Letzte Aktualisierung: 03.11.2011

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Biosprit-Förderung bedroht das Recht auf Nahrung

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Biosprit-Foerderung bedroht das Recht auf Nahrung_Grafik_Germanwatch

Biosprit-Förderung bedroht das Recht auf Nahrung (Grafik: Germanwatch)

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat jetzt die zweite Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung vorgelegt. Sie zeigt: Die wichtigste strukturelle Ursache für den dramatischen Anstieg der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel ist der von der Politik initiierte Agrosprit-Boom in Europa und Amerika.

Trotz der kontinuierlichen Zunahme der globalen Produktion stiegen die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel in den Jahren 2007/2008 und nach einem zwischenzeitlichen Rückgang ab Ende 2010 dramatisch an. Die zweite Germanwatch-Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung belegt, dass die wichtigste strukturelle Ursache dafür der durch die Politik initiierte Agrarsprit-Boom in Europa und Amerika ist. Mit deutlich höheren Zuwachsraten als beim Fleischverbrauch drängt die staatlich geförderte Agrarenergie weltweit die Nutzung von Pflanzen für die direkte menschliche Ernährung zurück.

Das heizt die Spekulation auf den Agrarrohstoff- und Finanzmärkten an: Die Zahl der Transaktionen, bei denen es nicht um den physischen Erwerb von Agrarrohstoffen geht, sondern nur um Geldanlage, hat in den letzten Jahren ebenfalls dramatisch zugenommen. Diese "Finanzialisierung" der Rohstoffmärkte ist neben Exportverboten in wichtigen Erzeugerländern und den infolge des Klimawandels zunehmenden Missernten mitverantwortlich dafür, dass die Weltmarktpreise außerordentlich schwanken – anders als die Lebensmittelpreise in den meisten Entwicklungsländern, die seit 2008 auf hohem Niveau verharren.

"Damit wird die immer wieder kolportierte These widerlegt, der steigende Fleischkonsum in China und Indien sei der entscheidende Grund für die Preissprünge auf den Agrarrohstoffmärkten in den letzten Jahren", erklärt Klemens van de Sand, Vorstandsmitglied von Germanwatch und Autor der Studie. In China nimmt der Verbrauch von Schweinefleisch seit etwa fünf Jahren nur noch langsam zu, der Rindfleischkonsum ist in den letzten drei Jahren sogar rückläufig. Während die globale Produktion von Getreide weiter zunimmt, drängt die staatlich geförderte Agroenergie die Nutzung von Pflanzen für die direkte menschliche Ernährung mit deutlich höheren Zuwachsraten als beim Fleischverbrauch zurück. "Diese Politik heizt auch die Spekulation mit Agrarrohstoffen an", so van de Sand weiter. "Die Anleger setzen darauf, dass die rasch wachsende Nachfrage nach Mais, Zuckerrohr, Palmöl und Soja für die Treibstoffproduktion die Preise steigen lässt. Durch entsprechende Landnutzungsänderungen wirkt sich das dann auch auf das Angebot und die Preise von anderen Grundnahrungsmitteln wie Weizen aus."

In den politischen Schlussfolgerungen unterstreicht Germanwatch die Dringlichkeit von Forderungen, die zehn führende internationale Organisationen im Frühjahr 2011 erhoben haben: Streichung sämtlicher Subventionen und gesetzlicher Mindestvorgaben für die Beimischung von Kraftstoffen aus Nahrungspflanzen in Benzin und Diesel, mehr Markttransparenz und Limitierung von Termingeschäften im Agrarrohstoffhandel.

"Die internationale Politik muss endlich handeln", so van de Sand weiter. "Es bedroht das Recht auf Nahrung von weltweit über 925 Millionen hungernder Menschen, dass die EU wie auch die Bundesregierung sich nach wie vor gegen die seit langem von Nichtregierungsorganisationen und im Frühjahr 2011 auch von zehn führenden internationalen Organisationen, unter anderem der Weltbank und der OECD, erhobene Forderung sperrt, sämtliche Subventionen und Mindestvorgaben für die Beimischung von Agrarkraftstoffen in Benzin und Diesel abzuschaffen", so van de Sand. "Außerdem müssen die führenden Wirtschaftsnationen der G20 Maßnahmen zur Limitierung von Termingeschäften und mehr Transparenz auf den Agrarrohstoffmärkten beschließen. Gleichzeitig könnte die Schaffung von Nahrungsmittelreserven kurzfristige Ernteeinbußen und Preissteigerungen auffangen."

Die "Germanwatch-Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung 2011" steht » hier zum Download zur Verfügung.

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