Letzte Aktualisierung: 11.12.2025

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Gasnetz-Stilllegung: Netzkosten könnten um 1.000% steigen!

Die Stilllegung des deutschen Gasnetzes ist ein zentraler Teil der Energiewende hin zur Klimaneutralität bis 2045, da fossiles Erdgas zunehmend durch erneuerbare Energien (Fernwärme, Wärmepumpen) ersetzt wird. Viele Kommunen planen schrittweise Stilllegungen oder den Ausstieg aus dem Gasnetz, da der sinkende Verbrauch die Netzentgelte für die Verbleibenden stark erhöht, was den Weiterbetrieb unwirtschaftlich macht. Eine neue Studie hat nun die Mehrkosten berechnet, mit denen Besitzer von Gasheizungen rechnen müssen, wenn sie weiterhin mit Gas heizen.

Besitzer von Gasheizungen könnten bald in die Röhre gucken: Da viele zur Wärmepumpe wechseln, wird das Gasnetz für jeden Abnehmer immer teurer. Es drohen eine Verzehnfachung der Netzkosten! Die Gasnetzbetreiber sind hingegen fein raus: Denn dank flexibler Abschreibungsregeln können sie ihre gesamten Kapitalkosten, inklusive ineffizienter Investitionen, auf die Netzentgelte umlegen. (Foto: energie-experten.org)

Immer mehr Menschen steigen auf Wärmepumpen oder Fernwärme um. Daraus folgt: Das hunderttausende Kilometer lange Gasnetz muss von immer weniger Gaskund:innen finanziert werden. Die schrittweise Gasnetz-Stilllegung wird spätestens ab 2040 richtig teuer.

Die vom Umweltinstitut München e.V. beauftragte Studie des Fraunhofer-Instituts „Kosteneinsparungen einer frühen Gasnetzstilllegungsplanung“ hat das enorme Kostenrisiko für Gaskund:innen nun erstmals konkret beziffert: Bis 2045 könnten die Netzgebühren für einen typischen Drei-Personen-Haushalt auf bis zu 4.000 Euro pro Jahr steigen. Das entspricht einer Verzehnfachung der Netzgebühren!

Frühe Gasnetz-Stilllegung spart Milliarden - neue Studie warnt vor spätem Handeln

Das Fraunhofer-Institut IFAM hat im Auftrag des Umweltinstituts München die Kostenfolgen der Gasnetz-Stilllegung untersucht – und kommt zu einem klaren Befund: Wer die Gasnetzstilllegungsplanung aufschiebt, treibt die volkswirtschaftlichen Kosten in die Höhe und belastet am Ende vor allem die letzten, häufig vulnerablen Haushalte.

Kernbotschaft der Kurzstudie: Eine frühe, verbindliche Stilllegung der Gasnetze kann die diskontierten Gesamtkosten der Netze um bis zu 20 Prozent senken und den später nötigen staatlichen Förderbedarf mehr als halbieren.

EU-Richtlinie zwingt zum Ausstieg aus den Gasverteilnetzen

Auslöser der Analyse ist die neue EU-Gasbinnenmarktrichtlinie (EU 2024/1788). Sie verlangt, dass Gasverteilnetzbetreiber Stilllegungspläne vorlegen, sobald ein deutlicher Rückgang der Erdgasnachfrage absehbar ist. Deutschland setzt dies über eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG-E) um.

Der Entwurf von November 2025 knüpft die Pflicht zur Gasnetzstilllegungsplanung an Langfristprognosen der Nachfrage. Genau hier sieht die Studie ein zentrales Risiko: Die Prognosen bieten Spielräume und Unsicherheiten. Netzbetreiber entscheiden damit weitgehend selbst, wann sie den Startschuss für die Gasnetz-Stilllegung geben – ohne selbst ein Kostenrisiko zu tragen. Denn dank flexibler Abschreibungsregeln können sie ihre gesamten Kapitalkosten, inklusive ineffizienter Investitionen, auf die Netzentgelte umlegen.

