Letzte Aktualisierung: 14.04.2022

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Droht ein Crash am THG-Quoten-Markt?

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Seit Jahresbeginn herrscht Goldgräberstimmung: Auf dem Markt für den THG-Quotenhandel drängen seit Anfang 2022 viele neue Vermittler. Dazu zählen etwa Stromanbieter, Start-ups und auch die Mineralölkonzerne selbst. Sie bündeln die THG-Quoten der E-Autobesitzer, lassen sich diese vom Umweltbundesamt bestätigen und können dann die Quote frei an Mineralölkonzerne verkaufen. Die praktische Abwicklung könnte jedoch Risiken bergen.

Dieses Bild zeigt den Ladeanschluss eines rot lackierten Elektroautos

Der THG-Quoten-Markt boomt. Immer neue Vermittler bieten ihre Dienste an. Insider befürchten allerdings, dass nicht jeder Vermittler seine Prämien-Versprechen auch halten kann. (Foto: energie-experten.org)

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Neue Vermittler verschärfen den Wettbewerb

Theoretisch ist der THG-Quoten-Handel eine gute und auch sichere Sache. Denn einzeln wären die Transaktionskosten zu hoch und der Preis würde wenn überhaupt sehr niedrig ausfallen. Auch gut: Viele neue Quoten-Vermittler treten in Wettbewerb zueinander, sodass der E-Autofahrer letztlich profitieren dürfte.

Doch es gibt auch Hürden: So muss jeder Vermittler eine bestimmte Anzahl an E-Autobesitzern dazu bewegen, seine/ ihre Quote über den Anbieter vermitteln zu lassen und das bei jedem Verkauf erneut - zu Jahresbeginn dürfte dies noch leicht gewesen sein.

Wer weniger Emobilisten überzeugen kann, kann seine Quoten letztlich nicht am Markt verkaufen bzw. nur mit deutlichen Abschlägen. Für die „First Mover“ war diese Hürde anfänglich aber sicher leicht zu nehmen.

Mit zunehmendem Wettbewerb am THG-Quoten-Markt steigen zudem die avisierten Auszahlungsversprechen – aktuell sind garantierte Auszahlungen von 350€ nahezu Standard. Und gleichzeitig steigen die Akquisekosten für Werbung und die Affiliate-Provisionen für die Vermittler der Vermittler.

All das führt dazu, dass es neue Online-Vermittler schwerer haben dürften, über die Marke von rund 1.000 registrierten E-Auto-Besitzern zu kommen, was wiederum geringere Auszahlungen oder einen langwierigeren Prozess bedeutet.

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Betrüger könnten Quoten doppelt verkaufen

Hinzu kommt ein formaler Knackpunkt, der zum Betrug verleiten könnte: Reicht der Vermittler seine gesammelten Fahrzeuge ein, so erhält dieser vom Umweltbundesamt ein pdf mit den bestätigten CO2-Äquivalenten. Dieses pdf kann der Vermittler dann an den Mineralölkonzern zum Marktpreis verkaufen. Nach dem Verkauf muss der Vorgang dem Hauptzollamt Frankfurt (Oder) angezeigt werden, sodass verhindert wird, dass die Einsparung doppelt veräußert wird.

Und genau hier liegt eventuell ein entscheidender Knackpunkt: Die Verkaufsmeldung beim Hauptzollamt in Frankfurt findet erst im ersten Quartal 2023 statt. In der gesamten Zwischenzeit könnten die Zertifikate theoretisch beliebig häufig verkauft werden. Diese Doppelverkaufs-Problematik könnte dazu führen, dass die Quoten nur für den Erstkäufer von Wert sind, alle anderen sind wertlos.

Der Schaden wäre hoch: Stellen Sie sich vor, Sie haben 1.200 Fahrzeugscheine eingesammelt, was in etwa 1.000 Tonnen CO2 Äquivalenten entspricht. In Deutschland gibt es ca. 80 verpflichtete Unternehmen, die am Kauf interessiert sein dürften.

