Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

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Ratgeber: Vorgaben der DIN 1946-6 zur Erstellung von Lüftungskonzepten

Was regelt die Norm DIN 1946-6? Was ist ein Lüftungskonzept und wann muss man es erstellen? Welche Grenzwerte legt die Norm für die nötigen Mindestanforderungen beim Luftaustausch fest?

Die Lüftungsnorm DIN 1946-6 schreibt Lüftungskonzepte in vier Stufen für Neubauten und unter bestimmten Bedingungen für Renovierungen vor. Damit lässt sich die Frischluftzufuhr konzeptionell planen, wenn die Gebäudehülle nach Vorschrift abgedichtet und energiesparend ausgelegt ist.

Warum überhaupt ein Lüftungskonzept nötig ist

Heutzutage bauen wir energiesparend. Konzeptioneller Bestandteil einer energiesparenden Bauweise ist eine luftdichte Gebäudehülle. Gemäß den geltenden Regelungen seitens der Energieeinsparverordnung (EnEV) und anderen DIN-Normen ist die Gebäudehülle so dicht auszuführen, dass nicht genug frische Außenluft nachströmt, wenn man wie üblich lüftet.

Wegen des unzureichenden Luftaustauschs können zum einen Probleme mit Feuchtigkeit und infolgedessen Schimmel auftreten. Zum anderen reichern sich in der Raumluft schadhafte Stoffe an. Aus diesen Gründen sehen die angeführten Regelwerke einen Mindestluftwechsel vor.

Aufgrund der hohen Bedeutung der Frischluftzufuhr für Wohnräume und Gebäude allgemein hat man im Mai 2009 die aktualisierte Fassung der sogenannten Lüftungsnorm DIN 1946-6 veröffentlicht. Die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ bietet mit ihrem Lüftungskonzept dafür Lösungen an, wie Sie für einen ausreichenden Lustwechsel in Wohnungen sorgen können.

Bauprojekte, für die Sie ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erstellen müssen

Die geltende Energieeinsparverordnung verweist in ihrem Paragraf 6 darauf, dass Sie für alle Neubau-Projekte ein Lüftungskonzept nach der DIN 1946-6 erstellen müssen. Für den Sanierungs- beziehungsweise Renovierungsfall von Altbauten gilt: Sie müssen dann ein Lüftungskonzept erstellen, wenn bei Ein- und Mehrfamilienhäusern

Wichtig für Sie als Bauherr ist es, zu wissen, dass das Lüftungskonzept in Ihre Verantwortung fällt. Das heißt, dass Sie es grundsätzlich in Auftrag geben müssen.

Die Ziele der Lüftungsnorm DIN 1946-6

Als Ziele nennt die Lüftungsnorm DIN 1946-6 folgende:

  • Bestimmung von Grenzwerten sowie Berechnungsmethoden für die notwendigen Mindestanforderungen beim Luftaustausch
  • Bestimmung eines Nachweisverfahrens (das eigentliche Lüftungskonzept), um festzustellen, ob für das betreffende Gebäude eine technische Lüftungsmaßnahme nötig ist oder nicht
  • Ermittlung der Art und Weise, wie sich die technische Lüftungsmaßnahme realisieren lässt: manuell durch den Verbraucher oder mittels einer automatisierten Lüftungsanlage

Experten-Wissen: Mit der im Dezember 2019 veröffentlichten aktuellen Version der DIN 1946-6 von 2009 lässt sich schnell und einfach feststellen, ob ein zusätzliches Lüftungssystem notwendig ist. Denn die Strukturierung in separate Kapitel erleichtert die Orientierung bei der Erstellung des Lüftungskonzeptes und vor allem bei der Auslegung der lüftungstechnischen Maßnahme. Zudem wurden Änderungen bei der Berechnung der Infiltration vorgenommen und das neue Kapitel „Kombinierte Lüftungssysteme“ eingeführt.

