Letzte Aktualisierung: 26.02.2026

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Halbzellen-Module: Aufbau, Vorteile und Vergleich mit Vollzellen-Modulen

  • Was sind Halbzellen-Solarmodule? Halbzellenmodule bestehen aus herkömmlichen Silizium-Solarzellen, die jeweils in zwei Hälften geschnitten werden. Durch diese Teilung entstehen in einem Modul zwei parallel arbeitende Zell-Hälften mit doppelt so vielen. Die Halbzellen-Architektur verbessert den Modulwirkungsgrad und kann die Langzeitstabilität positiv beeinflussen.
  • Warum sind Halbzellen leistungsstärker? Die Halbierung der Zellen verringert den Stromfluss pro Zelle durch veränderte Stromführung, wodurch stromabhängige Widerstandsverluste deutlich sinken. Dadurch steigt der Füllfaktor und die Effizienz des Moduls – in der Praxis führt das zu etwa 2 - 3 % mehr Solarertrag im Vergleich zu Vollzellenmodulen.
  • Warum sind Halbzellen-Module besser bei Verschattung? Da das Modul aus zwei parallel arbeitenden Hälften besteht, kann ein verschatteter Teil weiterhin Strom erzeugen, während herkömmliche Module bei Teilverschattung deutlich mehr Leistungsverlust haben. Das macht Halbzellen-Modelle robuster gegen Schatten und für komplexe Dachflächen attraktiver.
  • Sind Halbzellen-Solarmodule teurer? Früher waren Halbzellen-Module leicht teurer, da der zusätzliche Laserschnitt und die komplexere Verschaltung höhere Produktionskosten verursachten. Heute gelten sie jedoch als Industriestandard, sodass sich preislich kaum noch Unterschiede zu vergleichbaren Vollzellenmodulen ergeben; Mehrkosten bewegen sich – wenn überhaupt – im sehr geringen Prozentbereich.
  • Wie wirken sich Halbzellen mit PERC, TOPCon und HJT aus? Halbe PERC-Zellen profitieren von geringeren Widerstandsverluste, TOPCon-Halbzellen stabilisieren größere Waferformate (M10, G12), während sie bei HJT zusätzlich die empfindlicheren Kontaktstrukturen entlastet und die ohnehin hohen Wirkungsgrade durch geringere I2R-Verluste weiter optimiert.
  • Welche Hersteller bieten Halbzellenmodule an? Zu den wichtigsten Herstellern von Halbzellenmodulen zählen Jinko Solar mit der Tiger-Serie (z. B. Tiger Neo), Trina Solar mit der Vertex-Serie, JA Solar mit DeepBlue, LONGi mit Hi-MO sowie Canadian Solar mit der HiKu-Reihe.

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Wie funktioniert ein Halbzellen-Modul?

Elektrische Verschaltung

Ein Halbzellen-Modul weist konstruktiv denselben Aufbau wie ein Vollzellen-Modul auf. Die Solarzellen werden jedoch mittels Laserschnitt in zwei elektrisch identische Hälften geteilt.

Aus einem klassischen 60-Zellen-Modul wird so ein Modul mit 120 Halbzellen, aus einem Modul mit 72 Solarzellen ein Modul mit 144 Halbzellen. Dadurch verdoppelt sich auch die absolute Anzahl der Busbars im gesamten Modul.

Jede Halbzelle liefert die gleiche Spannung, aber nur etwa den halben Strom einer Vollzelle. Da die beiden symmetrischen Modulhälften jeweils einen eigenen Zellstring bilden und elektrisch parallel verschaltet sind, bleibt die Modulspannung gleich, während sich die Ströme beider Hälften wieder addieren.

Ein Halbzellen-Modul erreicht somit denselben Gesamtstrom wie ein vergleichbares Vollzellen-Modul.

Stromführung und Widerstände

Die zentrale elektrotechnische Besonderheit von Halbzellen-Modulen ergibt sich aus der Halbierung des Zellstroms. Da jede halbierte Solarzelle bei gleicher Spannung nur etwa 50 % des Stroms einer Vollzelle führt, sinkt die Stromdichte in Zellverbindern und Busbars signifikant.

Weil ohmsche Verluste P proportional zur Stromstärke I und dem Widerstand R sind (\(P = I^2 \cdot R\)), reduziert sich die Verlustleistung überproportional. Dies führt zu geringeren internen Widerstandsverlusten, höherem Modulwirkungsgrad und einer reduzierten Wärmeentwicklung.

