Letzte Aktualisierung: 26.08.2014

Anzeige

Hamburger Trinkwasser kühlt Hagenbecks Eismeer

Wer heute in Hagenbecks Tierpark der vorgeschlagenen Route folgt, dem bietet sich auf der Hälfte des Weges ein imposanter Anblick: Inmitten Hamburgs erhebt sich das neue Eismeer, das Pinguinen, Seebären, Walrossen, Eisbären, Kegelrobben und arktischen Seevogelarten als Gehege dient. Das Eismeer kann dabei nicht nur durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Über- und Unterwasserperspektiven und anspruchsvollem Edutainment punkten, sondern überzeugt auch durch ein ausgeklüngeltes Energiekonzept: Energietechnisches Highlight ist dabei die Kühlung des Eismeerwassers durch das Hamburger Grundwasser.

Anzeige
Die Kühlung des Eismeeres erfolgt durch das kühle Wasser aus Tiefbrunnen in der Nähe des Tierparks. (Foto: energie-experten.org)

Die Kühlung des Eismeeres erfolgt durch das kühle Wasser aus Tiefbrunnen in der Nähe des Tierparks. (Foto: energie-experten.org)

Brunnen des Wasserwerks Stellingen kühlen Eismeer

Das neue Hagenbecks Eismeer erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 8.000 m2 und spätestens wenn der Besucher in der unterirdischen Kältekammer bei ganzjährigen Temperaturen von 7 °C den Pinguinen bei der Livefütterung zusehen kann, vermutet man eine horrende Energierechnung. Doch das von geising + böker Architekten BDA erdachte Eismeerpanorama ist von einer Reihe technischer Energieinnovationen geprägt, die für einen effizienten und umweltfreundlichen Energieeinsatz sorgen. Die wohl interessanteste Lösung ist die CO2-neutrale Kühlungdurch Geothermie, die zusammen mit Hamburg Wasser konzipiert wurde. Hierzu wird das Wasser aus zwei Brunnen des Wasserwerks Stellingen zur Kühlung des Beckenwassers herangezogen.

Kühlwasser stammt aus mehr als hundert Metern Tiefe

Das sogenannte Rohwasser stammt aus zwei Filterstrecken, die mehr als 90 bis 140 Meter tief liegen und eine konstante Temperatur von etwa 11 Grad aufweisen. Dieses kalte Grundwasser gibt dann die Kälte über einen Lamellenwärmetauscher an einen Sicherheitskreislauf ab, der zum Eismeer fließt. Im Technikkeller des Eismeeres angekommen wird die Kälte des Hamburger Grundwassers vom Sicherheitskreislauf über einen weiteren Wärmetauscher an das Eismeerwasser abgegeben, das so auf ganzjährig rund 15 Grad Wassertemperatur runtergekühlt wird. Dies ist nicht nur im Sommer notwendig, sondern schützt auch im Winter vor einer Vereisung der Becken.

Der Kreislauf zwischen den beiden Wärmetauschern dient dabei als Sicherheitspuffer, um auszuschließen, dass das salzhaltige Eismeerwasser durch Leckagen mit dem Hamburger Grundwasser in Kontakt kommen kann. Die Pumpen, die rund 130.000 Liter pro Stunde umwälzen, um das 5,3 Millionen Liter umfassende Eismeer zu kühlen, werden dabei mit Solarstrom einer eigenen Photovoltaikanlage angetrieben.

Vor- und Nachteile einer geothermischen Trinkwasserkühlung

Ein Vorteil der Trinkwasserkühlung des Eismeeres ist, dass im Gegensatz zu einer klassischen Kühlung über Erdwärmesondenkeine Wärme zurück in den Boden eingeleitet wird. Dies ist nämlich insbesondere in Großstädten problematisch, die aufgrund der Siedlungsdichte bereits über höhere Bodentemperaturen verfügen und so die Mikrobiologie des Bodens als auch die des Grundwassers durch einen weiteren Temperaturanstieg verändern könnten.

Nachteilig ist, dass die Verknüpfung von Trinkwasserversorgung und Kältelieferung nicht flächendeckend eingesetzt werden kann. Dies liegt zum einen daran, dass sich Wasserwerke gewöhnlich in Wasserschutzgebieten befinden in deren Nähe sich keine Betriebe mit einem ähnlich hohen Kältebedarf befinden und sich die Installation längerer Kälteleitungen zu einem weiter entfernten Abnehmer nicht lohnen würde. Zum anderen würde eine mehrfache Kühlenergieentnahme entlang des Trinkwassernetzes das Risiko von Leckagen steigern und auch die Trinkwassertemperatur im Netz selbst leicht erhöhen und so die Wahrscheinlichkeit einer Keimbildung wie oben beschrieben erhöhen.

Sie haben eine Frage zu diesem Artikel? Wir sollten auch Ihre News bei uns veröffentlichen? Schreiben Sie uns unkompliziert eine Email an unsere Redaktion unter info[at]energie-experten.org

Wärmepumpe

Kostenlos Angebote von Wärmepumpen-Experten in Ihrer Nähe anfordern

Kostenlose Angebote anfordern:

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Heizung planen

    Mit unserem Heizungsplaner ermitteln Sie einfach online ein Heizungskonzept, das Ihre Heizwärmeanforderungen am Besten erfüllt. Dabei richtet sich die…

    Heizung planen
  • Solarrechner

    Mit unserem Online-Solarrechner können Sie sofort prüfen, ob sich Ihr Dach für eine Photovoltaik-Anlage technisch eignet und finanziell lohnt. Mit nur wenigen…

    Solarrechner
  • Dämmung berechnen

    Mit unserer Online-App "Dämmkostenrechner" ermitteln Sie in wenigen Schritten einfach & unkompliziert, welche Dämmung in welcher Dicke wie viel kostet, was sie…

    Dämmung berechnen