Die vier Lüftungsstufen der Lüftungsnorm DIN 1946-6

Das Kernstück der Norm DIN 1946-6 ist die Unterscheidung von vier Lüftungsstufen unterschiedlicher Intensität, die wir Ihnen hier näher vorstellen:

Lüftung zum Feuchteschutz (FL)

Mit dieser Lüftungsstufe soll eine ausreichende Lüftung des Gebäudes in Abhängigkeit des jeweiligen Wärmeschutzniveaus realisiert werden. Ziel ist es, Bauschäden infolge Feuchtigkeit auch dann zu vermeiden, wenn die Bewohner der Räumlichkeit zeitweilig nicht anwesend und die Feuchtelasten gemindert sind, zum Beispiel, weil aufs Wäschetrocknen bewusst verzichtet wird. Das heißt: Eine dementsprechend ausgelegte Lüftung muss also unabhängig vom Nutzer laufen.

Reduzierte Lüftung (RL)

Auch diese Lüftungsstufe ist Großteils unabhängig vom Nutzer zu realisieren. Es muss sichergestellt werden, dass auch dann, wenn die Bewohner beispielsweise wegen ihres Jobs nur kurzfristig abwesend sind, die Lüftung den hygienischen Mindeststandards und dem Bautenschutz gerecht wird.

Nennlüftung (NL)

Die sogenannte Nennlüftung meint die Luftzufuhr, die zur Einhaltung hygienischer und gesundheitlicher Standards sowie zum Bautenschutz nötig ist, wenn die Wohnung normal genutzt wird. Die Lüftungsstufe Nennlüftung kann den Verbraucher teilweise aktiv in das Lüftungskonzept mit einbeziehen, zum Beispiel mit dessen manueller Fensterlüftung.

Intensivlüftung (IL)

Mit der Lüftungsstufe „Intensivlüftung“ sollen Lastspitzen, wie sie infolge von Kochen, Waschen und so weiter auftreten, abgebaut werden. Auch diese Lüftungsstufe kann den Bewohner mit seinem Lüftungsverhalten konzeptionell mit berücksichtigen.

Berechnungsgrundlagen der vier Lüftungsstufen der Norm DIN 1946-6

Zu den Berechnungsgrundlagen der Lüftungsstufen der Lüftungsnorm DIN 1946-6 zählen sowohl der Dämmstandard als auch die Art sowie die Lage des Gebäudes. So 

  • erfasst man gegebenenfalls Undichten in der Gebäudehülle,
  • berücksichtigt zu erwartende Belastungen anhand der Wohnfläche und
  • schätzt die natürliche Luftinfiltration aufgrund der Windbelastung (Bezüglich der Windbelastung gilt die Faustregel: Je mehr Wind ist, desto größer ist die natürliche Infiltration. Deshalb ist der Norm eine Windkarte des Deutschen Wetterdienstes hinterlegt.).

Ist das Ergebnis des erstellten Lüftungskonzepts, dass die natürliche Luftzufuhr nicht genügt, um die Lüftung zum Feuchteschutz zu garantieren, muss der verantwortliche Planer extra lüftungstechnische Maßnahmen (kurz auch LtM genannt) planen.

Zum Beispiel könnte die extra Lüftung via Schächte beziehungsweise in der Außenhülle eingelassene Ventile (sogenannte Außenwandluftdurchlässe, kurz: ALD regelbar) sein oder via eine mit Ventilatoren gestützte Lüftung einer Kontrollierten Wohnungslüftung (KWL) stattfinden.

Die neue Fassung der DIN 1946-6 verschafft Planern in wichtigen Punkten Rechtssicherheit. Trotz dessen berücksichtigt die Norm einige Punkte nicht: Zum Beispiel lässt sich nicht unmissverständlich festlegen, welche aktive Fensterlüftung einem Bewohner zuzumuten ist, der wegen seiner Berufstätigkeit den ganzen Tag außer Haus ist.

Problematisch ist auch, wie unterschiedliche Gesamtwetterlagen, darunter milde Winter oder Übergangsjahreszeiten, berücksichtigt werden sollen. Immerhin machen manche Witterungsverhältnisse und / oder starke Temperaturschwankungen einen täglich mehrfachen kompletten Luftaustausch mitunter nötig.

Sonderregelung für fensterlose Räume

Fensterlose Räume einer Wohnung sind ein extra geregelter Sonderfall. Deren Belüftung erfolgt gemäß der aktuellen DIN 18017-3 (vom Juli 2009) und den bauaufsichtlichen Richtlinien über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen.

Nach der DIN 1946-6 können die für fensterlose Räume vorgesehenen technischen Lüftungsmaßnahmen genügen, um die Versorgung der gesamten Wohneinheit mit Außenluft zu realisieren. Hier ist zu beachten, dass dann sämtliche in der Wohneinheit existierenden Ablufträume mit einem ausreichenden Abluftvolumenstrom geplant werden.

