Letzte Aktualisierung: 30.08.2022

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Die Pellet-Preis-Rallye: Wie Kohlekraftwerke nicht nur das Klima anheizen

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Die Pellet-Preise sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. In welchem Ausmaß und mit welcher Geschwindigkeit verwundert sogar Branchenkenner. Einerseits heizt die hohe Nachfrage den Preis an. Andererseits sind Billigimporte aus Osteuropa weggebrochen. Und nun heizt auch der Gas- und Strompreis die Konkurrenz um den begehrten Holzpressling weiter an.

In europäischen Kohlekraftwerken (hier: Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg) werden immer mehr Pellets verheizt. Bei den hohen Erlösen am Strommarkt, lohnt es sich noch mehr, Pellets einzusetzen. Das treibt die Nachfrage und die Pelletpreise weiter an. (Foto: energie-experten.org)

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Der Pellet-Preis ist auf einem Rekordhoch. Im Vergleich zum Juli 2021 ist er im Juli 2022 um 125% gestiegen. Im August sogar um fast 200% im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres. Selbst Branchenkenner wie Martin Bentele, Geschäftsführer beim Deutschen Pelletinstitut (DEPI), sind verwundert:

"Nicht nur Pelletkunden sind von den heftigen Preissprüngen überrascht, auch innerhalb der Branche konnte sich bis vor kurzem niemand eine solche Situation vorstellen."

Als Grund dafür nennt das deutsche Pelletinstitut (DEPI) neben den gestiegenen Rohstoff- und Herstellungspreisen auch die "gestiegene Nachfrage".

"Es ist im Sommer 2022 außergewöhnlich, dass der Pelletpreis weiter steigt, da er um diese Jahreszeit normalerweise rückläufig ist. Die Gründe dafür liegen in den kriegsbedingten globalen Verwerfungen der Energiemärkte, deren Auswirkungen auch den Pelletmarkt treffen. Angesichts einer weiterhin zufriedenstellenden Rohstofflage in Deutschland ist die aktuelle Preissteigerung im Wesentlichen auf eine sprunghaft angestiegene Nachfrage sowie erhöhte Kosten bei Produktion und Transport der Holzpresslinge zurückzuführen", so das DEPI.

Tabelle: Entwicklung des bundesweiten Pelletpreises für 6 Tonnen (Quelle: DEPI)
Monat 2021 (in €/t) 2022 (in €/t) Veränderung zum Vorjahr
Januar 238,05 366,58 53,99%
Februar 236,45 373,86 58,11%
März 239,83 369,32 53,99%
April 226,74 377,21 66,36%
Mai 217,04 393,25 81,19%
Juni 221,35 431,56 94,97%
Juli 225,24 507,83 125,46%
August 231,97 682,98 194,43%
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Die Nachfrage: Bestand an Pelletheizungen stark gestiegen

In den Vergangenen zwei Jahren haben sich viele Menschen für den Einbau einer Pellet-Heizung entschieden. Waren die Zahlen vor 2021 noch relativ konstant - 2018 gab es 464.000 Pellet-Heizungen in Deutschland, 2019 waren es 492.000 und 2020 gab es 497.000 Pellet-Heizungen - stieg die Zahl im Jahr 2021, also vor dem russischen Überfall auf die Ukraine (Februar 2022), auf 570.000 an.

Angeheizt wurde die gestiegene Nachfrage durch ein mögliches "Verbot" von Öl- und Gasheizungen und den guten Förderbedingungen für Pellet-Heizungen. Der Anstieg des Gaspreises im Jahr 2022 hat dann zu einem weiteren Zubau von Pellet-Heizungen geführt.

Im Jahr 2022 gibt es bis jetzt schon 648.000 Pellet-Heizungen in Deutschland (Stand August 2022), nochmal knapp 80.000 mehr als noch im Vorjahr. Zum Vergleich: zwischen 2019 und 2020 wurden nur 5.000 neue Pellet-Heizungen installiert. Es ist also durchaus ein signifikanter Anstieg an Neukunden mit Pellet-Heizungen zu verzeichnen.

Und all diese Neukunden müssen natürlich ihre Speicher mit Holzpellets füllen. Hinzu kommt die Nachfrage der Bestandskunden, welche aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage ebenfalls gestiegen ist: "Viele Heizungsbetreiber bestellen Pellets auch ohne akuten Bedarf", so das DEPI.

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Das Angebot: "Uns fehlen 3,5 Millionen Tonnen Pellets"

"3,5 Millionen Tonnen Pellets aus Russland, Weißrussland und der Ukraine fehlen am europäischen Markt. Das führt bei gleichzeitig rasant steigender Nachfrage zu Preissteigerungen, Lieferverzögerungen und verunsicherten Kund:innen. Diese Verunsicherung führt wiederum zu Hamsterkäufen und vorgezogenen Bestellungen", erklärt proPellets Austria – der österreichische Förderverband von Pelletheizungen – die aktuelle Marktlage.

