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Innovationskraftwerk Wedel nimmt Gestalt an

Innovationskraftwerk Wedel nimmt Gestalt an - hier: Projektion der neuen Kraftwerksgebäude (Grafik: Vattenfall)

Innovationskraftwerk Wedel nimmt Gestalt an - hier: Projektion der neuen Kraftwerksgebäude (Grafik: Vattenfall)

Die Planungen für das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Wedel nehmen Gestalt an. Ab der Heizperiode 2016/17 soll das jetzige Steinkohle-Kraftwerk durch ein innovatives Kraftwerkskonzept ersetzt werden, das durch das Zusammenspiel von Kraft-Wärme-Kopplung und einer Gas- und Dampfturbine Strom und Fernwärme für den Westen Hamburgs liefern soll. Ein "Wind-zu-Wärme-Speicher" soll zudem überschüssigen Windstrom aufnehmen und so als Puffer dienen. Mit einer elektrischen Leistung von 300 Megawatt und einer thermischen Leistung von 390 Megawatt fällt das "Innovationskraftwerk Wedel" etwas kleiner aus als ursprünglich vorgesehen. Dies kommt den Kritikern des Projekts entgegen, die den Bau eines "Mega-Kraftwerks" insbesondere aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Siedlungsgebiet ablehnen.

Höhere Effizienz durch KWK- und GuD-Technik

Das neue Kraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, also der gleichzeitigen Gewinnung von Strom und Wärme für Heizzwecke in einem Produktionsprozess. Diese Technik erhöht die Effizienz gegenüber einem herkömmlichen Kraftwerk, das ausschließlich Strom erzeugt und die restliche Wärme nicht weiter nutzt. Hinzu kommt, dass die hier geplante GuD-Technik den Grad der Brennstoffausnutzung deutlich steigern soll. So resultiere ein elektrischer Wirkungsgrad von 41 Prozent im KWK-Betrieb und ein Gesamtwirkungsgrad von bis zu 88 Prozent. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus den sich verkürzenden An- und Abfahrtzeiten der Kraftwerksanlage. Dies verbessere die Reaktion auf eine schwankende Stromproduktion durch erneuerbare Energien wie z. B. Windstrom und sorgt für eine stabilere Netzauslastung und Stromversorgung.

Wärmespeicher nimmt Windstrom auf

Neben der effizienten Erzeugung von Strom und Wärme setzt das Innovationskraftwerk Wedel auf einen "Wind-zu-Wärme-Speicher" mit einer Speicherkapazität von 3.120 Megawattstunden. Dies entspricht der Energiemenge in Form von Wärme, die ein größerer Windpark innerhalb von zehn Stunden bei optimalen Windverhältnissen an Strom produziert. Dieser Wind-zu-Wärme-Speicher ermöglicht die weitere Abnahme von Windenergie in Zeiten mit hohem Windaufkommen. So erhöht der Wind-zu-Wärme-Speicher die Flexibilität, die insbesondere für den weiteren regionalen Ausbau der Windenergie notwendig ist. Darüber hinaus unterstützt der Speicher die Bereitstellung von Strom zur Regelung und Betriebsoptimierung der GuD-Anlage und kann auch den Spitzenbedarf an Fernwärme abdecken. Ein weiterer Wind-zu-Wärme-Speicher soll bereits 2014 auch auf dem Gelände des Heizkraftwerks Tiefstack entstehen.

Aktueller Stand der Bauplanung

Das neue GuD-Kraftwerk macht die Kohlelagerung und Kohleentladung per Schiff überflüssig und auch auf einen Kühlwassereintrag in die Elbe soll verzichtet werden. Mit dem Umbau des jetzigen Kraftwerks sollen zudem auch die Hochspannungsleitung im Bereich Hellgrund zurückgebaut und die von weitem sichtbaren Schornsteine gekürzt werden. Neue Anschlussleitungen sollen dann nur unterirdisch erfolgen. Nach aktuellen Entwürfen ist daher davon auszugehen, dass sich das Kraftwerk auch optisch unauffälliger darstellen wird. Durch die Aufgabe des Hafens könnte dann auch der lange versperrte Wanderweg an der Elbe zu einem durchgehenden Uferwanderweg erweitert werden. Laut Vattenfall soll der Rückbau des bestehenden Heizkraftwerks Wedel spätestens 6 Monate nach der ersten Heizperiode des Innovationskraftwerks beginnen und innerhalb von 3 Jahren abgeschlossen sein. Ein längerer Parallelbetrieb soll somit vermieden werden.

Bürgerkritik am neuen GuD-Kraftwerk

Es gibt aber auch kritische Stimmen zum geplanten Innovationskraftwerk. Laut Bürgerinitiative "Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel" sei ein derart großes Kraftwerk in einem Abstand von nur wenigen hundert Metern zu reinen Wohngebieten aus Sicherheitsgründen und der zu erwartenden Umweltbelastung nicht vertretbar. Im Gegensatz zum jetzigen Kohlekraftwerk, das im Frühjahr revisionsbedingt abgeschaltet wird und im Sommer nur wenig Strom erzeugt, plane Vattenfall laut Bürgerinitiative nun einen ganzjährigen Betrieb. Daher wird auch eine höhere Lärmbelastung befürchtet. Zudem führt die Bürgerinitiative Gutachten an, die belegen sollen, dass Lärmgrenzwerte für reine Wohngebiete gemäß dem Bebauungsplan der Stadt Wedel überschritten werden. Dies sei im Vorfeld von Vattenfall anders vermittelt worden, so die Bürgerinitiative.

Hamburg beteiligt sich durch Energiepartnerschaft

Das Innovationskraftwerk Wedel ist Teil einer Energiepartnerschaft zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) und unter anderen dem Energiekonzern Vattenfall, in der durch den Ausbau der Fernwärme die gesamten CO2-Emissionen in Hamburg um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 verringert werden sollen. Bis 2050 soll sich der Ausstoß sogar um insgesamt 80 Prozent reduzieren. Innerhalb der Energiepartnerschaft beteiligt sich die Stadt an den Gesellschaften für Stromnetze sowie am Fernwärmegeschäft mit jeweils 25,1 Prozent. Auf dieser Grundlage sollen die Partner die Investitions- und Ausgabenpläne der Netzgesellschaften einvernehmlich verabschieden und auch die Auswahl des Brennstoffs bei allen künftigen Kraftwerksneubauten gemeinsam treffen. So erhält Hamburg strategische Mitentscheidungsrechte, die über die üblichen Einflussmöglichkeiten bei einer Minderheitsbeteiligung hinausgehen.

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"Innovationskraftwerk Wedel nimmt Gestalt an" wurde am 14.04.2013 verfasst