Die Forscher:innen sprechen von einer „Risiko-Asymmetrie“ zwischen Netzbetreibern und Netznutzern: Späte Gasnetz-Stilllegung verursacht Zusatzkosten, die von einer immer kleineren Kundengruppe getragen werden müssen, während Netzbetreiber finanziell abgesichert sind.

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Modellnetz zeigt: Netzentgelte verzehnfachen sich bis zur Gasnetz-Stilllegung

Grundlage der Studie ist ein synthetisches Modellnetz mit rund 30.000 Haushalten und einem jährlichen Gasabsatz von 450 GWh – typisch für ein mittleres Stadtgebiet. Bis 2045, dem Jahr der Klimaneutralität, wird die Gasnachfrage auf null heruntergefahren; anschließend wird das Gasnetz stillgelegt.

Die Grafik auf Seite 14 (Abbildung 1) zeigt, wie sich verschiedene Nachfrageverläufe – konvex, konkav oder „geteilt“ – auf den Gasausstiegspfad auswirken.

Für die zentrale Analyse wird ein geteilter Verlauf angenommen: Zunächst sinkt die Nachfrage nur langsam, beschleunigt sich aber deutlich, sobald die Gasnetz-Stilllegung angekündigt ist. In allen Varianten steigen die Netzentgelte massiv an.

Laut Abbildung 3 auf Seite 17 klettern sie von heute rund 2,33 ct/kWh auf etwa 22 ct/kWh in der letzten Regulierungsperiode vor 2045 – eine Verzehnfachung.

Ursache: Die Netzkosten sind weitgehend fix, werden aber auf immer weniger Gaskund:innen verteilt.

Gasnetz-Stilllegungsplanung 2027 vs. 2035: 25 % Mehrkosten bei spätem Start

Der zentrale Vergleich der Studie: Eine frühe Stilllegungsplanung ab 2027 wird einer späten Planung ab 2035 gegenübergestellt – bei gleichem Enddatum der Gasnetz-Stilllegung im Jahr 2045.

Die Balkengrafik in Abbildung 5 (Seite 18) macht deutlich: Wird die Gasnetzstilllegungsplanung erst 2035 angestoßen, steigen die diskontierten Gesamtnetzkosten um rund ein Viertel gegenüber einem Planungsbeginn 2027. Die Forscher bringen das auf die Formel: Frühzeitige Gasnetz-Stilllegung „vermeidet volkswirtschaftliche Zusatzkosten“.

Der Mechanismus dahinter wird in Abbildung 6 (Seite 19) sichtbar:

  • Zum Zeitpunkt der Stilllegungsplanung werden die Netzanlagen verkürzt auf das Zieljahr 2045 abgeschrieben – es kommt zu einem Sprung der Kosten nach oben.
  • Gleichzeitig ermöglicht frühe Planung, Investitionen und Betriebskosten früher und gezielter zurückzufahren. Über den ganzen Zeitraum betrachtet sinken dadurch die Netzkosten deutlich.
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Geordnete Gasnetz-Stilllegung als Schlüssel: CAPEX- und OPEX-Effekte

Die Studie arbeitet mit dem Konzept der „geordneten Stilllegung“: Ab dem Planungszeitpunkt reagiert der Verteilnetzbetreiber systematisch auf den angekündigten Rückzug aus dem Gasnetz.

Dazu gehören vier zentrale Effekte:

  1. Abschreibungseffekt („KANU-Effekt“) – Nutzung der neuen BNetzA-Regel KANU 2.0, die verkürzte und degressive Abschreibungen erlaubt und stranded assets vermeidet.
  2. Nachfrageeffekt – die glaubwürdige Ankündigung der Gasnetz-Stilllegung beschleunigt den Ausstieg der Kund:innen aus der Gasversorgung.
  3. CAPEX-Effekt – Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen werden drastisch reduziert; Neuanschlüsse und Netzerweiterungen werden unterlassen.
  4. OPEX-Effekt – Teilnetz-Stilllegungen senken sukzessive die Betriebskosten des Gasnetzes.

