Letzte Aktualisierung: 03.09.2025

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CO2-Preisexplosion: ETS 2 führt zu massiven Kostensteigerungen für unsanierte Häuser

Ab 2027 wird der EU-Emissionshandel ETS-2 den nationalen Emissionshandel ablösen, was zu einem deutlichen Anstieg der CO2-Preise führt. Eine Analyse von Purpose Green zeigt, dass die jährlichen Kosten für unsanierte Mehrfamilienhäuser in den kommenden Jahren um mehrere Tausend Euro steigen könnten. Die Aufteilung der CO2-Kosten zwischen Mietern und Vermietern hängt stark vom energetischen Zustand der Immobilie ab, wobei Vermieter bei schlechter Energiebilanz bis zu 95 Prozent der Kosten übernehmen müssen. Auch für private Haushalte mit Gas- und Ölheizungen drohen erhebliche Mehrkosten von bis zu 1.840,63 Euro pro Jahr, wie eine Auswertung von Enpal belegt. Um diese Kostenbelastung zu verringern, ist eine energetische Sanierung der Gebäude, beispielsweise durch den Einbau einer Wärmepumpe, die einzig wirksame Maßnahme.

Der EU-Emissionshandel ETS-2 wird für Haus-Eigentümer richtig teuer: Die Kosten für den ab 2027 steigenden CO2-Preis könnten für Vermieter um mehrere tausend Euro steigen. Aber auch Hauseigentümern mit Gas- und Ölheizung drohen hohe Mehrkosten. Zwei neue Auswertungen zeigen, dass nur eine Sanierung hilft. Gerade Wärmepumpe und PV sind dabei die erste Wahl. (Foto: energie-experten.org)

Der CO2-Preis wird in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich steigen. Denn ab 2027 ersetzt das ETS-2 schrittweise den nationalen Emissionshandel (nEHS), sodass die CO2-Bepreisung künftig einheitlich auf EU-Ebene geregelt wird – und je nach CO2-Preis und energetischem Zustand eines Hauses können Mehrkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro entstehen.

ETS-2: Ab 2027 Anstieg auf 400 Euro pro Tonne CO2 möglich

Um die finanziellen Auswirkungen zu beziffern, haben die Energie-Experten von Purpose Green die zusätzlichen Kosten von 650 Immobilien in Hamburg mithilfe von unterschiedlichen CO2-Preis-Szenarien errechnet.

Während aktuell noch 55 Euro pro Tonne fällig werden (Szenario I, 2025), könnten es bis 2030 bereits 100 Euro (Szenario II) oder sogar 250 Euro pro Tonne sein (Szenario III). Langfristig ist sogar ein Anstieg auf 400 Euro pro Tonne denkbar (Szenario IV).

In den vier Szenarien von Purpose Green würde der CO2-Preis so um ca. 82 Prozent (Szenario II), ca. 355 Prozent (Szenario III) oder ca. 627 Prozent (Szenario IV) steigen.

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Mehrfamilienhaus: Bis zu 105.900 Euro CO2-Kosten jährlich!

Um die durchschnittlichen jährlichen CO2-Kosten für Hauseigentümer zu berechnen, hat Purpose Green Wohnfläche, Energieträger und den Energiebedarf 650 Immobilien in Hamburg analysiert.

Beispielsweise wird in Hamburg ein Gebäude aus dem Jahr 1979 angeboten. Die ca. 3.100 Quadratmeter Wohnfläche teilen sich auf 32 Wohnungen auf. Das Gebäude hat mit 356 kWh/(m2·a) einen hohen Energiebedarf und wird mit Gas beheizt, wodurch rund 264 Tonnen CO2 pro Jahr verursacht werden.

Während 2026 ca. 14.600 Euro auf den Eigentümer zukommen, wären es im zweiten Szenario rund 26.500 Euro, im dritten ca. 66.200 Euro und im vierten Szenario sogar fast 105.900 Euro jährlich.

Basierend auf den unterschiedlichen wesentlichen Energieträgern beläuft sich der jährliche Ausstoß von den untersuchten Immobilien in Hamburg im Durchschnitt auf ca. acht Tonnen CO2 pro Immobilie.

Im aktuellen nationalen Emissionshandelssystem kommen 2026 so durchschnittlich rund 440 Euro an CO2-Kosten auf Eigentümer zu. Bei Eintritt des Szenarios II würden die Kosten auf über 790 Euro steigen.

Im dritten Szenario lägen die Kosten bei über 1.980 Euro pro Jahr und im vierten Szenario würden die jährlichen CO2-Kosten bereits ungefähr 3.200 Euro übersteigen.