Ein Vergleich von Forscher des Fraunhofer ISE exakt identischer Voll- und Halbzellen-Module ergab, dass sich die Modulausgangsleistung bzw. der Ertrag bei gleicher Zelle durch die reduzierten ohmschen Verluste bei Halbzellen um rund 2 - 3 % erhöht.

Tabelle 1: Zelle zu Modul Analyse (Quelle: Fraunhofer ISE)
Parameter Vollzelle Halbzelle Vergleich
Leistung 305 Wattp 313 Wattp + 8 Wattp
Zelle zu Modul-Verlust (CTM) 98,10% 100,70% + 2,6%abs
Effizienz 18,25% 18,73% + 0,5%abs

Aus den verringerten ohmschen Verlusten infolge des halbierten Zellstroms resultiert zudem eine reduzierte Wärmeentwicklung, die thermomechanische Spannungen mindert, die Intensität möglicher Hotspots verringert und die Langzeitstabilität des Moduls positiv beeinflussen kann.

Bei Drittelzellen-Modulen, bei denen die ursprüngliche Zelle in drei Segmente geteilt wird, wird der Strom pro Zellpfad und die I²R-Verluste nochmals gesenkt, allerdings bei erhöhter Verschaltungskomplexität.

Tabelle: Überblick über Halbzellen- und Drittelzellen Module
Zell-Format Zellteilung Hersteller Leistung in Wp Maße in mm Zellanzahl
M10 Halbzelle Jinko 530 2230 x 1134 x 35 144 (2x72)
M10 Halbzelle Jinko 610 2411 x 1134 x 35 156 (2x78)
M10 Halbzelle JA 545 2279 x 1134 x 35 144 (2x72)
M10 Halbzelle Longi 540 2256 x 1133 x 35 144 (2x72)
M10 Halbzelle Canadian 580 2438 x 1135 x 35 144 (2x72)
M12 Drittelzelle JA 800 2219 x 1756 x 40 240 (8x30)
M12 Drittelzelle Trina 495 2187 x 1102 x 35 100 (2x50)
M12 Drittelzelle Trina 540 2384 x 1096 x 35 110 (2x55)
M12 Drittelzelle Trina 600+ 2172 x 1303 x 35 120 (2x60)
M12 Drittelzelle Risen 495 2240 x 1102 x 35 100 (2x50)
M12 Drittelzelle Risen 590 2172 x 1303 x 35 120 (2x60)

Verhalten bei Teilverschattung

Aufgrund der Parallelschaltung der Modulhälften und der daraus resultierenden symmetrischen Stromverteilung kann bei Teilverschattung eine Modulhälfte weiterhin nahe ihrem MPP arbeiten, während die andere reduziert wird.

Im Gegensatz zu klassischen Vollzellenmodulen, bei denen der gesamte Strom durch einen durchgehenden Serienstring begrenzt wird, wirkt sich die Verschattung hier weniger stark auf das Gesamtmodul aus.

Hinzu kommt die interne Segmentierung durch die Bypass-Dioden. In einem typischen 120-Halbzellen-Modul bestehen sechs Halbstrings, wobei jeweils ein oberer und ein unterer Halbstring gemeinsam über eine Bypass-Diode geschützt sind.

Diese symmetrische Anordnung sorgt dafür, dass bei horizontaler Verschattung – etwa durch Schnee, Geländer oder Attika – nicht ein kompletter Modulbereich deaktiviert wird, sondern nur ein kleineres Segment.

