Mit einer auf drei Jahre befristeten Informations- und Werbekampagne für mehr Energieberatung und Investitionen in eine höhere Energieeffizienz im hessischen Mittelstand wollen die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern, der Hessische Handwerkstag, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen den Energieverbrauch und die Energiekosten in kleinen und mittleren Betrieben in Hessen senken.
Im Rahmen der Kampagne soll das Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft Hessen (RKW) pro Jahr mindestens 400 intensive Gespräche mit Mittelständlern führen und so jährlich in 150 Unternehmen Energieberatungen und Modernisierungen erreichen. Die Energieberatungen selbst sollen aus bestehenden Programmen gefördert werden wie beispielsweise über die KfW-Energieeffizienzberatung oder das Programm Hessen-PIUS (geförderte Beratung zum Produktionsintegrierten Umweltschutz) des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Kosten für die neue dreijährige Kampagne werden mit insgesamt 800.000 Euro angegeben.
"Die von Bund und Ländern angestrebte Erhöhung der Energieproduktivität um ein Drittel auf 2,1 Prozent pro Jahr ist äußerst ambitioniert. Um Erfolg zu haben, brauchen wir eine wahre Energieeffizienzrevolution, die einen Wachstums- und Beschäftigungsschub auslösen könnte. Dazu müssen Unternehmen noch konsequenter auf modernste Technik bei Pumpen, Antrieben und Kühlungen setzen", erklärte VhU-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender.
"In vielen Betrieben ist eine Steigerung der Energieeffizienz technisch und organisatorisch möglich", sagte Matthias Gräßle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern: "Derzeit ist die Bereitschaft zur Energieberatung noch viel zu gering. Wo eine Energieberatung stattfindet, werden in aller Regel auch energetische Modernisierungen vorgenommen, die sich binnen kurzer Zeit rechnen."
Harald Brandes, Geschäftsführer des Hessischen Handwerkstags, erklärte: "Die hessischen Handwerksbetriebe stehen bereit, um die von Energieberatern aufgezeigten Potentiale für einen geringeren Strom-, Wärme- oder Kältebedarf in den mittelständischen Handwerks-, Industrie- und Handelsunternehmen zu realisieren." Er ergänzte, dass auch die Gebäudeenergieberater des Handwerks Betriebe beraten können.
"Das RKW-Hessen verfügt über eine große, ständig aktualisierte Datenbank mit Energieberatern, deren Qualität von den Unternehmen nach Abschluss jeder Beratung bewertet wird. Dies setzt Leistungsanreize für die Berater und erhöht die Akzeptanz bei den Mittelständlern", sagte Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. Mit der Kampagne solle auch für die Möglichkeit der Information der Mitarbeiter für private Energieeffizienzmaßnahmen geworben werden, so Körzell.
"Die vorgeschlagene Initiative von Wirtschaft und Gewerkschaften für ein auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnittenes Energieeffizienz-Beratungsprogramm schließt eine vorhandene Lücke", begrüßt der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kai Klose, die vorgestellte Initiative. "Die Verwirklichung der Energiewende bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung. Deshalb müssen auch kleine und mittlere Unternehmen, deren Ausgaben für Energie weniger im Vordergrund des jeweiligen Betriebs stehen, zunehmend für das Thema sensibilisiert werden."
"Wir alle brauchen den Dreiklang aus Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Die gezielte Energieberatung ist ein wichtiger Schritt, um auch die mittelständisch geprägte hessische Wirtschaft auf diesem Weg mitzunehmen", so Klose. Zudem ermöglichten energetische Modernisierungen den Unternehmen Kostendämpfungen und einen Vorsprung auch im internationalen Wettbewerb. "Die Energiewende löst gleichzeitig einen Beschäftigungsschub aus, denn vielfach sind es gerade wiederum kleine und mittlere Betriebe, die von Maßnahmen z.B. der Gebäudesanierung und Maschinenmodernisierung profitieren."