Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

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Planungs- und Aufbautipps für Kaminbausätze

Woraus muss ein Kaminbausatz bestehen? Welche Vorteile gibt es zum Fertigkamin? Worauf muss man beim Aufbau eines Bausatzes achten?

Wem der individuelle Kamin vom Kaminbauer zu teuer ist, hat heute viele Möglichkeiten, einen Kamin mit einem Bausatz auch selbst zu bauen. Im Folgenden Ratgeber beschäftigen wir uns mit diesen Eigenbau-Varianten und erklären, welche Bauteile ein Kaminbausatz zwingend enthalten muss, was man bei der Montage beachten sollte und wie viel moderne Kaminbausätze kosten.

Kamineinsatz ist Herzstück des Bausatzes

Je nach Größe, Design und Ausführung unterscheiden sich die Modelle in ihrem Lieferumfang an Einzelteilen des Bausatzes. Zu den elementaren Teilen eines Kaminbausatzes gehören aber immer der Kamineinsatz und sämtliche Anschluss- und Verkleidungsteile. Werkzeug, Bau- und Verbrauchsstoffe sind in der Regel nicht im Bausatz enthalten und müssen extra gekauft werden.

Beim Kamineinsatz handelt es sich um eine Art geschlossene „Feuerkiste“, die das Herzstück des Bausatzes darstellt. Aufgrund seines geschlossenen Aufbaus ist die Brandgefahr durch Funkenflug komplett ausgeschlossen und die beim Verbrennen des Holzes entstehende Wärme kann effizient ausgenutzt werden. Mehr als 90% der Wärme wird so in den Raum zurückgeführt.

4 typische Schritte beim Aufbau des Kamins

Einen Kamin kann jeder, der über das nötige handwerkliche Geschick, Organisationsvermögen und Know How verfügt mit einem Bausatz selber bauen. Erste Hilfestellungen bieten die Bauanleitungen der Hersteller, die es selbstverständlich schriftlich in Papierform als auch teilweise als Bauanleitungsvideos auf Youtube gibt. Folgende 4 Schritte sollten Sie grundsätzlich beim Kaminbau mit einem Bausatz beachten:

1. Prüfung der Gegebenheiten

Wer einen Kaminbausatz kauft, der sollte im Vorwege natürlich die genauen Maße am Aufstellungsort erfassen. Hierzu sollte man am Besten den Schornsteinfeger hinzuziehen, da dieser beurteilen kann, ob der geplante Aufstellungsort überhaupt zulässig ist und, ob der Anschluss an den Schornstein überhaupt möglich ist.

 Da es gerade in älteren Gebäuden aufgrund von Brandschutz- und Immissonsschutzauflagen nicht möglich ist, einen Kaminbausatz an den vorhandenen Schornstein anzuschließen, wird es häufig nötig, einen weiteren Schornsteinzug oder - dies ist die am häufigsten praktizierte Technik - einen Außenschornstein aus Edelstahl vor der Montage des Kaminbausatzes zu installieren.

Tipp: Treffen Sie zunächst auch eine Vorauswahl der infrage kommenden Kaminbausätze und bitten Sie nochmals Ihren Schornsteinfeger um Mithilfe bei der Auswahl des richtigen und vor Allem zulässigen Bausatzes.

2. Praktische Vorbereitungen

Wer einen Kaminbausatz im Baumarkt kauft, der wird schnell merken, dass solche Bausätze teilweise recht schwer sind. Daher sind sowohl bei Selbstabholung als auch bei Anlieferung immer auch weitere Transportmittel wie zumindest eine Sackkarre einzuplanen.

Ist der komplette Kaminbausatz im z. B. Wohnzimmer platziert geht es ans Auspacken und an die Überprüfung der Teileliste, ob wirklich alles geliefert wurde, was zum Bausatz gehört. Sofern noch nicht geschehen, sollten dann alle nötigen Bau- und Verbrauchsstoffe sowie Werkzeuge beschafft werden, um den Bausatz zusammenzubauen.

3. Zusammenbau des Kamins

Nun können Sie mit dem Zusammenbau des Bausatzes und ggf. der Vorbereitung des Fundamentes beginnen, auf dem der Kamin später aufgestellt werden soll. Halten Sie sich beim Zusammenbau des Bausatzes unbedingt an die Bauanleitung, um spätere Mängel bei einer Abnahme durch den Schornsteinfeger so gut es geht zu vermeiden. Ist alles (im Rohbau) zusammengesetzt, so kann nun schon der Kaminbausatz an den Schornstein angeschlossen werden und anschließend die Kaminverkleidung angebracht werden.