Vor- und Nachteile von Halbzellen-Modulen

Tabelle: Vor- und Nachteile von Halbzellen-Modulen im Vergleich zu konventionellen Vollzellenmodulen
Aspekt Vorteile von Halbzellen-Modulen Nachteile / Einschränkungen
Elektrische Verluste Geringere I²R-Verluste durch halbierten Zellstrom → höherer Modulwirkungsgrad Vorteil liegt meist nur im Bereich von ca. 1–3 % Mehrertrag
Wirkungsgrad Leicht höherer Modulwirkungsgrad durch reduzierte Widerstandsverluste Kein Technologiesprung – Effizienzgewinn ist moderat
Verschattungstoleranz Bessere Teilverschattungs-Performance durch zweigeteilte Modularchitektur Bei starker oder komplexer Verschattung weiterhin Ertragsverluste
Temperaturverhalten Geringere Erwärmung durch niedrigeren Stromfluss → bessere Performance bei Hitze Temperaturkoeffizient bleibt zelltechnologieabhängig (PERC, TOPCon, HJT)
Hotspot-Risiko Reduziertes Hotspot-Risiko durch kleinere Zellflächen Mehr Lötstellen können potenziell neue Fehlerquellen darstellen
Mechanische Belastung Kleinere Zellen sind weniger spannungsanfällig Laser-Schnitt kann Mikrorisse verursachen, wenn nicht sauber verarbeitet
Lebensdauer Potenziell längere Lebensdauer durch geringere thermische Belastung Langzeiterfahrungen abhängig von Herstellerqualität
Herstellung Gut integrierbar in bestehende Produktionslinien Zusätzlicher Fertigungsschritt (Laserschneiden) erhöht Produktionskomplexität
Kosten Heute kaum teurer als Standardmodule, da Massenfertigung Anfangs höhere Produktionskosten
Marktverfügbarkeit Inzwischen Branchenstandard bei neuen Modulserien Kaum noch echte Alternative bei Neumodulen – Vergleich verliert an Relevanz

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Halbzellen-Kombination mit modernen Zelltechnologien

Die Halbzellen-Architektur ist technologieunabhängig und lässt sich mit verschiedenen kristallinen Siliziumzellen kombinieren. Sie verändert nicht die Halbleiterphysik der Zelle, sondern optimiert die Stromführung auf Modulniveau. Dadurch entstehen je nach Zelltechnologie unterschiedliche Synergieeffekte.

Halbzellen bei PERC

PERC-Zellen besitzen eine rückseitige Passivierungsschicht, wodurch die Rekombination an der Zellrückseite reduziert wird. Elektrisch zeichnen sie sich jedoch durch relativ hohe Kurzschlussströme aus, da sie großflächig Licht absorbieren und typischerweise mit vollflächigem Emitter arbeiten.

Die dominanten Verlustmechanismen sind hier:

  • Serienwiderstand in Frontmetallisierung
  • Widerstand der Busbars und Zellverbindern
  • Kontaktwiderstände zwischen Metall und Silizium

Da diese Verluste stromabhängig sind, reduziert die Halbierung des Stroms vor allem die strombedingten Leitungsverluste in Busbars und Zellverbindern. Besonders relevant ist die Reduktion der lateralen Stromdichte im Frontemitter, wodurch Spannungsabfälle entlang der Metallfinger sinken.

Da PERC-Zellen vergleichsweise hohe Kurzschlussströme aufweisen, ist der I²R-Verlustanteil relevant, sodass Halbzellen hier messbare Effizienzgewinne ermöglichen. Die Halbzellen-Architektur kompensiert dadurch teilweise die durch hohe Stromdichten verursachten ohmschen Verluste klassischer PERC-Zellen.

In der Praxis wurde die Halbzellen-Technologie ab etwa 2018 vor allem im PERC-Segment großflächig eingeführt, da bestehende Produktionslinien mit vergleichsweise geringem Aufwand angepasst werden konnten.

Halbzellen bei TOPCon

TOPCon-Zellen (Tunnel Oxide Passivated Contact) weisen gegenüber PERC geringere Rekombinationsverluste und höhere Wirkungsgrade auf. Da diese Zellen häufig mit größeren Waferformaten (M10, G12) arbeiten, nimmt die absolute Stromstärke zu. Mit wachsender Zellfläche steigt dann der Kurzschlussstrom proportional zur Fläche.

Die Halbzellen-Architektur wirkt diesem Effekt entgegen, indem sie den Strom pro Strompfad halbiert. Dadurch bleibt das Stromniveau auf Modulstring-Ebene technisch beherrschbar, während gleichzeitig höhere Gesamtleistungen von über 600 Watt realisiert werden können.

Bei TOPCon-Modulen dient die Halbzellen-Architektur daher nicht nur der Effizienzsteigerung, sondern auch der Kontrolle steigender Stromdichten infolge größerer Zellflächen. Sie trägt dazu bei, elektrische Verluste trotz wachsender Modulströme beherrschbar zu halten.

Halbzellen bei HJT

Heterojunction-Zellen (HJT) kombinieren kristallines Silizium mit dünnen amorphen Siliziumschichten und zeichnen sich durch sehr hohe Wirkungsgrade sowie einen besonders guten Temperaturkoeffizienten aus.