Gerade CAPEX- und OPEX-Effekt sind entscheidend für die Kostensenkung. Die Sensitivitätsgrafik in Abbildung 11 (Seite 23) zeigt: Wenn diese Effekte regulatorisch oder faktisch blockiert sind, lassen sich die Netzkosten kaum reduzieren, selbst wenn eine Stilllegungsplanung existiert. Die Gasnetz-Stilllegung würde dann zwar formal erfolgen, ökonomisch aber weitgehend wirkungslos bleiben.

Frühere Gasnetz-Stilllegung schützt „letzte Kunden“ vor Kostenexplosion

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Studie den sozialen Folgen der Gasnetz-Stilllegung. Denn am Ende bleiben in vielen Netzen vor allem Haushalte zurück, die sich den schnellen Umstieg auf Wärmepumpe oder Fernwärme nicht leisten können.

Die Doppelgrafik in Abbildung 7 auf Seite 20 zeigt, wie viele Haushalte im Gasnetz verbleiben und welche Netzkostenbelastung ein typischer Drei-Personen-Haushalt trägt. Bei später Gasnetzstilllegungsplanung steigen die jährlichen Netzkosten für die letzten Haushalte um den Faktor zehn – auf zusätzliche 3.000 bis 4.000 Euro pro Jahr.

Bei einem Planungsstart 2027 profitieren die vulnerablen Kundengruppen gleich doppelt:

  • Es verbleiben insgesamt deutlich weniger Haushalte im Gasnetz.
  • Der Netzentgeltanstieg fällt für die „letzten Kunden“ spürbar geringer aus.

Damit wird klar: Frühzeitige Gasnetz-Stilllegung ist nicht nur eine Effizienzfrage, sondern auch eine sozialpolitische Schutzmaßnahme.

Was eine „Netzentgeltbremse“ bei später Gasnetz-Stilllegung kosten würde

Um die sozialen Härten im Gasnetz-Rückbau zu dämpfen, skizziert die Studie eine mögliche „Netzentgeltbremse“. Kernidee: Der Staat setzt eine Preisobergrenze (POG) für Netzentgelte, beispielsweise 8 ct/kWh. Die Haushalte zahlen maximal diesen Betrag; alles darüber hinaus wird den Netzbetreibern aus öffentlichen Mitteln erstattet.

Mit folgenden Förderkosten wäre in Deutschland zu rechnen:

  • Planungsbeginn 2027: rund 1,6 Mrd. € Förderbedarf bei einer POG von 8 ct/kWh.
  • Planungsbeginn 2035: etwa 4,2 Mrd. € – also fast das 2,7-Fache.

Je niedriger die Preisobergrenze, desto stärker klaffen die Kosten auseinander: Bei 4 ct/kWh würden sich die Förderkosten bei später Gasnetz-Stilllegung auf rund 12 Mrd. € summieren, gegenüber 5 Mrd. € bei früher Planung.

Die Botschaft der Autor:innen ist eindeutig: Wer die Gasnetz-Stilllegung hinausschiebt, treibt auch die notwendigen Ausgleichszahlungen in die Höhe – zulasten des Staatshaushalts oder anderer Kundengruppen.

Regulierung: Ermöglichungsrahmen für Gasnetz-Stilllegung noch lückenhaft

Die Studie ordnet ihre Ergebnisse in den aktuellen Regulierungsrahmen ein:

  • KANU 2.0 der BNetzA erlaubt flexible Abschreibungen und reduziert das Risiko stranded assets – ein Baustein zur Vorbereitung der Gasnetz-Stilllegung.
  • Mit RAMEN Gas soll die Anreizregulierung so reformiert werden, dass Netzbetreiber, die Netze zurückbauen, nicht länger durch den Effizienzvergleich bestraft werden.
  • Der EnWG-Entwurf schafft erstmals rechtliche Grundlagen für Gasnetz-Stilllegung – inklusive der Möglichkeit, Neuanschlüsse abzulehnen und bestehende Anschlüsse zu kündigen.