Tipp: Um die Kaminkassette auf ein Fundament aufzustellen, sollten Sie unbedingt mehrere Personen um Hilfe bitten, um diese gefahrlos zu platzieren und um Feinjustierungen in Ruhe vornehmen zu können.

4. Individuelle Anpassungen

Kaminbausätze eignen sich im Gegensatz zu einem Fertigkamin hervorragend, um noch individuelle Anpassungen vorzunehmen. So kann man bei genügend Platz noch einen Vorsprung mauern, um später darauf die Wärme des Kamins genießen zu können, oder man verziert den Abzug des Kaminbausatzes mit z. B. Kacheln oder einem Mosaik. Der Kreativität sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

Je nach Sonderwünschen bei der Gestaltung des Kaminbausatzes sollte man mit mindestens 1 bis 2 Tagen Bauzeit rechnen. Wer den Bausatz weitergehend verputzen möchte, der sollte auch die entsprechenden Trocknungszeiten einberechnen. Für den Aufbau einfacher Bausätze sollte ein Wochenende eingeplant werden.

Bilderserie: Aufbau eines Kaminbausatzes von Haas+Sohn

Sicherheitshinweis zum Selbstbau eines Kamins

Ein Kamin stellt auch immer eine Feuerstelle im Wohnraum dar. Um die Brandgefahr im Raum auf ein Minimum zu reduzieren, ist es zwingend notwendig, nur den anerkannten technischen Regeln und gesetzlichen Anforderungen entsprechende Bausätze zu kaufen. Außerdem sollte man sich beim Einbau immer an die Vorgaben der Bauanleitung halten. Es greift keine Brandschutzversicherung, wenn ein Kaminbausatz unsachgemäß aufgestellt und dann ohne Abnahme betrieben wurde.

Auch wenn man einen Kaminbausatz selbst aufstellen und montieren kann, benötigt man zu guter Letzt eine Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger. Achtung: Es gibt Bundesländer, in denen der Kamin vom Bezirksschornsteinfeger nur abgenommen wird, wenn dieser von einem entsprechend qualifizierten Kaminbauer gebaut wurde. Daher sollte man sich vor einem Kauf unbedingt bei einem Experten wie dem Schornsteinfeger auch über die Vorgaben im eigenen Bundesland informieren.

Anschaffungs- und Baukosten für Kaminbausätze

Kaminbausätze gibt es als Standard-Varianten aus dem Baumarkt oder als individuelle Designstücke. In der Regel besteht ein Komplett-Set zur Montage aus Sockelteilen mit Umluft-Öffnungen, einer Sockel-Abdeckung, einem zweiseitigen Kamineinsatz, Schürzenteile, Zugluft-Gitter, Wärmeisolierungen, Rauch-Rohren und Verputzmaterial. Insgesamt muss man für eine solche Grundausstattung mit Preisen von mindestens 1.500 Euro bis 3.000 Euro für einfache Standardbausätze und mit häufig 4.000 bis 6.000 Euro für gehobenere Ansprüche rechnen.

Tabelle: Preisbeispiele für Kaminbausätze
Hersteller / Modell Nennwärmeleistung Raumheizvermögen* Brutto-Preise
Austroflamm Kaminbausatz Dexter 6 kW bis 165 m3 2.690 Euro
Austroflamm Kaminbausatz Kera Xtra 6 kW bis 165 m3 3.860 Euro
Austroflamm Kaminbausatz Miu 10 kW bis 360 m3 4.800 Euro
Austroflamm Kaminbausatz Miu Xtra 10 kW bis 360 m3 4.590 Euro
Camina Kaminbausatz S10 Hoch 9 kW nn 5.250 Euro
Camina Kaminbausatz S13 9 kW nn 6.640 Euro
EnergieWerk Ost GmbH Kaminbausatz Pateo Granit 8 kW bis 196 m3 2.340 Euro
EnergieWerk Ost GmbH Kaminbausatz Normandie California Gold 7 kW bis 196 m3 2.300 Euro
Haas + Sohn Kaminbausatz Pinus II Eck 8 kW bis 230 m3 2.000 Euro
Haas + Sohn Kaminbausatz Strassburg II 8 kW bis 230 m3 2.650 Euro
Haas + Sohn Kaminbausatz Rhone II Rainbow 7 kW bis 180 m3 1.985 Euro
Haas + Sohn Kaminbausatz Roma II 7 kW bis 180 m3 1.610 Euro
Haas + Sohn Kaminbausatz Colmar II Schiefer 8 kW bis 230 m3 3.030 Euro
Jøtul Kaminbausatz Guss S 71 mit I 520 FR 7 kW bis 143 m3 4.190 Euro
Jøtul Kaminbausatz FS 173 mit Jotul I 520 FRL 7 kW bis 143 m3 4.590 Euro

