Letzte Aktualisierung: 24.11.2021

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Bauministerkonferenz: GEG soll Klimabilanz statt Gebäudedämmung fordern

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Die Bauministerkonferenz der Länder hat in ihrer Sitzung vom 19.11.2021 einen Beschluss für eine Änderung des Gebäudeenergiegesetzes gefasst. Demnach sollen künftig nicht mehr nur der Energiebedarf und damit die Anforderungen an die Gebäudedämmung maßgeblich sein. Vielmehr sollen Gebäude bis hin zu ganzen Quartieren künftig in ihrer gesamten Klimabilanz betrachtet werden.

Motiv eines Einfamilienhauses mit großer PV-Anlage auf dem Spitzdach

Bei ihrer virtuellen Zusammenkunft am 18. und 19. November zur 138. Bauministerkonferenz sprachen sich die Politiker u. a. dafür aus, die "einseitige Ausrichtung an der Gebäudedämmung" zugunsten einer Klimabilanz-Betrachtung aufzugeben. (Foto: energie-experten.org)

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Die Bauminister der Länder und des Bundes haben auf ihrer jüngsten Sitzung am 18. und 19. November 2021 unter anderem Beschlüsse zur Umsetzung der Klimaziele der EU und des Bundes, zur Änderung der Musterbauordnung und zur Wärmewende im Gebäudebestand gefasst.

Im Protokoll der Sitzung der 138. Bauministerkonferenz wurde festgehalten:

"Die Bauministerkonferenz ist der Auffassung, dass es zur sozialverträglichen und wirtschaftlichen Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich und auch im Wohngebäudebereich eines an den Klimaschutzzielen ausgerichteten rechtlichen Rahmens bedarf, der die im Einzelfall optimalen und effizientesten Kombinationen von Dämmmaßnahmen, Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien und Quartierslösungen ermöglicht. Die Bauministerkonferenz spricht sich dafür aus, die einseitige Ausrichtung an der Gebäudedämmung aufzugeben."

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Pro: "Efficiency First" nicht "Efficiency um jeden Preis"

„Die Antwort für mehr Klimaschutz liegt nicht in immer dicker gedämmten Wänden. Sie liegt in einer ganzheitlichen Betrachtung von Häusern und Quartieren. So würde dann auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach, die Elektroladesäule vor der Wohnung oder eine besonders klimafreundliche Energieversorgung eine Rolle spielen können. Hier ist das Gebäudeenergiegesetz der zentrale Hebel. Damit können wir einen maßgeblichen Beitrag leisten, den Konflikt zwischen Klimaneutralität bei Neubau und Sanierung auf der einen und der Bezahlbarkeit von Wohnraum auf der anderen Seite, zu entschärfen. Klimaschutz darf kein Luxusthema sein. Und mit diesem neuen Ansatz wird Klimaschutz sozialverträglich und bezahlbar", kommentierte der niedersächsische Bauminister Olaf Lies die jüngste BMK-Entscheidung.

Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW begrüßte den Beschluss: „Die einseitige Ausrichtung an der Gebäudedämmung ist gerade in der aktuellen politischen Diskussion dabei, zum Hemmnis für den Klimaschutz zu werden. „Es ist daher nur richtig, dass die Bauministerkonferenz den Finger in diese Wunde legt. Eine aktuelle Studie im Auftrag von GdW und VDPM zeigt klar, dass „Efficiency First“ nicht „Efficiency um jeden Preis“ bedeuten darf. Die Treibhausgasemissionen müssen zur zentralen Steuerungs- und Zielgröße werden, denn Klimaneutralität heißt vollständig erneuerbare Energieversorgung. Effizienz und Energieeinsparung sind Hilfestellung für die klimaneutrale Wärmeversorgung, nicht Selbstzweck“, so Präsident Axel Gedaschko.

Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, begrüßte ebenfalls die Aussage der Bauministerkonferenz, die Reduzierung von Gebäudeemissionen ganzheitlich und über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu denken. Hierbei sei es richtig, den Quartiersansatz und die Technologieoffenheit zu betonen und zu einer ganzheitlichen Betrachtung zu kommen, wie sich CO2 am wirksamsten einsparen lässt, so Müller.

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Contra: Dämmung ist Voraussetzung für klimaneutrale Gebäude

Der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle BuVEG, der Energieberaterverband GIH, das Deutsche Energieberaternetzwerk DEN, der Fachverband Mineralwolleindustrie FMI, die Fachvereinigung Extruderschaum fpx, der Industrieverband Hartschaum IVH und der Industrieverband Polyurethan-Hartschaum IVPU sprachen sich hingegen gegen den Beschluss der Bauministerkonferenz in Erfurt aus, "die einseitige Ausrichtung an der Gebäudedämmung aufzugeben".

"Der Beschluss der Bauminister ist realitätsfern. Er widerspricht sämtlichen Studien der Wissenschaft, wie der Gebäudebestand klimafit wird. Der breite Konsens ist, dass die Senkung des Energiebedarfs um ca. 40 Prozent die Voraussetzung ist, um kosteneffizient klimaneutral zu werden. Angesichts der verschärfenden Klimakrise ist zudem eine schnelle Umsetzung gefragt."

Das Verbändebündnis plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung aller Komponenten einer energieeffizienten Gebäudehülle und -technik auf Basis von Erneuerbaren Energien. Es gäbe keine „einseitige Ausrichtung an der Gebäudedämmung”, so die o.g. Verbände.

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