Himmel wiederholt. Die Leerlaufspannung sollte dann immer noch in etwa gleich hoch sein, der Kurzschlusstrom aber deutlich niedriger. Dann wird eine Last mit z.B. 20 Ohm angeschlossen und der Nennstrom und Nennspannung bei Sonnenschein gemessen. Zuletzt kann man noch die Bypassdioden prüfen, indem einzelne Solarzellen abgedeckt werden.

Fazit: Gebrauchte Solarmodule lohnen nicht immer

Grundsätzlich ist der Kauf eines gebrauchten Solarmoduls immer mit Unsicherheit über die technische Qualität des Moduls behaftet. Das Risiko, sich ein leistungsschwaches Modul andrehen zu lassen, reduziert den Preisvorteil deutlich. Wer mehr als ein Modul gebraucht kaufen möchte und diese in eine bestehende Anlage integrieren will, der sollte in der Lage sein, genau zu beurteilen, was er dort kauft. Für alle anderen Hobbykäufer eignen sich gebrauchte Module eigentlich nur als Bastelspaß. Wer ernsthaft an einer kleinen PV-Installation für den Balkon, Gartenlaube oder Campingmobil interessiert ist, der sollte auf einen Neukauf mit dementsprechenden Garantien, Ersatzteilen etc. setzen. Der häufig teurere Preis geht dann aber mit einer vollfunktionstüchtigen Anlage einher. Letztendlich sind neue Solarmodule heute deutlich günstiger zu bekommen als noch vor ein paar Jahren. Wenn man eine funktionsfähige Anlage mit relevantem und dauerhaft verfügbaren Stromertrag betreiben möchte, dann sollte man eher auf gebrauchte Solarmodule verzichten und gleich zu Neuware greifen.

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"Lohnen sich gebrauchte Solarmodule?" wurde am 14.03.2016 das letzte Mal aktualisiert.