Letzte Aktualisierung: 19.01.2016

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Neue BGR-Studie: Fracking ist ein "totes Pferd"

Trinkwasserschutz und Fracking sind aus geowissenschaftlicher Sicht miteinander vereinbar. Das ist ein Ergebnis der neuen Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) „Schieferöl und Schiefergas in Deutschland – Potenziale und Umweltaspekte“. Deutlich wird aber auch, dass die Bundesanstalt ihre eigenen Zahlen zu Schiefergas- und Schieferölpotenzialen von 2012 deutlich nach unten korrigieren musste. Mit einem weiteren Festhalten am Fracking setze die Bundesregierung laut Bündnis 90/ Die Grünen daher auf ein "totes Pferd". Denn selbst mit der umstrittenen Fracking-Methode könne Deutschland seine Importabhängigkeit von Öl und Gas nicht wesentlich verringern.

Viele kleinere Lagerstätten wie hier vor wenigen Jahren die Ölbohrungen in Speyer werden auch ohne Fracking weiterhin abgebaut. (Foto: energie-experten.org)

Viele kleinere Lagerstätten wie hier vor wenigen Jahren die Ölbohrungen in Speyer werden auch ohne Fracking weiterhin abgebaut. (Foto: energie-experten.org)

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat jetzt in einer neuen Studie "Schieferöl und Schiefergas in Deutschland - Potenziale und Umweltaspekte" eine vollständige Abschätzung des Potenzials von Schiefergas und erstmals auch von Schieferöl in Deutschland vorgenommen. Zusätzlich zu der Mengenabschätzung wurden aus geowissenschaftlicher Sicht mögliche Umweltrisiken untersucht, die beim Einsatz der Fracking-Technologie relevant sind. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass aus geowissenschaftlicher Sicht grundsätzlich der Einsatz der Fracking-Technologie kontrolliert und umweltverträglich erfolgen kann.

Hydrogeologische Modellierungen der BGR für geologische Formationen, die für eine Schieferöl- oder Schiefergasförderung grundsätzlich in Betracht kommen, ergaben: Injizierte Fracking-Fluide steigen aus dem tieferen Untergrund nicht in das Grundwasser auf, aus dem unser Trinkwasser gewonnen wird. Auch die künstlich durch Fracking erzeugten Risse im Gestein erreichen nach den Untersuchungen nicht die zur Trinkwassernutzung geeigneten Grundwasserschichten. Fazit der BGR-Experten: Gefahren für das Grundwasser bestehen bei der Auswahl geeigneter Standorte im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sowie der Einhaltung des Standes der Technik nicht.

Neben der Untersuchung der Umweltaspekte beim Fracking wurden in der neuen BGR-Studie auch die geologischen Ressourcen detailliert untersucht. Danach werden die nach heutigem technologischem Stand förderbaren Mengen auf 320 bis 2030 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Schiefergesteinen beziffert. Gegenüber der ersten vorläufigen Abschätzung der BGR im Jahr 2012, bei dem der Wert mit 700 bis 2300 Milliarden Kubikmeter angegeben war, hat sich das Ressourcen-Potenzial leicht verringert. Die Größenordnung dieser als nicht-konventionell bezeichneten Vorkommen übersteigt damit allerdings weiterhin deutlich Deutschlands konventionelle Erdgasreserven und -ressourcen von rund 90 Mrd. m3 bzw. 110 Mrd. m³ (inklusive Tight Gas).

Erstmals hat die BGR im Rahmen der Studie auch die Schieferöl-Ressourcen ermittelt. Danach verfügt Deutschland mit 13 bis 164 Millionen Tonnen über ein Potenzial, das in etwa der Größenordnung der konventionellen Erdölreserven (31 Millionen Tonnen) und Ressourcen (20 Millionen Tonnen) entspricht.

Im Unterschied zur ersten Abschätzung hat die BGR in ihrer Studie jetzt alle aus geologischer Sicht relevanten Gesteinsformationen für Schieferöl und Schiefergas erfasst. Bei sieben der betrachteten Formationen wurde ein Schiefergas- bzw. Schieferöl-Potenzial identifiziert. Die größten Potentiale sind im norddeutschen Becken – und hier vor allem im Posidonienschiefer in einer Tiefe von mehr als 1000 Meter – zu erwarten.

Bernd Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, und Johann Saathoff, zuständiger Berichterstatter, mahnen, diese Ergebnisse nicht vorschnell zu interpretieren: "Die Ergebnisse der Studie müssen genau angesehen und ausgewertet werden. Denn der Einsatz von Fracking wird an enge Voraussetzungen geknüpft: standortbezogene Untersuchungen über den geologischen Untergrund, hohe gesetzliche Umweltstandards und die Einhaltung von technischen Standards."

Dennoch sieht die SPD im Fracking auch Chancen: "Sowohl die konventionelle als auch die unkonventionelle Erdgasförderung kann einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und als Brückentechnologie auf dem Weg zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien dienen. Neben der Versorgungssicherheit können diese Ressourcen zu Preisstabilität, Arbeitsplatzsicherheit und Klimaschutz beitragen. Gleichzeitig können Know-how und die hohen technischen Kompetenzen in diesem Bereich erhalten und weiterentwickelt werden.

Dr. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik von Bündnis 90/ Die Grünen, sieht hingegen in den Studienergebnissen bestätigt, dass das Fracking-Potenzial viel zu gering sei, als dass es sich lohne würde, die mit dem Fracking verbundenen Risiken einzugehen: "Trotz ihrer Pro-Fracking-Brille muss die Bundesanstalt ihre eigenen Zahlen zu Schiefergas- und Schieferölpotenzialen von 2012 deutlich nach unten korrigieren. Sie erwarte keinen „Schiefergasboom, wie in Nordamerika“, so das Fazit. Deutschland werde auch in Zukunft seinen Erdgasbedarf zu weiten Teilen aus Importen decken müssen. Diese Schlussfolgerungen verdeutlichen: Die Bundesregierung setzt mit ihrer Absicht, Fracking in Deutschland grundsätzlich zu erlauben, auf ein totes Pferd. Denn selbst mit der umstrittenen Fracking-Methode könnte Deutschland seine Importabhängigkeit von Öl und Gas nicht wesentlich verringern.

Hinzu kommen laut Verlinden erhebliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch Fracking. Daran ändern auch die einseitigen Aussagen der BGR-Studie nichts. Ein Blick in die USA zeigt, dass es beim Fracking immer wieder zu unkontrollierten Grundwasserkontaminationen kommt. Auch in Niedersachsen führen uns Zwischenfälle bei der Erdgasförderung reale Umwelt- und Gesundheitsgefahren vor Augen. All diese Risiken blendet die BGR in ihrer Studie einfach aus. Die vermeintliche Entwarnung bezüglich der Umweltgefahren durch Fracking ist äußerst fahrlässig.

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