HJT-Zellen weisen aber typischerweise hohe Stromdichten auf. Und die Frontmetallisierung ist bei HJT oft feiner ausgeführt (z. B. SmartWire oder Multi-Busbar), da das amorphe Silizium empfindlich gegenüber hohen Temperaturprozessen ist.

Daher wird die Stromreduktion von Halbzellen durch geringere ohmsche Verluste besonders relevant, da:

  • Kontaktwiderstände bei niedrigen Prozesstemperaturen kritischer sind
  • hohe Stromdichten zu stärkeren lokalen Spannungsabfällen führen können

Zudem profitieren HJT-Module von der geringeren thermischen Belastung, da die Technologie empfindlicher auf thermomechanische Spannungen reagieren kann.

Die Halbzellen-Architektur reduziert so die Belastung der empfindlichen Kontaktstrukturen und stabilisiert den Füllfaktor, insbesondere bei großformatigen HJT-Zellen und macht Halbzellen bei HJT-Modulen heute zum industriellen Standard.

Technologische Entwicklung von Halbzellen-Modulen

Die Halbzellen-Technologie wurde ab etwa 2016 verstärkt industriell eingeführt, nachdem erste Konzepte zur Reduzierung elektrischer Verluste (I2R-Verluste) zuvor in Pilotfertigungen erprobt worden waren. 2017 begannen größere Hersteller, Halbzellen-Module in Serienproduktion anzubieten, zunächst überwiegend im Premiumsegment.

Ab 2018 erfolgte der breitere Markteintritt durch Unternehmen wie Q CELLS, LONGi oder Jinko Solar, wodurch die Technologie international sichtbar wurde. 2019 - 2020 setzte sich das Design zunehmend im Massenmarkt durch, da es sich problemlos mit PERC-Zellen kombinieren ließ und Mehrleistungen bei geringen Zusatzkosten ermöglichte.

Mit dem Übergang zu größeren Waferformaten (M10, G12) ab 2020 wurde die Halbzellenarchitektur faktisch zum Standard. Seit 2021 ist sie bei neuen Modulserien nahezu durchgängig integriert, auch bei TOPCon- und HJT-Technologien. Bis 2023 - 2025 gelten Halbzellen-Module weltweit als Stand der Technik und dominieren den globalen PV-Modulmarkt.

Tabelle: Übersicht früher kommerziell eingeführter Halbzellen-Solarmodule
Hersteller Serie Leistung Modul
Hanwha Q CELLS Q.PEAK DUO-G5 330 Watt Beschreibung

Halbzellenmodul Q.PEAK DUO-G5 mit Leistungen von bis zu 330 Watt aus 120 Halbzellen. (Foto: Hanwha Q Cells)

Jinko Solar Eagle Half-Cell-Module (60/72) 345 - 385 Watt Beschreibung

Jinko Solar Halbzellenmodul Mono PERC HC 72 (Foto: JinkoSolar GmbH)

HAT-SAAE p-Typ PERC-Halbzellen-Module 315 - 375 Watt Beschreibung

HT-SAAE p-Typ Halbzellen-Modul mit PERC-Technik (Foto: Shanghai Aerospace Automobile Electromechanical Co., Ltd.

LONGi Solar LR6-60HBD / LR6-72HBD 300 - 380 Watt Beschreibung

Bifaziale Halbzellen-Module mit 60 Zellen LR6-60HBD 300~320M (oben) und mit 72 Zellen LR6-72HBD 360~380M (unten). (Fotos: LONGi Solar)

Axitec Energy AXIpower HC & AXIpremium HC 270 - 290 Watt Beschreibung

Polykristallines Halbzellenmodul Axi Power HC ist mit 120 oder 144 Zellen. (Grafik: AXITEC Energy GmbH & Co. KG)

JA Solar PERC-Halbzellenmodule 300 - 320 Watt Beschreibung

JA Solar "half-cell module" (Foto: JA Solar)

REC Group TwinPeak Halbzellen-Module 275 Watt Beschreibung

REC monokristalline N-Peak-Serie mit Twin Design und halbierten N-Typ-Solarzellen (Fotos: REC Group)

Talesun BiSTAR-Halbzell-Module 340 Watt Beschreibung

Polykristallines BiSTAR-Halbzellen-Solarmodul (Grafik: Suzhou Talesun Solar Technologies)

Trina Solar Splitmax-Modulserie 350 - 380 Watt Beschreibung

Monokristallines Splitmax TSM-DE14H(II) Halbzellenmodul 144 Zellen Modul. (Fotos: Trina Solar)

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