Letzte Aktualisierung: 29.11.2012

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Neue Braunkohlekraftwerke überflüssig

An allen drei Braunkohlestandorten (Rheinisches, Mitteldeutsches und Lausitzer Revier) gibt es Pläne zum Bau neuer Braunkohlekraftwerke sowie zum Aufschluss neuer Tagebaue. Eine Studie des DIW Berlin kommt zum Schluss, dass der Bau neuer Braunkohlekraftwerke sich aus betriebswirtschaftlicher Perspektive nicht lohnt. Unter Berücksichtigung von Übertragungsnetzrestriktionen sind die deutschen Braunkohlereviere zudem geographisch ungünstig gelegen. Nicht zuletzt erschwert die Nutzung der Braunkohle die Erreichung der CO2-Minderungsziele der Bundesregierung.

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Neue Braunkohlekraftwerke überflüssig - hier: Kumulierter diskontierter Cashflow des Kraftwerksneubaus (Grafik: DIW Berlin)

Neue Braunkohlekraftwerke überflüssig - hier: Kumulierter diskontierter Cashflow des Kraftwerksneubaus (Grafik: DIW Berlin)

Im Zuge der Energiewende und der angestrebten Dekarbonisierung des Energiesystems verändern sich die Rahmenbedingungen für die Verstromung fossiler Energieträger wie Braun- und Steinkohle, Erdgas und Erdöl. Neue Braunkohlekraftwerke sind daher überflüssig. Zudem würden es neue Braunkohlekraftwerke sogar erschweren, die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung zu erreichen. Daher gibt es in Deutschland auch keinen Bedarf, neue Braunkohletagebaue aufzuschließen, die genehmigten Abbaumengen reichen in allen Braunkohlerevieren aus, um die bestehenden Kraftwerke bis ans Ende ihrer Lebensdauer zu versorgen. Trotzdem seien betriebsbedingte Kündigungen in allen drei Braunkohlerevieren weitgehend vermeidbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Investitionsrechnungen und Modellen zum Kraftwerkseinsatz.

CO2-Zertifikate verschlechtern Wirtschaftlichkeit von Braunkohlekraftwerken

Derzeit sind in Deutschland 61 Braunkohleblöcke mit einer Nettoleistung von über 21 Gigawatt am Netz. Die Braunkohle hat seit 2010 mit rund 25 Prozent einen nahezu konstanten Anteil an der Stromerzeugung. Das Ende der kostenlosen Zuteilung von CO2-Zertifikaten, die ab 2013 versteigert werden, wird die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betreiber von Braunkohlkraftwerken künftig verschlechtern. Denn die Hoffnung, durch die Entwicklung einer CO2-Abscheide-, Transport- und Speicherungstechnologie (CCTS) den direkten CO2-Ausstoß der Braunkohlekraftwerke und damit deren Kosten für CO2-Zertifikate deutlich zu senken, hat sich nicht erfüllt.

Ungünstige geografische Lage der Braunkohlereviere

Der Neubau eines Kraftwerks ohne CO2-Abscheidung mit beispielsweise 1.100 Megawatt Leistung, einer Laufzeit von 40 Jahren, einer Kapitalbindung von 20 Jahren und Einbindung in das Stromnetz in 2015 würde gemäß der DIW-Investitionsrechnung einen voraussichtlichen Verlust von 426 Millionen Euro verursachen. Neben der schlechten wirtschaftlichen Prognose für neue Braunkohlekraftwerke fällt auch ihre ungünstige geografische Lage ins Gewicht: Die drei Braunkohlestandorte Rheinland, Mitteldeutsches Braunkohlerevier und Lausitz können wenig zur künftigen Deckung des Bedarfs beitragen, da der gewonnene Strom vor allem im Süden Deutschlands benötigt wird. Einschränkungen beim Netzausbau verhindern, dass Braunkohlestrom effizient nach Süddeutschland transportiert werden kann.

Geplanter Braunkohleabbau reicht zur Versorgung bestehender Kraftwerke

Die DIW-Analysen zeigen, dass in allen bereits genehmigten Abbaugebieten ausreichend Braunkohlereserven zur Versorgung der bestehenden Kraftwerke verfügbar sind. Nach dem voraussichtlichen Auslaufen der Stromgewinnung aus Braunkohle in rund 30 Jahren würden im Rheinischen Revier sogar zwei Milliarden Tonnen Rohbraunkohle verbleiben, in der Lausitz rund 260 Millionen Tonnen und im Mitteldeutschen Revier knapp 100 Millionen Tonnen. Der Aufschluss neuer Braunkohlegebiete ist also nicht notwendig, so das DIW. Die Wirtschaftspolitik sollte daher die betroffenen Energieregionen als Standort von Zukunftstechnologien stärken und sich für die Ansiedlung von Energieforschung sowie Pilotprojekten im Rahmen der Energiewende einsetzen. Betriebsbedingte Kündigungen sind in allen drei Braunkohlerevieren weitgehend vermeidbar.

Ausführliche Informationen zur neuen DIW-Studie finden Sie im neuen » DIW-Wochenbericht.

Fazit DIW Wochenbericht Nr. 48.2012: "Unter der Annahme, dass keine neuen Braunkohlekraftwerke gebaut werden und dass die bestehenden Kraftwerke bis ungefähr 2045 vom Netz gehen, besteht keine Notwendigkeit zum Aufschluss neuer Tagebaue. Szenariorechnungen zeigen, dass die bestehenden Kraftwerke aus den planerisch gesicherten Tagebaumengen problemlos beliefert werden können."

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