Während die preissenkende Wirkung des Ausbaus der erneuerbaren Energien an der Strombörse seit längerem bekannt ist, wurden die Effekte einzelner Technologien bisher nicht systematisch untersucht. Eine Studie des arrhenius Instituts für Energie- und Klimapolitik untersuchte nun erstmals die Auswirkungen des Ausbaus der Photovoltaik in Deutschland auf den Strommarkt und auf konventionelle Kraftwerke bis 2020.
Der Ende März vorgelegte Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen führt beispielsweise lediglich die Kosten für die öffentlichen Haushalte, für Anlagenhersteller und Anlagenbetreiber, für Unternehmen als Stromabnehmer und für Bürgerinnen und Bürger an. Die Wirkung auf die Stromwirtschaft bleibt unerwähnt. "Wenn in den vergangenen Monaten über eine Änderung der Fördersätze für PV-Anlagen und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Effekte diskutiert wurde, blieb dieser Aspekt völlig unberücksichtigt", sagt Helmuth Groscurth, Geschäftsführer des arrhenius Instituts und einer der beiden Autoren.
Eine Besonderheit der Photovoltaik liegt darin, dass sie ausschließlich tagsüber mit einer Spitze zur Mittagszeit Strom erzeugt. Zu dieser Zeit sind in Deutschland die Nachfrage nach Strom und damit der Strompreis an der Börse eher hoch. In genau dieser Zeit erwirtschaften die konventionellen Kraftwerke die Deckungsbeiträge, die sie zur Finanzierung ihrer Investitionskosten benötigen. Bricht nun die hohe Nachfrage zur Mittagszeit, die bisher durch konventionelle Kraftwerke befriedigt werden muss, durch den dynamischen Ausbau der Photovoltaik ein, so kommt es zu zwei Effekten: ein Teil der Kraftwerke kommt nicht mehr zum Einsatz und für den verbleibenden Teil sinken mit den Strompreisen die Erlöse. Dadurch wird gerade die Wirtschaftlichkeit neuer, moderne Anlagen bedroht.
Auch für Investitionen in neue Kraftwerke ändern sich abhängig vom Photovoltaik-Ausbau die Anreize massiv. Bei einem im Gesetzesentwurf angedachten Zubau um 33 Gigawatt (33.000 MW) in den nächsten 10 Jahren sinken die Deckungsbeiträge für ein heute gebautes hocheffizientes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) im Jahr 2020 gegenüber einem Stop des Photovoltaik-Zubaus um ca. 23 Prozent, bei einem Ausbau um 50 GW, wie er unter dem geplanten Gesetz ebenfalls möglich wäre, um mehr als 30 Prozent. Für bestehende Kohlekraftwerke liegen die Zahlen nur wenig niedriger.
Vor diesem Hintergrund erwarten die Autoren der Studie eine Neuaufnahme der Diskussion um die Photovoltaik-Vergütung. Helmuth Groscurth: "Entweder wir ändern umgehend die Regeln des Strommarktes so, dass er mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und den dafür benötigten Backup-Kraftwerken kompatibel ist oder wir müssen den Zubau der PV verlangsamen".
Quelle: arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik