Letzte Aktualisierung: 07.09.2022

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Strom- & Gaspreisdeckel: Ist die Wärmepumpe der große Verlierer?

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Die Strompreisbremse soll Haushalte entlasten. In Österreich sollen dazu 80% des Durchschnittsverbrauchs zu 10 Cents pro kWh zur Verfügung stehen. In Deutschland stehen konkrete Zahlen aus. Ähnlich unklar ist, ob Haushalte mit Wärmepumpe und Elektroauto auch unter den Strompreisdeckel fallen. Falls nicht, drohen Ihnen hohe Stromkosten. Folgt auch noch ein Gaspreisdeckel, droht der Wärmepumpe ein wirtschaftliches Desaster.

Gas- und Strompreise werden deutlich teurer. Preisdeckel sollen jetzt helfen, Haushalte zu entlasten. Aber was ist mit Wärmepumpen? Gilt für sie nicht die Strompreisbremse, werden sie wirtschaftlich stark benachteiligt. (Foto: Bundesverband Wärmepumpe - BWP)

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Deutschland will auf europäischer Ebene eine Deckelung der "Zufallsgewinne" am Strommarkt einführen und so für Verbraucher eine Strompreisbremse finanzieren. Haushalte können dann einen Basisverbrauch an Strom zu einem günstigen Tarif beziehen. Wird mehr verbraucht, müssen Sie diesen zu den marktgängigen Konditionen bezahlen.

Konkrete Vorschläge zur Strompreisbremse in Österreich zeigen nun, dass der Mehrverbrauch von Wärmepumpen und Elektroautos nicht zum Basisverbrauch zählen könnte. Das wäre für deren Besitzer eine finanziell bittere Pille und könnte die Wärme- und Mobilitätswende gefährden.

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Deutsche Strompreisbremse bislang wenig konkret

Mit dem dritten Entlastungspaket plant die Ampel-Koalition auch Eingriffe ins Strommarktdesign. „Zufallsgewinne" am Strommarkt sollen abgeschöpft werden und damit eine Erlösobergrenze ("Strompreisbremse") finanziert werden.

Dazu soll ein Höchstwert für die Erlöse am Spotmarkt festgelegt werden. Der Differenzbetrag zwischen Großhandelspreis und Erlösobergrenze wird an den Verteilnetzbetreiber abgeführt. So soll der Merit-Order-Effekt justiert werden, der aktuell dafür sorgt, dass sehr teure Gaskraftwerke den Preis von allen Erzeugern definieren.

Die geplante Strompreisbremse soll dann für einen gewissen Basisverbrauch an Strom gelten. Wird mehr verbraucht, müssen Stromkunden dann den vertraglich vereinbarten Preis bezahlen.

Wie hoch letztlich die "Übergewinne" besteuert werden und was dann beim Endkunden ankommt ist bislang ebenso unklar wie überhaupt ordnungspolitisch in den Strommarkt eingegriffen werden soll.

Deutschland strebe in jedem Fall eine europäische Lösung an, sei aber auch zu einer nationalen Lösung entschlossen.

Österreich plant mit Deckel bei 2.900 kWh für 290 Euro

Wie genau ein Strompreisdeckel aussehen kann, wird in unserem Nachbarland Österreich deutlich. Wie der ORF berichtet, wird die Grenze zur Berechnung des subventionierten Basisstromverbrauchs auf 80% des durchschnittlichen Vorjahresverbrauchs eines österreichischen Haushaltes festgelegt.

Die Grenze liegt in Österreich damit bei 2.900 kWh. Für jeglichen Mehrverbrauch muss dann der aktuelle Marktpreis bezahlt werden. Da rund die Hälfte der österreichischen Haushalte weniger als 2.500 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbraucht, dürften viele Normalverbraucher profitieren.

Wie hoch letztlich der durch die Strommarkteingriffe finanzierte Basisstrompreis letztlich wird, ist auch in Österreich nicht klar. Verschiedene Medien berichten hier über einen Strompreisdeckel von 10 Cents pro kWh.

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Strompreise könnten bei Wärmepumpen und E-Autos voll durchschlagen

Orientiert Deutschland sich an der 80%-Regel, so liefen Besitzer von Wärmepumpen und Elektroautos Gefahr, leer auszugehen. Denn der Stromverbrauch z. B. einer 6 kW Luft/Wasser-Wärmepumpe und einer JAZ von 3 liegt allein durch die Wärmepumpe mit rund 5.000 kWh pro Jahr um ein Vielfaches höher als der subventionierte Grundverbrauch.

Gradmesser wie teuer es werden könnte, zukünftig mit dem Elektroauto zu fahren oder mit der Wärmepumpe zu heizen, sind die Konditionen von Neukundenverträgen:

  • Ein 2-Personen-Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 2.500 kWh muss bei Verivox im günstigsten Haushaltsstrom-Angebot heute bereits mit einem Arbeitspreis von 64,97 Cent pro kWh rechnen.
  • Bei Check24 zahlt man für einen 2-Tarif-Heizstrom aktuell einen Arbeitspreis (HT und NT) von 57,17 Cent pro kWh.

Legt man den durchschnittlichen Verbrauch eines Elektrofahrzeugs mit 15 kWh pro 100 km und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 km zugrunde, so müssen E-Autofahrer mittelfristig mit jährlichen Kosten von rund 1.500 Euro rechnen. Im Vergleich zu den hohen Spritpreisen von aktuell über 2 Euro pro Liter immer noch ein guter Wert. Dennoch liegen die Kosten rund doppelt so hoch wie im letzten Jahr.

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Kein Gaspreisdeckel ohne Strompreisdeckel für Wärmepumpen

Besitzer von Wärmepumpen müssten bei einem Stromverbrauch von 5.000 kWh allerdings bereits mit rund 2.900 Euro rechnen. Auch dies entspricht rund den doppelten Stromkosten im Vergleich zum Vorjahr. Da auch die Gaspreise stark gestiegen sind, ist das Verhältnis der Wirtschaftlichkeit im Vergleich zur Gasheizung aber ähnlich geblieben.

Gerade das könnte sich aber bei der Einführung eines Gaspreisdeckels, den die Europäische Union aktuell erörtert, um angesichts der vollständigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream die ausufernden Energiepreise im Zaum zu halten, ändern.

Dieser könnte ganz ähnlich ausgestaltet werden wie der österreichische Strompreisdeckel. Das DIW Berlin schlägt diesbezüglich vor, die gesenkten Gaspreise ebenfalls nur auf 80 Prozent des Vorjahresverbrauch zu beschränken und auf einen maximalen Verbrauch von 8000 kWh pro Kopf.

Würden die Gaspreise merklich subventioniert, dann wären nicht nur die absoluten Heizkosten mit einer Wärmepumpe drastisch gestiegen, sondern die Wärmepumpe verlöre im Wirtschaftlichkeitsvergleich deutlich an Attraktivität. Ein Gaspreisdeckel ohne einen Strompreisdeckel auch für Wärmepumpenheizungen würde der Wärmewende damit einen Bärendienst erweisen.

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