Das muss im Einzelfall geprüft werden und wirft Fragen auf, darunter die, ob und wie eine abschaltbare Belüftung im Badezimmer zur Feuchteschutzlüftung der ganzen Wohnung genügen kann, wenn sie in der Regel nur kurzzeitig am Tag läuft.

Maßnahmen und Kosten zur Einhaltung der Anforderungen der DIN 1946-6

Um die DIN 1946-6 einzuhalten, gibt es eine 3 wesentliche Lüftungstechniken:

  • freie Lüftung
  • ventilatorgestützte Lüftung
  • Zu- u. Abluftsysteme mit Wärmerückgewinnung
Tabelle 1: Lüftungstechnische Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen der DIN 1946-6
Lüftungstechnische Maßnahmen Vorteile Nachteile
Freie Lüftung (Querlüftung (Wind), Schachtlüftung (Thermik)) keine Lüftungsleitungen, geringe Investitionskosten, kein Stromverbrauch Luftwechsel abhängig von Winddruck und Windsog bzw. thermischem Auftrieb (Schachtlüftung), Gerüche durch Vermischen von Zu- und Abluft, Nennlüftung erfordert aktives Fensterlüfetn
Ventilatorgestützte Lüftung (Abluftsysteme, Hybridsysteme, Zuluftsysteme) Nutzerunabhängige Lüftung ohne Öffnen der Fenster, keine unkontrollierten Lüftungswärmeverluste, bessere Raumluftqualität, besserer Schallschutz durch Feinfilter und Schalldämmung, keine Gerüche durch Vermischen von Zu- und Abluft. Investition für Ventilator, Abluft- und Fortluftkanäle, keine Wärmerückgewinnung
Zu- u. Abluftsysteme mit WRG Nutzerunabhängige Lüftung ohne Öffnen der Fenster, hohe Raumluftqualität und besserer Schallschutz durch Feinfilter und Schalldämmung, keine Gerüche durch Vermischen von Zu- und Abluft, Reduzierung der Primär- und Endenergiewerte und durch verringerte Lüftungswärmeverluste Investition für Wärmeübertrager, für Abluft- und Fortluftkanäle und höherer Montageaufwand

Alle vorgenannten Maßnahmen variieren deutlich in ihrem Preis bzw. Kosten. So ist für Systeme mit maschineller Wohnraumlüftung inklusive Wärmerückgewinnung mit deutlichen Zusatzkosten zu rechnen.

Tabelle 2: Kostenübersicht für Lüftungstechnische Maßnahmen zur Einhaltung der DIN 1946-6
Lüftungstechnische Maßnahme Kosten EFH mit Montage (150 m2) Kosten MFH mit Montage (3 Zimmer WHG)
Querlüftung 1.350 € 1.100 €
Schachtlüftung 1.600 € -
Abluftanlage 2.300 € 1.800 €
Zu- und Abluftanlage/ WRG 4.900 € 4.500 €

Lösungsansätze, die weniger auf die automatische Einhaltung der DIN 1946-6 setzen, sind hingegen mit weniger Kosten verbunden, jedoch vielfach nicht DIN-konform. Um die hohen Kosten zu vermeiden, werden in der Praxis u.a. Konzepte mit automatischen Fensterlüftern oder mit Abluftanlagen, angelehnt an die DIN 18 017-3 „Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster mit Ventilatoren“ vermehrt umgesetzt.

Experten-Tipp: Für das Erstellen eines Lüftungskonzepts nach der Lüftungsnorm DIN 1946-6 können Sie sich an jeden Fachmann, der Maßnahmen zur Lüftungstechnik oder Instandhaltungen plant und ausführt beziehungsweise in der Planung und Modernisierung von Gebäuden tätig ist, wenden. Es beinhaltet die Feststellung der Notwendigkeit von lüftungstechnischen Maßnahmen, die Auswahl des Lüftungssystems und die Kennzeichnung des Lüftungssystems. Gut zu wissen: Auch das Internet bietet Planungstools für ein Lüftungskonzept gemäß der Norm DIN 1946-6.

Weitere Informationen zur kontrollierten Wohnraumlüftung

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