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BEG-Austauschprämie: Milliarden für neue Gasheizungen?

Den Austausch von Ölheizungen will die Bundesregierung gemäß ihres "Klimapakets" mit einem 40%-Zuschuss fördern, wenn man auf eine "grüne" Heizung oder eine Gashybrid-Heizung mit Ökoanteil umsteigt. Die Formulierung im Klimapaket macht jedoch deutlich, dass sich über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) auch der Austausch alter Gasheizungen mit einer 40%-Prämie bezuschussen lassen. Das BEG könnte so zu einem Milliarden-Förderprogramm werden einen Großteil der alten Öl- und Gasheizungen in den nächsten Jahren aus deutschen Kellern verschwinden lassen. Ob es so kommt, entscheidet jetzt das Kleingedruckte.

Bei einem durchschnittlichen BEG-Zuschuss für Öl- und Gasheizungen von 5.000 Euro beliefe sich das Fördervolumen auf 59.000.000.000 Euro (59 Mrd. Euro!). (Foto: energie-experten.org)

Bei einem durchschnittlichen BEG-Zuschuss für Öl- und Gasheizungen von 5.000 Euro beliefe sich das Fördervolumen auf 59.000.000.000 Euro (59 Mrd. Euro!). (Foto: energie-experten.org)

Auch alte Gasheizung können eine BEG-Austauschprämie erhalten

Die wichtigste Passage, die deutlich macht, dass es bei der Austauschprämie nicht nur um alte Ölheizungen, sondern auch um die Prämierung des Austausches alter Gasheizungen geht, wenn man dann auf "erneuerbare Wärme" oder eine hybride Heizung mit EE-Anteil umsteigt, wird in "Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030" auf Seite 7 (III. Sektorbezogene Maßnahmen / a. Sektor Gebäude / iv. Erneuerung von Heizanlagen) beschrieben:

"Ziel des neuen Förderkonzepts ist es, für alle derzeit mit Heizöl und andere ausschließlich auf Basis fossiler Brennstoffe betriebenen Heizungen einen attraktiven Anreiz zur Umstellung auf erneuerbare Wärme, oder, wo dies nicht möglich ist, auf effiziente hybride Gasheizungen, die anteilig EE einbinden, zu geben. Es lohnt sich damit, in den kommenden Jahren bspw. von alten Öl- und Gasheizungen auf klimafreundlichere Anlagen oder direkt auf erneuerbare Wärme umzusteigen."

11,8 Mio. Alt-Heizungen könnten per Prämie ausgetauscht werden

Während von der BEG-Austauschprämie rund 88% aller Ölheizungen (~ 4,7 Mio. Ölheizungen) profitieren könnten, sofern Konstant- und Niedertemperaturkessel ausgetauscht würden, ist das Austauschpotenzial bei Gasheizungen deutlich höher. Von den insgesamt 13,4 Mio. in 2018 in Deutschland in Betrieb befindlichen Gasheizungen, heizen stolze 7,1 Mio. immer noch ohne Brennwertheizungseffekt.

Werden von der Bundesförderung für effiziente Gebäude Öl- als auch Gasheizungen beim Austausch mit einer 40% Prämie bezuschusst, so könnten von der BEG in den kommenden Jahren theoretisch 11,8 Mio. Heizungen profitieren, die keinen Brennwerteffekt nutzen. Bei einem durchschnittlichen BEG-Zuschuss für Öl- und Gasheizungen von 5.000 Euro beliefe sich das Fördervolumen auf 59.000.000.000 Euro (59 Mrd. Euro!). Das Umsatzvolumen in der deutschen Heizungsindustrie beläuft sich dann nach unseren sehr groben Schätzungen auf rund 150 Milliarden Euro!

BEG-Prämien-Upgrade auf Gasbrennwert sehr wahrscheinlich

Wenn der Austausch alter Öl- und Gasheizungen mit der BEG-Prämie bezuschusst wird, dann stehen als Alternative "erneuerbare Heizungen" und hybride Gasheizungen mit anteiliger Einbindung Erneuerbarer Energien zur Verfügung.

