Windenergieanlagen nehmen an Bedeutung zu und prägen in manchen Teilen Deutschlands bereits die Landschaft. Was in energetischer Hinsicht für die Energiewende als positiv zu werten ist, birgt für unterschiedliche Tierarten wie beispielsweise Fledermäuse auch Gefahren. Verschiedene Untersuchungen haben aufgezeigt, dass Fledermäuse an bestimmten Standorten von Windenergieanlagen besonders gefährdet sind. Ein neues Computerprogramm soll nun helfen, Windenergieanlagen so zu steuern, dass Fledermäuse besser vor den Rotorblättern der Windkraftanlagen geschützt werden.
Prof. Michael Reich vom Institut für Umweltplanung an der Leibniz Universität Hannover und sein Team untersuchen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg die Faktoren, die zum Tod der Tiere führen. Auf Basis der ermittelten Daten erstellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Computerprogramm, das es ermöglicht, einzelne Windenergieanlagen nach Bedarf an- und abzuschalten. In einem zweiten Schritt führen die Forscherinnen und Forscher an ausgewählten Standorten Modelluntersuchungen zur Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen mit den Rotorblättern der Windenergieanlagen durch.
In die Untersuchung fließen Jahres- und Tageszeiten, Temperatur, Standort und Wetterbedingungen ein, da diese Parameter Auswirkungen auf den Fledermausschlag haben. Diese Daten werden mithilfe von akustischen Detektoren im Gondelbereich, an dem die Rotorblätter befestigt sind, sowie aus der Anzahl der getöteten Tiere an der jeweiligen Anlage gewonnen. Die Zahlen werden unter Berücksichtigung der äußeren Umstände ins Verhältnis gesetzt. So kann ermittelt werden, in welchen Bereichen Fledermäuse besonders gefährdet sind.
Um aussagefähige Daten zu ermitteln, wurden deutschlandweit 70 Anlagen untersucht. Nach der Auswertung der Daten soll es möglich sein, Windenergieanlagen in Zehn-Minuten-Blöcken an- und auszuschalten. So wäre es möglich, auch an umstrittenen Standorten Windenergieanlagen zu errichten, wirtschaftlich zu betreiben und Fledermäuse dennoch zu schützen. In besonders gefährlichen Zeiten für die Tiere könnte die jeweilige Anlage punktgenau abgeschaltet werden.
Bei den Modelluntersuchungen zur Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen mit Rotorblättern prüfen die Forscherinnen und Forscher, ob das erwartete Ergebnis, das von ihrem entwickelten Computerprogramm berechnet wurde, mit der Realität übereinstimmt. Für die Testphase ist ein Jahr angesetzt. Ausführliche Ergebnisse werden im Sommer 2013 vorliegen. Sollte die Testphase erfolgreich verlaufen, wird eine breite und rasche praktische Umsetzung erwartet.