Vermieter müssen bis zu 95% der Zusatz-Kosten übernehmen – ja nach energetischem Zustand

Die Aufteilung der CO2-Kosten zwischen Mieter und Vermieter hängt von dem energetischen Zustand einer Immobilie ab: Bei sehr schlechter Energiebilanz (CO2-Ausstoß über 52 kg/m2) müssen Vermieter 95 Prozent der CO2-Kosten übernehmen.

Ist ein Haus bereits energetisch saniert und der Ausstoß beträgt nur bis zu 12 kg/m2, verbleiben die (geringen) Kosten vollständig bei den Mietern. Bei einem CO2-Ausstoß zwischen 32 und 37 kg/m2 teilen sich Mieter und Vermieter die Kosten gleichmäßig.

Bei dem oben genannten Beispiel in Hamburg müsste der Eigentümer im Fall einer Vermietung nach dem gültigen 10-Stufenmodell 95 Prozent dieser Kosten selbst tragen – also je nach Szenario zwischen ca. 13.800 Euro und 100.600 Euro pro Jahr.

Dabei gilt: Je größer eine Immobilie und je schlechter der energetische Zustand eines Gebäudes, desto höher fallen die Kosten aus – und bei Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz können die zusätzlichen Kosten kaum auf Mieter umgelegt werden.

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Haushalte mit Öl- und Gasheizung besonders vom CO2-Preis betroffen

Eine neue Auswertung des Berliner Solaranlagen-Anbieters Enpal kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In der Analyse untersuchte Enpal die resultierenden Mehrkosten für einen Vier-Personen-Haushalt mit 95 Quadratmetern Wohnfläche.

Der Energieverbrauch der Haushalte wurde basierend auf Werten der Verbraucherzentrale berechnet. Dafür wurden die Energieeffizienzklassen C und G zugrunde gelegt. Der CO₂-Ausstoß der Heizungen wurde basierend auf den Emissionsfaktoren im Gebäudeenergiegesetz berechnet.

Bei Gasheizungen in der Gebäudeeffizienzklasse C ergeben sich jährliche Mehrkosten von 125,40 Euro im Szenario 1, die bis auf 570 Euro im Szenario 3 steigen. In der schlechteren Effizienzklasse G fallen die Kosten deutlich höher aus: Von 313,50 Euro in Szenario 1 bis zu 1.425 Euro im teuersten Szenario.

Die Haushalte in Städten wie Wilhelmshaven (94,7 Prozent Gasanteil), Oldenburg (93,1 Prozent), Delmenhorst (89,5 Prozent), Neuwied (87,1 Prozent) und Witten (84,9 Prozent) sind aufgrund des hohen Anteils an Gasheizungen besonders vom CO2-Preis betroffen.

Auch bei Ölheizungen führen steigende CO2-Preise zu erheblichen Mehrkosten, die je nach Effizienzklasse stark variieren. Bei Gebäudeeffizienzklasse C liegen die Zusatzkosten zwischen 161,98 Euro im Szenario 1 und 736,25 Euro im Szenario 3.

In der schlechteren Effizienzklasse G steigen die Mehrkosten von 404,94 Euro bis auf 1.840,63 Euro im teuersten Szenario. Besonders betroffen sind Städte wie Schwäbisch Gmünd mit 28,1 Prozent, Offenburg mit 26,4 Prozent und Bergheim mit 25,4 Prozent Anteil an Ölheizungen.

Sanieren lohnt sich: Dämmung, Wärmepumpe und PV schützen vor hohen Kosten

„Eigentümer können aktiv gegensteuern. Der energetische Zustand einer Immobilie beeinflusst nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch die Kostenverteilung mit den Mietern. Wer jetzt saniert, profitiert doppelt: durch niedrigere Betriebskosten und mehr Planungssicherheit. Selbst bei älteren Gebäuden lassen sich mit dem richtigen Maßnahmenpaket die Belastungen deutlich senken. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von Gebäudeart, Standort und aktuellem energetischem Zustand ab,” erklärt Jenny Jürgens, ESG Managerin bei Purpose Green.

„Wir sehen täglich, wie stark steigende Energiekosten Haushalte belasten werden, wenn der ETS-2 greift. Deshalb raten wir, jetzt Förderprogramme zu prüfen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die langfristig vor hohen CO2-Kosten schützen – etwa durch den Einsatz einer Wärmepumpe, am besten kombiniert mit einer Photovoltaikanlage, und den Umstieg auf Elektromobilität. So lassen sich fossile Energieträger Schritt für Schritt ersetzen und die Haushaltskasse spürbar entlasten“, so Wolfgang Gründinger, Chief Evangelist Officer von Enpal.

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