Die Rohstoff-Verknappung aufgrund des russischen Angriffskriegs bedeutet eine Zeitenwende für den Holzpelletsmarkt in Deutschland. Denn während der letzten beiden Jahrzehnte war der Pelletsmarkt eher von Überkapazitäten geprägt. Denn nachdem es auch in den letzten Jahren zu Preisspitzen kam, wurde die Produktion massiv ausgebaut, was wiederum den Wettbewerb deutlich anheizte und die Preise senkte.

"Wir sind jahrelang ‚hart am Wind gesegelt‘. Das sei bis ‚kurz vor die Pleite‘ gegangen", so der Geschäftsführer der Westerwälder Holzpellets GmbH aus Langenbach bei Kirburg in Rheinland-Pfalz in den firmeneigenen News. Erstmalig seit 23 Jahren verdiene die WWP wirklich etwas, so Markus Mann.

"Über Jahre wurde der Ausbau der Pelletwerke in Westeuropa durch Billigimporte aus Osteuropa verhindert. Leider bekommen alle Verbraucher nun die Rechnung dafür, auch wenn zahlreiche Kunden zuvor den heimischen Produzenten treu waren", so der Westerwälder Pellets-Hersteller.

Das hohe Preisniveau könne daher noch weitere Monate anhalten. Denn die osteuropäischen Importe zu ersetzen, ist nicht von heute auf morgen getan. Hierzu bedarf es hoher Investitionen.

"Ein Pelletwerk zu planen und zu errichten, dauert nun mal 2 bis 3 Jahre und daher wird sich der Markt vermutlich nicht vor 2024 wirklich beruhigen", so WWP. Zudem sind die Kosten für neue Produktions- und Logistikkapazitäten ebenso wie die Lieferzeiten deutlich angestiegen.

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Die Konkurrenz: Hohe Strompreise heizen auch den Pelletpreis an

Rund 34 Millionen Tonnen Holzpellets werden in Europa bereits pro Jahr in privaten Heizanlagen, bei gewerblichen Kunden sowie in Kraftwerken genutzt, so der Verein proPellets Austria.

Beim sogenannten Co-Firing werden Holzpellets in Kohlekraftwerken mitverbrannt, um die CO2-Bilanz dieser Kraftwerke zu verbessern. Und die Verbrennung von Holzpellets in Kohlekraftwerken wird jetzt durch die hohen Preise am Gas- und Strommarkt immer lukrativer.

Westerwälder Holzpellets rechnet vor: "Bei einem Strompreis von 600 €/Megawattstunde kann ein Kohlekraftwerk mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 35 % einen Holzpelletpreis von 1.050 €/t (netto) zahlen."

Da ein Kohlekraftwerk so gut wie keine Qualitätsanforderungen an Pellets stelle, sei es für viele große Importeure attraktiv, die Pellets unkompliziert an Kraftwerke zu verkaufen als den Endverbraucher-Handel zu beliefern.

Schuld an der Pellet-Preis-Rallye sind demnach auch die aktuell hohen Börsenstrompreise für Strom, die durch das Merit-Order-Prinzip wiederum vom hohen Gaspreis bestimmt werden. Eine fossile Energiepreisspirale, die jetzt auch Heizungsbesitzer trifft, die mit Holzpellets dem Klima eigentlich was Gutes tun wollten.

Energiekonzerne machen dadurch gegenwärtig Milliardengewinne. Besonders anschaulich führt Wolf-Peter Schill, stellvertretender Leiter der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin, diese Situation in einem Tweet vor Augen:

"Für die Abschaltung des Kraftwerks Moorburg hat Vattenfall 2021 via BNetzA-Ausschreibung weniger als 100 Millionen Euro bekommen. Wäre das Kraftwerk noch am Netz, könnte die Firma alleine mit dem heutigen Baseload-Future für das Jahr 2023 ungefähr 9 Milliarden (!) Euro erlösen."

Zumindest Kohlekraftwerken als Preistreiber auf dem Pelletmarkt könnte zukünftig die Luft ausgehen. Denn das Bundeswirtschaftsministerium als auch die EU prüfen gerade, wie der Stromhandel so reformiert werden könnte, dass nicht mehr der teuerste Erzeuger für den letztlichen Marktpreis ausschlaggebend ist. Wird der Strompreis quasi vom Gaspreis entkoppelt, könnte auch der Erlös der Kohlekonzerne wieder sinken und die Nachfrage nach Holzpellets senken helfen.

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