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Geothermie-Heizwerk Schwerin-Lankow (Foto: energie-experten.org)

Geothermie-Heizwerk Lankow versorgt Schwerin mit klimafreundlicher Fernwärme

Am Heizkraftwerk in Schwerin-Lankow entstand seit April 2015 die erste Tiefengeothermieanlage der Stadt. Die entscheidende Phase für die Einrichtung der Förderbohrung begann im Oktober 2018: Das damalige Zielgebiet in 1.237 Metern Tiefe wurde erreicht. Zwei Monate später stoppte der Bohrer dann bei 1.296 Metern im Erdreich, nachdem er den sole-führenden Postera-Aquifer (Rhät-Sandstein) erfolgreich durchstoßen hatte. Es folgten die Stabilisierung der Rohrstängen und das Einsetzen von Gravelpack.

Statt der zuvor prognostizierten 30 Meter, erreichte der Aquifer eine Stärke von 40 Metern. Darüber hinaus verwiesen die Größe und außerordentlich hohe Wert der Durchlässigkeit des Gesteins (Permeabilität) auf ein höheres Fördervolumen. Auch die Soletemperatur übertraf mit 56° C die Erwartungen. Die ersten Pumpversuche waren somit vielversprechend.

Über eine 1.037 Meter lange Soleleitung gelangt die abgekühlte Sole von der Förderbohrung an der Geothermiezentrale am Standort HKW Lankow hin zur Injektionsbohrung am Sportpark Lankow. Dort wird die mit 145 Gramm pro Liter mit Salz versetzte Sole in ihre ursprüngliche, mittlerweile 1.311 Meter tiefe Gesteinsschicht zurückgeführt.

Am 28.04.2023 feierten die Stadtwerke Schwerin die offizielle Inbetriebnahme der ersten Tiefe Geothermie-Anlage. Gemeinsam setzten Bundeskanzler Scholz, Ministerpräsidentin Schwesig, Oberbürgermeister Badenschier, Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Wolf und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Kellner die Tiefenpumpe zur Förderung der warmen Sole per Buzzer-Druck in Gang.

Das Besondere an der Schweriner hydrogeothermischen Dubletten-Bohrung ist ihre spezielle Anpassung an die regionalen Gegebenheiten im Norddeutschen Becken. Denn die Sole ist zwar kontinuierlich warm. Allerdings mit 56°C nicht so warm, dass ihre thermische Energie ohne Weiteres zur Fernwärmegewinnung ausreichen würde.

Daher kommen vier Hochleistungs-Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 7,35 Megawatt ins Spiel, mit denen der vorhandene Temperaturbereich der 56°C warmen Sole optimal genutzt und zielgenau sowie umweltfreundlich nach oben hin angepasst werden kann. Mit Hilfe von Wärmetauschern lässt sich die thermische Energie auskoppeln, um im Anschluss durch die vier jeweils fast 9,5 Tonnen schweren Hochleistungs-Wärmepumpen vom Typ 61XWHHZE15 des Herstellers Carrier auf 82° C erhöht zu werden.

Je nach Außentemperatur kann die Wassertemperatur bedarfsweise an die benötigten Temperaturen im Schweriner Fernwärmenetz angepasst werden. Dazu wurden die vier Wärmepumpen in Reihe geschaltet. Das Warmwasser durchfließt alle Wärmepumpen der Reihe nach und wird dabei jeweils um ein kleines Stück erhitzt, bis es nach der letzten Wärmepumpe eine Temperatur von 70 bis 75°C erreicht hat.

Danach wird die Wärme zum Heizkraftwerk weitergeleitet, wo sie je nach Bedarf auf 80 bis 130°C erhitzt werden kann bevor sie in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Der Kreislauf schließt sich, in dem das abgekühlte Fernwärmewasser zur Geothermiezentrale zurück fließt und dort durch die Wärmepumpen erneut mit Erdwärme aufgeheizt wird. Diese Schaltung dient der Verbesserung der Effizienz der Gesamtanlage.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Geothermieanlage werden in Schwerin nun 15 % der Fernwärme klimaschonend durch den Einsatz diseer erneuerbaren Energie erzeugt. Insgesamt haben die Schweriner Stadtwerke 20,5 Mio. Euro investiert und bekamen 4,2 Mio. Euro Landesfördermittel mit einem Tilgungszuschuss von 2,6 Mio. Euro.