* Das Raumheizvermögen des Kaminbausatzes ist abhängig von der Wärmedämmung Ihres Hauses

Die Baukosten sind in der Regel unabhängig vom Bausatzmodell. Für die Kostenplanung kann man sich diesbezüglich am Besten beim Verkäufer selbst informieren. Dieser kann Ihnen eventuell auch eine Stückliste für die Dinge zusammenstellen, die für einen Aufbau des Bausatzes unbedingt notwendig sind. Je nach Ausführung und Sonderwünsche differieren die Kamin-Kosten. Für den einfachen Aufbau muss jedoch mit nicht mehr als 50 Euro zusätzlichen Kosten gerechnet werden.

Sonderausstattungen von Bausatz-Kaminen

Kaminbausätze mit Wärmespeicherelementen

Im Gegensatz zu gemauerten Öfen geben Kaminbausätze einen Großteil der Wärme über ihre großen Sichtscheiben rasch und unmittelbar in den Raum ab. Kaminbausätze mit Wärmespeicherelementen können einen Teil der Wärme jedoch speichern und so für eine langanhaltende Wärmeabstrahlung sorgen.

Bilderserie: Hark Kaminbausatz Studio-Serie mit speziellem Wärmespeicherbeton

Bausatz mit raumluftunabhängiger Verbrennung

Kaminbausätze, die mit einem Außenluftanschluss ausgestattet sind, können raumluftunabhängig betrieben werden. Durch die Nutzung der Außenluft für die Verbrennung bleibt die Wohnraumluft unangetastet und das Feuer entzieht dem Raum somit keinen Sauerstoff und es muss nicht gelüftet werden.

Dauerbrandbetrieb von Kaminbausätzen

Einige Bausätze sind auch für einen Dauerbrand nach DIN EN 13229 ausgelegt. Im Gegensatz zum Zeitbrand muss dazu der Kaminbausatz dauerbrandfähig sein. Also ohne Brennstoffaufgabe und ohne Eingriff in den Verbrennungsablauf eine bestimmte Mindestdauer bei Kleinstellung so weiter brennen, dass das Glutbett am Ende des Zeitraumes wieder entfacht werden kann.

Kohlebefeuerung von Bausatzkaminen

Alle Kaminbausätze können typischerweise mit Scheitholz und Holzbriketts befeuert werden. Einige Bausätze sind jedoch auch in der Lage, dass in ihnen Braunkohlebriketts verfeuert werden können. Braunkohlebriketts haben dabei den Vorteil, dass sie länger die Glut halten. Wenn man den Kaminbausatz "dauernd" einsetzen möchte, dann kann man Holz zum Anfeuern nehmen, da es schnell eine große Hitze erzeugt, und dann Briketts nachlegen. Dies erspart einem das ständige Nachlegen von Feuerholz.

Qualität der verbauten Komponenten

Bei der Auswahl eines Kaminbausatzes sollten man unbedingt auch auf alle Zubehörteile und sonstige verbauten Materialien achten. So kann das Glasfenster z. B. selbstreinigend oder die Feuerraumtür emailliert und somit kratzfest sein. Die Griffe sollten aus temperaturneutralem Material wie z. B. Aluminium sein, um die Feuerraumtüren jederzeit bedienen zu können.

Vermeintliche Schnäppchen immer genau prüfen

Wer sich für einen Kaminbausatz interessiert, der sollte immer besonders auf die Qualität achten. Dies kann man zum einen an Marken-Herstellern  festmachen, aber auch an Kennzeichnungen (CE, TÜV etc.) und Zertifizierungen von Verbänden. Letztlich gibt es auch verschiedene Tests, die in der Vergangenheit veröffentlicht wurden, an denen man sich beim Kauf des Kaminbausatzes ebenfalls orientieren kann.

In jedem Fall sollte man vermeintliche Schnäppchenpreise immer genau prüfen, ob auch der Zusammenbau ohne Zusatzteile reibungslos funktioniert und, ob das Ergebnis dann auch allen technischen und rechtlichen Anforderungen entspricht und auch abgenommen werden kann.

Wichtig: Mit Jahresbeginn 2015 wurden die gesetzlichen Vorschriften für Kamin- und Pelletöfen deutlich verschärft. So treten beispielsweise in Deutschland die zweite Stufe der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV 2. Stufe) und in Österreich die neue Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG in Kraft. Kaminbausätze sollte daher alle diese Vorgaben erfüllen.

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