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Strompreiszonen: Österreichische Strompreise höher als in Deutschland

Heute tritt die Aufsplittung der deutsch-österreichischen Strompreiszone in Kraft. Die erste Auktion für die eigene österreichische Preiszone auf dem Spotmarkt der EPEX in Paris ergab um 3,2 Prozent höhere Strompreise als in Deutschland. Generell wird erwartet, dass durch die Preiszonentrennung die österreichischen Preise durchschnittlich über jenen von Deutschland liegen. Für einen typischen Haushalt wird sich die Auswirkung der Strompreiszonentrennung aber in einem sehr moderaten Rahmen bewegen.

Grafische Börsenpreisentwicklung der ersten Day-Ahead Auktion der getrennten Strompreiszonen von Österreich und Deutschland (Grafik: Österreichische Energieagentur)

Grafische Börsenpreisentwicklung der ersten Day-Ahead Auktion der getrennten Strompreiszonen von Österreich und Deutschland (Grafik: Österreichische Energieagentur)

Bisher wurde Strom in Deutschland und Österreich auf einem gemeinsamen Markt uneingeschränkt gehandelt. Dadurch gab es zwischen den beiden Ländern keine Unterschiede bei den Großhandelspreisen für Strom. 2015 hatte die Bundesnetzagentur erstmals die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone angekündigt. Ziel ist es, die Stromnetze zu entlasten und den Bedarf an Redispatch-Maßnahmen zu verringern.

Ab 1. Oktober 2018 tritt nun die Strompreiszonentrennung in Kraft. Mit der heute vollzogenen Aufsplittung haben die beiden Länder keinen einheitlichen Strompreis mehr. Das hat Auswirkungen auf grenzüberschreitende Lieferungen: Während die Energieunternehmen bisher ohne Einschränkungen Strom ins Nachbarland liefern konnten, benötigen sie hierfür ab sofort Transportrechte.

Bereits am 30. September fand die erste Auktion für die ab 1. Oktober 2018 eigene österreichische Preiszone auf dem Spotmarkt der EPEX in Paris statt. Bei diesem Day-Ahead-Handel werden die Strommengen einen Tag vor der physischen Lieferung des Stroms vom Produzenten oder Händler zum Abnehmer gehandelt. Das Ergebnis: 63,19 Euro pro MWh für Base und 69,10 Euro pro MWh für Peak. Damit liegen die Preise im Durchschnitt in Österreich um 1,94 Euro bzw. 3,2 Prozent über den Preisen in Deutschland. Für die einzelnen Stunden schwankt die Preisdifferenz zwischen 0 Euro pro MWh und knapp 10 Euro pro MWh.

„Im Rahmen der Engpassbewirtschaftung ab 1. Oktober 2018 an der deutsch-österreichischen Grenze wird der Markt in einen eigenen deutschen und einen österreichischen Markt mit separaten Preiszonen getrennt. Durch diese Trennung der Preiszone wird der Stromhandel zumindest vorübergehend erschwert, denn österreichische Lieferanten können nicht mehr uneingeschränkt im liquidesten Markt Europas Strom kaufen“, erläutert Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise bei der Österreichischen Energieagentur. Wenn österreichische Lieferanten Strom aus Deutschland beziehen wollen, müssen sie nun auch die entsprechenden Kapazitäten kaufen.

„Die Preiszonentrennung wird aber nicht in jeder Stunde des Jahres für Preisunterschiede sorgen, sondern nur dann, wenn die Nachfrage das Angebot an Grenzkapazität übersteigt“, ergänzt Knaus. In einer Vereinbarung zwischen Deutschland und Österreich wurde diese Kapazität auf 4.900 MW festgelegt, dies entspricht rund der Hälfte des österreichischen Stromverbrauchs zu Spitzenzeiten. „Betrachtet man die Entwicklung des bisherigen kommerziellen Austausches des Jahres 2018, sieht man, dass dieser in etlichen Phasen auch deutlich unter der neuen Handelsgrenze lag“, so Knaus.

Das Auktionsergebnis am Spotmarkt lässt aber keine Rückschlüsse auf eine mittel- oder langfristige Entwicklung des Strompreiseses zu, sondern stellt lediglich eine tagesaktuelle Momentaufnahme dar. Die Marktsignale für den neuen österreichischen Markt sind derzeit sehr unterschiedlich und lassen noch keine seriöse Einschätzung zu.

Generell wird erwartet, dass durch die Preiszonentrennung die österreichischen Preise durchschnittlich über jenen von Deutschland liegen. Wie genau sich die Preisunterschiede entwickeln werden, ist jedoch derzeit noch nicht klar. So wurde an der Strombörse EEX (European Energy Exchange) bisher kaum mit Strom für Österreich gehandelt. Die publizierten Abrechnungspreise für Verträge mit einem Lieferzeitraum im dritten Quartal 2018 in Österreich (Phelix AT Q3) lagen dabei jedoch um 3,5 Euro pro MWh über jenen für den deutschen Markt.

Anfang September wurden außerdem zum ersten Mal die Lieferkapazitäten für die deutsch-österreichische Grenze versteigert. Diese Kapazitäten, die für Oktober gelten, berechtigen zum „Import“ von Strom aus Deutschland nach Österreich. Das Ergebnis dieser Auktion lag bei 0,88 Euro pro MWh und somit unter den Preisdifferenzen an der EEX für den gleichen Zeitraum.

„Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung ist auch deshalb schwierig, da Preisinformationen für einen großen Anteil der Stromhandelsmengen nicht öffentlich sind. Grund dafür ist der sogenannte OTC-Handel („Over-the-Counter“), bei dem Produzenten, Händler und Abnehmer in außerbörslichen und nicht öffentlichen Direktverträgen handeln“, erklärt Knaus.

„Derzeit wird das Handelsgeschehen außerdem von einer Reihe von anderen Faktoren geprägt. So spielen etwa auch die deutlich gestiegenen Preise für CO2-Emissionszertifikate, Kohle und Gas sowie die positive wirtschaftliche Entwicklung eine preissteigernde Rolle in ganz Europa“, analysiert Knaus.

Für einen typischen österreichischen Haushalt wird sich die Auswirkung der Strompreiszonentrennung aufgrund der geringen Verbrauchsmengen über das Jahr gesehen voraussichtlich in einem sehr moderaten Rahmen bewegen. Dabei gilt es auch zu beachten, dass auf der Stromrechnung eines Haushaltes das Produkt Strom lediglich etwa ein Drittel des Gesamtpreises ausmacht. Das zweite Drittel deckt die Netzkosten ab, das dritte Drittel entfällt auf Steuern und Abgaben.

Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Es bleibt abzuwarten, ob die heute vollzogene Aufsplittung der deutsch-österreichischen Preiszone tatsächlich zu der erhofften Entlastung der Stromnetze führt. Dieser Schritt widerspricht in jedem Fall dem Streben nach möglichst großen und damit liquiden Strommärkten in Europa.

Ein solches Projekt im größten Strommarkt Europas durchzuführen bedeutet zudem große Umstellungsprozesse bei allen Projektpartnern und schränkt die Handelsflüsse massiv ein. Die Aufsplittung in kleinere Preiszonen wird jedenfalls nicht den Druck beim Netzausbau mindern. Gerade in Deutschland müssen wir den Netzausbau zwischen Nord und Süd entschlossen vorantreiben und mit dem Ausbau der Erneuerbaren synchronisieren.“

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"Strompreiszonen: Österreichische Strompreise höher als in Deutschland" wurde am 01.10.2018 verfasst