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Schweriner Geothermie-Projekt könnte Erdwärme-Boom auslösen

Am ersten März präsentierten die Stadtwerke Schwerin die Ergebnisse der Fündigkeitsprüfung ihres Geothermieprojekts: Nach den ersten Pumpversuchen steht fest, dass die Prognosen um 10% übertroffen wurden. Erweist sich das Projekt weitergehend als erfolgreich, könnte es als Blaupause für viele weitere hydrogeothermale Wärmeprojekte in Mecklenburg-Vorpommern dienen.

Bohrturm des Schweriner Tiefengeothermieprojekts am Heizkraftwerk Schwerin-Lankow (Foto: paparazzie.de / Stadtwerke Schwerin)

Bohrturm des Schweriner Tiefengeothermieprojekts am Heizkraftwerk Schwerin-Lankow (Foto: paparazzie.de / Stadtwerke Schwerin)

Am Heizkraftwerk in Schwerin-Lankow entsteht Schwerins erste Tiefengeothermieanlage. Im Oktober 2018 startete die entscheidende Phase für die Einrichtung der Förderbohrung. Anfang Dezember 2018 vermeldeten die Bohr-Fachleute von der Baustelle, dass das Zielgebiet in einer Tiefe von 1237 Metern erreicht sei. Da Zwischenuntersuchungen nahe legten, dass die Temperaturen in 1300 Metern Tiefen höher und bohrtechnisch einfach erreichbar seien, wurde die Produktionsbohrung der Dublette bis in diese Tiefe fortgesetzt.

Im Dezember 2018, rund drei Jahre nach Projektbeginn, stoppte dann der Bohrer bei 1.296 Metern Tiefe, nachdem er den Sole führenden Postera-Aquifer (Rhät-Sandstein) durchstoßen hatte. Das Bohrloch wurde mit Rohrgestängen stabilisiert und das Gravelpack im Zielgebiet eingesetzt.

Die Ergebnisse der anschließenden Fündigkeitsuntersuchung konnten sich sehen lassen:

  • Der Aquifer unter der Förderbohrung in Lankow hat eine Stärke von 45 Meter statt der prognostizierten 30 Meter.
  • Die Größe und der ebenfalls sehr hohe Wert der Durchlässigkeit des Gesteins (Permeabilität) werden ein höheres Fördervolumen zulassen. Dieses liegt laut der Prüfung durch die Geologen bei deutlich über den erwarteten 150 Kubikmetern pro Stunde.
  • Auch die vorgefundene Soletemperatur übertrifft die Erwartungen. Statt den prognostizierten 50 Grad liegen in der Förderbohrung sogar 56 Grad Celsius vor.

Die Ergebnisse der ersten Pumpversuche sind damit sehr erfolgreich und liegen rund zehn Prozent über den Erwartungen. Somit sind die Projektverantwortlichen der Stadtwerke Schwerin ihrem Ziel, die Soletemperatur mit Wärmepumpen anzuheben und diese Wärme in das Schweriner Fernwärmenetz einzuspeisen, einen großen Schritt weitergekommen.

Das Projekt der Stadtwerke Schwerin geht jetzt in die nächste Phase, der Herstellung der Verpressbohrung. In der kommenden Zeit werden sich daher entscheidende Parameter für den wirtschaftlichen Erfolg des Schweriner Geothermieprojekts weiter konkretisieren:

  • Ist auch mittel- und langfristig mit den jetzt aufgefundenen Temperaturen und Fördermengen zu rechnen?
  • Ist das Tiefenwasser mit einem vertretbaren Energieaufwand auch wieder in den Postera-Aquifer rückführbar?
  • Ist die Salinität des Grundwassers (NaCl-Gehalt des Wassers) technisch beherrschbar und stabil?

Ein erfolgreicher hydrogeothermaler Dauerbetrieb kann für die gesamte Ostseeregion Mecklenburg-Vorpommerns von Bedeutung sein. Denn laut der "Solestudie", die bereits im Jahr 2005 von der Firma GTN Neubrandenburg erstellt wurde, sind Thermalsolespeicher in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns in unterschiedlichsten Tiefen vorhanden. Der jetzt erschlossene ca. 200 bis 210 Millionen Jahre alten Rhät-Sandstein kommt in weiten Teilen Nord-West-Mecklenburgs vor.

Eine erfolgreiche Wärmenutzung des Sandstein-Aquifers kann dann als Best-Practice-Beispiel für andere Regionen in M-V gelten. Die vielfältigen Projektrisiken, Bohr- als auch Betriebskosten können dann gezielt reduziert werden. Darauf aufbauend können dann weitere Anwendungen wie z. B. der Aufbau eines geothermischen Nahwärmenetzes (z. B. kalte Nahwärme mit dezentralen Wärmepumpen) ersonnen werden. Derlei weitergehende Projekte sind nur finanzierbar, wenn vorab Leistung und Kosten prognostiziert werden können.

Das Geothermie-Kraftwerk in Schwerin ist mitnichten das erste Tiefengeothermie-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern:

  • Das Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe war das erste Kraftwerk in Deutschland, das Geothermie der Thermalwässer zur Stromerzeugung nutzte. Betrieben wurde die Stromerzeugung von 2003 bis 2010 durch die „Erdwärme-Kraft GbR“, ein Tochterunternehmen von Vattenfall Europe Berlin. 2010 wurde die Stromerzeugungsanlage auf Grund eines technischen Defekts und der damit verbunden Unwirtschaftlichkeit stillgelegt.
  • In Waren an der Müritz befindet sich das erste deutsche Erdwärme-Kraftwerk im Megawatt-Leistungsbereich. Die Inbetriebnahme fand 1984 durch die damalige DDR-Regierung statt, als Versuch unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Jährlich werden 5.500 Megawattstunden Wärme in das Netz eingespeist. An das Niedertemperaturheiznetz sind 1.630 Wohnungen angeschlossen. (Stand Mai 2006).
  • Bei der Geothermischen Heizzentrale (GHZ) in Neubrandenburg reichte die Temperatur des aus der Tiefe gewonnenen Thermalwasser für eine Fernwärmeversorgung nicht mehr aus. Eine zusätzliche Beheizung war erforderlich. Daher wurde die Anlage zum geothermischen Langzeit-Tiefenspeicher (Aquiferspeicher) ausgebaut. Seitdem wird die überschüssige Wärme eines GuD-Kraftwerkes im Sommer in den Tiefen gespeichert und im Winter zur Beheizung von Haushalten verwendet.

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"Schweriner Geothermie-Projekt könnte Erdwärme-Boom auslösen" wurde am 04.03.2019 verfasst