1.200 Fahrzeugscheine haben auf dem THG-Quoten-Markt in etwa einen Wert von ca. 500.000€. Theoretisch könnten Kriminelle den Kunden maximale Ausschüttungen versprechen und die Zertifikate mehrfach verkaufen. So lange bis der Betrug auffliegt.

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Mineralölkonzerne könnten Risikoabschlag fordern

Dies könnte dann spätestens im Q1 2023 bei der Validierung durch das Hauptzollamt auffliegen. Dann könnte ein Ölkonzern Glück haben und die anderen sind die Geschädigten. Aufgrund der hohen Summen und gleichzeitig dem wenig personalintensiven Vermittlungsbusiness ist das eine Gefahr, die nicht unterschätzt werden sollte.

Dieses Risiko ist auch den Mineralölkonzernen bekannt. Sie werden vermutlich nur die THG-Quoten von vertrauenswürdigen Vermittlern – vornehmlich von ihren eigenen Vermittlern – kaufen. Oder eben hohe Nachlässe fordern. Sie könnten ihre Marktmacht dann auch dazu nutzen, Auszahlungen an die Vermittler zu drücken, die vergleichsweise wenige bestätigte E-Autobesitzer oder eine eben erst gegründete Gesellschaft vorzuweisen haben.

Eine Alternative wäre es lediglich, dass die Start-Ups die Zertifikate direkt auf einen Ölkonzern melden, in den meisten Fällen ein Datenschutzverstoß gegenüber dem Endkunden. Dann wird der Preis allerdings nicht durch Verhandlungen mit den Mineralölkonzernen am Markt gebildet, sondern steht bereits vorher fest. Auch auf diesem Wege dürften Ölkonzerne noch einmal zu günstigeren Konditionen an die THG-Quoten gelangen.

Ein weiteres theoretisches Risiko: Sind die Fahrzeugscheine einmal eingesammelt, so könnten diese evtl. jährlich eingereicht werden. Kriminelle Anbieter könnten somit den Fahrzeugschein zum 1.1.2023 erneut einreichen und für den eigenen Profit veräußern ohne, dass der Kunde davon etwas weiß. Laut Insidern gäbe es keine Validierungsmaßnahmen, die das verhindern würden.

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Tipp: So erkennen Sie seriöse Quoten-Vermittler

Hat der THG-Quoten-Händler etwas zu verlieren? Dies erkennen Sie einfach daran, ob der Anbieter ein reiner Poolinganbieter ist. In diesem Fall könnte ein Anbieter ein maximales Risiko eingehen, da der Service einfach Insolvenz anmelden kann. Anbieter die weitere Geschäftsfelder betreiben werden durch die THG-Quote nicht Ihre Kerngeschäfte riskieren.

Suchen Sie auch einfach nach der Adresse des Anbieters. Hat er überhaupt ein Büro oder wird der Service aus einem Wohnzimmer heraus betrieben? Kann man bei dem Anbieter anrufen?

Sie erhalten 30 bis 50€ Freundschaftswerbung? Dies bezahlt der von Ihnen geworbene Freund. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass auch Ihre garantierte Auszahlung um mindestens 30 bis 50€ zu gering ausfällt, da der Anbieter die Werbepauschale selbstverständlich in sein Angebot einkalkuliert.

Ein Vermittler wirbt mit den Empfehlungen seiner Kunden? Bis dato haben sehr wenige Veräußerungen stattgefunden. Eine Empfehlung könnte darauf hinweisen, dass es sich um gefälschte Rezensionen handeln könnte, gerade dann, wenn Sie in größerer Menge vorliegen.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit einem THG-Quoten-Händler, der uns auf vermeintliche Schwachstellen beim THG-Quotenhandel aufmerksam machen wollte und anonym bleiben möchte. Wir betonen daher, dass es sich um reine Vermutungen handelt. Es liegen uns auch keinerlei Hinweise vor, dass es am Markt Händler mit vorgenannten Absichten gibt. Zudem wollen wir den Händlern auch generell in keiner Weise ihre Seriosität absprechen, sondern lediglich auf vermeintliche Schwachstellen hinweisen.

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