Da anders als bei Ölheizungsbesitzern bei den jetzigen Betreibern von Gasheizungen immer auch ein Gasanschluss natürlich vorhanden ist und nicht erst gelegt werden muss, liegt die Vermutung nahe, dass viele Gasheizungsbesitzer die Austauschprämie der BEG dazu nutzen werden, auf einen Gasbrennwertkessel kostengünstig "upzugraden". In den meisten Fällen werden diese dann kombiniert mit einigen Solar-Kollektoren, je nachdem, welchen Umfang der Gesetzgeber hier vorsieht.

Der Umstieg auf eine Gasheizung mit Solar wäre daher vermutlich die einfachste und unkomplizierteste Möglichkeit, die Austauschprämie für Gasheizungen in Anspruch zu nehmen.

Zu den "erneuerbare Wärme"-Heizungen zählen streng genommen nur Holzheizungen wie Stückholz- oder Pelletkessel, weiter gefasst auch Wärmepumpen und Brennstoffzellenheizungen und noch weiter gefasst auch Blockheizkraftwerke. Als vermutlich praktikabelste Alternative, die sowohl für die meisten handhabbar als auch vom Platz her am ehesten installierbar sind, zählen das Heizen mit Holzpellets und Wärmepumpenheizungen.

Der Anteil derjenigen aktuellen Gasheizungsbesitzer, die nun auf eine Holzheizung oder Wärmepumpe oder ähnliches umsteigt, wird vermutlich aber deutlich geringer sein. Aus Klimaschutzgründen wäre diese Entscheidung fatal, denn ein CO2-neutraler Gebäudebestand in 2050 geht nur mit einer Wärmeversorgung überwiegend aus erneuerbaren Energien.

Fazit: Austauschprämie hilft Heizungsindustrie mehr als dem Klima

Ob die im Klimapaket 2030 beschlossene Austauschprämie für alte Öl- und Gasheizungen wirklich so kommt, ist noch unklar. Angesichts des Fördervolumens, kann man Zweifel haben, ob die Bundesregierung dies in ihrer Nachtsitzung vom 19. auf den 20. September 2019 noch wirklich im Blick hatte, wie teuer das Prämienpaket eigentlich werden würde.

Von größter Bedeutung wird daher sein, welche Heizungen als alt gelten - rund elf Millionen Heizkessel in Deutschland sind älter als 15 Jahre, knapp 7,5 Millionen haben sogar mehr als 20 Jahre auf dem Buckel - und, ab welchem Anteil Erneuerbarer Energie eine Heizung als Hybrid im Sinne der Austauschprämie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) anerkannt wird.

Reicht es bereits eine Gasbrennwertheizung mit einer Solar-Warmwasser-Anlage zu kombinieren? Oder muss man z. B. mindestens 50% des Wärmebedarfs "erneuerbar" abdecken, um an die Klimapaket-Austauschprämie für die alte Öl- oder Gasheizung zu kommen?

Ungeklärt ist unterdessen noch, wie die neue Unterstützung mit anderen Förderbausteinen in Einklang zu bringen ist, etwa der Förderung durch das Marktanreizprogramm (MAP) des BAFA. Dieses sieht mehrere tausend Euro für neue Ökoheizungen in Wohnhäusern vor. Ob die Abwrackprämie diese Beträge ergänzt oder mit ihnen verrechnet wird, ist bislang noch unklar. Eine Verrechnung jedenfalls würde den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen noch unattraktiver machen.

Werden dem Paket nicht allzu feste Daumenschrauben angelegt, dann könnte die BEG-Austauschprämie tatsächlich den Modernisierungsstau im Heizungskeller auflösen. Wenn viele auf Gasheizungen umsteigen, wäre aber eher der Heizungsindustrie als dem Klima geholfen.

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"BEG-Austauschprämie: Milliarden für neue Gasheizungen?" wurde am 26.09.2019 verfasst