Dennoch bleiben laut Gutachten entscheidende Lücken:

  • Die Pflicht zur Gasnetzstilllegungsplanung ist an Prognosen geknüpft, aber nicht an feste Fristen.
  • Prognosefehler oder zu optimistische Nachfrageannahmen werden nicht systematisch überprüft.
  • Verzögerungen bei der Umsetzung der Gasnetz-Stilllegung tragen fast ausschließlich die Netznutzer.

Die Autor:innen schlagen daher vor, verbindliche Einreichfristen für Stilllegungsplanungen einzuführen – analog zur kommunalen Wärmeplanung –, um die Risiko-Asymmetrie zwischen Netzbetreibern und Kund:innen zu verringern.

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Wenn die Gasnetz-Stilllegung nicht ernst genommen wird

Ein weiteres Ergebnis der Sensitivitätsanalysen: Die Vorteile früher Gasnetz-Stilllegung hängen stark davon ab, ob die Ankündigung glaubwürdig ist und ob der Regelrahmen konkrete Maßnahmen erlaubt.

  • Nachfrageeffekt: Die Studie zeigt, dass ohne beschleunigten Nachfragerückgang auch die Netzkosten langsamer sinken. Bleiben viele Kund:innen trotz angekündigter Gasnetz-Stilllegung „abwartend“, verpufft ein Teil der Einsparpotenziale.
  • CAPEX-/OPEX-Effekte: Ohne Investitionsanpassung und Teilnetz-Stilllegung sind die Netzkostenreduktionen minimal – die Gasnetz-Stilllegung bleibt ein Papiertiger.

Zum Vergleich führt die Studie ein „Business-as-usual“-Szenario ohne Gasnetzstilllegungsplanung durch. Die Mehrfachgrafik in Abbildung 14 (Seite 28) zeigt: Netzentgelte steigen auch hier stark an, zugleich bleiben nach 2045 erhebliche Restwerte im Netz („stranded assets“) zurück, die nicht mehr refinanziert werden können.

Fazit: Gasnetz-Stilllegung aktiv planen – nicht abwarten

Die Kurzstudie des Fraunhofer IFAM liefert eine klare Botschaft für Politik, Regulierung, Kommunen und Netzbetreiber:

  • Frühe, verbindliche Gasnetz-Stilllegung senkt die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten um bis zu 20 Prozent und schlägt sich in deutlich geringeren Netzentgelten für die letzten Kund:innen nieder.
  • Soziale Härten lassen sich durch frühzeitige Gasnetzstilllegungsplanung deutlich begrenzen – und ein möglicher staatlicher Förderbedarf zur Netzentgeltabfederung sinkt um mehr als die Hälfte.
  • Ohne klare Fristen und starke Regeln besteht das Risiko, dass Gasnetz-Stilllegung zu spät oder nur halbherzig erfolgt – mit hohen Zusatzkosten und politischem Druck für teure Rettungsmaßnahmen.

Für die Wärmewende bedeutet das: Gasnetz-Stilllegung ist nicht nur eine technische oder juristische Frage, sondern ein aktiver Steuerungsprozess. Wer heute ambitioniert plant, schützt morgen Haushalte, Kommunen und Staatshaushalt – und macht die Transformation bezahlbarer.

Hinweis: Da die Gasnetze wegen der Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien mittelfristig teilweise zurückgebaut werden, sollen 2026 Regelungen für einen geordneten Rückbau ins Energiewirtschaftsgesetz aufgenommen werden. Gasverbrauchern ist anzuraten, 2026 die jeweilige lokale Wärmeplanung genau zu verfolgen und darauf zu achten, ob und wo diese langfristig noch Gasnetze (z.B. für Wasserstoff und Biogas) vorsieht. Wo dies nicht der Fall ist, ist mittelfristig (in den nächsten zehn bis 15 Jahren) ein Rückbau der Gasnetze zu erwarten.

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