Tabelle: Chronik der Geothermie-Anlage Schwerin-Lankow
Datum Ereignis / Beschreibung
April 2015 Umzug von den Waisengärten nach Lankow: Nach drei Jahren Planung erfolgte die Verlegung des zunächst in den Waisengärten avisierten Geothermie-Projekts an den jetzigen Standort am Heizkraftwerk Lankow.
November 2015 1. Spatenstich - der alte Kohlebansen muss weichen: Spatenstich mit starker Symbolkraft - mit dem Abriss des alten Kohlebansens begannen die offiziellen Bauarbeiten zur Errichtung der Geothermie-Anlage in Schwerin Lankow.
Dezember 2015 Übergabe Fördermittelbescheid: Der damalige Energieminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Christian Pegel übergab Mitte Dezember zwei Zuwendungsbescheide in Höhe von insgesamt rund 9,2 Mio. Euro.
August 2016 Seismische Untersuchungen beginnen: Mit Hilfe seismischer Messungen sollten Daten über die genaue Beschaffenheit des Untergrundes gewonnen werden, die für die exakte Vorbereitung und Durchführung der Bohrungen notwendig waren. Dazu wurden mit Hilfe von Spezialfahrzeugen künstliche Vibrationen erzeugt.
Oktober 2018 Bohrstart für die Geothermie: Am 1. Oktober wurde auf dem Gelände neben dem Heizkraftwerk Lankow der Bohrer in Betrieb genommen.
Dezember 2018 Förderbohrung erreicht Zielgebiet: Der Bohrkopf hat sein Zielgebiet erreicht und positive Überraschungen zu Tage gefördert. Die geplante Bohrtiefe konnte verlängert werden und die vorgefundene Soletemperatur ist wärmer als prognostiziert. Erste Untersuchungen ließen auch den Schluss zu, dass die wasserführende Schicht ein größeres Ausmaß besitzt als erwartet.
Oktober 2020 Start der Arbeiten für die Injektionsbohrung: Am 5. Oktober wurde mit den ersten Arbeiten für die Verpressbohrung am Sportpark Lankow begonnen. Im Dezember 2020 konnte sich der Bohrkopf in Bewegung setzen.
März 2021 Injektionsbohrung erfolgreich getestet: Um die Aufnahmefähigkeit des Aquifers und die damit verbundene realisierbare Injektionsrate zu ermitteln, wurde im März 2021 ein Fördertest mit sehr guten Ergebnissen durchgeführt.
April 2022 Verlegung Soleleitung unter der Ratzeburger Straße: Im April 2022 wurde in Teilen mit einem speziellen Tiefbauverfahren an einem weiteren Meilenstein der Anlage gearbeitet. Mit der Verlegung der 1.037 Meter langen Soleleitung erfolgte die Verbindung bei der Bohrungen.
April 2023 Offizielle Inbetriebnahme: Die feierliche Inbetriebnahme erfolgte am 28. April im Beisein von rund 200 Gästen, unter ihnen zahlreiche Bundes- und Landespolitiker*innen. Die in der Anlage erzeugte geothermische Energie deckt zukünftig 15 Prozent des Schweriner Fernwärmebedarfs.
Steckbrief
Projektnummer:
3198
Objekt:
Tiefengeothermieanlage
Ort:
Schwerin-Lankow
Beteiligte Unternehmen:
Stadtwerke Schwerin
Hersteller:
Carrier Klimatechnik GmbH
Thermisch Heizleistung:
7.350,00 kW
Eingesparte Tonnen CO2 pro Jahr:
7.500,00
Baujahr:
2023


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Steckbrief
Projektnummer:
3198
Objekt:
Tiefengeothermieanlage
Ort:
Schwerin-Lankow
Beteiligte Unternehmen:
Stadtwerke Schwerin
Hersteller:
Carrier Klimatechnik GmbH
Thermisch Heizleistung:
7.350,00 kW
Eingesparte Tonnen CO2 pro Jahr:
7.500,00
Baujahr:
2023

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