Letzte Aktualisierung: 22.08.2022

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THE veröffentlicht Gasumlage-Profiteure: Nicht alle sind in akuter Schieflage!

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Mit Spannung wurde erwartet, welche Unternehmen eigentlich die Gasumlage bekommen. Nun hat Trading Hub Europe die Profiteure veröffentlicht. Insgesamt haben sie 34 Milliarden Euro „angemeldet“. Nicht alle sind in einer akut finanziellen Schieflage.

Die Gasumlage verteuert nochmals das Gas für deutsche Gaskunden. Die Profiteure der Gasumlage sind aber nicht aller in akuter Existenznot, wie ein Blick in deren Bilanzen zeigt. (Foto: Ratfink1973 - Pixabay)

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Die Gasumlage, die ab 01.10.2022 von allen Gaskunden in Höhe von rund 2,59 Cents pro kWh brutto zusätzlich zum Gaspreis zu zahlen ist, soll Gasversorger vor der Pleite retten, damit nicht die deutsche Gasversorgung zusammenbricht. Wer nun tatsächlich diese Umlage erhält war bislang unklar. Nun hat Trading Hub Europe die Profiteure der Gasumlage in ihren FAQ veröffentlicht.

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12 Unternehmen haben 34 Milliarden Euro Mehrkosten angemeldet

Laut THE haben „insgesamt 12 Unternehmen (AXPO Solutions AG, DXT Commodities S.A., EWE Trading GmbH, ENET Energy SA, Gunvor Group Ltd., RWE Supply & Trading GmbH, OMV Gas Marketing & Trading Deutschland GmbH, SEFE Marketing & Trading Ltd, Uniper SE, Vitol SA, VNG Handel & Vertrieb GmbH, WIEH GmbH) entsprechende Meldungen und Prognosen an THE gemeldet.“

„Insgesamt haben die 12 Unternehmen rund 34 Mrd. als Prognosewert an THE gemeldet. Dies stellt noch keinen geprüften Anspruch dar, die tatsächlichen Werte der Unternehmen werden erst durch die weiteren monatlichen und testierten Werte in den Meldungen ggü. THE konkretisiert. Diese können höher oder niedriger liegen. Der genannte Wert ist ein Prognosewert“, so THE weiter.

Über 90 Prozent der 34 Milliarden Euro schweren Gasumlage zur Rettung von Gasimporteuren entfällt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf Uniper und Sefe. Uniper erhält rund zwei Drittel, rund 25 Prozent gehen demnach an die ehemalige Gazprom Germania und deren Hauptvertragspartner Wingas und VNG. RWE hat bereits angekündigt, keine Hilfen aus der Gasumlage in Anspruch nehmen zu wollen.

„Von den elf Unternehmen, die Ausgleichszahlungen über die Gasumlage beantragt haben, sind nur die wenigsten auf staatliche Hilfe angewiesen“, so das Handelsblatt. Während der Düsseldorfer Gasversorger Uniper die Hilfen dringend benötigt, kommen bei anderen Zweifel auf. Wie der Focus berichtet, seien die baden-württembergische EnBW, die österreichische OMV und die Schweizer Axpo weniger stark von der Gaskrise betroffen. Auch bei Gunvor und Vitol deute die Ertragslage nicht auf eine schwerwiegende Unternehmenskrise hin.

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Halbjahres-Ergebnisse werfen Fragen auf

So vermeldete EnBW erst am 12. August 2022 ein „stabiles Ergebnis zum Halbjahr 2022“. EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer: „Die weiterhin hohe Volatilität der Energiepreise an den Großhandelsmärkten stellt auch uns vor beträchtliche Herausforderungen. Die integrierte Aufstellung der EnBW entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette und unsere solide Innenfinanzierung sorgen hier jedoch für Stabilität. An unserer Jahresprognose auf Konzernebene halten wir daher fest, beobachten das anhaltend schwierige Marktumfeld dabei allerdings sehr genau.“

Dennoch ist auch EnBW betroffen: „Negativ wirkten Aufwendungen aus der Drosselung der russischen Gasliefermengen bei Tochterunternehmen und die daraus resultierenden hohen Ersatzbeschaffungskosten für die fehlenden Gasmengen“, so das Résumé der ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2022.

Der österreichische Mineralölkonzern OMV, ein börsennotierter integrierter Erdöl-, Erdgas- und Chemiekonzern mit einem Umsatz von etwa 17 Milliarden Euro, konnte sogar mit 3,4 Milliarden Euro überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 konnte die OMV ihren Halbjahresgewinn sogar verdoppeln. Wie das Momentum Institut weiter berichtet, zeigt eine Hochrechnung für das Gesamtjahr 2022 enorme Übergewinne. „Bei der OMV sind es 2,1 Milliarden Euro“, so die österreichische Denkfabrik.

Auch der Schweizer Energieversorger Axpo vermeldete „trotz Verwerfungen an Energiemärkten gutes Halbjahresergebnis“. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg von 515 Millionen auf über 1 Milliarde (1.094 Millionen) Schweizer Franken.

Christoph Brand, CEO von Axpo: „Das erste Semester des Geschäftsjahres 2021/22 war in vielerlei Hinsicht außerordentlich. Dank der internationalen Diversifikation unseres Geschäfts sowie den herausragenden Fähigkeiten und dem großen Einsatz unserer Mitarbeitenden gelang es uns, in diesem sehr anspruchsvollen Umfeld ein gutes Ergebnis zu erzielen.“

Gunvor (Gunvor Group Ltd), ein in Nikosia auf Zypern registriertes Ölhandelsunternehmen mit Sitz in Amsterdam, Genf und Singapur, hat eigenen Angaben zufolge einen Bruttoertrag im ersten Halbjahr 2022 von mehr als 2 Milliarden Euro erzielt. Und einen „Net profit“ von 841 Millionen Dollar.

Die Vitol-Gruppe, ein internationales Rohstoffhandelshaus mit Sitzen in Rotterdam und Genf, soll laut Reuters 2021 einen Reingewinn (Net profit) von 4 Milliarden Dollar erzielt haben.

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Fazit: Ist die Gasumlage das richtige Rettungsinstrument?

Angesichts der teilweise Milliarden-Gewinne stellt sich die Frage, ob der Gasumlage-Mechanismus wirklich gerecht ist. Denn auch Bürger, die bereits hoch belastet sind, müssen nun für Konzerne zahlen, denen es insgesamt teilweise anscheinend hervorragend geht.

Und beim genaueren Hinsehen ist auch fraglich, ob die Umlage überhaupt auch für Uniper ein geeignetes Instrument ist. Denn Uniper musste auch Darlehen zur Finanzierung der Pipeline Nord Stream 2 in Höhe von rund einer Milliarde Euro komplett abschreiben. Auch in Folge dessen hat sich der Konzern in Schieflage manövriert.

Zudem sind Fortum, der Mehrheitseigner von Uniper und Finnland, das rund 50 Prozent an Fortum hält, nicht bereit, Uniper mehr als die bereits zugesagten rund vier Milliarden Euro Barmittel und ebenso hohe Garantien zur Verfügung zu stellen.

Wieso muss dann der deutsche Gasverbraucher diese Zeche zahlen? Oder kann nicht der Staat Uniper ähnlich wie Lufthansa retten? Einfacher wäre eine direkte staatliche Beihilfe ohnehin, dann könne man sich zumindest die Gasumlage-Mehrwertsteuer-Maßnahme sparen.

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