Letzte Aktualisierung: 29.11.2022

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Pflanzenkohle: Restholz-Pyrolyse dekarbonisiert thyssenkrupp-Standort

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thyssenkrupp rothe erde, einer der weltweit führenden Hersteller von Großwälzlagern, stellt nun Pflanzenkohle, so genannte Biochar, her. Dazu wird Restholz in einem Pyrolyseverfahren verkohlt. Die neue Karbonisierungsanlage ist in ihrer Dimension bundesweit einzigartig und integriert zum ersten Mal negative Emissionstechnologie in einem deutschen Industriekonzern.

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Abwärme des Pyrolyseprozesses versorgt jetzt den Produktionsstandort

"Wir nutzen die beim Pyrolyseprozess entstehende Wärme für unseren Produktionsstandort in Lippstadt und können damit rund 80% unseres Wärmebedarfs vor Ort decken", erklärt Dr. Wilfried Spintig, COO bei thyssenkrupp rothe erde. Diese erneuerbare Wärme ersetzt vormals fossile Energieträger. Zum Vergleich: die in der Anlage produzierte Wärme entspricht dem jährlichen Bedarf von knapp 300 Vier-Personen-Haushalten.

Als Ausgangsmaterial wird in Lippstadt unbearbeitetes und unbelastetes Holz eingesetzt, das zum einen aus Verpackungsresten, zum anderen aus entsprechend getrocknetem Grünschnitt besteht. Aus jährlich rund 2.500 Tonnen Restholz entstehen so über 5.300 MWh Wärme und rund 640 Tonnen Biochar, die unter anderem als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

"thyssenkrupp rothe erde wird bis 2050 klimaneutral sein, dafür sind wir ständig auf der Suche auch nach neuen Wegen, um die Dekarbonisierung bei uns umzusetzen", so Spintig. "Diese Anlage ist auch für uns ein Pilotprojekt und kann in unseren Augen ein Baustein für eine sinnvolle Starthilfe auf dem Weg zur Dekarbonisierung auch anderer Industrien sein."

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Verkohlung ist ein "doppeltes" Klimaschutz-Instrument

Das Carbon Removal Start-Up Novocarbo GmbH verantwortet die Qualitätssicherung des Produktionsprozesses, vertreibt die Biochar und erzeugt und vermarket die entstehenden Carbon Removal Zertifikate. Das Maschinenbauunternehmen PYREG GmbH aus Dörth lieferte und installierte mit der PX1500 die neuste Generation ihrer NetZero-Technologie.

Das Besondere: Nur zum Start der Anlage muss externe Energie zugeführt werden. Bei dem Verkohlungsprozess entstehen nämlich auch Gase, die die Anlage nach Erreichen der Betriebstemperatur von rund 700°C autotherm, also quasi von selbst am Laufen halten.

"Die Verkohlung ist insofern ein ‚doppeltes‘ Klimaschutz-Instrument: Sie schafft erneuerbare Energie und bindet das im Grünschnitt bereits sequestrierte CO2 dauerhaft in der Biochar", erklärt Jörg zu Dohna,CEO bei Pyreg.

Die Anlage trägt damit zum Carbon Dioxide Removal (CDR) bei, indem CO2 aus der Atmosphäre entnommen und anschließend dauerhaft gespeichert wird.

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Biochar als klimaschonendes Endprodukt

Würde man beispielsweise den Grünschnitt einfach verrotten lassen, würde das in ihm im Wege der Photosynthese gespeicherte CO2 klimaschädlich freigesetzt. Eine Tonne Biochar bindet dabei je nach Kohlenstoffgehalt und weiterer Verwendung circa 2,5 bis 2,8 Tonnen CO2.

Die Biochar entsteht in einem verbrennungsfreien Prozess. Wird sie dann etwa als Füllmittel in Baustoffen eingesetzt, landet das CO2 in einer permanenten Kohlenstoffsenke und ist über Jahrtausende sicher gespeichert, erklärt Caspar von Ziegner, CEO bei Novocarbo, Marktführer im Bereich Biochar.

Biochar wird hauptsächlich als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft, Torfsubstitut in der Erdindustrie, oder im Regenwassermanagement für blau-grüne Infrastrukturprojekte eingesetzt.

Zudem ersetzt die Biochar fossile oder emissionsstarke Ressourcen in der Industrie, zum Beispiel Formteile aus Kunststoff, Bodenbelägen oder als Zuschlagsstoff im Beton.

"Die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre in Kombination mit regenerativer Wärmeproduktion und den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Pflanzenkohle sind wichtige Puzzlestücke unserer klimaneutralen Gesellschaft von morgen", so der Novocarbo-CEO.

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